AUFRUF: RETTET DAS BERIO! Stoppt die Verdrängung! Erhaltet den Regenbogenkiez!


AUFRUF: RETTET DAS BERIO! Stoppt die Verdrängung! Erhaltet den Regenbogenkiez!
Das Problem
(English below)
An die Eigentümer*innen des Hauses Maaßenstraße 7 in Berlin, die politischen Entscheidungsträger*innen sowie uns alle:
Mit diesem Aufruf setzen wir uns für die Verlängerung des Gewerbemietvertrages des seit 73 Jahren bestehenden Café Berio in Berlin-Schöneberg ein. Die Schließung wäre nicht nur ein großer Verlust für die Berliner Kaffeehauskultur. Es drohen auch weitreichende Folgen für die Entwicklung des Nollendorfkiezes mit Konsequenzen für dessen Anwohner*innen und Gewerbetreibende. Auch in seiner Funktion als international bekannte Anlaufstelle für LGBTIQ, wichtiger Kultur- und Integrationsort sowie Safe Space für das queere Berlin bedeutete das Ende des Berio ein herber Rückschlag. Für die Zukunft des Regenbogenkiezes wäre es ein fatales Signal.
Achtung: Dies ist ein Aufruf zur Solidarität!
Es geht nicht darum, ob dir dein Kaffee im Berio immer geschmeckt hat oder immer heiß genug gewesen ist, ja, es geht nicht einmal darum, ob du jemals dort warst oder vorhattest, einmal dorthin zu gehen. Es geht zwar auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen, um den Erhalt eines Ausstellungsortes und um Kaffee und Kuchen. Aber wir müssen das Berio nicht deswegen retten, weil es für die guten alten Zeiten steht. Hier geht es nicht um Nostalgie, sondern um Zukunft. Bei der Rettung des Berio geht es darum, wie wir zukünftig leben wollen. Als Nachbarschaft und als Community. Wir können das Berio nur retten, wenn wir es gemeinsam tun. Dies ist ein Aufruf zur Solidarität! An uns alle. An die Politik, all das zu versuchen, was möglich ist. Aber allen voran an die Hausbesitzer*innen der Maaßenstraße. Denn auch sie tragen Verantwortung für die Zukunft des Kiezes. Es sollte in ihrem Interesse sein, dass dieser liebens- und lebenswert bleibt.
Was ist passiert?
Nach über 73 Jahren steht eines der traditionsreichsten Berliner Kaffeehäuser vor dem Aus – das Berio, von dessen 50-jährigem Jubiläum 2001 sogar der RBB (u. a. mit den damaligen Stammgästen Liselotte Pulver und Horst Buchholz) berichtete. Der Vermieter möchte das seit 1985 laufende Mietverhältnis nicht verlängern, verweigert Gespräche über einen neuen Gewerbemietvertrag und hat selbst auf das Angebot, über eine Mediation eine Lösung zu finden, nicht reagiert.
Unverzichtbar für Schöneberg und Berlin
Mit dem Berio ist nicht nur einer der traditionsreichsten Orte der Berliner Kaffeehauskultur in Gefahr und das Zuhause vieler Freund*innen, Nachbar*innen und Berliner*innen. Mit seinen Ausstellungen und Veranstaltungen ist das Berio ein wichtiger Ort für das aktuelle Kunstleben wie auch die Bewahrung von Kultur: Die Beletage des Café Berio beherbergt das nostalgische »Bruno Balz Mobiliar« und ermöglicht somit das Erleben eines prominenten Stücks Zeit- und Kulturgeschichte der 1940/50er-Jahre. Auch dieses Erbe an diesem Ort schafft Identität und Verbundenheit in diesem historischen Kiez.
Vor allem aber drohen mit der Schließung des Berios weitreichende Folgen für die Entwicklung des Schöneberger Nollendorfkiezes mit Konsequenzen für dessen Anwohner*innen und Gewerbetreibende, aber auch für die LGBTIQ-Community über Berlin hinaus. An einem ganz besonderen Ort in Berlin erfüllt das Berio eine ganz besondere Funktion:
Der Nollendorfkiez mit seinem speziellen Mix aus Winterfeldtmarkt und den angrenzenden individuell ausgerichteten Gastronomie-, Einzelhandels- und Kulturangeboten kann sich noch gut gegen die fortschreitende Anonymisierung und Gentrifizierung an vielen Orten Berlins behaupten. Das macht den Nollendorfkiez nicht nur zu einem schönen, sondern auch zu einem sozialen und gleichberechtigten Ort. Grund sind viele kleine und größere Unternehmen mit ihren attraktiven Angeboten, aber eben auch das »Erste Haus am Platz«: Das Berio als Traditionscafé hat eine Scharnierfunktion, da es unterschiedlichste Menschen zusammenbringt. Anstelle von Anonymität und Austauschbarkeit stehen Bindung, Identität und Verlässlichkeit. Das Berio ist Kulminationspunkt dessen, was den Kiez ausmacht. Verschwindet das Berio, verändert der Kiez sein Gesicht. Das Aus des Berios wird die Sogwirkung beschleunigen, die viele weitere Verdrängungen von Menschen, Betrieben und Kultur zur Folge haben wird.
Unverzichtbar als queerer Ort und Safe Space weit über Berlin hinaus
Das Café Berio ist ein berühmter Verbindungsort, der seit Jahrzehnten einzigartig in Deutschland für die Selbstverständlichkeit schwulen, lesbischen, transsexuellen und queeren Lebens steht. Gerade weil dieses nicht neben, sondern gemeinsam mit der nicht-queeren Nachbarschaft gelebt wird. Seit Bestehen des Viertels haben hier queere Menschen aus der ganzen Welt ein Zuhause gefunden. Nicht-queere Menschen und Familien fühlen sich »ihrem« queeren Kiez zugehörig, der wichtiger Teil auch ihrer Lebensqualität ist. Das Berio ist die am längsten noch existierende queere Anlaufstelle der queeren Regenbogenhauptstadt. Es ist einer der wenigen konstanten und allseits bekannten sicheren Plätze, an dem alle Teile der Community ihren Platz haben und Achtung und Respekt finden. An wie vielen Orten in Deutschland treffen sich die Damen des benachbarten Seniorenheims so unverkrampft mit Fetisch-Partyleuten aus aller Welt an der Kuchentheke? Wo Alt und Jung? Wo wirklich alle Farben des Regenbogens?
In einer sich immer stärker individualisierenden und polarisierenden Gesellschaft sind solche Orte des täglich gelebten Miteinanders seltene Kostbarkeiten mit Vorbildfunktion. Statt solche Orte zu zerstören, brauchen wir viel mehr davon. Gerade weil immer mehr queere Orte in Berlin verdrängt werden, wäre die Verdrängung des Berios für den Kiez, aber auch für Berlins Anspruch »Regenbogenhauptstadt« zu sein, ein fatales Signal: Wenn nicht einmal das traditionsreiche, für die gesamte Umgebung so wichtige Berio sich gegen die Gentrifizierung wehren kann: Welche anderen queeren und auch nicht-queeren Orte können es dann?
Sichtbarkeit und Sicherheit
Der Nollendorfkiez ist eines der ganz wenigen Straßenviertel in Deutschland, in denen sich queere Sichtbarkeit mit einer relativ hohen Sicherheit verbindet. Hand in Hand mit eine*r gleichgeschlechtlichen Partner*in über die Straße zu gehen, ist hier möglich. Umso schlimmer ist es, dass rund um den Nollendorfplatz seit mehreren Jahren queerfeindliche Gewalttaten bedrohlich ansteigen. Mit großem Aufwand entwickelt der Berlin Senat eine Strategie, um die Umgebung sicherer zu machen. Doch wohl keine der umfangreichen und kostspieligen Maßnahmen wird den Schaden auffangen können, den die Schließung des Café Berios für die Sicherheitslage bedeuten würde. Ausgerechnet dort den hochfrequentierten »Safe Space« Berio zu schließen, der wie kaum ein anderer noch von früh bis spät sichtbar und geöffnet ist, kann nicht im Interesse der Eigentümer*innen, der Politiker*innen und der Bürger*innen sein.
Rettet das Berio!
Unterzeichnet JETZT!
Organisiert von der Gästegruppe “Berio IST”:
Michael und Michael Amerell (Gründer d. FB-Gruppe Berio ist…), Matias Conrad, Rolf-Joachim Erler, Sinaida Feinstein, Erich Mönius, Holger Schönhardt, Jörg Schönrock
Die Erstunterzeichner*innen sind:
Els* Buschheuer, Schriftsteller*in
Falko Droßmann, Queerpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion
Linus Giese, Autor
Marcel de Groot, Geschäftsführer Berliner Schwulenberatung
Lilly Grote, Filmemacherin
Klaus Hackenschmied, Queerpolitischer Sprecher CDU-Fraktion BVV Tempelhof-Schöneberg
Annie Heger, Sängerin, Entertainerin, Autorin
Jochen Hick, Regisseur, Autor, Produzent
Johannes Kram, Autor
Stephanie Kuhnen, Journalistin und Autorin
Kevin Kühnert, Bundestagsabgeordneter für Tempelhof-Schöneberg, Generalsekretär der SPD
Klaus Lederer, MdA, Bürgermeister von Berlin und Senator a.D., Queerpolitischer Sprecher Fraktion Die Linke
Dr. Jan-Marco Luczak, Bundestagsabgeordneter für Tempelhof-Schöneberg, Sprecher Wohnen, Bau, Stadtentwicklung der CDU/CSU Fraktion
Kristof Magnusson, Schriftsteller und Übersetzer
Claudio Maniscalco, Schauspieler, Synchronsprecher, Sänger, Theaterproduzent
Elfi Mikesch, Filmemacherin
Dr. Motte, DJ, Gründer der Loveparade
Olaf "Ole" Möller, Geschäftsführer OM Consult & Event GmbH
Wiebke Neumann, MdA für Tempelhof-Schöneberg, Sprecherin Queerpolitik SPD-Fraktion
Kai S. Pieck, Regisseur, Autor, Initiator Queer Media Society
Peter Plate, Komponist, Autor, Produzent, Co-Intendant Theater des Westens
Kerstin Polte, Regisseurin und Autorin
Rosa von Praunheim, Filmregisseur und Produzent
Axel Ranisch, Regisseur und Autor
Falk Richter, Regisseur und Autor
Dr. Friederike Römhild, Lektorin und Autorenberaterin frieda r.
Ina Rosenthal, Geschäftsführerin PINKDOT gGmbH
Pierre Sanoussi-Bliss, Schauspieler, Regisseur, Autor
Susanne Schädlich, Autorin und Übersetzerin
Raphael Schneider, Schauspieler
Ulf Leo Sommer, Komponist, Autor, Produzent, Co-Intendant Theater des Westens
Wieland Speck, Filmemacher
Markus Urban, ehem. Fußballer, Mitgründer Fußball für Vielfalt
Sabine Weinmann und Kai Buchholz , Vorstand der Berliner Aidshilfe
Vorstand des Berliner CSD
Sebastian Walter, MdA für Tempelhof-Schöneberg, Parlamentarischer Geschäftsführer Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Paul N. Zacher, Autor
Neuigkeiten können Sie auch bei Instagram und Facebook verfolgen:
https://www.instagram.com/berioberlin/
http://www.facebook.com/cafeberio
Besuchen Sie unsere Homepage: https://berio-berlin.de
APPEAL: SAVE THE BERIO!
Stop the displacement! Save the rainbow neighborhood!
To the owners of the building at Maaßenstraße 7 in Berlin, the political decision-makers and all of us:
With this appeal, we are campaigning for the extension of the commercial lease of Café Berio in Berlin-Schöneberg, which has been in existence for 73 years. The closure would not only be a great loss for Berlin's coffee house culture. It would also have far-reaching consequences for the development of the Nollendorfkiez, with consequences for its residents and businesses. The end of Berio is also a major setback in its function as an internationally renowned meeting place for LGBTIQ people, an important cultural and integration venue and a safe space for queer Berlin. It would be a fatal signal for the future of the Regenbogenkiez.
Attention: This is a call for solidarity!
It's not about whether your coffee at Berio always tasted good or was always hot enough, it's not even about whether you've ever been there or planned to go there. It's also about preserving jobs, preserving an exhibition venue and about coffee and cake. But we don't have to save the Berio because it stands for the good old days. This is not about nostalgia, but about the future. Saving the Berio is about how we want to live in the future. As a neighborhood and as a community. We can only save the Berio if we do it together. This is a call for solidarity! To all of us. To politicians to try everything that is possible. But above all to the homeowners of Maaßenstraße.Because they also bear responsibility for the future of the neighborhood. It should be in their interest that it remains lovable and liveable.
What has happened?
After more than 73 years, one of Berlin's most traditional coffee houses is about to close - the Berio, whose 50th anniversary in 2001 was even reported on by RBB (with regulars Liselotte Pulver and Horst Buchholz, among others). The landlord does not want to extend the lease, which has been running since 1985, refuses to discuss a new commercial lease and has not even responded to the offer of mediation to find a solution.
Indispensable for Schöneberg and Berlin
The Berio is not only one of the most traditional places in Berlin's coffee house culture that is in danger and home to many friends, neighbors and Berliners. With its exhibitions and events, the Berio is an important place for contemporary art life as well as the preservation of culture: the Beletage of Café Berio houses the nostalgic "Bruno Balz furniture" and thus makes it possible to experience a prominent piece of contemporary and cultural history of the 1940/50s. This heritage in this location also creates identity and solidarity in this historic neighborhood.
Above all, the closure of the Berio threatens to have far-reaching consequences for the development of Schöneberg's Nollendorfkiez, with consequences for its residents and tradespeople, but also for the LGBTIQ community beyond Berlin. Berio fulfills a very special function in a very special place in Berlin:
The Nollendorfkiez with its special mix of Winterfeldtmarkt and the adjacent individually oriented gastronomy, retail and cultural offerings can still hold its own well against the advancing anonymization and gentrification in many places in Berlin. This makes the Nollendorfkiez not only a beautiful place, but also a social and equal place.The reason for this is the many small and large businesses with their attractive offers, but also the "Erste Haus am Platz": as a traditional café, Berio has a hinge function, as it brings together a wide variety of people. Instead of anonymity and interchangeability, there is loyalty, identity and reliability. Berio is the culmination of what makes the neighborhood what it is. If the Berio disappears, the neighborhood changes its face. The demise of the Berio will accelerate the pull effect that will result in many other displacements of people, businesses and culture.
Indispensable as a queer place and safe space far beyond Berlin
Café Berio is a famous place of connection that has stood for the naturalness of gay, lesbian, transsexual and queer life in Germany for decades. Precisely because it is not lived alongside, but together with the non-queer neighborhood. Queer people from all over the world have found a home here since the neighborhood was founded. Non-queer people and families feel that they belong to "their" queer neighborhood, which is also an important part of their quality of life. Berio is the longest existing queer contact point in the queer rainbow capital.It is one of the few constant and well-known safe spaces where all parts of the community have their place and are respected. At how many places in Germany do the ladies from the neighboring retirement home meet so relaxed with fetish party people from all over the world at the cake counter? Where old and young? Where really all the colors of the rainbow?
In an increasingly individualized and polarized society, such places of daily interaction are rare treasures that serve as role models. Instead of destroying such places, we need many more of them. Precisely because more and more queer places in Berlin are being pushed out, the displacement of Berio would be a fatal signal for the neighborhood, but also for Berlin's claim to be the "rainbow capital": if not even the traditional Berio, which is so important for the entire neighborhood, can defend itself against gentrification: What other queer and even non-queer places can?
Visibility and safety
The Nollendorfkiez is one of the very few neighborhoods in Germany where queer visibility is combined with a relatively high level of safety. Crossing the street hand in hand with a same-sex partner is possible here. This makes it all the worse that anti-queer violence has been on the rise around Nollendorfplatz for several years. The Berlin Senate has gone to great lengths to develop a strategy to make the area safer. However, none of the extensive and costly measures will be able to compensate for the damage that the closure of Café Berios would mean for the security situation. It cannot be in the interests of the owners, politicians and citizens to close the highly frequented Berio safe space, which is visible and open from dawn to dusk like no other.
Save the Berio!
Sign the petition NOW!
You can also follow us on Instagram and Facebook:
https://www.instagram.com/berioberlin/
Visit our homepage: https://berio-berlin.de
Das Problem
(English below)
An die Eigentümer*innen des Hauses Maaßenstraße 7 in Berlin, die politischen Entscheidungsträger*innen sowie uns alle:
Mit diesem Aufruf setzen wir uns für die Verlängerung des Gewerbemietvertrages des seit 73 Jahren bestehenden Café Berio in Berlin-Schöneberg ein. Die Schließung wäre nicht nur ein großer Verlust für die Berliner Kaffeehauskultur. Es drohen auch weitreichende Folgen für die Entwicklung des Nollendorfkiezes mit Konsequenzen für dessen Anwohner*innen und Gewerbetreibende. Auch in seiner Funktion als international bekannte Anlaufstelle für LGBTIQ, wichtiger Kultur- und Integrationsort sowie Safe Space für das queere Berlin bedeutete das Ende des Berio ein herber Rückschlag. Für die Zukunft des Regenbogenkiezes wäre es ein fatales Signal.
Achtung: Dies ist ein Aufruf zur Solidarität!
Es geht nicht darum, ob dir dein Kaffee im Berio immer geschmeckt hat oder immer heiß genug gewesen ist, ja, es geht nicht einmal darum, ob du jemals dort warst oder vorhattest, einmal dorthin zu gehen. Es geht zwar auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen, um den Erhalt eines Ausstellungsortes und um Kaffee und Kuchen. Aber wir müssen das Berio nicht deswegen retten, weil es für die guten alten Zeiten steht. Hier geht es nicht um Nostalgie, sondern um Zukunft. Bei der Rettung des Berio geht es darum, wie wir zukünftig leben wollen. Als Nachbarschaft und als Community. Wir können das Berio nur retten, wenn wir es gemeinsam tun. Dies ist ein Aufruf zur Solidarität! An uns alle. An die Politik, all das zu versuchen, was möglich ist. Aber allen voran an die Hausbesitzer*innen der Maaßenstraße. Denn auch sie tragen Verantwortung für die Zukunft des Kiezes. Es sollte in ihrem Interesse sein, dass dieser liebens- und lebenswert bleibt.
Was ist passiert?
Nach über 73 Jahren steht eines der traditionsreichsten Berliner Kaffeehäuser vor dem Aus – das Berio, von dessen 50-jährigem Jubiläum 2001 sogar der RBB (u. a. mit den damaligen Stammgästen Liselotte Pulver und Horst Buchholz) berichtete. Der Vermieter möchte das seit 1985 laufende Mietverhältnis nicht verlängern, verweigert Gespräche über einen neuen Gewerbemietvertrag und hat selbst auf das Angebot, über eine Mediation eine Lösung zu finden, nicht reagiert.
Unverzichtbar für Schöneberg und Berlin
Mit dem Berio ist nicht nur einer der traditionsreichsten Orte der Berliner Kaffeehauskultur in Gefahr und das Zuhause vieler Freund*innen, Nachbar*innen und Berliner*innen. Mit seinen Ausstellungen und Veranstaltungen ist das Berio ein wichtiger Ort für das aktuelle Kunstleben wie auch die Bewahrung von Kultur: Die Beletage des Café Berio beherbergt das nostalgische »Bruno Balz Mobiliar« und ermöglicht somit das Erleben eines prominenten Stücks Zeit- und Kulturgeschichte der 1940/50er-Jahre. Auch dieses Erbe an diesem Ort schafft Identität und Verbundenheit in diesem historischen Kiez.
Vor allem aber drohen mit der Schließung des Berios weitreichende Folgen für die Entwicklung des Schöneberger Nollendorfkiezes mit Konsequenzen für dessen Anwohner*innen und Gewerbetreibende, aber auch für die LGBTIQ-Community über Berlin hinaus. An einem ganz besonderen Ort in Berlin erfüllt das Berio eine ganz besondere Funktion:
Der Nollendorfkiez mit seinem speziellen Mix aus Winterfeldtmarkt und den angrenzenden individuell ausgerichteten Gastronomie-, Einzelhandels- und Kulturangeboten kann sich noch gut gegen die fortschreitende Anonymisierung und Gentrifizierung an vielen Orten Berlins behaupten. Das macht den Nollendorfkiez nicht nur zu einem schönen, sondern auch zu einem sozialen und gleichberechtigten Ort. Grund sind viele kleine und größere Unternehmen mit ihren attraktiven Angeboten, aber eben auch das »Erste Haus am Platz«: Das Berio als Traditionscafé hat eine Scharnierfunktion, da es unterschiedlichste Menschen zusammenbringt. Anstelle von Anonymität und Austauschbarkeit stehen Bindung, Identität und Verlässlichkeit. Das Berio ist Kulminationspunkt dessen, was den Kiez ausmacht. Verschwindet das Berio, verändert der Kiez sein Gesicht. Das Aus des Berios wird die Sogwirkung beschleunigen, die viele weitere Verdrängungen von Menschen, Betrieben und Kultur zur Folge haben wird.
Unverzichtbar als queerer Ort und Safe Space weit über Berlin hinaus
Das Café Berio ist ein berühmter Verbindungsort, der seit Jahrzehnten einzigartig in Deutschland für die Selbstverständlichkeit schwulen, lesbischen, transsexuellen und queeren Lebens steht. Gerade weil dieses nicht neben, sondern gemeinsam mit der nicht-queeren Nachbarschaft gelebt wird. Seit Bestehen des Viertels haben hier queere Menschen aus der ganzen Welt ein Zuhause gefunden. Nicht-queere Menschen und Familien fühlen sich »ihrem« queeren Kiez zugehörig, der wichtiger Teil auch ihrer Lebensqualität ist. Das Berio ist die am längsten noch existierende queere Anlaufstelle der queeren Regenbogenhauptstadt. Es ist einer der wenigen konstanten und allseits bekannten sicheren Plätze, an dem alle Teile der Community ihren Platz haben und Achtung und Respekt finden. An wie vielen Orten in Deutschland treffen sich die Damen des benachbarten Seniorenheims so unverkrampft mit Fetisch-Partyleuten aus aller Welt an der Kuchentheke? Wo Alt und Jung? Wo wirklich alle Farben des Regenbogens?
In einer sich immer stärker individualisierenden und polarisierenden Gesellschaft sind solche Orte des täglich gelebten Miteinanders seltene Kostbarkeiten mit Vorbildfunktion. Statt solche Orte zu zerstören, brauchen wir viel mehr davon. Gerade weil immer mehr queere Orte in Berlin verdrängt werden, wäre die Verdrängung des Berios für den Kiez, aber auch für Berlins Anspruch »Regenbogenhauptstadt« zu sein, ein fatales Signal: Wenn nicht einmal das traditionsreiche, für die gesamte Umgebung so wichtige Berio sich gegen die Gentrifizierung wehren kann: Welche anderen queeren und auch nicht-queeren Orte können es dann?
Sichtbarkeit und Sicherheit
Der Nollendorfkiez ist eines der ganz wenigen Straßenviertel in Deutschland, in denen sich queere Sichtbarkeit mit einer relativ hohen Sicherheit verbindet. Hand in Hand mit eine*r gleichgeschlechtlichen Partner*in über die Straße zu gehen, ist hier möglich. Umso schlimmer ist es, dass rund um den Nollendorfplatz seit mehreren Jahren queerfeindliche Gewalttaten bedrohlich ansteigen. Mit großem Aufwand entwickelt der Berlin Senat eine Strategie, um die Umgebung sicherer zu machen. Doch wohl keine der umfangreichen und kostspieligen Maßnahmen wird den Schaden auffangen können, den die Schließung des Café Berios für die Sicherheitslage bedeuten würde. Ausgerechnet dort den hochfrequentierten »Safe Space« Berio zu schließen, der wie kaum ein anderer noch von früh bis spät sichtbar und geöffnet ist, kann nicht im Interesse der Eigentümer*innen, der Politiker*innen und der Bürger*innen sein.
Rettet das Berio!
Unterzeichnet JETZT!
Organisiert von der Gästegruppe “Berio IST”:
Michael und Michael Amerell (Gründer d. FB-Gruppe Berio ist…), Matias Conrad, Rolf-Joachim Erler, Sinaida Feinstein, Erich Mönius, Holger Schönhardt, Jörg Schönrock
Die Erstunterzeichner*innen sind:
Els* Buschheuer, Schriftsteller*in
Falko Droßmann, Queerpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion
Linus Giese, Autor
Marcel de Groot, Geschäftsführer Berliner Schwulenberatung
Lilly Grote, Filmemacherin
Klaus Hackenschmied, Queerpolitischer Sprecher CDU-Fraktion BVV Tempelhof-Schöneberg
Annie Heger, Sängerin, Entertainerin, Autorin
Jochen Hick, Regisseur, Autor, Produzent
Johannes Kram, Autor
Stephanie Kuhnen, Journalistin und Autorin
Kevin Kühnert, Bundestagsabgeordneter für Tempelhof-Schöneberg, Generalsekretär der SPD
Klaus Lederer, MdA, Bürgermeister von Berlin und Senator a.D., Queerpolitischer Sprecher Fraktion Die Linke
Dr. Jan-Marco Luczak, Bundestagsabgeordneter für Tempelhof-Schöneberg, Sprecher Wohnen, Bau, Stadtentwicklung der CDU/CSU Fraktion
Kristof Magnusson, Schriftsteller und Übersetzer
Claudio Maniscalco, Schauspieler, Synchronsprecher, Sänger, Theaterproduzent
Elfi Mikesch, Filmemacherin
Dr. Motte, DJ, Gründer der Loveparade
Olaf "Ole" Möller, Geschäftsführer OM Consult & Event GmbH
Wiebke Neumann, MdA für Tempelhof-Schöneberg, Sprecherin Queerpolitik SPD-Fraktion
Kai S. Pieck, Regisseur, Autor, Initiator Queer Media Society
Peter Plate, Komponist, Autor, Produzent, Co-Intendant Theater des Westens
Kerstin Polte, Regisseurin und Autorin
Rosa von Praunheim, Filmregisseur und Produzent
Axel Ranisch, Regisseur und Autor
Falk Richter, Regisseur und Autor
Dr. Friederike Römhild, Lektorin und Autorenberaterin frieda r.
Ina Rosenthal, Geschäftsführerin PINKDOT gGmbH
Pierre Sanoussi-Bliss, Schauspieler, Regisseur, Autor
Susanne Schädlich, Autorin und Übersetzerin
Raphael Schneider, Schauspieler
Ulf Leo Sommer, Komponist, Autor, Produzent, Co-Intendant Theater des Westens
Wieland Speck, Filmemacher
Markus Urban, ehem. Fußballer, Mitgründer Fußball für Vielfalt
Sabine Weinmann und Kai Buchholz , Vorstand der Berliner Aidshilfe
Vorstand des Berliner CSD
Sebastian Walter, MdA für Tempelhof-Schöneberg, Parlamentarischer Geschäftsführer Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Paul N. Zacher, Autor
Neuigkeiten können Sie auch bei Instagram und Facebook verfolgen:
https://www.instagram.com/berioberlin/
http://www.facebook.com/cafeberio
Besuchen Sie unsere Homepage: https://berio-berlin.de
APPEAL: SAVE THE BERIO!
Stop the displacement! Save the rainbow neighborhood!
To the owners of the building at Maaßenstraße 7 in Berlin, the political decision-makers and all of us:
With this appeal, we are campaigning for the extension of the commercial lease of Café Berio in Berlin-Schöneberg, which has been in existence for 73 years. The closure would not only be a great loss for Berlin's coffee house culture. It would also have far-reaching consequences for the development of the Nollendorfkiez, with consequences for its residents and businesses. The end of Berio is also a major setback in its function as an internationally renowned meeting place for LGBTIQ people, an important cultural and integration venue and a safe space for queer Berlin. It would be a fatal signal for the future of the Regenbogenkiez.
Attention: This is a call for solidarity!
It's not about whether your coffee at Berio always tasted good or was always hot enough, it's not even about whether you've ever been there or planned to go there. It's also about preserving jobs, preserving an exhibition venue and about coffee and cake. But we don't have to save the Berio because it stands for the good old days. This is not about nostalgia, but about the future. Saving the Berio is about how we want to live in the future. As a neighborhood and as a community. We can only save the Berio if we do it together. This is a call for solidarity! To all of us. To politicians to try everything that is possible. But above all to the homeowners of Maaßenstraße.Because they also bear responsibility for the future of the neighborhood. It should be in their interest that it remains lovable and liveable.
What has happened?
After more than 73 years, one of Berlin's most traditional coffee houses is about to close - the Berio, whose 50th anniversary in 2001 was even reported on by RBB (with regulars Liselotte Pulver and Horst Buchholz, among others). The landlord does not want to extend the lease, which has been running since 1985, refuses to discuss a new commercial lease and has not even responded to the offer of mediation to find a solution.
Indispensable for Schöneberg and Berlin
The Berio is not only one of the most traditional places in Berlin's coffee house culture that is in danger and home to many friends, neighbors and Berliners. With its exhibitions and events, the Berio is an important place for contemporary art life as well as the preservation of culture: the Beletage of Café Berio houses the nostalgic "Bruno Balz furniture" and thus makes it possible to experience a prominent piece of contemporary and cultural history of the 1940/50s. This heritage in this location also creates identity and solidarity in this historic neighborhood.
Above all, the closure of the Berio threatens to have far-reaching consequences for the development of Schöneberg's Nollendorfkiez, with consequences for its residents and tradespeople, but also for the LGBTIQ community beyond Berlin. Berio fulfills a very special function in a very special place in Berlin:
The Nollendorfkiez with its special mix of Winterfeldtmarkt and the adjacent individually oriented gastronomy, retail and cultural offerings can still hold its own well against the advancing anonymization and gentrification in many places in Berlin. This makes the Nollendorfkiez not only a beautiful place, but also a social and equal place.The reason for this is the many small and large businesses with their attractive offers, but also the "Erste Haus am Platz": as a traditional café, Berio has a hinge function, as it brings together a wide variety of people. Instead of anonymity and interchangeability, there is loyalty, identity and reliability. Berio is the culmination of what makes the neighborhood what it is. If the Berio disappears, the neighborhood changes its face. The demise of the Berio will accelerate the pull effect that will result in many other displacements of people, businesses and culture.
Indispensable as a queer place and safe space far beyond Berlin
Café Berio is a famous place of connection that has stood for the naturalness of gay, lesbian, transsexual and queer life in Germany for decades. Precisely because it is not lived alongside, but together with the non-queer neighborhood. Queer people from all over the world have found a home here since the neighborhood was founded. Non-queer people and families feel that they belong to "their" queer neighborhood, which is also an important part of their quality of life. Berio is the longest existing queer contact point in the queer rainbow capital.It is one of the few constant and well-known safe spaces where all parts of the community have their place and are respected. At how many places in Germany do the ladies from the neighboring retirement home meet so relaxed with fetish party people from all over the world at the cake counter? Where old and young? Where really all the colors of the rainbow?
In an increasingly individualized and polarized society, such places of daily interaction are rare treasures that serve as role models. Instead of destroying such places, we need many more of them. Precisely because more and more queer places in Berlin are being pushed out, the displacement of Berio would be a fatal signal for the neighborhood, but also for Berlin's claim to be the "rainbow capital": if not even the traditional Berio, which is so important for the entire neighborhood, can defend itself against gentrification: What other queer and even non-queer places can?
Visibility and safety
The Nollendorfkiez is one of the very few neighborhoods in Germany where queer visibility is combined with a relatively high level of safety. Crossing the street hand in hand with a same-sex partner is possible here. This makes it all the worse that anti-queer violence has been on the rise around Nollendorfplatz for several years. The Berlin Senate has gone to great lengths to develop a strategy to make the area safer. However, none of the extensive and costly measures will be able to compensate for the damage that the closure of Café Berios would mean for the security situation. It cannot be in the interests of the owners, politicians and citizens to close the highly frequented Berio safe space, which is visible and open from dawn to dusk like no other.
Save the Berio!
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Petition am 3. Juli 2024 erstellt