Petition richtet sich an Härtefallkommission und an 1 mehr

Amin gehört nach Lüneburg! Stoppt seine Abschiebung!

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Amin lebt seit zweieinhalb Jahren in Lüneburg, einer mittelgroßen Stadt vor den Toren Hamburgs. Wenn ich mit ihm in der Innenstadt unterwegs bin, muss ich in der Regel mehr Zeit einplanen als sonst. Denn Amin trifft an fast jeder Ecke Menschen, die er kennt, und Menschen die ihn kennen. Manchmal wirkt es so als würde er schon immer in Lüneburg wohnen. Bei allen Fragen und Gesprächen hat er immer eine passende Antwort oder einen Tipp parat. Er kennt sich aus in der Stadt, und auch mit der deutschen Gesellschaft, den Werten, wie auch den Rechten & Pflichten eben dieser.

Doch wie passt das zusammen? Nur so kurz hier und schon verwurzelter als viele, die schon immer hier wohnen? Klingt spannend, aber ist das überhaupt möglich bei jemandem, der bei seiner Einreise nur wenig Deutschkenntnisse hatte?


Amin war es möglich!

Er kam Ende 2014 nach Lüneburg, floh aus Afghanistan über den Landweg nach Deutschland. Nachdem er sein Abitur abgeschlossen hatte, arbeitete er zu Hause als Übersetzer für die NATO, musste dann jedoch vor den Taliban flüchten, da sein Leben unmittelbar bedroht war. Er arbeitete für die Amerikanischen und Englischen Truppen, ersatzweise auch für die Deutsche Bundeswehr.

Sein Fluchtweg führte ihn unter anderem durch Rumänien, wo er von Grenzpolizisten festgenommen wurde und in ein geschlossene Unterkunft gebracht wurde. Amin selbst bezeichnet diesen Ort als Gefängnis. Er wurde aufgefordert seine Fingerabdrücke abzugeben, sonst würde er nicht entlassen werden. Das war das Einzige was er verstand. Amin spricht zwar 6 Sprachen, Rumänisch aber nicht.

So verstand er auch nicht, was dieser Fingerabdruck noch für Folgen haben würde.

Er kam frei und reiste weiter nach Deutschland und kam Ende 2014 nach Lüneburg und sein Asylverfahren lief an.

Und was machte Amin?

Amin packte an. Ihm war es nicht genug in Sicherheit zu leben. Nein, er wollte sich so schnell wie möglich in der deutschen Gesellschaft zurechtfinden, seinen Ausbildungsweg fortführen und vor allem die deutsche Sprache erlernen. Meist lernen diejenigen Geflüchteten, die der Englischen Sprache mächtig sind, langsamer deutsch. Nicht so Amin. Anfangs nahm er an ehrenamtlichen Sprachkursen teil – mittlerweile hat er seinen C1-Kurs abgeschlossen. Damit würde er eine Hochschulzugangsberechtigung erhalten. Doch obwohl es ihm bis dato verwehrt blieb seinen Bachelor in BWL fortzuführen, war ihm der Lüneburger Universitätscampus schnell ein zu Hause. Er studierte als Gasthörer im "Brückenstudium" an der Leuphana Universität, besucht seit über 3 Semestern Seminare und Vorlesungen, und legt auch Prüfungsleistungen erfolgreich ab.

Durch die Teilnahme an universitären Angeboten kam er schnell in Kontakt mit Studierenden und Angestellten der Universität. Es dauerte nicht lange und man fand Amin bei unterschiedlichen Veranstaltungen auf dem Podium als Diskutanten wieder. Gegenüber verschiedenen Bundestagsabgeordneten, UN-Sonderbeauftragten oder dem Lüneburger Bürgermeister konnte er seinen Standpunkt immer eindrucksvoll vertreten. In der Bildungsreihe "Einwanderungsland Europa", organisiert von der Volkshochschule und der Leuphana Universität, war Amin eine Schlüsselfigur und half mit, dass in Lüneburg ein nachhaltiges Verständnis von Integration gelebt – und öffentliche Gespräche zum Zusammenleben in einer Migrationsgesellschaft stattfinden konnten.

Amin lebt Engagement und so ist es nicht verwunderlich, dass er trotz seiner starken zeitlichen Einbindung zudem in zahlreichen ehrenamtlichen Initiativen tätig ist. Angefangen beim Welcome & Learning Center, einem Ort für interkulturellen Austausch, unterstützt Amin abermals mit seinen Sprachkenntnisse, wie aber auch mit seinem Organisationstalent, indem er z.B. Länderabende oder Vorträge über Flucht organisiert. Im Rahmen der No Border Academy referierte er selbst unter dem Motto "Vom Flüchten bis zum Ankommen", alles in deutscher Sprache. Auch diese Veranstaltungsformate waren für eine breite Öffentlichkeit geöffnet, sodass sie erfolgreich Menschen miteinander verbanden und ein gesundes Bewusstsein über Flucht & Migration schafften.

Darüber hinaus engagiert sich Amin im Kulturgarten, einem Ort, welcher zum Ziel hat durch das Gärtnern kulturelle Hürden abzubauen. Nicht wegzudenken ist zudem der Fußball für ihn. Er spielt seit zwei Jahren beim FC Dynamo Lüneburg in der ersten Herren Mannschaft, schaffte es schnell sich in die Herzen seiner Mitspieler zu spielen. Dass nach Amin noch weitere Flüchtlinge zu diesem Verein wechselten, ist ebenfalls Amins Verdienst.

Er kann als eine Art Vorreiter in puncto Integration gesehen werden, indem er als gutes Beispiel vorangeht, und andere Flüchtlinge mitzieht.

Seine äußerst soziale und emphatische Art stellt er auch in seiner Rolle als Kulturmittler bei der AWO unter Beweis. Er begleitet andere Geflüchtete zu Behördenterminen. Er übersetzt. Nicht nur für seine Afghanischen Freunde, sondern auch für Menschen aus Syrien oder dem Sudan. Er spricht fließend arabisch. 

Insbesondere für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge stellt er eine wichtige Bezugsperson dar, sodass er regelmäßig deren Unterkunft besucht, mit ihnen kocht oder Hausaufgaben macht.

Wenn Ihr oder Sie tatsächlich bis hierhin gelesen haben, dann haben Sie hoffentlich mitbekommen was Amin für eine Stellung in Lüneburg für viele Menschen hat. Er ist schlicht nicht mehr wegzudenken aus der Lüneburger Zivilgesellschaft. Als Netzwerker, Wertevermittler und Brückenbauer nimmt Amin eine herausragende Rolle in der Völkerverständigung ein: Er baut Hürden ab und zeigt immer wieder eindrucksvoll, wie es möglich sein kann in heutigen Zeiten Parallelgesellschaften zu vermeiden!

Doch wieso nun diese Petition? 

Amins Asylantrag wurde von den Behörden abgelehnt, da er durch Abgabe seines Fingerabdrucks in Rumänien unwissentlich einen Asylantrag stellte, unter Zwang. Erst nachdem er schon ein knappes Jahr in Deutschland war, erfuhr er durch seine Anwältin, dass es schlecht um sein Bleiberecht stünde. Ohne sein Wissen bekam er in Rumänien einen Schutzstatus gestattet. Der folgende Rechtsstreit um sein Bleiberecht in Deutschland dauert bis jetzt an und wurde von nun doch vom Gericht abgelehnt. Ein Berufungsverfahren hat keine Aussicht auf Erfolg.

Somit versuchen wir, mit Euch und Ihnen, die letzte Möglichkeit auszuschöpfen: Wir bitten die Härtefallkommission des Landes Niedersachsen sich dem Fall anzunehmen und positiv über Amin's Bleiberecht in Deutschland zu entscheiden.

Es gehört zu den Errungenschaften des deutschen Rechts über Härtefallkommissionen einen zweiten Blick auf die Betroffenen zu werfen, abseits der Rechtssprechung.

Und so hoffen wir, dass diese Petition den nötigen Nachdruck verleiht, um die Kommission dazu zu bewegen diese Notlage abzuwenden. Für Amin würde eine Abschiebung nach Rumänien den Verlust seiner bisher aufgebauten Existenz in Lüneburg bedeuten. Für Lüneburg würde dies bedeuten einen geschätzten Mitmenschen zu verlieren, welcher alle Kompetenzen mitbringt hier eigenverantwortlich und sozial integriert zu leben.

Wenn dieser junge Mensch mit so vielen (Sprach-)Talenten unter so widrigen Umständen wie den Verlust von Familie, Heimat und Kultur so unermüdlich für Integration und eine offene Gesellschaft kämpft, sollten wir ihm dafür zutiefst dankbar sein und davon lernen. Ihm den Aufenthalt zu verwehren, wäre ein Nicht-Anerkennen dieser Leistung und ein großer Verlust für unsere aufgeklärte Gesellschaft, die genau auf solche interkulturellen Botschafter wie Amin angewiesen ist.

 

Vielen Dank im Namen von Amin, all seinen Freunden & Unterstützern

Diese Petition wird versendet an:
  • Härtefallkommission
  • Innenministerium Niedersachsen


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