Petition geschlossen.
Petition richtet sich an Ministerpräsidentin, Ministerin f. Wissenschaft, Forschung u. Technologie, A. Kramp-Karrenbauer An die Landesregierung des Saarlandes und an 2 mehr

Erhalt der Professur für Klassische Archäologie an der Universität des Saarlandes!

1.708
Unterstützer/innen auf Change.org

Der Deutsche Archäologen-Verband und alle Unterzeichnenden fordern mit größtem Nachdruck die Staatskanzlei des Saarlandes und das Präsidium der Universität des Saarlandes auf, die geplante Streichung der Professur für Klassische Archäologie zu revidieren und der altertumswissenschaftlichen Forschung und Lehre im Saarland eine Zukunft zu geben.

Das klamme Saarland hat seiner einzigen Universität einen rabiaten Sparkurs verordnet. Frühere Versprechungen, es würde an allem gespart, nur nicht an der Bildung, haben sich als wertlos erwiesen. Bis zum Jahr 2020 wird der Landeszuschuss eingefroren auf einem nominellen Niveau noch unter dem heutigen Stand (179 statt 184 Millionen Euro), Kostensteigerungen werden grundsätzlich nicht übernommen. Faktisch zwingt das zu Einsparungen von beinahe 20 % - fast ein Fünftel der Universität soll  abgewickelt werden. Wie nun bekannt wurde, sollen dabei auch die Altertumswissenschaften aufgegeben werden. Während die zum Teil noch auf viele Jahre besetzten Professuren für Alte Geschichte und Klassische Philologie unter dem Dach der Geschichte ihr Gnadenbrot erhalten, sollen die derzeit vakanten Professuren für Klassische Archäologie und Vor- und Frühgeschichte ganz wegfallen.

Damit folgen Landesregierung und Universitätsleitung demselben Muster, das auch in anderen Fakultäten entsetzt beklagt wird: Gestrichen wird, was möglichst schnell zur Verfügung steht, inhaltliche Erwägungen oder gar ein Gesamtkonzept scheinen keine Rolle zu spielen. Die völlig überraschend nun zur Disposition stehenden Altertumswissenschaften waren  mit Einführung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge 2007 gerade erst eingerichtet worden und hatten einen sehr guten Stand. Sie stärken den Europa-Schwerpunkt der Universität und erfüllen mit hohen Studierendenzahlen, Internationalität in Lehre und Forschung, Drittmittelakquise und Serviceleistungen für die Saarländischen Museen, Ausgrabungsstätten und die Bodendenkmalpflege alle Erwartungen der Universität. Dazu hat die Klassische Archäologie entscheidend beigetragen. Insofern waren sie und die Altertumswissenschaften insgesamt in jedem jüngeren Entwicklungsplan der Universität fest verankert. Plötzlich soll dies nun anders sein!

Ein vom Land in Auftrag gegebenes externes Gutachten des Wissenschaftsrates attestierte, dass das Haushalts-Korsett des Landes eine Fortführung der Universität des Saarlandes (UdS) als Voll-Universität nicht mehr erlaubt. Um nicht in der Breite Qualität einzubüßen, schlug der Wissenschaftsrat daher bei einzelnen großen Fächern harte Einschnitte vor, bis zur Schließung der juristischen Fakultät. Dies wurde von Anfang an nicht ernsthaft diskutiert, es war politisch nicht durchsetzbar. Nun geschieht das Gegenteil, es wird in großer Breite allein nach dem 'biologischen Prinzip' der nächsten Vakanz gekürzt, weder Qualität noch Struktur scheinen eine Rolle zu spielen.

Diese 'Logik' wird bei der Streichung der Klassischen Archäologie besonders eklatant, da sich damit nicht einmal ein nennenswerter Spareffekt erzielen lässt, aber zwei nachgefragte Studiengänge wegfallen müssten und ein dritter starke qualitative Einbußen erlitte. Außer dem gemeinsamen Studiengang „Altertumswissenschaften“ trägt die Klassische Archäologie zusammen  mit der Kunstgeschichte den Studiengang „Bildwissenschaften der Künste“. Auch dieser müsste aufgegeben werden und der einzige Bachelor-Studiengang der gerade erst wiederbesetzten Kunstgeschichte ginge verloren. Weiterhin verlöre die Universität den prestigeträchtigen deutsch-französischen BA-Studiengang Klassische Archäologie, der erst 2013 gemeinsam mit der Université Paris 1 eingerichtet worden ist. Unverantwortlich ausgehöhlt würde auch der interdisziplinäre Studiengang Historisch orientierte Kulturwissenschaften, in dem Archäologie an dritter Stelle der nachgefragtesten Wahlfächer steht.

In der Forschung gehören die Archäologien traditionell zu den drittmittelstärksten unter den Geisteswissenschaften; gerade erst hat die Klassische Archäologie ein DFG-Projekt eingeworben, dessen Ansiedlung an der UdS nun fraglich werden könnte. Dass auch kleine Institute mit begrenzten Ressourcen qualitativ hervorragende und innovative Forschungsarbeit leisten können, hat die Saarbrücker Professur immer wieder bewiesen, einschließlich der öffentlichkeitswirksamen Präsentation. Erwähnt sei nur die Ausstellung „Antike à la carte“ zur Antikenrezeption im Klassizismus, die auch nach Bonn, Stendal und Leipzig gewandert ist und viel Anklang gefunden hat. Gerade im Saarland bietet sich der Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit für die Klassische Archäologie besonders an. Römische Ausgrabungsstätten gehören zu den bedeutendsten Tourismuszielen in dem finanziell strukturschwachen Land. Schon im Sinne der Landesentwicklung kann man sich die Leerstelle nicht erlauben, auf eine kompetente wissenschaftliche Begleitung durch eine eigene Universitäts-Archäologie zu verzichten. Land und Universität dürften sogar berechtigte Hoffnung hegen, bei der Finanzierung der Klassischen Archäologie künftig vom Bund unterstützt zu werden: Will der Bund doch nach Wegfall des Kooperationsverbots im Grundgesetz insbesondere „kleine Fächer“ fördern, wo dies für eine „ausgewogene Wissenschaftslandschaft“ wichtig ist. Diese Chance verbaut sich natürlich, wer das Fach vorher streicht. Wir fordern daher nachdrücklich den Erhalt der Professur für Klassische Archäologie an der Universität des Saarlandes.

 

(English text:)

Preservation of the Chair of Classical Archaeology at Saarland University

Under severe financial pressure by Saarland's state government, Saarland University (Universität des Saarlandes, UdS) is forced to reduce its expenses by almost 20 per cent by the year 2020. In order to meet this requirement, the University Board announced its plans, inter alia, to abolish Classical and Antiquity Studies (Altertumswissenschaften) as an independent department.  While the Chairs of Classics (Philology) and Ancient History, both currently appointed and secure for the coming years, will be preserved (for the moment at least) under the auspices of the Historical Institute, the currently vacant Chairs of Classical Archaeology as well as Prehistory shall be given up completely.

This appears to be a consistent strategy of the state government and the University Board in regards to the financial cuts: throughout the University, the positions that are currently vacant are the most vulnerable and the easiest to cut, and are being cut without any substantial consideration, let alone a recognizable concrete, sustainable overarching concept. The Department of Antiquity Studies has only recently been reformed and established in its current form in accord with the new BA and MA programs of the University. The newly announced plans of disposing of them altogether come as a surprise, seeing that these programs by now have developed a very good standing. They served to strengthen the University’s explicit focus on the study of Europe, they were meeting all of the University’s demands regarding the numbers of students and the international factor, the attraction of third party funding for research as well as providing services for the local museums, archaeological sites and heritage institutions. Classical Archaeology played an important role in this. Thus, Classical Archaeology as well as Altertumswissenschaften as a whole, were firmly established in all of the University's recent development schedules. Why is it no longer the case?     

Given the budget limits imposed by the government, Saarland University is no longer able to keep the standard of a „full“ university, an external report by Germany's Wissenschaftsrat (Council of Science and Humanities, WR) attested. To avoid a wide range quality loss, the WR suggested a limited number of large cuttings, most prominently a closure of the Law Faculty. This proposition was dismissed without further discussion, under political pressure. But the alternative now happening are sweeping cuts throughout the University, based on the „biological principle“ of the next available vacancies, without any recognizable regard for quality or structure of the affected Departments.

In the case of Classical Archaeology, not even a significant savings effect can be achieved; still, two courses with good numbers of attending students have to be permanently cancelled, and a third one would be qualitatively reduced. Apart from being part of the Antiquity Studies Program (Altertumswissenschaften), courses in Classical Archaeology are also part of the University’s Art History Program (BA Bildwissenschaften der Künste). Thus, because of the abolished Classical Archaeology courses, the only BA program of the newly appointed Art History had to be dropped as well. Furthermore, the University would lose the prestigious binational German-French program in Classical Archaeology, freshly established in cooperation with University Paris 1 in 2013. Also, the interdisciplinary Historisch orientierte Kulturwissenschaften Program, officially an UdS landmark, would be eroded with the loss of its third-most demanded participating subject.

Looking at research funding, Archaeology generally has a comparatively high potential of attracting third-party funding, and Saarland's Classical Archaeology Department has just brought in a new project funded by German Research Foundation (DFG). It has proven its ability to support and facilitate excellent and innovative quality research despite the limited resources, combined with effective public presentation, most prominently in the exhibition „Antike à la carte“ on the reception of Antiquity in Classicism. The exhibition received much approval and has been subsequently shown in Bonn, Stendal and Leipzig. Building bridges between Classical Archaeology as a field of inquiry and the public is of particular importance for Saarland: excavation sites of the Roman past are among the economically weakened Land's most prominently popular touristic sites. For the sake of regional development if nothing else, Saarland cannot well afford to create a gap in the knowledge exchange in this context by giving up the competent scholarly consulting provided by the Archaeology Department of its own University. Following the necessary change in Constitutional Law, the German Federal Government has proposed a program supporting „smaller disciplines“ (kleine Fächer), if they are deemed important to a „well-balanced scholarly landscape“. Classical Archaeology at Saarland University could make a perfect case for becoming a recipient of these funds, which would economically relieve the Land and the University, provided it is not shut down before it had a chance to take steps in that direction.

For all these reasons, we insistently demand the preservation of the professorship of Classical Archaeology and the continuation of Classical and Ancient Studies in research and teaching at Saarland University.

Diese Petition wurde übergeben an:
  • Ministerpräsidentin, Ministerin f. Wissenschaft, Forschung u. Technologie, A. Kramp-Karrenbauer
    An die Landesregierung des Saarlandes
  • Präsident des Landtages Hans Ley
    An den Landtag des Saarlandes
  • Präsident der Universität Prof. Dr. Volker Linneweber
    An die Universität des Saarlandes

    Deutscher Archäologen-Verband e. V. startete diese Petition mit einer einzelnen Unterschrift und hat nun 1.708 Unterstützer/innen. Starten Sie heute eine Petition, um sich für Ihr Anliegen einzusetzen.




    Heute: Deutscher Archäologen-Verband e. V. verlässt sich auf Sie

    Deutscher Archäologen-Verband e. V. benötigt Ihre Hilfe zur Petition „An die Landesregierung des Saarlandes: Erhalt der Professur für Klassische Archäologie an der Universität des Saarlandes!”. Jetzt machen Sie Deutscher Archäologen-Verband e. V. und 1.707 Unterstützer/innen mit.