Petition updateDiskussion über Modifizierung der aktuellen DGE-NährwertrelationenDezember 2016 - Brief an das DGE-Präsidium
Daniela Kluthe-NeisGermany
Jan 4, 2017
Prof. Ulrike Arens-Azevedo Präsidentin des Wissenschaftlichen Präsidiums der DGE Fakultät Life Sciences Department Ökotrophologie Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg Ulmenliet 20 21033 Hamburg Dezember 2016 DGE-Nährwertrelation in der Diskussion – Bitte um Gesprächsaufnahme Sehr geehrte Frau Prof Arens-Azevedo, aus aktuellem Anlass und durch eine konkrete Aufforderung von Herrn Dr. Volker Wanek, GKV-Spitzenverband, uns zur Bearbeitung der Problematik direkt an Sie zu wenden, tragen wir Ihnen unser dringendes Anliegen vor. Anlass der Unruhe bzw. Problematik einer seit Jahren gelebten Ungereimtheit unter Ernährungsfachkräften ist die konzeptionelle Vorgabe der Zentralen Prüfstelle Prävention für das unbedingte Einhalten des von der DGE geforderten Nährstoffverhältnisses (10-15% Eiweiß/30 % Fett/55-60 % Kohlenhydrate). Problematik: Konzeptprüfung und Freigabe Ernährungsfachkräfte (z.B. Diätassistenten, Dipl. Oecotrophologen und Ernährungswissenschaftler) entwickeln seit Jahren kompetent und umsichtig Konzepte zur Umsetzung der im Leitfaden Prävention "Handlungsfelder und Kriterien des GKV-Spitzenverbandes zur Umsetzung von §§ 20 und 20a SGB V" geforderten Inhalte für den Bereich der Ernährung. Zur Prüfung und anschließenden Freigabe von der Zentralen Prüfstelle Prävention müssen die Konzepte in allen Belangen den Vorgaben des Leitfaden Prävention entsprechen. Ganz besonderes Augenmerk wird hier stets auf die ausgelobte DGE-Nährstoffrelation von Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate gelegt. „Es soll eine bedarfsgerechte ausgewogene Energiebilanz durch eine fettmoderate, kohlenhydratbetonte und ballaststoffreiche Kost nach den aktuellen Beratungsstandards und Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) (Vgl. Leitfaden Prävention 2014 S. 56 und 58) vermittelt werden.“ (Auszug aus einem Schreiben der Zentralen Prüfstelle Prävention, 2016) Wird in einem eingereichten Konzept – egal für welche Zielgruppe und für welches Präventionsprinzip - eine andere Nährwertrelation ausgewiesen, wird das gesamte Konzept kategorisch abgelehnt. Die Begründung ist stets: „Das Konzept entspricht nicht in allen Punkten den Vorgaben des Leitfadens Prävention.“ Eine Zertifizierung des Konzeptes ist damit unmöglich. Die Listung der Ernährungsfachkraft in einer Übersicht, die a) den Kassen qualifizierte Ernährungsfachkräfte aufzeigt und b) für Versicherte ein Wegweiser ist, entfällt. Zusätzlich kann eine fehlende Listung zu einer Ablehnung der Ernährungstherapie (gemäß § 43 SGB V) führen. Die Auswirkungen sind für die Kollegen existentiell. Zielorientierung unserer Initiative In diesem Zusammenhang wollen wir mit Ihnen Frau Prof. Arens-Azevedo Kontakt aufnehmen und konstruktive Gespräche über diese Vorgaben bzw. über eine Modifikation der Vorgaben führen. Dr. Wanek und weitere Mitarbeiter des vdek sowie die Verantwortlichen der Zentralen Prüfstelle Prävention haben uns direkt an Sie als „diese Nährwertrelation vorgebende Institution“ verwiesen. Frau Sarah Böke, Fachleiterin Großanbieter und zentrale Konzepte, als eine Prüferin von Konzepten der Zentralen Prüfstelle Prävention führte in einem Schreiben auf Nachfrage hinsichtlich Klärung der o.g. Fakten aus: „Nach Rücksprache mit dem geschäftsführenden Verband der Zentrale Prüfstelle Prävention können Sie Ihr Anliegen daher an den GKV Spitzenverband richten, der für die Festlegung der Vorgaben innerhalb des Präventionsleitfadens verantwortlich ist (so wie es Ihnen ebenfalls durch den vdek mitgeteilt wurde). Hier haben Sie die Möglichkeit neueste Studienergebnisse und Publikationen zum Thema Nährstoffverteilung […]vorzulegen und in den Austausch über eine mögliche Aufnahme der Ergebnisse in den Präventionsleitfaden zu gehen.“ (November 2016) Dr. Wanek verwies dann direkt auf Sie als DGE und führende Fachgesellschaft. Erkenntnisleitendes Interesse aus aktuellen (wissenschaftlichen Erkenntnissen) Prüfer/innen in der Zentralen Prüfstelle Prävention bestehen in einem scheinbar unreflektierten Prüfverfahren auf meist „wörtlicher“ Übernahme der DGE-Kontexte. Ergebnisse von Studien und Reviews zeigen seit Jahren eindeutig, Nährstoffempfehlungen und die damit verbundenen Relationen der Makronährstoffe können, wenn von den DGE-Nährstoffrelationen abweichend, ebenso erfolgreiches Ernährungsverhalten bestätigen und gesundheitliches Wohlbefinden und die Prävention ernährungsbedingter Krankheiten unterstützen (u.a. Di Daniele et al., 2016 Epub ahead of print; Mozzafarian, 2016). Primärpräventive Ernährungsempfehlungen, wie die aktuellen DGE-Empfehlungen, sind in der Regel für Gesunde konzipiert. Das führen Sie als DGE in den Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr (2015) sowie die Mitarbeiter der Zentralen Prüfstelle Prävention und die Verantwortlichen der Spitzenverbände der GKV deutlich aus. Vor diesem Hintergrund taucht die Überlegung auf, ob diese „gesunde“ Bevölkerung noch den Großteil unserer Kunden in der Beratung/Schulung darstellt? Oder müssen wir vielmehr auch im primärpräventiven Bereich mit Nährstoff- und Lebensmittelempfehlungen aufwarten, die Prävalenzen bzw. Ursachen für Stoffwechselerkrankungen berücksichtigen? Sarah Böke als eine Prüferin von Konzepten der Zentralen Prüfstelle Prävention kommentierte in einer ablehnenden Rückmeldung an eine Ernährungsfachkraft, die ein Konzept zur Gewichtsreduktion einreichte: „Auch wenn es in den letzten Jahren neue wissenschaftliche Erkenntnisse über den Vorteil einer eiweißbetonten Ernährung im Rahmen einer Gewichtsreduktion gegeben hat, werden diese aktuell nicht von der DGE umgesetzt. Somit können Kurse/Konzepte, die eine eiweißbetonte Ernährung empfehlen nicht von der Zentrale Prüfstelle Prävention anerkannt werden.“ (Oktober 2016) Frei und mutig übersetzt heißt das: Was die DGE nicht umsetzt, wird von der Zentralen Prüfstelle Prävention nicht anerkannt! Und dies, obwohl selbst die Zentrale Prüfstelle Prävention weiß und formuliert, dass die wissenschaftliche Erkenntnisse andere Wege weisen! Weiteres Indiz: Der Vortrag von Prof. Dr. Stehle auf der 14. Dreiländertagung in Hamburg im Oktober 2016. Für die Teilnehmer der Tagung zur Diskussion war, und in allen aktuellen Publikationen zu lesen ist, dass Prof. Stehle durch „erhebliche Entwicklungen im Bereich Methodik, Ernährungsphysiologie und –medizin die Überarbeitung der Referenzwerte im Hinblick auf die Bedeutung des Nährstoffs Protein für unumgänglich“ hält. In diesem Zusammenhang sollte auch das „Konzept“ der Nährwertrelation“ überdacht werden (ErnährungsUmschau 11/2016). Allerdings ginge es auch anders: Ein Auszug aus den Vorgaben zur Konzepteinreichung und als Anwenderhilfe zeigt: „Konkrete Definition der Zielgruppe“ · Erstellung von Stundenverlaufsplänen und Teilnehmerunterlagen · Wissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit. (Hinweis: ein wissenschaftlicher Nachweis wie er im Leitfaden Prävention (S. 45) gefordert wird, muss nicht für gängige Kurse erbracht werden. Sollte ein Anbieter bzw. ein Verband jedoch ein neues und innovatives Kurskonzept zur Prüfung einreichen, muss ein wissenschaftlicher Nachweis über die Wirksamkeit der neuen Kursinhalte bei der Einreichung mit hochgeladen werden. Die Form und der Umfang der wissenschaftlichen Nachweise über die Wirksamkeit der neuen Kurskonzepte sind seitens der Kooperationsgemeinschaft nicht festgelegt. (Zentrale Prüfstelle Prävention, 2016) Übersetzt heißt dies: Ein neues und innovatives Kurskonzept kann, mit geführtem wissenschaftlichen Nachweis, auch von der DGE abweichende Empfehlungen enthalten – und würde zertifiziert! Unser Anliegen an Sie Wir arbeiten nach allen gesetzlichen und ethischen Grundlagen sowie gemäß offiziellen Berufsrichtlinien der Berufsverbände der Ernährungsfachkräfte, um an notwendige (Zertifizierungs-) Ziele zu kommen. Unser zentrales Anliegen ist die wissenschaftlich basierte und dennoch individuelle Ernährungsberatung für die Klienten. Deren Versorgung und die dabei allseits gewünschte Ergebnisqualität insbesondere ihre Umsetzung liegt uns am Herzen. Lassen Sie uns für diesen Zusammenhang zeitnah konstruktive Gespräche aufnehmen und zukunftsorientiert realisierbare Konzepte besprechen. Wir bitten um Rückmeldung zur Kontaktaufnahme und Vereinbarung eines Gesprächstermins, vielen Dank. Freundliche Grüße – im Namen vieler Diätassistenten, Oecotrophologen und Ernährungswissenschaftler Birgit Blumenschein und Daniela Kluthe-Neis
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