Bauantrag von Fehlhaber & Braun für die Stralsunder Str. 47 zurückziehen

Bauantrag von Fehlhaber & Braun für die Stralsunder Str. 47 zurückziehen

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Bürgerinitiative Steinbeckervorstadt hat diese Petition an Braun & Fehlhaber GBR gestartet.

Um ein ordnungsgemäßes Bauen auf Basis der mit den Bewohnerinnen und Bewohnern beschlossenen Ziele für die Steinbeckervorstadt vornehmen zu können und eine (neue) städtebauliche Unordnung zu vermeiden, fordert die BI Steinbeckervorstadt die Investoren Fehlhaber & Braun dazu auf, ihren Bauantrag für die Stralsunder Straße 47 in Greifswald zurückzuziehen. Wir fordern die Herren Fehlhaber & Braun dazu auf, den Bauantrag auf der Grundlage der im Masterplan beschlossenen Ziele zu überarbeiten und neu einzureichen.

Worum geht es?

Ende Juli 2020 wurde das Bauvorhaben der Investoren Fehlhaber & Braun auf dem Gelände des alten Autohauses JAKI in der Stralsunder Str. 47 in Greifswald veröffentlicht. Geplant ist ein vier- bis fünfgeschossiges Wohngebäude mit Tiefgarage. Das derzeitig dort vorhandene, über 200 Jahre alte Bauensemble (die alte Greifswalder Gaststätte „Zur Flora“), soll kurzerhand abgerissen werden um 48 hochpreisige Wohnungen zu schaffen.

Die Bürgerinitiative Steinbeckervorstadt als Einsenderin der Petition lehnt das Vorhaben in der geplanten Form ab, da es massiv den gemeinsam erarbeiteten und demokratisch beschlossenen Zielen des Masterplans Steinbeckervorstadt widerspricht. Der Masterplan ist als Leitlinie zur Entwicklung des Stadtteils zu verstehen, welcher unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils entstanden ist. Ihn zu missachten bedeutet daher in der Konsequenz den Willen der Bewohner und Bewohnerinnen des Stadtteils zu missachten.

Der in Greifswald dringend benötigte Wohnraum soll nach Meinung der BI auch in der Steinbeckervorstadt geschaffen werden.                                                                                       

Dies muss jedoch im Rahmen eines ordnungsgemäßen Bebauungsplanes geschehen, um die Entwicklung des Stadtteils entsprechend den im Masterplan formulierten Zielen (u.a. Erhalt historischer Bausubstanz vor Abriss und die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum) zu lenken.

Viele der im Masterplan formulierten Ziele werden durch den vorliegenden Bauantrag von Fehlhaber & Braun massiv in Frage gestellt.

Die BI Steinbeckervorstadt fordert daher, dass die Investoren Fehlhaber & Braun ihren Bauantrag für die Stralsunder Straße 47 in Greifswald zurückziehen, um ein ordnungsgemäßes Bauen im Rahmen eines Bebauungsplans zu ermöglichen.

Weiterhin werden der Oberbürgermeister der Stadt Greifswald, Stefan Fassbinder (Grüne), die Bausenatorin und stellv. Oberbürgermeisterin Jeanette von Busse (CDU) sowie die Greifswalder Bürgerschaft aufgefordert, sich mit aller Kraft dafür einzusetzen, dass der demokratisch gefasste Beschluss zum Masterplan und damit der Wille der Bürgerinnen und Bürger ernst genommen und nicht in Form von intransparenten Einzelfallentscheidungen übergangen wird.

Unsere Forderungen, die in Übereinstimmung mit dem demokratisch beschlossenen Masterplan stehen, lauten:

1. Wohnraum für alle statt hochpreisigen Wohnens für wenige!

In der Beschlussfassung des Masterplans (Punkt A 1.5) heißt es „Das derzeitige Gelände des Entsorgungsbetriebes sowie die angrenzenden Gewerbeflächen werden für ein Modellprojekt ‚Bezahlbares Wohnen‘ vorgehalten, dessen Umsetzung sich am Quartier B-Plan 55 orientiert, so dass mindestens 30% der entstehenden Wohnungen in diesem Gebiet als geförderter Wohnraum realisiert werden.“

Mit dem vorliegenden Bauantrag wird dieser Beschluss ad absurdum geführt, da alle Wohneinheiten zu mindestens 10,50 €/m² kalt vermietet werden sollen. Dieser m²-Preis liegt damit weit über dem, was als „bezahlbar“ gilt. Die Situation wird sich durch erwartbare Mehrkosten noch verschärfen, die angesichts seit Jahren allgemein üblicher Preissteigung im Baugewerbe zu erwarten sind und derartige Kalkulationen angesichts des nassen Baugrundes direkt am Ryck sehr fraglich erscheinen lassen.

Damit ist das geplante Bauprojekt als klassisches „Gentrifizierungsobjekt“ zu werten, welches in der Folge Menschen mit geringeren Einkommen aus dem Stadtteil verdrängen wird. Die im Masterplan postulierte „soziale Durchmischung“ der Bevölkerung wird damit gefährdet. Zahlreiche Beispiele aus anderen Städten und wissenschaftliche Studien zum Thema Gentrifizierung zeigen dies.

Wir fordern, dass eine dem vorhandenen Baugrund angepasster Lösung gefunden wird, bei der mindestens 30 % der gebauten Wohnungen eine bezahlbare Miete, d.h. maximal 7,50 €/m², aufweisen. Denn nur so ist auch langfristig eine soziale Durchmischung der Bevölkerung sichergestellt.

2. Erhalt historischer Bausubstanz statt deren Abriss & Einfügung von Neubauten in die bestehende Bebauung!

Im Masterplan unter dem Punkt Status quo und Entwicklung auf S.4 heißt es:„Darüber hinaus ist grundsätzlich die stadtbildtypische Bebauung aus der Zeit vor 1945 erhaltenswert, besonders die straßenseitigen Gebäude im Bereich des ehem. Neuen Heilgeisthospitals (jetzt Autohaus und -werkstatt)1[1]  und die Seilerei. (s. Masterplan 1.2 Status quo und Entwicklung S.4) Weiter heißt es unter Punkt C 1.3 des Masterplans: „Erhalt vor Abbruch: Sicherung und Sanierung vom Verfall bedrohter Altbausubstanz, besonders der Gebäude mit stadtbildprägender Baustruktur“

Die alte Gaststätte „Flora“ ist stadtbildprägend, was historische Fotos beweisen. Sie trägt zur Unverwechselbarkeit der Steinbeckervorstadt bei und ist mit über 200 Jahren das älteste erhaltene Gebäude aller Greifswalder Vorstädte. Der Abriss wäre, insbesondere wenn man sich die Zerstörung der Greifswalder Altstadt in den 1980er Jahren vor Augen führt, geschichtsvergessen. Das geplante Bauvorhaben fügt sich zudem nicht ansatzweise in die bestehende ortsbildtypische Bebauung ein.

Laut Masterplan und allen bislang von der Stadtverwaltung erstellten Unterlagen zur Quartiersentwicklung im Gebiet des Bebauungsplans 3 Stralsunder Straße (in Aufstellung) sollen analog zur bestehenden Bebauung in der Steinbeckervorstadt die Höhen geplanter Neubauten in der Regel zwei- bis dreigeschossig sein. Das Bauvorhaben der Investoren sieht aber vier Vollgeschosse vor, wobei in Teilen sogar ein fünftes Geschoss hinzukommt. Es wäre mit 18 m Höhe deutlich höher als alle angrenzenden Gebäude.

Das Ortsbild und nicht zuletzt der durch die Denkmalbereichsverordnung Altstadt Greifswald als Schutzgut definierte „Caspar-David-Friedrich-Blick“ werden dadurch beeinträchtigt.

Im Masterplan ist zudem der Erhalt des Platzes vor der alten „Flora“ und der dort stehenden Linde vorgesehen, wie in der kartographischen Ausführung vermerkt ist (Erhalt und Ausbau Großgrünstrukturen).

Das Bauvorhaben von Fehlhaber & Braun sieht jedoch vor, dass die 100jährige Linde gefällt und der Platz überbaut wird.

Auch die Massivität des Bauvorhabens Stralsunder Straße 47 widerspricht der vorhandenen ortsbildtypischen Bauweise. Die Einschätzung der Baumasse basiert laut Baunutzungsverordnung (s. u.a. § 16 Abs. 2 BauNVO) üblicherweise auf einem Vergleich bestehender Nachbarschaftsgebäude mit der neu überbauten Grundstücksfläche (Grundflächenzahl) und der Geschossflächenzahl als Summe aller Geschossflächen. Eine geplante Bebauung mit 5 Geschossen überschreitet unweigerlich die vorbildgebende Baumasse der eingeschossigen Nachbarbebauungen. 

Wir fordern den Erhalt der historischen Bausubstanz und eine (Wohn-)Bebauung in den Baulücken und Freiflächen, die sich in die besondere stadtbildprägende Baustruktur einfügt.

3. Autofreies Wohnen statt Tiefgarage!

Der beschlossene Masterplan sieht in seiner kartografischen Darstellung das alte JAKI-Gelände größtenteils als autofreies Wohnquartier vor.

In der vorliegenden Planung ist dennoch eine Tiefgarage mit Dutzenden Stellplätzen geplant. Ein Widerspruch. Nicht zuletzt auch aus dem Grund, dass laut Masterplan eine Überlastung des Stadtteils mit motorisiertem Individualverkehr verhindert werden soll.

Die trennende Wirkung der Stralsunder Straße als überlastete Verkehrsader (überdurchschnittliche Fahrzeugmenge) und die damit verbundene fundamentale Beeinträchtigung der Quartiersentwicklungs-chancen hat die Stadt schon in der Vergangenheit dazu veranlasst, ein Lärmgutachten durchführen zu lassen,. Dieses kommt zu dem Schluss, dass man an der Stralsunder Straße wegen der hohen Verkehrsdichte, sowie der damit verbundenen Schadstoffbelastung und Lärmimmission ohne begleitende (Lärm-)Schutzmaßnahmen keine neuen Wohngebiete ausweisen kann.

Da die Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse bereits jetzt nicht gewahrt sind, sollte es in der Steinbeckervorstadt perspektivisch darauf ankommen, Verkehr und Verkehrsinfrastruktur zu reduzieren und keinesfalls zusätzliche Struktur und Verkehrsbelastung in die von der Straße aus gesehen rückwärtigen Bereiche zu tragen.

Wir fordern, dass „autofreies Wohnen“ ernst genommen wird. Nicht mehr, sondern weniger Autos in der Steinbeckervorstadt!

Bevor irreversible Fakten geschaffen werden, fordern wie die Eigentümer der Stralsunder Straße 47 auf, die Grundlage für eine angemessene fachliche Beurteilung ihres Vorhabens dadurch zu schaffen, dass sie die dazu erforderlichen Untersuchungen durchführen und Gutachten erstellen lassen (u,.a,. Baugrundgutachten, Schadstoffuntersuchung, Untersuchung der Gebäudesubstanz hinsichtlich Statik, Fundament, Holzschutz etc.).

[1]1 Zu prüfen ist, ob sich in den gewerblich genutzten Gebäuden Stralsunder Straße 47-48 Relikte des ehem. neuen Heilgeisthospitals erhalten haben. Insbesondere die sichtigen Feldsteine im straßenseitigen Sockel des Gebäudes Stralsunder Straße 47 deuten auf ggf. denkmalwerte älterer Befunde hin.

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