Petition updateBedarfsgerechte PsychotherapieUnzumutbare Bearbeitungszeiten "Fonds Sexueller Missbrauch"
Initiative Phoenix - Bundesnetzwerk für angemessene Psychotherapie e.V.
Mar 12, 2018
Viele Menschen schreiben uns, dass sie aus dem "Fonds Sexueller Missbrauch" (http://www.fonds-missbrauch.de/) eine großartige Entlastung erhalten haben und eine Zeitlang gut therapeutisch arbeiten konnten oder können. Da wir aber immer wieder und immer öfter hören und lesen, welche Schwierigkeiten es bei den Anträgen zum Fonds "Sexueller Missbrauch" gibt, habe ich noch einmal nachgefragt und gebe nun die Antwort weiter, siehe unten. Diese bestätigt die Erfahrungen, die AntragstellerInnen und ihre BehandlerInnen uns schildern. Die Bearbeitungszeit der Anträge überschreitet bei weitem alles, was wir für zumutbar halten. Es ist keineswegs mehr ein Angebot für die Hilfe in der Not, sondern gemein, Hoffnung zu wecken und dann zwei Jahre Bearbeitungszeit (und länger?) zu haben. Wir wünschen uns, dass sich die Netzwerke, in denen wir uns gegenseitig unterstützen, gemeinsam dafür einsetzen, auf dieses Problem weiter aufmerksam zu machen und eine Veränderung zu fordern! Es muss mehr BearbeiterInnen geben und diese sollten auch angemessen unterstützt werden!! Vielen Dank an alle, die uns mit Informationen helfen. Herzliche Grüße Johanna Sommer * Initiative Phoenix Bundesnetzwerk für angemessene Psychotherapie e.V. www.initiative-phoenix.de initiative-phoenix(at)gmx.de Ihre Unterschrift hilft uns: https://www.change.org/p/bedarfsgerechte-psychotherapie Gesendet: Montag, 12. März 2018 um 10:53 Uhr Betreff: WG: Problem "Fonds Sexueller Missbrauch" Sehr geehrte Frau Sommer, über den Betroffenenrat des UBSKM erreichte uns Ihre Anfrage zu den aktuellen Bearbeitungszeiten bei Anträgen auf Leistungen aus dem Ergänzenden Hilfesystem (EHS). Diese beantworte ich gerne im Auftrag der Geschäftsstellenleitung Frau Kalthegener. In der weitergeleiteten Nachricht schildert ein/e Antragsteller/in die Schwierigkeiten und Belastungen, die ihm/ihr angesichts der langen Bearbeitungsdauer entstehen. Das können wir nachvollziehen und es tut uns leid. Aufgrund der intensiven Beratung zu jedem einzelnen Antrag, aber auch weil immer mehr Betroffene den Mut aufbringen, Anträge zu stellen, ist die Bearbeitungszeit leider deutlich gestiegen. Die Beeinträchtigungen, die damit für die Betroffenen einhergehen werden gesehen und sind uns nicht gleichgültig. Die eingehenden Anträge werden der Clearingstelle in chronologischer Reihenfolge zur Beratung vorgelegt. Die Bearbeitung in der Reihenfolge des Eingangs soll die Gleichbehandlung aller Antragsteller/innen gewährleisten. Die einzige Ausnahme bilden die Anträge von Minderjährigen. Derzeit bearbeitet die Clearingstelle Anträge, die Anfang April 2016 in der Geschäftsstelle Fonds Sexueller Missbrauch eingegangen sind. Im Zeitraum von März 2016 bis Mai 2016 gingen in unserer Geschäftsstelle überdurchschnittlich viele Anträge ein. So gingen im März 2016 bereits knapp viermal so viele Anträge ein wie noch zum Jahresanfang. Im April 2016 war es sogar mehr als die fünffache Menge. Der Hintergrund ist, dass ursprünglich die Möglichkeit zur Antragstellung zum 30.04.2016 befristet war. In diesem Zeitraum nutzen viele Betroffene die Möglichkeit, noch ihren Antrag an unsere Geschäftsstelle zu richten. Um dem zu begegnen, wurde die Geschäftsstelle FSM personell aufgestockt und die Zahl der Clearingstellengremien erhöht. Dennoch ist damit zu rechnen, dass sich die Bearbeitungszeit angesichts der Vielzahl von Anträgen verlängern wird. Voraussichtlich wird die Bearbeitung der Anträge aus diesem Zeitraum mehrere Monate in Anspruch nehmen. Grundsätzlich können Antragsteller/innen während der gesamten Bearbeitungszeit Änderungen zu ihrem Antrag mitteilen. Die Bearbeitungsdauer verlängert sich dadurch nicht. Ergänzungen zu einem bestehenden Antrag sind formlos möglich. Wir weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Ergänzungsanträge nur berücksichtigt werden können, wenn sie per Post eingehen und von dem/der Antragsteller/in persönlich unterschrieben wurden. Es tut uns leid, dass der/die Antragsteller/in uns telefonisch nicht erreichen konnte. Telefonisch ist unsere Geschäftsstelle derzeit zu unseren Sprechzeiten dienstags, mittwochs und donnerstags von 9:00 Uhr bis 15:00 Uhr zu erreichen. Da sich zu diesen Zeiten viele Antragsteller/innen an uns wenden, ist es nicht immer möglich, sofort eine Ansprechpartnerin zu erreichen. Sollten Antragsteller/innen uns trotz mehrfacher Versuche telefonisch nicht erreichen, empfehlen wir, sich per E-Mail an uns zu wenden. Diese werden zeitnah beantwortet. Wir hoffen, wir konnten Ihnen mit diesen Informationen behilflich sein und stehen gerne für Nachfragen zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen Im Auftrag __________________________________________ Geschäftsstelle Fonds Sexueller Missbrauch Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Hausanschrift: Glinkastraße 24, 10117 Berlin Internet: www.bmfsfj.de www.fonds-missbrauch.de Telefon: +49(0)3018 555 – 1988 Sprechzeiten: Di, Mi, Do 09:00 – 15:00 Uhr -------- Originalnachricht -------- Betreff: Problem "Fonds Sexueller Missbrauch" Datum: 11.03.2018 20:56 Von: "Initiative Phoenix e.V." ... vor einiger Zeit hatten wir schon einmal Kontakt wegen Fragen aus unserem Netzwerk zum Fonds Sexueller Missbrauch. Können Sie mir eine Auskunft geben, wie der Stand der Bearbeitung der Anträge gerade ist oder wer es mir sagen/ wo ich es finden kann? ... Siehe unten, diese Frau wartet seit fast 2 Jahren! - solche Geschichten hören wir leider öfter. Ich würde gerne eine Info weitergeben können... GESENDET: Dienstag, 06. März 2018 um 11:41 Uhr AN: initiative-phoenix@gmx.de BETREFF: wegen Fond Hallo, ich habe meinen Antrag beim Fond am 14.04.2016 abgeschickt und mit einem Schrieb vom 06.07.2016, die Information erhalten das mein Antrag am 25.04.2016 eingegangen wäre. Das Schreiben beinhaltete auch die Anonymisierungsnummer. Und auch die Auskunft besser gesagt der Hinweis, „dass die derzeitige Bearbeitungsdauer angesichts des hohen Aufkommens an Anträgen, ca 11 bis 13 Monate beträgt." Mit einem Schreiben vom 02.11.2016, wurde ich dann erneut informiert als Zwischennachricht zu meiner Antragsstellung, wie der Ablauf ist, also das die Anträge nach Eingang bearbeitet werden und auch so der Clearingstelle vorgelegt werden, was die Clearingstelle ist etc. Und der Hinweis „Derzeit bearbeitet die Clearingstell die Anträge aus Juli 2015" Seit diesem Schreiben vom November 2016, gab es keinerlei weitere Hinweis, Infos oder sonstiges. Meine ambulante Betreuerin hat mehrfach versucht jemand unter der angegebenen Telefonnummer zu erreicht, immer ohne jeglichen Erfolg, da dort schlicht Dauerbesetzt ist. Durch eine Bekannte die es Ende 2017 geschafft hatte tatsächlich jemanden zu erreichen, bekam ich die Information das die Clearingstelle nun bei den Anträgen von April 2016 wären. Also keimte Hoffnung auf das auch ich nun bald bescheid bekommen würde. Das ist nun 3 Monate her und bisher gabs weiterhin nichts. Dieser ganze Antrag und das gesamte Verfahren „unkompliziert und schnelle Hilfe", kostet so unglaublich viel Kraft und Nerven, das ich es fast bereue überhaupt einen Antrag gestellt zu haben. Die Körpertherapie die so wichtig wäre, liegt nun seit fast 2 Jahren auf Eis, weil nichts passiert. Inzwischen haben sich zich andere Dinge ergeben, die fast dringender wären, das sie übernommen werden, aber eine Änderung des Antrages würde vermutlich dazu führen das es noch 2 Jahre dauert. Mir geht es inzwischen mehr als schlecht und es kostet mich soviel Kraft, mich weiter damit auseinander zu setzen. Die Angst das ich die Hilfe nicht bewilligt bekommen war von Anfang an riesig. Aber nun fast 2 Jahre nach Antragstellung ist in mir die Hoffnung überhaupt Hilfe zu bekommen, auf Null gesunken. Selbstzweifel und Selbstverachtung, werden immer größer und auch die „innere Gewissheit", dass ich eh keine Hilfe verdiene und mir eh nichts zu steht und ich eh mir alles nur einbilde und übertreibe und mich doch einfach nicht so anstellen soll. Als Überlebende/Opfer von sexueller Gewalt (und auch allgemein Gewalt) kann und darf man einfach nicht erwarten ja nicht mal hoffen eigentlich, dass man Hilfe bekommt. Und erstrecht nicht schnell und unkompliziert wie es damals hieß bei dem Fond. Man bleibt der Überschuss/der wertlose Rest der Gesellschaft... soll man sich doch halt nicht so anstellen und einfach aufhören immer an der Vergangenheit und dem Geschehenen festzuhalten. Kurz gesagt, die Warterei macht uns kränker und kaputter als ich eh schon bin. Es wirft und lässt so viel Altes aufsteigen und wieder „erleben", das es echt fraglich ist warum ich mir das antue. Doch welche Wahl habe ich, wenn ich Hilfe möchte, die niemand bezahlt sonst, weil ich nicht in eine „Schublade" passe, die unser Gesundheitssystem aber vorgibt… Das Warten, lässt mich innerlich zerbröseln…
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