WUNDERBAR muss bleiben!

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Sieben von acht jugendlichen Spielern der Theatergruppe WUNDERBAR aus Minden droht die Abschiebung nach Afghanistan. Mit dieser Petition fordern wir die erneute Begutachtung ihrer Asylanträge und ein Bleiberecht für Belall Sadat, Nabiullah Safi, Ali Yousufi, Helall Sadat, Mustafa Yousufi Wafa, Emal Ibrahimkhel, Ziarullah Sahak und Pirooz Sarvari durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und die Ausländerbehörde Kreis Minden-Lübbecke.

Ihre Abschiebebescheide hatten sie schon in den Taschen, als wir uns noch in den Theatersälen von ihren Träumen, Wünschen und Hoffnungen erzählen ließen, die dort bereits zerplatzt waren. Diese Abschiebung wollen wir gemeinsam mit Ihrer Hilfe verhindern!

Wie viel Würdigung, Wertschätzung und Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland braucht es, damit junge geflüchtete Menschen aus Afghanistan, endlich auch willkommen sind? Und wie viele tote, verletzte, traumatisierte und nicht ausreichend versorgte Menschen müssen gezählt werden, bis Afghanistan auch offiziell als ein nicht sicheres Land gilt?

Mit ihrem Theaterstück "Blick nach vorn" am Stadttheater Minden, hat das Ensemble „WUNDERBAR“ unter der Leitung von Canip Gündogdu und Viola Schneider zwei wichtige Bundeswettbewerbe gewonnen: 

Sie wurden beim Bundeswettbewerb Theatertreffen der Jugend vom 2.-10. Juni 2017 bei den Berliner Festspielen ausgezeichnet und eingeladen. Das Theatertreffen der Jugend ist neben dem Bundestreffen der Jugendclubs an Theatern das wichtigste Festival für das Theater mit jugendlichen Spieler*innen und wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Ausgezeichnet und eingeladen wurde das Ensemble auch zum 27. Bundestreffen Jugendclubs an Theatern vom 4. - 8. Oktober 2017 in das Theater Bremen. Das Bundestreffen wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Zudem wurde „Blick nach vorn“ gefördert durch das Projekt „Wege ins Theater” (ASSITEJ e. V. Deutschland) aus dem Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“, ebenfalls gefördert mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Die Inszenierung „Blick nach vorn“ zeigt zehn jugendliche Spieler*innen, die durch  berührendes Clownstheater von Jugendlichen für Jugendliche ihre Erfahrungen von Flucht, Ankunft und ihre Hoffnungen für die Zukunft thematisieren. Mitten im Gesicht: Die kleinste Maske der Welt. Ganz im Spiel sind die Akteur*innen auf hoher See, fest aneinander geklammert im Sturm, den sie wie durch ein Wunder überleben. In neuen, unbekannten Landen treffen sie auf skurrile Menschen und unbekannte Situationen.

Während ihrer Auszeichnung beim Bundestreffen Jugendclubs an Theatern hatten drei der acht afghanischen Jugendlichen bereits ihre Abschiebebescheide nach Afghanistan in der Tasche. Trotzdem führte die Gruppe ihr Stück auf und verzauberte das Publikum, das ihnen mit stehenden Ovationen dankte.

Denn bewegend ist vor allem der Schluss des Stückes. Die Clowns setzen sich an die Bühnenkante und nehmen ihre Nasen ab. Über Audioeinspielung ist eine Collage aus selbst eingesprochenen Wünschen und Vorstellungen über ihre Zukunft zu hören. Eine Zukunft in Deutschland, eine Zukunft auch für ihre Familien in Würde und in Frieden. Sie hören sich selbst zu, einige von ihnen in dem Bewusstsein bereits zerplatzter Träume und Hoffnungen. Angeschaut von einem zutiefst berührten, überwiegend deutschen Publikum.

Was für eine Situation…?!

Vom 11. - 13. November 2017 wurde das Ensemble als Gewinner des Bundeswettbewerbs Theatertreffen der Jugend zum „Tag der Talente“ eingeladen, der ebenfalls vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgerichtet wird. Wieder wurden sie beklatscht, wurden bestaunt, wurden als positives Beispiel für gelungene Integration geehrt. Dieses Mal hatten bereits sieben Spieler ihre Abschiebebescheide in den Briefkästen.

Die rote Nase ist ab. Das Spiel vorbei. In ihrer Eröffnungsrede zum „Tag der Talente“ betonte Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen: „Wie auch immer ihre Pläne für die Zukunft sind. Wir in diesem Ministerium hier setzen uns dafür ein, dass sie ihre Pläne verwirklichen können.“

In der Realität jedoch soll die Mindener Gruppe ihre Pläne in einem Land verwirklichen, in dem man uns Deutschen nicht einmal einen Kurzurlaub zumuten würde:

„Wegen immer wieder und in vielen Landesteilen aufflammender Kämpfe zwischen afghanischen Sicherheitskräften und vor allem den Taliban, aber auch dem regionalen Ableger des sogenannten Islamischen Staats, ist die Sicherheitslage in großen Teilen des Landes unübersichtlich und nicht vorhersehbar. Reisende können daher jederzeit und ohne selbst beteiligt zu sein in lebensbedrohende Situationen geraten. Außerdem kann es landesweit zu Attentaten, Überfällen, Entführungen und anderen Gewaltverbrechen kommen.“[1]

Das Auswärtige Amt ist in seinen Warnungen überdeutlich. Auch die Berichte der Vereinten Nationen über die Zivilen Verluste im Afghanistan-Konflikt zeigen, dass sich an der bedrohlichen Sicherheitslage im Land seit Jahren nichts geändert hat. 2640 Tote und 5379 Verletzte wurden allein zwischen Januar und September 2017 gezählt. Afghanistan kann nicht in Teilen oder im Ganzen als sicheres Herkunftsland bezeichnet werden.[2]

Selbst in den Situationen ihres Alltags ist das Leben der Menschen in Afghanistan permanent bedroht, sei es durch terroristische Angriffe oder bewaffnete Kampfhandlungen. Deutlich wird im UN-Halbjahresbericht auch auf die große Zahl der Afghanen hingewiesen, die psychologische Traumata erlitten haben, im Zuge der Kämpfe obdachlos geworden sind oder aufgrund der katastrophalen Versorgungslage nicht ausreichend medizinisch versorgt werden können.[3]

Mit dieser Petition fordern wir die erneute Begutachtung der Asylanträge und ein Bleiberecht für Belall Sadat, Nabiullah Safi, Ali Yousufi, Helall Sadat, Mustafa Yousufi Wafa, Emal Ibrahimkhel, Ziarullah Sahak und Pirooz Sarvari durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und die Ausländerbehörde Kreis Minden-Lübbecke.

Es ist unverantwortlich, diese jungen Menschen wissentlich Instabilität, Gewalt und Todesgefahr auszusetzen.

Es ist unvernünftig und unglaubwürdig, Institutionen, Macher*innen und Spieler*innen für ihre künstlerisch bemerkenswerte und bespielhafte Arbeit, die es darüber hinaus schafft, jungen Menschen Perspektive und Halt zu geben, auszuzeichnen, wenn am Ende der „Blick nach vorn“ heißt, sich wiederzufinden am Beginn der Flucht in eine sichere und hoffnungsvollere Zukunft.

Frei zu sein, sich auszuprobieren und zu entwickeln und darin Kraft zu finden, muss sowohl im Theater als auch im realen Leben in Deutschland möglich sein. 

Bitte helfen Sie uns, die Abschiebung der afghanischen Spieler des Ensembles WUNDERBAR zu verhindern!

Bitte helfen Sie uns, mit dieser Initiative auf die Situation vieler junger geflüchteter Menschen hinzuweisen, damit das Abschieben in Krisengebiete ohne Sicherheit für die dort lebenden Menschen gestoppt wird.

 

Dr. Christina Schulz - Bundeswettbewerb Theatertreffen der Jugend (Berliner Festspiele)

Mai-An Nguyen – Ausschusssprecherin „Jugendclubs an Theatern“ BuT e.V. (Theaterpädagogin GorkiX - Maxim-Gorki-Theater Berlin)

Matthias Heine - Piccolo Theater Jugendklub (Piccolo Theater Cottbus)

Canip Gündogdu - Stadttheater Minden (Spielleiter der Gruppe WUNDERBAR)



[1] vgl. https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/afghanistan-node/afghanistansicherheit/204692
[2] vgl. https://unama.unmissions.org/sites/default/files/unama_protection_of_civilians_in_armed_conflict_quarterly_report_1_january_to_30_september_2017_-_english.pdf
[3] vgl. https://unama.unmissions.org/sites/default/files/17_july_2017_-_extreme_harm_to_afghan_civilians_continues_as_suicide_attacks_worsen_latest_un_report_shows_english.pdf



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