#DigitaleKinderarbeit braucht Regeln

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Kinderarbeit ist in Deutschland verboten.

Dennoch gibt es Ausnahmegenehmigungen für Film- oder Fernsehaufnahmen, diese sind im Jugendarbeitsschutzgesetz klar definiert:

Kinder ab 6 Jahren dürfen bis zu drei Stunden täglich vor der Kamera stehen, Kinder ab 3 Jahren zwei Stunden. Für Kinder unter 3 Jahren kann keine Genehmigung erteilt werden.

Doch gilt dieses Gesetz auch für die sozialen Medien? Anscheinend nicht. Deswegen fordere ich von unserem Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, eine Überarbeitung des Jugendarbeitsschutzgesetzes und dessen Anpassung an zeitgemäße Plattformen, wie z.B. YouTube und Instagram. 

Denn dort arbeiten tausende Kinder und Jugendliche mit, oder auch für ihre Eltern. Neugeborene werben für Strampler, Zweijährige präsentieren extra-saugstarke Windeln oder müssen als Werbegesicht für Mamas neue Schmuck-Kooperation herhalten. Es werden ganze Accounts und Channels rund um das Leben des Kindes erstellt, gefüllt mit Productplacements und Rabattcodes, von niemandem reguliert oder bewacht: Außer den Eltern. 

Die Privatsphäre von Kindern bleibt im Influence-Auftrag sowieso auf der Strecke: Tutorials im Kinderzimmer, Hauls im Schlafanzug oder Follow-Me-Arounds im Badeanzug, direkt aus der Badewanne. Alles verpackt als riesengroßer Spaß, der angeblich vor allem von den Kindern selbst initiiert ist. Wer kontrolliert das?

Nicht selten vermarkten und instrumentalisieren Erwachsene ihre Schützlinge, um die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und den Geldbeutel zu füllen. Die Kinder stehen dabei unter emotionalem Druck: Fans und Follower wollen mehr Content, Eltern wollen mehr Content. 

Doch die Eltern sind im Interessenkonflikt: Sie sind nicht nur zuständig für den Schutz ihrer Kinder, sondern auch für den wirtschaftlichen Erfolg der produzierten Videos - wer also, ist die unbefangene, schützende Instanz? Die Eltern sicherlich nicht.

Das Phänomen der sogenannten “Mini-Influencer” ist neu, was nicht bedeuten kann, dass es weiterhin in der gesetzlichen Grauzone umherdümpelt. Wann ist Influencing mit Kindern schlicht ein Hobby und wann spricht man von Arbeit, und somit von Kinderarbeit?

Die bestehenden Gesetze müssen auf die Sozialen Medien angepasst werden: Wenn ein Kind eine wirtschaftliche Tätigkeit, wie z.B. eine Marken-Kooperation auf Instagram ausführt, ist das eine Form von Kinderarbeit. Deswegen muss in diesem Fall von den Eltern auch eine Ausnahmebewilligung bei der zuständigen Aufsichtsbehörde, vom bundesweit geltenden Beschäftigungsverbot für Minderjährige eingeholt werden.

Dass sich alle Eltern die ethische und moralische Frage stellen müssen, ob die digitale Arbeit des eigenen Kindes in Ordnung ist, sollte klar sein. Kinder gehören schließlich zu unserem Leben dazu und sind per se nicht von werblichen Aufnahmen auszuschließen. Doch braucht es darüber hinaus Regeln, die zum Schutz von Kindern, für alle gelten. Überall. Auch im Internet.

Zu meiner Person:

Bereits im März 2019 habe ich die Kampagne #DeinKindAuchNicht ins Leben gerufen, um auf die Verletzlichkeit von Privatsphäre und Persönlichkeitsrechten von Kindern im Netz aufmerksam zu machen.  (deinkindauchnicht.org)

Heute, ein paar Monate später, bin ich selbst Mutter geworden und kann deswegen erst recht nicht verstehen dass Rechte von Kindern im Internet kaum, bis gar nicht geschützt werden.

Ich fordere von unserem Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, eine Überarbeitung des Jugendarbeitsschutzgesetzes und dessen Anpassung an zeitgemäße Plattformen, wie z.B. YouTube und Instagram. 

Fotos: Delia Baum