
Liebe UnterstützerInnen,
So langsam beschleicht mich das sehr unangenehme Gefühl, dass ich mich mit diesem Update etwas beeilen muss, wenn nicht - schon wieder! - eine Reisewarnung vor dem nächsten Abschiebeflug darin stehen soll. Und das soll nie wieder der Fall sein!
Falls jemand dafür noch Argumente braucht - gestern ist in Monitor ein beklemmender Beitrag zur afghanischen Realität erschienen und zu den Versuchen, diese unsichtbar zu machen - etwa von Präsident Trump, dem großen Erfinder und Twitterer seiner ganz eigenen Wahrheit.
Eine Taktik, die wir nur zu gut aus Deutschland kennen, wo die Reisewarnungen für die eigene Bevölkerung ganz anders lauten als die Einschätzung zur Sicherheitslage, mit der weitere Abschiebungen durchgedrückt werden sollen.
Die gerade beendete Sitzung der Innenministerkonferenz lässt zum Glück keine Signale dieser Art erkennen: Die Aufnahme minderjähriger Geflüchteter aus griechischen Camps wurde (wieder einmal) beschlossen und der Abschiebestopp nach Syrien bis zum Jahresende verlängert.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-06/innenministerkonferenz-syrien-abschiebestopp-verlaengerung-humanitaere-krise-horst-seehofer
Seit dem 15.6. sind grundsätzlich Abschiebeflüge wieder möglich - einer der ersten nach Nigeria musste aber gleich wieder abgesagt werden, weil eine Zwischenlandung aus Coronagründen nicht möglich war - aber viele Betroffene wurden zuvor in Angst und Schrecken versetzt.
https://www.fluechtlingsrat-bayern.de/sammelabschiebung-nach-nigeria-am-18-06-2020/
Angst und Schrecken auch in deutschen Camps: Seit Wochen gibt es eine Empfehlung von Experten des Robert-Koch-Institut, um die Corona-Gefahr in Massenunterkünften Geflüchteter zu bannen - nur leider richtet sich niemand danach, der Entwurf wurde wohl vom Gesundheits- zum Innenministerium und wieder zurück geschoben...
https://www.fluechtlingsrat-bayern.de/robert-koch-institut-empfiehlt-schutz-gefluechteter-nichts-passiert/
Kämpfen wir also weiter dafür, dass die Anker-Zentren und die Abschiebeflüge abgeschafft werden!
Hier noch der Filmtipp zum Wochenende (mit Dank an Thomas Ruttig):
"Wir haben entschieden, unseren Dokumentarfilm TRUE WARRIORS kostenfrei zum Streaming anzubieten, solange Corona uns in Atem hält. Wir finden, TRUE WARRIORS erzählt eine Geschichte, die gerade jetzt Kraft und Mut geben kann. Denn genau so –voller Kraft und Mut und Liebe– haben die Künstler aus unserem Film reagiert, als das angegriffen wurde, was sie am meisten lieben: ihre Kunst. Bei der Premiere eines Stücks über Selbstmordattentate im Kulturzentrum in Kabul sprengte sich im Dezember 2014 ein jugendlicher Attentäter im Publikum in die Luft. Es war ein Bruch für alle Künstler, die an dem Tag auf der Bühne standen oder auf den Rängen zuschauten, ein brutaler Einschnitt, der sie bis heute nicht loslässt. Trotzdem machten alle weiter – manche flohen nach Europa und wirken seither im Exil. Andere entschlossen sich, in Kabul zu bleiben und noch mehr Risiko in Kauf zu nehmen – besonders bei der mutigen Re-Inszenierung eines Lynchmordes direkt am Tatort, mitten im Zentrum von Kabul. Ein Geschichte über MUT.
Wenn ihr den Film anschaut, bitte erwägt eine Spende in der Größenordnung dessen, was eine Kinokarte kostet. Ihr ermöglicht uns damit, weiterhin viel Zeit und all unser Herzblut in Geschichten wie diesen zu stecken."