Petition updateKeine Abschiebungen nach Afghanistan!Zeichen der Hoffnung
Thomas Nowotny83071 Stephanskirchen, Germany
Dec 30, 2022

Liebe Freundinnen und Freunde,

Ein Jahr geht zu Ende, an dem jeden Tag ein Update hätte gefüllt werden können mit Hiobsbotschaften, Appellen und Aktionsvorschlägen.

Da sich diese Petition gegen Abschiebungen aus Deutschland nach Afghanistan richtet und diese immer noch ausgesetzt sind (und hoffentlich bleiben) und die Adressatin der Petition seit über einem Jahr nicht mehr im Amt ist, habe ich auf diese Updates weitgehend verzichtet. Aber die Möglichkeit, weiter mit den Unterstützenden der Petition zu kommunizieren, ist für mich der (einzige) Grund, dass ich die Petition noch nicht geschlossen habe. Gern können auch alle, die Aktionsvorschläge zu den unten genannten Themen haben, mir diese per Mail mitteilen (t.nowotny@onlinehome.de), und ich werde versuchen , sie auf diesem Weg weiterzugeben. 

Kurz vor Weihnachten ist ein Foto „viral“ gegangen – ein Ausdruck, den ich besonders in diesen Zeiten nicht leiden kann, wo so viele Viren viral gehen, dass Kindern wie Kinderärzt*innen buchstäblich die Luft wegbleibt.

Doch das Foto ist ein Zeichen der Hoffnung, und so etwas brauchen wir jetzt.

„Der Überlebende, der in den Händen sein Neugeborenes hält: Ein Foto erinnert an eine lebendige Weihnachtskrippe und geht in Italien viral.

'Das Gesicht tränenüberlaufen, während er sein wenige Monate altes Baby in Goldfolie eingewickelt hält, um es vor der Kälte zu schützen. Es ist das Symbolbild der letzten Ausschiffung von Migranten im Hafen von Roccella Ionica am vergangenen Samstag.

Das Foto, das der Fotograf Luca Daniele von einem Schiffbrüchigen eingefangen und in den sozialen Medien veröffentlicht hat, ging im Internet sofort viral. Beim Ansehen und Wiederansehen fiel es vielen schwer, nicht an den heiligen Josef und das Jesuskind in der Weihnachtsnacht zu denken, wie die Figuren einer lebendigen Krippe, die am Kai des Hafens Porto delle Grazie Wirklichkeit wurden, mit den Gesichtern der Protagonisten, die an eine zweitausend Jahre alte Geschichte erinnern. Ein Zeichen der Hoffnung und der Freude für diejenigen, die sie aufgenommen haben, und für diejenigen, die aufgenommen wurden.

‚Sie stammen aus Afghanistan‘, erzählt Luca. ‚Er fing an zu weinen, nachdem ein Freiwilliger ihm sein Baby in die Hand gedrückt hatte. Ich dachte: Weihnachten sagt einem wirklich nichts, wann es kommt‘. Völlig durchnässt, durchgefroren, aber zum Glück sicher.

So kamen die 91 Migranten an, die am Samstagnachmittag von der Küstenwache gerettet wurden, als sie an Bord eines Segelschiffs durch die stürmische See navigierten. Die Schiffbrüchigen, darunter Frauen und viele Kinder, wurden im Hafengebiet von Roccella aufgenommen und sind vorübergehend in einer von Freiwilligen des Roten Kreuzes betriebenen Zeltanlage untergebracht.

‚Die beste Art und Weise, den Welttag der Menschenrechte zu feiern‘, heißt es in einem Beitrag des Freiwilligenkomitees des Gebiets Locride, ‚besteht darin, heute wie gestern vor Ort zu sein, bereit und präsent mit Herz und Hand, um denen zu helfen, die, auf der Suche nach dem Leben allzu oft den Tod herausfordern‘.“ 

https://www.ilreggino.it/cronaca/2022/12/12/il-migrante-che-tiene-in-braccio-suo-figlio-lo-sbarco-di-roccella-diventa-un-presepe-vivente/

Foto: Luca Daniele

Übersetzung: News from the Med

 

Auch der wirklich heldinnenhafte Kampf von Frauen in Afghanistan und im Iran macht Hoffnung, selbst wenn die Taleban immer neue Einschränkungen verkünden. Dazu steht in der Augsburger Allgemeinen vom 28.12.2022 eine gute Analyse: 

Bildungs- und Arbeitsverbote für Frauen sind sogar unter den Taliban umstritten

VON SIMON KAMINSKI

Mit Erlassen wollen die Machthaber Mädchen und Frauen weitgehend von Bildung fernhalten. Die Afghanistan-Experten Reinhard Erös und Thomas Ruttig warnen vor den Folgen.

Kann es sich ein Staat leisten, rund die Hälfte der Bevölkerung weitgehend aus Bildungseinrichtungen auszuschließen und ihre Teilhabe am öffentlichen Leben stark zu beschränken? Natürlich nicht. Ultrareligiöse Taliban-Politiker in Afghanistan verfolgen dieses Ziel dennoch: Radikale Islamisten hatten Mädchen den Schulbesuch nur noch bis zur sechsten Klasse erlaubt und Frauen von den Universitäten des krisengeschüttelten Landes verbannt. Am Samstag folgte der zweite Schlag. Nun wurde angeordnet, dass Nichtregierungsorganisationen (NGOs) keine Mitarbeiterinnen mehr einsetzen dürfen, da es Verstöße gegen muslimische Kleidungsvorschriften gegeben habe. Maßnahmen, die an die rücksichtlose, brutale Politik der Taliban während ihrer ersten Herrschaft von 1996 bis 2001 erinnern. 

Der Ausschluss von Mitarbeiterinnen der NGOs hätte katastrophale Auswirkungen

Eine rigorose Umsetzung dieser Anordnungen hätte katastrophale Folgen für das Land – zumal mehrere Hilfsorganisationen ankündigten, ihr Engagement auszusetzen, wenn Frauen in ihren Reihen suspendiert werden müssten. Das Problem liegt auf der Hand: Nur Mitarbeiterinnen können Frauen und Mädchen helfen. Männlichen Kräften wird von den meisten Familien – gerade auf dem Land – der Kontakt zu Ehefrauen, Schwestern oder Töchtern verweigert. „Wenn die Hilfsorganisationen in der ohnehin schon wirtschaftlich chaotischen Situation dauerhaft ihre Arbeit einstellen, droht eine humanitäre Katastrophe“, sagt der Leiter der Kinderhilfe Afghanistan, Reinhard Erös, unserer Redaktion. Die von Erös gegründete Organisation betreibt im Osten des Landes Schulen, eine Universität in Nangarhar und medizinische Ausbildungseinrichtungen. 

Aktuelle Meldungen belegen, dass die jüngsten Einschränkungen auch unter den Taliban, die seit dem überstürzten Abzug einer militärischen Allianz unter Führung der USA im August 2021 an der Macht sind, umstritten sind. Die ARD zitiert aus einem vertraulichen Gesprächsprotokoll: Danach erklärte Taliban-Wirtschaftsminister Hanif in einem Treffen mit Ramis Alakbarow, UN-Koordinator für die Afghanistan-Hilfe, dass das Arbeitsverbot ausdrücklich nicht für den medizinischen Sektor und nicht für die UN gelte. Laut des Protokolls habe Hanif auch zugesagt, sich dafür einzusetzen, dass Frauen weiterhin für die NGOs tätig sein können. Der UN-Sicherheitsrat hatte die Taliban aufgefordert, alle Bildungsverbote aufzuheben und eine „Aushöhlung der Menschen- und Freiheitsrechte“ durch die Frauenpolitik der Machthaber kritisiert.

Die Taliban sind eine heterogene Gruppe

Der Mitbegründer der unabhängigen Denkfabrik Afghanistan Analysts Network, Thomas Ruttig, verfügt über Informationen, dass das Gesundheitsministerium zuvor bereits mitgeteilt hat, „dass medizinisches Personal nicht von den Verboten betroffen sei, Frauen also weiterarbeiten könnten." Zwar will Ruttig nicht von einem offenen Machtkampf bei den Taliban sprechen. Aber: „Es gibt einen Kern von ultrakonservativen Taliban um den obersten geistlichen Führer im Land, Emir Achundsada, der die Verbote erlassen hat. Sie geben die Positionen vor, und die Pragmatischeren haben bisher kaum öffentlich Kritik geäußert. Sie müssen jetzt aktiv werden. Allerdings könnten sie sich damit in Lebensgefahr bringen“, sagt Ruttig, der lange in Afghanistan gearbeitet hat, im Gespräch mit unserer Redaktion. 

Erös ist sich sicher, dass die besser gebildeten Minister unter den Taliban „gegen die Verbote sind“. Zu dieser Gruppe zählt er Gesundheitsminister Ibad, Verteidigungsminister Jakub oder Außenminister Muttaki, die in Kabul arbeiten. „Sie sind pragmatischer als die radikale Gruppe um den Emir Achundsada in Kandahar.“ 

Die Zeit drängt. „In Afghanistan haben wir jetzt einen Wintereinbruch, es droht erneut eine Hungersnot, die im Winter 2020/21 nur durch massive Unterstützung von Hilfsorganisationen verhindert werden konnte“, warnt Ruttig. Erös hofft, dass die Gruppe um Achundsada, die auch in der islamischen Welt völlig isoliert sei, nicht den „Tod von Hunderttausenden für ihre religiösen Dogmen in Kauf nimmt“.

Nach dem Wintereinbruch droht erneut eine Hungersnot

Unklar ist, wie es mit den Bildungseinschränkungen an Schulen und Universitäten weitergeht. „Die Ablehnung der restriktiven Politik der Taliban in der Bevölkerung ist potenziell sehr groß. Doch nur die Mutigsten wagen es, zu protestieren“, erklärt Ruttig. In Kandahar seien demonstrierende Studenten „brutal zusammengeknüppelt worden.“ 

Erös, der die Projekte der Kinderhilfe vor Ort mit aufgebaut hat, warnt vor den Folgen einer Politik, die Frauen ausschließt: „Wenn Mädchen nicht Abitur machen dürfen, können sie auch nicht mehr studieren und Ärztinnen werden. Wer soll dann kranke Mädchen oder Frauen behandeln? Dass sie zu männlichen Ärzten gehen, ist in Afghanistan undenkbar. Das zeigt schon, wie sinnlos das Verbot ist.“ 

 

Trotz der Bildungseinschränkungen durch die Taliban läuft der Unterricht in der Computerklasse der Kinderhilfe für Mädchen in Nangarhar bisher störungsfrei weiter.

 

Allerdings würden die Anordnungen nicht in allen der 34 Provinzen des sehr föderalistisch organisierten Landes mit seinen verschiedenen Ethnien greifen. In sechs bis sieben Provinzen seien die Beschränkungen nicht durchgesetzt worden. In den paschtunisch dominierten Regionen – die Taliban sind Paschtunen – dürften die Mädchen die Schule tatsächlich nur noch bis zur sechsten Klasse besuchen und nicht mehr in die Unis. Erös: „Das gilt auch für unsere Schulen. Wir haben aber erreicht, dass junge Frauen an unserer Universität in Nangarhar weiter studieren können. Auch die Ausbildung von Hebammen und Krankenschwestern geht weiter.“

Experten halten einen Stopp der Hilfsgelder aus Deutschland für falsch

Mit Unverständnis reagieren Thomas Ruttig und Reinhard Erös auf die Ankündigung von Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD), die Hilfe für das Land angesichts der Einschränkungen für Frauen bei den NGOs infrage zu stellen. „Das würde dem humanitären Imperativ widersprechen. Auch in Ländern, die diktatorisch regiert werden, muss Hilfe geleistet werden, wenn eine humanitäre Katastrophe droht“, sagt Ruttig. Erös nennt eine Einstellung der Hilfen einen „schweren Fehler – humanitär und politisch“. Wichtig sei vielmehr, dass Deutschland endlich wieder seine Botschaft in Kabul öffne. Dann gebe es einen Ansprechpartner. "Nur noch China, Russland und Pakistan haben Botschafter hier, der Westen ist diplomatisch gar nicht mehr präsent.“

 

Soweit die Experten Reinhard Erös und Thomas Ruttig in der Augsburger Allgemeinen.

Ich habe mich nach diesen Informationen entschlossen, einen größeren Betrag an die Kinderhilfe Afghanistan zu spenden. Bitte tut das auch, wenn möglich!

Vielen Dank.

KINDERHILFE AFGHANISTAN,
IBAN: DE08 7509 0300 0001 3250 00

NUR bei Überweisungen aus dem Ausland:
BIC: GENODEF1M05

Die Kinderhilfe schreibt: „Bitte geben Sie bei Ihren Überweisungen im Feld Verwendungszweck IMMER Ihren Namen und Ihre Adresse an. Nur so können wir Spendenbescheinigungen eindeutig zuordnen. Herzlichen Dank dafür!“

https://www.kinderhilfe-afghanistan.de/spendenkonto/
 

So viel für heute und für dieses Jahr. Ich wünsche allen einen guten Rutsch und ein gutes, ein besseres Neues Jahr 2023. Bleibt gesund und solidarisch!

Tom Nowotny

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