Oliver ReichGermany
Jun 12, 2022

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Westfalen-Lippe appelliert an die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, sich nicht an den Tests zum elektronischen Rezept (eRezept) zu beteiligen. Die Technik sei „völlig unausgereift“ und in der jetzigen Form „nicht praxistauglich“, heißt es in einem am Samstag veröffentlichten Aufruf.
Das eRezept soll ab 1. September in Westfalen-Lippe getestet werden. Der BVKJ ruft seine Mitglieder und andere Fachgruppen auf, dies nicht zu tun.©terovesalainen, stock.adobe.com
Westfalen-Lippe ist als Pilotregion für die Tests zum eRezept vorgesehen. Ab 1. September soll die Anwendung der Telematikinfrastruktur dort erprobt werden. Allerdings regt sich Widerstand bei den Niedergelassenen. Mit dem BVKJ ruft jetzt ein großer ärztlicher Berufsverband seine Mitglieder dazu auf, das Projekt zu boykottieren.

Dass Westfalen-Lippe als Pilotregion auserwählt worden sei, sei für die Praxen dort „kein Grund zur Freude, sondern eine erschreckende Nachricht“, betont der BVKJ. Er erklärt: „Ärztinnen und Ärzte in Westfalen-Lippe sind jetzt schon am Limit, sehnen sich nach Entlastung und haben überhaupt kein Interesse, ihre Praxen mit unausgereifter und störungsanfälliger Versuchs-EDV zu belasten. Wieso in Zeiten von Versorgungsengpässen, Nachwuchs- und Personalmangel und allgemeiner Überlastung der Praxen ausgerechnet unsere Region als Experimentierfeld für die Industrie herhalten soll, kann vermutlich niemand richtig erklären.“

Es sei allerdings wichtig zu bedenken, so der BVKJ, dass für die Praxen derzeit kein Zwang bestehe, sich an der Erprobung des eRezepts zu beteiligen. Laut Gesetz müssten zwar Praxen, die technisch dazu in der Lage seien, das digitale Rezept ab einem bestimmten Stichtag nutzen. Allerdings könne jede Praxis selbst beeinflussen, wann die technische Möglichkeit dazu bestehe. „Ärztinnen und Ärzte entscheiden also selbst, wann die Einführung stattfindet, und sollten tunlichst vermeiden, als kostenlose Versuchskaninchen für eine noch nicht ausgereifte Technologie zur Verfügung zu stehen“, erklärt der BVKJ. Es gebe derzeit kein praxistaugliches eRezept. „Jede Ärztin und jeder Arzt, der diese Scheininnovation nicht nutzt, sorgt dafür, dass die Industrie ein Produkt weiterentwickeln muss, bis am Ende wirklich eine Vereinfachung erreicht wird.“

Der BVKJ-Landesverbands Westfalen-Lippe fordert seine Mitglieder, aber auch alle andere Fachgruppen in der Region zu Folgendem auf (Original-Wortlaut):

1. Beteiligen Sie sich derzeit nicht an „Experimenten“ zum E-Rezept!

2. Widerstehen Sie Versuchen , Sie mit Angeboten oder angeblichen Fristen unter Druck zu setzen. Wenn Westfalen Pilotregion ist, heißt das nicht, dass es Ihre Praxis sein muss!

3. Bevor Sie in Ihrer Praxis das E-Rezept einführen, prüfen Sie genau, ob die Funktionalität von Verschreibung und Signatur, Erklärungsbedarf für Patienten und der Gesamtnutzen wirklich einen Fortschritt für Sie bedeuten.

4. Denken Sie daran, dass sie „nur“ ein kleines Rädchen in der ganzen TI-Infrastruktur sind, dass aber viele Rädchen dafür sorgen können, dass ein (noch) unsinniges und nur der IT-Industrie nutzendes Projekt gestoppt werden muss. Nur so kann ein anderes, den Ärzten und den Patienten wirklich dienendes Projekt eine neue Chance erhalten.

Abschließend erklärt der BVKJ, dass er sich zwar „zur Notwendigkeit der Digitalisierung im Gesundheitswesen“ bekenne, betont aber gleichzeitig: „Wir sind aber nur bereit, Technologien zu nutzen, die eine Erleichterung für Ärzte und Patienten bedeuten und die die Sicherheit bei der Anwendung wie auch bei der Datenverarbeitung als unabdingbare Voraussetzung gewährleisten.“

Quelle ÄNDERN
11.06.2022, 11:33, Autor: sk

Keine Chance der unausgereiften Technik!!! Keine TI, kein eRezept!

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