
Thomas Nowotny83071 Stephanskirchen, Germany

Aug 3, 2017
Der Lärm der weiterhin täglich stattfindenden Anschläge in Kabul, Herat und anderswo wird übertönt - vom ohrenbetäubenden Schweigen der Bundesregierung, die bis Ende Juli eine neue Sicherheitsbewertung für Afghanistan angekündigt hatte. Wir können nur hoffen, dass objektive Erkenntnisse dabei endlich berücksichtigt werden, z.B. diese; https://thruttig.wordpress.com/2017/07/17/afghanistan-zahl-ziviler-opfer-wieder-auf-rekordniveau/
Das BAMF stellt seine Entscheidungen bis zum Vorliegen dieser Einschätzung zurück - vielleicht gut für alleinstehende Männer, aber auf jeden Fall schlecht für Familien, die auf Entscheidungen etwa zur Familienzusammenführung angewiesen sind.
Die bayerischen Ausländerbehörden sind aber nicht untätig in diesen Tagen. Im Gegenteil, sie verüben Untaten, bei denen Familien getrennt werden. Eine Abschiebung ist mir persönlich so nahe gegangen, dass ich hier mein komplettes Update teile:
https://www.change.org/p/ministerpr%C3%A4sident-horst-seehofer-keine-abschiebung-von-familie-t-aus-manching-gegen-rechtsfreie-r%C3%A4ume/u/20967949/edit
Katastrophale Nachrichten aus Manching: Die albanische Familie, die von Blutrache bedroht schon unter zwei Abschiebeversuchen leiden musste (siehe letztes Update), wurde am 1.8.2017 nach Tirana abgeschoben - ohne den Vater, der nicht in der Unterkunft war, als um 6 Uhr morgens die Polizei kam.
Das voraussehbare Ergebnis: Jetzt ist die psychisch schwerkranke Mutter, die eigentlich am 1.8. stationär aufgenommen werden sollte, allein mit ihren drei Kindern in Albanien, wo sie panische Angst vor Blutrache hat. Deshalb war sie in den letzten vier Monaten drei Monate lang stationär in der Psychiatrie. Auch die zweijährige Tochter Ina (rechts im Bild) war durch den vorangegangenen Abschiebeversuch schwer traumatisiert und wurde wochenlang im Kinderzentrum München behandelt, ein nächster Termin war für den 9.8. vereinbart.
Ihre älteren Geschwister Zef (14) und Matilda (11) sind mit der Situation völlig überfordert. Um so bewundernswerter finde ich es, dass sie heute den folgenden Brief formuliert haben:
Sehr geehrte Frau Angela Merkel,
Sehr geehrte Damen und Herren,
Wir, die dies schreiben, heißen Zef und Matilda Bardhoku. In diesem Moment sind wir in Albanien und wir sind sehr in Angst und Stress.
Am 1.8. um 6 Uhr ist die Polizei gekommen im Auftrag von der Zentralen Ausländerbehörde. Wir haben uns sehr erschrocken, weil wir noch im Schlaf waren; mein Vater war an diesem Tag nicht in der Unterkunft.
Die Polizei ist zusammen mit dem Jugendamt und einem Krankenwagen gekommen. Unsere Mutter ist seit 20. März psychisch krank. Sie ist drei Monate lang in Kliniken geblieben und wird seit einem Monat von einem Psychiater untersucht und behandelt. Meine zweijährige Schwester Ina wurde durch den ersten Abschiebeversuch traumatisiert und war drei Wochen in der Kinderklinik, sie wird immer mal von der Psychologin behandelt. Sie hatte am 9.8. einen Termin im Kinderzentrum. Am 20.7.17 hatte ihre Kinderärztin Franziska Baiert eine ÄRZTLICHE STELLUNGNAHME ZUR AKTUELLEN GESUNDHEITSSITUATION geschrieben, die wir der Polizei, Jugendamt und dem Arzt gezeigt haben. Der Arzt, den die ZAB bestellt hatte, wollte das gar nicht sehen. Meine Mutter hatte ein ärztliches Attest, da stand, dass meine Mutter in die Klinik in München-Schwabing gehen müsste. Nachdem wir ihnen alle Dokumente gezeigt hatten, hat der Doktor, den die ZAB bestellt hatte, gesagt, der Amtsarzt in München entscheide, ob sie fliegt oder nicht.
Mich, Matilda, haben die mit Gewalt genommen und zum Polizeiauto gebracht, und meine Mutter haben die mit Gewalt genommen, aber meine kleine Schwester hat das Jugendamt genommen. Meine Mutter wollte, dass wir alle in einem Auto fahren, die Polizisten haben meine Mutter mit Gewalt zu dem Krankenwagen gebracht und sie gefesselt. Ina und ich waren zusammen in einem Auto, unser Bruder in einem anderen Auto und unsere Mutter im Krankenwagen. Am Flughafen haben sie uns weiter getrennt gelassen, obwohl meine Mutter geweint hat und gesagt hat, dass sie mit uns bleiben will, doch niemand von denen wollte davon etwas wissen. Meine Mutter hat dem Arzt gesagt, er solle die Atteste ansehen, die bei mir waren.
Ich, Matilda, war da, wo die Polizisten miteinander geredet haben, dass die mit dem Herrn Herrmann gesprochen haben, und er hat gesagt, dass diese Familie abgeschoben werden muss. Meine Mutter haben die mit einem Rollstuhl bis zum Flugzeug gebracht. Als meine Mutter näher am Flugzeug war, war sie traumatisiert und hat geschrien vor Angst. Sechs Polizisten, der Ingolstädter Arzt und der Chef vom Flughafen haben meine Mutter mit sehr viel Gewalt gefesselt ins Flugzeug gebracht. Ich habe die ganze Situation durch das Fenster des Polizeiautos gesehen. Als wir Kinder ins Flugzeug hineingegangen sind, haben wir unsere Mutter in dieser schrecklichen Situation gesehen. Der Körper meiner Mutter war gefesselt, sie wurde außen herum von vier Polizisten festgehalten.
Uns haben die ganz hinten gelassen und meine Mutter war ganz weit weg von uns. Meine Schwester wollte die ganze Zeit zu meiner Mutter gehen, aber die Polizisten haben sie nicht gelassen. Meine Mutter war den ganzen Weg bis Albanien gefesselt.
Jetzt hat meine Mutter Verletzungen am Körper, sie hat sehr viel Kopfschmerzen, sie isst und schläft nicht. Sie hat jetzt auch angefangen, mit sich selbst zu reden. Wir sind bei einer Familie zum Übernachten geblieben, weil wir Angst haben, zu uns nach Hause zu gehen. Meine Mutter kriegt keine Medikamente und sie muss ins Klinikum, aber diese Familie kann ihr nicht helfen, und meine Schwester hat keinen Betreuer, obwohl meine Mutter krank ist. Wir befinden uns in einer schlechten Situation ohne meinen Vater und ohne Sozialhilfe.
Damen und Herren der deutschen Republik, in meinem Namen haben wir auch eine Petition im Deutschen Bundestag eingereicht, dort sind auch die Dokumente unserer Familie.
Ich bitte auch, dass meine Familie wieder nach Deutschland kommt und meine Mutter und meine Schwester ihre Behandlung kriegen und dass wir zusammen mit unserem Vater sind wie eine Familie. In keinem EU-Land ist es rechtmäßig, dass die Familie getrennt wird. Wir haben sehr sehr Angst.
Ich hoffe, dass Ihr uns helft.
Zef und Matilda Bardhoku
Zwei Dinge können Sie tun, um den Kindern und ihrer Mutter zu helfen:
Bei den Verantwortlichen protestieren und die sofortige "Rückführung" der Familie nach Deutschland fordern:
Der Leiter der Zentralen Auskänderbehörde in Ingolstadt hat die Abschiebungen von Anfang an und bis zum bitteren Ende persönlich vorangetrieben, mit juristischen Tricks und Täuschungen und nach dem Motto "tot oder lebendig".
Leitung ZAB in ARE I Ingolstadt/Manching *
https://www.regierung.oberbayern.bayern.de/aufgaben/sicherheit/zrs/ansprech/index.php
Seine vorgesetzte Stelle ist die Regierung von Oberbayern. Verantwortlich für den Bereich Innere Sicherheit, Kommunales und Soziales (???): *
https://www.regierung.oberbayern.bayern.de/organisation/sachgebiete/ansprech/04208/index.php
Darüber schwebt das Staatsministerium des Innern, Sachgebiet IA2: *
http://www.stmas.bayern.de/imperia/md/content/stmas/stmas_internet/berufsbildung/20160705_anlage2.pdf
(Kontakt im pdf ganz am Schluss)
Dessen Chef, Herr Herrmann, wurde eben schon erwähnt. Es gibt auch viele andere Gründe, warum er nicht Bundesinnenminister werden und auch nicht bayerischer Innenminister bleiben darf.
Dessen Chef wiederum heißt Seehofer und ist der Legende nach durch Stimmen aus dem Volk beeinflussbar.
Bitte, probieren Sie es aus und unterstützen Sie die brandneue Petition:
https://www.change.org/p/horst-seehofer-bitte-holen-sie-familie-bardhoku-sofort-zur%C3%BCck-d7b3de51-8803-4a55-8b4a-bc950fa17317/w?source_location=petition_nav
Bitte machen Sie alle mit! Das Bild zeigt die erste Seite des Briefes, den mir Matilda heute per Whatsapp geschickt hat.
* Das Staatsministerium des Inneren richtete folgendes Schreiben an die Betreiber dieser Seite:
"In der Petition werden personenbezogene Daten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Freistaats Bayern (Vor- und Zuname, Telefon-/Zimmernummer, E-Mail-Adresse) veröffentlicht.
Bei den genannten Daten handelt es sich um personenbezogene Daten gemäß § 3 Abs. 1 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG), hinsichtlich derer sich die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf das Recht auf informationelle Selbstbestimmung berufen können (vgl. BVerwG, Urteil vom 23.06.2004 – 3 C 41/03). Eine Einwilligung der Betroffenen zur Veröffentlichung der Daten liegt nicht vor. Uns gegenüber erklärten sich die Betroffenen ausdrücklich nicht mit der Veröffentlichung einverstanden. Eine Rechtsgrundlage, nach der die Veröffentlichung ohne Einwilligung der Betroffenen zulässig wäre, ist nicht ersichtlich.
Wir bitten Sie daher, die o.a. personenbezogenen Daten (Vor- und Zunamen, Telefon- und Zimmernummern, E-Mail-Adressen) aller betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umgehend – spätestens aber zum 18.08.2017 - aus den Veröffentlichungen auf Ihrer Plattform zu löschen. Bitte unterrichten Sie uns dann über die Löschung."
Dem komme ich hiermit nach. Allerdings habe ich die Daten von offiziellen Seiten der Staatsregierung, die ich jetzt ersatzweise als Link einkopiert habe. Sollten die Betroffenen mit der Veröffentlichung ihrer personenbezogenen Daten dort nicht einverstanden sein, sollten sie sich an die Bayerische Staatsregierung wenden und die Seiten löschen lassen. Um ganz sicher zu gehen, empfehle ich die Auflösung der entsprechenden Abteilungen, zuallererst der Zentralen Ausländerbehörde.
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