

Vergütete Studienleistungen, (Pflicht-) Praktika und bezahltes Praxissemester!
Das Problem
Petition für vergütete Studienleistungen, vor allem der (Pflicht-)Praktika und des Praxissemesters ab Februar 2022
Wir plädieren für bessere Studienbedingungen durch die finanzielle Unterstützung und Wertschätzung angehender Lehrer*innen und anderer Akademiker*innen!
Ich selbst stand während des Veröffentlichungstages dieser Petition kurz vor dem Praxissemester im Master, welches mich vor existenzielle Fragen gestellt hat, da ich schon einen Master of Arts absolviert habe und mich nun im Zweitstudium befinde, um meine didaktischen Kenntnisse zu erweitern und im Anschluss verbeamtet werden zu können. Das bedeutet aber auch, dass ich mein jetziges Studium komplett selbst finanzieren muss, was sich nicht angemessen mit einem unbezahlten Vollzeitpraktikum mit einer Anwesenheitspflicht von mindestens 250 Zeitstunden und einer Pflicht der Planung und Durchführung von mindestens 20 Schulstunden vereinbaren lässt. Der Austausch mit Kommiliton*innen, die ihre existenziellen Ängste aufgrund der Studienbedingungen geäußert haben und ihre bewegende Einstimmigkeit zu diesem Thema, haben meine Motivation geweckt, um mich für eine Verbesserung der Zustände einzusetzen, auch für die allgemeinen Studienbedingungen aller anderen. Einige Studierende und andere freundliche Menschen teilen die Petition, wodurch wir hoffentlich bald so viele Unterschriften generieren können, dass die verantwortlichen Menschen nicht mehr wegsehen können.
Es ist nicht in Ordnung, dass Studierende sich dazu gezwungen sehen, ihre bisher studienfinanzierenden Nebenjobs zu kündigen, oder erst lange während der eigentlichen Studienzeit zum Sparen nebenbei arbeiten müssen, um sich später ein Pflicht-Praktikum in Vollzeit leisten zu können, ohne das sie ihr Studium nicht abschließen können, wobei es sich außerdem gezwungenermaßen verlängert.
Zudem ist es nicht menschenwürdig, Menschen in dieser Lage zu einem (ggf. weiteren) Kredit zu raten, oder es hinzunehmen, dass sie jeden Tag nach der Praktikumszeit zusätzlich anderweitig arbeiten, um sich nicht zu verschulden, obwohl sie, neben der Unterrichtsplanung, Zeit für praktikumsbegleitende Studienleistungen und ihre Forschungsprojekte aufbringen müssen, sowie für universitäre Seminare, die sie aus dem schulischen Alltag herausreißen. Ebenfalls ist es nicht okay, wenn sich in Vollzeit beschäftigte Studierende dazu gezwungen sehen, jedes Wochenende zu arbeiten, ohne Möglichkeit der Erholung, weil Ihnen während der Woche im Rahmen des Praktikums dazu keine Möglichkeit eingeräumt wird. Genau das sind Szenarien von (Lehramts-)Studierenden, die es motiviert bis ins Masterstudium geschafft haben, denen dann jedoch das Leben unnötig erschwert wird.
Im Interesse aller in Deutschland Studierenden, fordern wir alle ein bezahltes Studium, insbesondere die Vergütung von (Pflicht-)Praktika, einschließlich des Praxissemesters im Lehramtsstudium, da sich keine (studierenden) Personen mit existenziellen Ängsten beschäftigen sollten, weil dabei sowohl die Effizienz des Studiums/der Arbeit als auch die Gesundheit der Studierenden (oder anderweitiger Praktikant*innen) gefährdet werden. Rückwirkend bis einschließlich Februar 2022 fordern wir einen Beschluss der Verantwortlichen zugunsten aller Studierenden, zumindest Pflicht-Praktika betreffend.
Nicht nur ist ein unbezahltes Praktikum, in welchem (mehrere) Forschungsarbeiten gefordert und meist auch praktische Unterrichtsvorbereitungen und -Durchführungen inklusive Benotungen für das erfolgreiche Absolvieren erwartet werden, unangemessen, sondern es führt auch dazu, dass Lehramtsstudierende das langjährige Studium aus finanziellen Gründen abbrechen. Trotzdem wundern sich einige Menschen, warum ein Lehrer*innenmangel herrscht. Die genannte Situation stellt ganz sicher einen der wichtigen Faktoren für einen Lehramtsstudienabbruch dar und ist somit eine der Antworten, die einen Mangel an Lehrkräften begründet.
Die Wertschätzung, welche arbeitenden Menschen in Form einer finanziellen Vergütung entgegengebracht wird, fehlt in diesem Falle, was bei den Betroffenen zu keinerlei extrinsischer Motivation führt.
In skandinavischen Ländern ist die Politik der deutschen Bildungspolitik überlegen, da dort Studierende für ihre Studienarbeiten bezahlt werden. Dort ist keine Altersdiskriminierung oder Bildungsungerechtigkeit zu beobachten. Hierzulande sind sich dagegen sowohl Studierende als auch befragte Lehrende, inklusive Schulleiter*innen und Fachleiter*innen, darüber einig, dass das unbezahlte Praxissemester in sozialer Hinsicht ungerechtfertigt und untragbar ist.
Zudem wirkt die Kürzung des Referendariats von zwei bezahlten Jahren auf eineinhalb Jahre in Kombination mit dem unbezahlten Praxissemester, welches das Studium am Ende verlängert, wie ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass diese geldeinsparende Maßnahme auf Kosten der Studierenden, die auf das Praxissemester als Bedingung ihrer Lehramtsantwartschaft angewiesen sind, ungerechtfertigt wirkt.
Zudem besteht ein Zusammenhang zwischen finanziell abgesicherten Studierenden und den Auswirkungen auf ihre Lernmotivation und somit auf ihren Lernerfolg. Da finanziell sorglosen Studierenden mehr Zeit für eine vorbereitende (Selbst-)Bildung in didaktischer und fachlicher Hinsicht zur Verfügung steht, wenn sie nicht gleichzeitig anderweitig arbeiten und sich darum sorgen müssen, wie sie ihre Kleidung, Miete, Lebensmittel und andere Dinge bezahlen, die ein erfolgreiches, inklusives gesellschaftliches Leben erst ermöglichen, kann die Studienqualität bei gleicher intrinsischer Motivation nicht gleich der von existenziell besorgten Studierenden sein. Viele Studierende leben in Armut oder an der Armutsgrenze (laut WSI 1126 Euro/Monat, Stand 2020), sogar dann, wenn sie zusätzlich arbeiten gehen. Dabei haben nicht wenige zwei oder mehr Nebenjobs. Darunter kann die Studienqualität nur leiden, ebenso wie die Gesundheit der Studierenden.
Selbst wenn einige Studierende BaföG bekommen, ist ein Nebenjob meist unerlässlich, damit die laufenden Kosten bezahlt werden können. Viele Studierende bekommen kein Bafög mehr, oder bekommen von Anfang an gar keine finanzielle Hilfe und sind somit von ihren Eltern und deren Einkommen abhängig – und das als volljährige Erwachsene.
Viele Studierende sind außerdem bereits selbst Eltern und wissen nicht, wie sie sich und ihren Kindern ein sorgenfreies Leben ohne ständige Einschränkungen ermöglichen sollen, obwohl sie hart für ihr Studium arbeiten, nebenbei einen Job organisieren und ausführen müssen und zusätzlich für ihre Kinder da sein wollen. Besonders hart trifft es dabei Alleinerziehende!
Für eine soziale Bildungsgerechtigkeit fordern wir daher, dass Studierende fair vergütet werden, ohne sich verschulden zu müssen. Zumindest sollten sich die zuständigen Politiker*innen für bezahlte Praktika einsetzen, damit schnellere, qualitativ hochwertigere Studienabschlüsse gewährleistet werden können. Dies kann nur im Interesse eines nachhaltig und vernünftig agierenden Staates sein, der auf gute Lehrkräfte angewiesen ist, da Bildung in fortschrittlichen Ländern einen hohen Stellenwert hat.
Es sollte nicht an fleißigen Leuten gespart werden, die sich dadurch ausgebeutet fühlen und faktisch verschulden, falls sie vorher keine Sparmöglichkeit hatten, oder nicht zufällig in ein wohlhabendes Elternhaus hineingeboren wurden.
Erschwerend kommt in diesem Zusammenhang wieder hinzu, dass ein Praxissemester, aufgrund der inhaltlichen und zeitlichen Anforderungen, keinen Nebenjob erlaubt, der den Lebensunterhalt sichern könnte. Einige Lehramtsstudierende arbeiten zudem bereits als Vertretungslehrer*innen, um sich bestmöglich auf ihren angestrebten Beruf vorzubereiten und dem ansonsten drohenden Unterrichtsausfall vorzubeugen. Die selbst nach zwei Jahren Vertretungslehrtätigkeit noch befristeten Verträge können, selbst im glücklichen Fall einer Verlängerung, durch das Arbeitspensum im Praxissemester nicht im gleichen Umfang bestehen bleiben, sodass Studierende ohne finanzielle Hilfe keine Möglichkeit haben, es erfolgreich zu absolvieren.
Bisherige Studien haben außerdem ergeben, dass sich der Großteil der Lehramtsstudierenden einen höheren Praxisbezug im Praxissemester wünscht und demnach gerne mehr an Schulen arbeiten möchte, als weiterhin in erster Linie nur wieder beobachtend und forschend tätig zu sein, wie dies bereits im Eignungs- und Orientierungspraktikum der Fall war. Die Forschung würde einer aktiven Lehrtätigkeit nicht im Wege stehen, sondern durch den Abgleich mit der Arbeitsrealität mehr Reflexion und berufsvorbereitende Lerneffekte zulassen, was wiederum eine höhere Ausbildungsqualität und die Motivation der Lehramtsstudierenden fördern würde. Aus gegebenen Gründen liegt es daher auch im Interesse der Schulleiter*innen, studierende Vertretungslehrkräfte neu einsetzen, oder weiter beschäftigen zu können und damit einhergehend die Änderung der finanziellen Bedingungen eines Praxissemesters zu unterstützen.
Das im Februar 2022 anstehende Praxissemester für Lehramtsanwärter*innen hätte dringend einen Eilbeschluss im Sinne der sozialen Bildungsgerechtigkeit inklusive Chancengleichheit der Bürger*innen erfordert, welche durchschnittlich insgesamt mehr als 6,5 Jahre ihres Lebens dem Lehramtsstudium und dem darauffolgenden Referendariat widmen, um sich bestmöglich auf den Lehrer*innenberuf vorzubereiten.
In der Hoffnung, dass die neue Regierung ihren in der Regel hart arbeitenden Nachwuchs besser unterstützt, bitten wir die zuständigen Politiker*innen um einen schnellstmöglichen Beschluss, der zukünftigen Lehrkräften finanzielle Wertschätzung entgegenbringt.
Eine ähnliche Petition aus dem Jahre 2016 exponiert, dass aufgrund der immer noch andauernden Zustände bereits in der Vergangenheit Unmut bestand, da bereits damals ein unangemessener Umgang mit Lehramtsanwärter*innen beobachtet wurde. (Mehr Infos dazu finden Sie im folgenden Artikel https://www.blickfeld-wuppertal.de/oncampus/praxissemester-425-euro-monatlich-fuer-alle-lehramtsstudierenden und in der Petition selbst https://www.openpetition.de/petition/online/verguetung-des-praxissemesters-im-lehramtsstudium .)
Damals begründete das Ministerium die Absage einer finanziellen Hilfe für Nachwuchslehrkräfte damit, dass diese angeblich keinen eigenverantwortlichen Unterricht planen würden. Selbst, wenn dies der Fall wäre, sind Studierende zu anderen, eigenverantwortlichen Arbeiten im Rahmen des Praxissemesters gezwungen, ohne die sie das Studium nicht erfolgreich absolvieren können. So planen sie meist eigenverantwortlich ihren gesamten Stundenplan (wenn dieser nicht starr vorgegeben wird), ihre Forschungsarbeiten und Unterrichtsinhalte und übernehmen in der Realität teilweise ganze Unterrichtsreihen, oder zumindest mehrere Unterrichtsstunden, wobei einige sich sogar um die Benotung der Schüler*innen kümmern. Aufgrund der Tatsache, dass ein unvergütetes Praxissemester in den Master des Lehramtsstudiums integriert wurde, das ebenso wie das Referendariat von Zentren für schulische Lehrer*innenbildung (ZfsL) begleitet wird, obwohl ein ehemals bezahltes zweijähriges Referendariat auf eineinhalb Jahre gekürzt wurde, reicht die genannte Erklärung des Ministeriums, welche zudem die normalen Unterhaltskosten eines Menschen ignoriert, nicht aus.
Wenngleich insofern in die Ausbildung Studierender investiert wird, dass der Mehraufwand der Ausbilder*innen bezahlt wird, so sind diese Investitionen im vorliegenden Maße nicht sinnvoll angelegt, wenn sie zu niedrig angesetzt sind, Studierende nicht unterstützen und in der Konsequenz zu Studienabbrüchen und frustrierten Lehramtsanwärter*innen führen.
Wir fordern schnellstmöglich sowohl die fortschrittliche, kompakt nachvollziehbare und konkrete Erläuterung eines Beschlusses über die Wertschätzung Lehramtsstudierender in finanzieller Form als auch eine solche Beschlusserläuterung für ein generell vergütetes (Lehramts-)Studium, mit rückwirkender Gültigkeit bis einschließlich Februar 2022. Ausbildungen und Bildung im Allgemeinen sollten nicht von der Gunst Dritter abhängig sein, sondern eigenständig entschieden werden können. Wir sind dankbar für alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und möchten dabei als erwachsene Menschen mit autonomen Bedürfnissen wertgeschätzt werden, wie Sie doch sicherlich alle, liebe Leser*innen, inklusive Politiker*innen. ;) Bitte besinnen Sie sich und nehmen Sie einen Perspektivwechsel vor, der Sie die Not tausender Studierender in Deutschland begreifen lässt. Fördern Sie eine höhere Motivation angehender Lehrkräfte und anderer Akademiker*innen, indem Sie Ihnen die existenziellen Sorgen nehmen. Machen Sie die Bildungsqualität und die Chancengleichheit im Bildungssystem wahr, deren hohe Bedeutung uns in den Universitäten gelehrt und stets ins Bewusstsein gerufen wird!
Im Auftrag aller Interessierten bedanke ich mich im Voraus für jede Unterstützung unseres Anliegens und für die schnellstmögliche Rückmeldung des verantwortlichen Landesamtes.
Mit freundlichen Grüßen
R. Hohensee

6.047
Das Problem
Petition für vergütete Studienleistungen, vor allem der (Pflicht-)Praktika und des Praxissemesters ab Februar 2022
Wir plädieren für bessere Studienbedingungen durch die finanzielle Unterstützung und Wertschätzung angehender Lehrer*innen und anderer Akademiker*innen!
Ich selbst stand während des Veröffentlichungstages dieser Petition kurz vor dem Praxissemester im Master, welches mich vor existenzielle Fragen gestellt hat, da ich schon einen Master of Arts absolviert habe und mich nun im Zweitstudium befinde, um meine didaktischen Kenntnisse zu erweitern und im Anschluss verbeamtet werden zu können. Das bedeutet aber auch, dass ich mein jetziges Studium komplett selbst finanzieren muss, was sich nicht angemessen mit einem unbezahlten Vollzeitpraktikum mit einer Anwesenheitspflicht von mindestens 250 Zeitstunden und einer Pflicht der Planung und Durchführung von mindestens 20 Schulstunden vereinbaren lässt. Der Austausch mit Kommiliton*innen, die ihre existenziellen Ängste aufgrund der Studienbedingungen geäußert haben und ihre bewegende Einstimmigkeit zu diesem Thema, haben meine Motivation geweckt, um mich für eine Verbesserung der Zustände einzusetzen, auch für die allgemeinen Studienbedingungen aller anderen. Einige Studierende und andere freundliche Menschen teilen die Petition, wodurch wir hoffentlich bald so viele Unterschriften generieren können, dass die verantwortlichen Menschen nicht mehr wegsehen können.
Es ist nicht in Ordnung, dass Studierende sich dazu gezwungen sehen, ihre bisher studienfinanzierenden Nebenjobs zu kündigen, oder erst lange während der eigentlichen Studienzeit zum Sparen nebenbei arbeiten müssen, um sich später ein Pflicht-Praktikum in Vollzeit leisten zu können, ohne das sie ihr Studium nicht abschließen können, wobei es sich außerdem gezwungenermaßen verlängert.
Zudem ist es nicht menschenwürdig, Menschen in dieser Lage zu einem (ggf. weiteren) Kredit zu raten, oder es hinzunehmen, dass sie jeden Tag nach der Praktikumszeit zusätzlich anderweitig arbeiten, um sich nicht zu verschulden, obwohl sie, neben der Unterrichtsplanung, Zeit für praktikumsbegleitende Studienleistungen und ihre Forschungsprojekte aufbringen müssen, sowie für universitäre Seminare, die sie aus dem schulischen Alltag herausreißen. Ebenfalls ist es nicht okay, wenn sich in Vollzeit beschäftigte Studierende dazu gezwungen sehen, jedes Wochenende zu arbeiten, ohne Möglichkeit der Erholung, weil Ihnen während der Woche im Rahmen des Praktikums dazu keine Möglichkeit eingeräumt wird. Genau das sind Szenarien von (Lehramts-)Studierenden, die es motiviert bis ins Masterstudium geschafft haben, denen dann jedoch das Leben unnötig erschwert wird.
Im Interesse aller in Deutschland Studierenden, fordern wir alle ein bezahltes Studium, insbesondere die Vergütung von (Pflicht-)Praktika, einschließlich des Praxissemesters im Lehramtsstudium, da sich keine (studierenden) Personen mit existenziellen Ängsten beschäftigen sollten, weil dabei sowohl die Effizienz des Studiums/der Arbeit als auch die Gesundheit der Studierenden (oder anderweitiger Praktikant*innen) gefährdet werden. Rückwirkend bis einschließlich Februar 2022 fordern wir einen Beschluss der Verantwortlichen zugunsten aller Studierenden, zumindest Pflicht-Praktika betreffend.
Nicht nur ist ein unbezahltes Praktikum, in welchem (mehrere) Forschungsarbeiten gefordert und meist auch praktische Unterrichtsvorbereitungen und -Durchführungen inklusive Benotungen für das erfolgreiche Absolvieren erwartet werden, unangemessen, sondern es führt auch dazu, dass Lehramtsstudierende das langjährige Studium aus finanziellen Gründen abbrechen. Trotzdem wundern sich einige Menschen, warum ein Lehrer*innenmangel herrscht. Die genannte Situation stellt ganz sicher einen der wichtigen Faktoren für einen Lehramtsstudienabbruch dar und ist somit eine der Antworten, die einen Mangel an Lehrkräften begründet.
Die Wertschätzung, welche arbeitenden Menschen in Form einer finanziellen Vergütung entgegengebracht wird, fehlt in diesem Falle, was bei den Betroffenen zu keinerlei extrinsischer Motivation führt.
In skandinavischen Ländern ist die Politik der deutschen Bildungspolitik überlegen, da dort Studierende für ihre Studienarbeiten bezahlt werden. Dort ist keine Altersdiskriminierung oder Bildungsungerechtigkeit zu beobachten. Hierzulande sind sich dagegen sowohl Studierende als auch befragte Lehrende, inklusive Schulleiter*innen und Fachleiter*innen, darüber einig, dass das unbezahlte Praxissemester in sozialer Hinsicht ungerechtfertigt und untragbar ist.
Zudem wirkt die Kürzung des Referendariats von zwei bezahlten Jahren auf eineinhalb Jahre in Kombination mit dem unbezahlten Praxissemester, welches das Studium am Ende verlängert, wie ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass diese geldeinsparende Maßnahme auf Kosten der Studierenden, die auf das Praxissemester als Bedingung ihrer Lehramtsantwartschaft angewiesen sind, ungerechtfertigt wirkt.
Zudem besteht ein Zusammenhang zwischen finanziell abgesicherten Studierenden und den Auswirkungen auf ihre Lernmotivation und somit auf ihren Lernerfolg. Da finanziell sorglosen Studierenden mehr Zeit für eine vorbereitende (Selbst-)Bildung in didaktischer und fachlicher Hinsicht zur Verfügung steht, wenn sie nicht gleichzeitig anderweitig arbeiten und sich darum sorgen müssen, wie sie ihre Kleidung, Miete, Lebensmittel und andere Dinge bezahlen, die ein erfolgreiches, inklusives gesellschaftliches Leben erst ermöglichen, kann die Studienqualität bei gleicher intrinsischer Motivation nicht gleich der von existenziell besorgten Studierenden sein. Viele Studierende leben in Armut oder an der Armutsgrenze (laut WSI 1126 Euro/Monat, Stand 2020), sogar dann, wenn sie zusätzlich arbeiten gehen. Dabei haben nicht wenige zwei oder mehr Nebenjobs. Darunter kann die Studienqualität nur leiden, ebenso wie die Gesundheit der Studierenden.
Selbst wenn einige Studierende BaföG bekommen, ist ein Nebenjob meist unerlässlich, damit die laufenden Kosten bezahlt werden können. Viele Studierende bekommen kein Bafög mehr, oder bekommen von Anfang an gar keine finanzielle Hilfe und sind somit von ihren Eltern und deren Einkommen abhängig – und das als volljährige Erwachsene.
Viele Studierende sind außerdem bereits selbst Eltern und wissen nicht, wie sie sich und ihren Kindern ein sorgenfreies Leben ohne ständige Einschränkungen ermöglichen sollen, obwohl sie hart für ihr Studium arbeiten, nebenbei einen Job organisieren und ausführen müssen und zusätzlich für ihre Kinder da sein wollen. Besonders hart trifft es dabei Alleinerziehende!
Für eine soziale Bildungsgerechtigkeit fordern wir daher, dass Studierende fair vergütet werden, ohne sich verschulden zu müssen. Zumindest sollten sich die zuständigen Politiker*innen für bezahlte Praktika einsetzen, damit schnellere, qualitativ hochwertigere Studienabschlüsse gewährleistet werden können. Dies kann nur im Interesse eines nachhaltig und vernünftig agierenden Staates sein, der auf gute Lehrkräfte angewiesen ist, da Bildung in fortschrittlichen Ländern einen hohen Stellenwert hat.
Es sollte nicht an fleißigen Leuten gespart werden, die sich dadurch ausgebeutet fühlen und faktisch verschulden, falls sie vorher keine Sparmöglichkeit hatten, oder nicht zufällig in ein wohlhabendes Elternhaus hineingeboren wurden.
Erschwerend kommt in diesem Zusammenhang wieder hinzu, dass ein Praxissemester, aufgrund der inhaltlichen und zeitlichen Anforderungen, keinen Nebenjob erlaubt, der den Lebensunterhalt sichern könnte. Einige Lehramtsstudierende arbeiten zudem bereits als Vertretungslehrer*innen, um sich bestmöglich auf ihren angestrebten Beruf vorzubereiten und dem ansonsten drohenden Unterrichtsausfall vorzubeugen. Die selbst nach zwei Jahren Vertretungslehrtätigkeit noch befristeten Verträge können, selbst im glücklichen Fall einer Verlängerung, durch das Arbeitspensum im Praxissemester nicht im gleichen Umfang bestehen bleiben, sodass Studierende ohne finanzielle Hilfe keine Möglichkeit haben, es erfolgreich zu absolvieren.
Bisherige Studien haben außerdem ergeben, dass sich der Großteil der Lehramtsstudierenden einen höheren Praxisbezug im Praxissemester wünscht und demnach gerne mehr an Schulen arbeiten möchte, als weiterhin in erster Linie nur wieder beobachtend und forschend tätig zu sein, wie dies bereits im Eignungs- und Orientierungspraktikum der Fall war. Die Forschung würde einer aktiven Lehrtätigkeit nicht im Wege stehen, sondern durch den Abgleich mit der Arbeitsrealität mehr Reflexion und berufsvorbereitende Lerneffekte zulassen, was wiederum eine höhere Ausbildungsqualität und die Motivation der Lehramtsstudierenden fördern würde. Aus gegebenen Gründen liegt es daher auch im Interesse der Schulleiter*innen, studierende Vertretungslehrkräfte neu einsetzen, oder weiter beschäftigen zu können und damit einhergehend die Änderung der finanziellen Bedingungen eines Praxissemesters zu unterstützen.
Das im Februar 2022 anstehende Praxissemester für Lehramtsanwärter*innen hätte dringend einen Eilbeschluss im Sinne der sozialen Bildungsgerechtigkeit inklusive Chancengleichheit der Bürger*innen erfordert, welche durchschnittlich insgesamt mehr als 6,5 Jahre ihres Lebens dem Lehramtsstudium und dem darauffolgenden Referendariat widmen, um sich bestmöglich auf den Lehrer*innenberuf vorzubereiten.
In der Hoffnung, dass die neue Regierung ihren in der Regel hart arbeitenden Nachwuchs besser unterstützt, bitten wir die zuständigen Politiker*innen um einen schnellstmöglichen Beschluss, der zukünftigen Lehrkräften finanzielle Wertschätzung entgegenbringt.
Eine ähnliche Petition aus dem Jahre 2016 exponiert, dass aufgrund der immer noch andauernden Zustände bereits in der Vergangenheit Unmut bestand, da bereits damals ein unangemessener Umgang mit Lehramtsanwärter*innen beobachtet wurde. (Mehr Infos dazu finden Sie im folgenden Artikel https://www.blickfeld-wuppertal.de/oncampus/praxissemester-425-euro-monatlich-fuer-alle-lehramtsstudierenden und in der Petition selbst https://www.openpetition.de/petition/online/verguetung-des-praxissemesters-im-lehramtsstudium .)
Damals begründete das Ministerium die Absage einer finanziellen Hilfe für Nachwuchslehrkräfte damit, dass diese angeblich keinen eigenverantwortlichen Unterricht planen würden. Selbst, wenn dies der Fall wäre, sind Studierende zu anderen, eigenverantwortlichen Arbeiten im Rahmen des Praxissemesters gezwungen, ohne die sie das Studium nicht erfolgreich absolvieren können. So planen sie meist eigenverantwortlich ihren gesamten Stundenplan (wenn dieser nicht starr vorgegeben wird), ihre Forschungsarbeiten und Unterrichtsinhalte und übernehmen in der Realität teilweise ganze Unterrichtsreihen, oder zumindest mehrere Unterrichtsstunden, wobei einige sich sogar um die Benotung der Schüler*innen kümmern. Aufgrund der Tatsache, dass ein unvergütetes Praxissemester in den Master des Lehramtsstudiums integriert wurde, das ebenso wie das Referendariat von Zentren für schulische Lehrer*innenbildung (ZfsL) begleitet wird, obwohl ein ehemals bezahltes zweijähriges Referendariat auf eineinhalb Jahre gekürzt wurde, reicht die genannte Erklärung des Ministeriums, welche zudem die normalen Unterhaltskosten eines Menschen ignoriert, nicht aus.
Wenngleich insofern in die Ausbildung Studierender investiert wird, dass der Mehraufwand der Ausbilder*innen bezahlt wird, so sind diese Investitionen im vorliegenden Maße nicht sinnvoll angelegt, wenn sie zu niedrig angesetzt sind, Studierende nicht unterstützen und in der Konsequenz zu Studienabbrüchen und frustrierten Lehramtsanwärter*innen führen.
Wir fordern schnellstmöglich sowohl die fortschrittliche, kompakt nachvollziehbare und konkrete Erläuterung eines Beschlusses über die Wertschätzung Lehramtsstudierender in finanzieller Form als auch eine solche Beschlusserläuterung für ein generell vergütetes (Lehramts-)Studium, mit rückwirkender Gültigkeit bis einschließlich Februar 2022. Ausbildungen und Bildung im Allgemeinen sollten nicht von der Gunst Dritter abhängig sein, sondern eigenständig entschieden werden können. Wir sind dankbar für alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und möchten dabei als erwachsene Menschen mit autonomen Bedürfnissen wertgeschätzt werden, wie Sie doch sicherlich alle, liebe Leser*innen, inklusive Politiker*innen. ;) Bitte besinnen Sie sich und nehmen Sie einen Perspektivwechsel vor, der Sie die Not tausender Studierender in Deutschland begreifen lässt. Fördern Sie eine höhere Motivation angehender Lehrkräfte und anderer Akademiker*innen, indem Sie Ihnen die existenziellen Sorgen nehmen. Machen Sie die Bildungsqualität und die Chancengleichheit im Bildungssystem wahr, deren hohe Bedeutung uns in den Universitäten gelehrt und stets ins Bewusstsein gerufen wird!
Im Auftrag aller Interessierten bedanke ich mich im Voraus für jede Unterstützung unseres Anliegens und für die schnellstmögliche Rückmeldung des verantwortlichen Landesamtes.
Mit freundlichen Grüßen
R. Hohensee

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Petition am 13. Januar 2022 erstellt
