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Petition richtet sich an Alle, die die Aachener Romanistik vor der Schließung retten wollen

Für den Erhalt der Fächer Französisch und Spanisch an der RWTH !

4.270
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I R A R

Eine Initiative zur Rettung der Aachener Romanistik (IRAR)

Die Romanistik darf nicht geschlossen werden! Bitte unterstützen Sie diese Initiative!

Pour la continuation des études de français à Aix-la-Chapelle!

¡Para que se siga estudiando español en Aquisgrán!

 „J’accuse“: So fängt der bedeutungsträchtige offene Brief an den französischen Staatspräsidenten von Emile Zola zur Dreyfus-Affäre an. Wir möchten an dieser Stelle jedoch niemanden anklagen, sondern zur im Raum stehenden Schließung der Romanistik an der RWTH Aachen Stellung nehmen.

 

Wir schreiben das Karlsjahr – 1200 Jahre liegt der Tod Karls des Großen nun zurück –, und ganz Aachen fieberte den europäischen Großereignissen wie der anstehenden Wahl des Europaparlaments und der Karlspreisverleihung entgegen. Ganz Aachen? – Nein. Ein Institut der RWTH kann sich dieser Tage nur schwer seinen eigentlichen Aufgaben, der Vermittlung und Erforschung von französischer bzw. spanischer Sprache, Kultur sowie Literatur, widmen, da es um seine Zukunft bangt.

 

Völlig unverständlicherweise hat das Rektorat der RWTH Aachen bei den zuständigen nordrheinwestfälischen Ministerien beantragt, die Romanistik zu schließen. Und das, ohne zuvor mit Fachvertretern, geschweige denn mit den von den Kündigungen Betroffenen selbst gesprochen zu haben. Der RWTH-eigenen Pressemitteilung zufolge reagiere der Rektor damit auf sinkende Studierendenzahlen im Bereich Französisch und Spanisch. Davon kann keine Rede sein! Mit unvollständigen und daher irreführenden Zahlen kann man der Presse nur ein verzerrtes Bild der Lage entnehmen. Die tatsächlichen Zahlen und Fakten sprechen jedoch eine andere Sprache. In Wirklichkeit nämlich betrug im Wintersemester 2012/13 die Anzahl der Fachanfänger als Studienfälle 83! Hinsichtlich der strukturell und personell vorgegebenen Kapazitäten erreicht die Romanistik mit einer solch hohen Studierendenzahl von 83 nahezu die Auslastungsgrenze (vgl. dazu den aktuellen und offiziellen Zahlenspiegel der RWTH von 2012/13, S.44).

 

Und vom angeblich sinkenden Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern in den Schulfächern Französisch und Spanisch können die Prognosen des NRW-Ministeriums für Schule und Weiterbildung sowie die Berechnungen der Kultusministerkonferenz der Bundesrepublik Deutschland ebenfalls nichts berichten. Das Gegenteil ist der Fall: Diese sagen sowohl für Gymnasien und Gesamtschulen als auch für Berufskollegs gute bis zum Teil hervorragende Einstellungschancen für beide Fächer in den nächsten Jahren voraus. Auf Basis dieser Datenlage sehen wir einen verstärkten Bedarf an der Weiterführung der Lehramtsausbildung in den Fächern Französisch und Spanisch in Aachen, dem Dreiländereck von Belgien, Deutschland und den Niederlanden, und möchten daher hiermit unser Unverständnis über die Pläne zur Schließung der Aachener Romanistik kundtun.

 

Zu Christi Himmelfahrt wird der Internationale Karlspreis, historisch begründet, in Aachen verliehen. „Der Karlspreis wirkt in die Zukunft, er birgt gleichsam eine Verpflichtung in sich, aber eine Verpflichtung von höchstem ethischem Gehalt. (…)“ (Initiator, Dr. Kurt Pfeiffer). Karl der Große, der politische sowie kulturelle Vater Europas und Bildungsreformer, sprach mehrere Sprachen und war ein Befürworter europäischer Sprachenvielfalt. Mit dem Karlspreis, dem ältesten und bekanntesten Preis der europäischen Preise, werden Persönlichkeiten, die zur europäischen Einigung beigetragen haben, ausgezeichnet. Zu dieser europäischen Einigung war die Kenntnis der Sprachen unserer Nachbarinnen und Nachbarn und ihren Kulturen unabdingbar. Dieses Jahr wird der Preis an Herrn Herman Van Rompuy, den ehemaligen Ministerpräsidenten unseres Nachbarlandes Belgien und Präsidenten des Rates der Europäischen Union, verliehen. Der Preisträger verkörpert in seiner Person bereits die europäische Mehrsprachigkeit.

 

Mit der Abschaffung der Fächer Französisch und Spanisch wird nicht nur die europäische Idee konterkariert sondern auch das kulturelle Aachener Erbe gefährdet, und das an einer Hochschule, die sich selbst „europaweit zu den renommiertesten Bildungseinrichtungen“ zählt. Daher ist es in einer Stadt wie Aachen, der Europastadt par excellence, hier im Dreiländereck der Euregio Maas-Rhein, unverständlich, ja bestürzend, dass ausgerechnet zwei Disziplinen mit dieser europäischen Symbolkraft aufgegeben werden sollen. Die Auswirkungen auf Kultur und Gesellschaft bedürfen dringend der öffentlichen Debatte.

 

An der RWTH kann man die Fächer Französisch und Spanisch für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen sowie an Berufskollegs studieren. Vor allem die praxisnahe Ausbildung von Berufsschullehrern, mit der sich die RWTH Aachen gerne profiliert, sorgt zudem dafür, dass die Absolventen nach ihrer universitären Ausbildung problemlos Anstellungen in verschiedenen Berufsfeldern (neben diversen Bildungseinrichtungen auch bei Presse, Verlagen, Kulturinstitutionen, Übersetzungswesen) bekommen. Und dennoch will man den Studierenden diese für das erfolgreiche Wirtschaftsland Nordrhein-Westfalen so dringend notwendige Qualifizierungsmöglichkeit nehmen. Der dramatische Mangel vornehmlich an Berufschullehrern in allen Bundesländern wird insbesondere in Nordrhein-Westfalen als alarmierend beurteilt. Die Kultusministerkonferenz der Bundesrepublik Deutschland befürchtet, dass sich das Problem zukünftig eher noch verschärft denn entspannt. Ein Kollaps des dualen Ausbildungssystems, für das die Bundesrepublik Deutschland international Anerkennung findet, ist nicht auszuschließen, sollten die Studierendenzahlen weiterhin so niedrig bleiben.

 

Nicht zuletzt muss auch auf die Schlüsselrolle der Aachener Romanistik im Bereich der Forschung hingewiesen werden. Die geplante Schließung trifft höchst erfolgreiche Fächer. Sie sind in Lehre und Forschung vielfältig interdisziplinär vernetzt, und zwar national sowie international. Anzuführen wäre hier unter anderem das interdisziplinäre und internationale Infrastrukturprojekt mit der Universität Cocody, Abidjan, an dem neben der Romanistik drei Fakultäten der RWTH (die der Georessourcen und Materialtechnik,  Bauingenieurwesen und Architektur) sowie zahlreiche weitere Lehrstühle mitarbeiten.

 

Nennenswert ist das an der RWTH verortete Belgienzentrum, eine bundesweit einzigartige Institution, die von der Aachener Romanistik gegründet wurde. Darüber hinaus ist beispielsweise der Austausch mit dem Deutsch-Französischen Kulturinstitut sowie mit dem Kulturbetrieb des Stadt Aachen zu nennen. Mit der Schließung der Romanistik würden national, international und interdisziplinär aufgestellte Forschungsprojekte zu Grabe getragen.

 

Das Institut erhält beachtliche Drittmittel namhafter Fördereinrichtungen. Mit seinen Forschungsprojekten und seiner Publikationstätigkeit ist es hervorragend aufgestellt und mit den neugeschaffenen Schwerpunkten Kognition und Digital Humanities ist es auch für die Zukunft bestens gerüstet. Die Studiengänge mit den Abschlüssen Staatsexamen, Bachelor, Master und Promotion in Französisch und Spanisch zählen zu den am meisten nachgefragten der philosophischen Fakultät.

 

Für den Beschluss des Rektorats gibt es also de facto keine inhaltlich nachvollziehbare Begründung. Wenn dieses Vorgehen Schule macht, lässt sich in Zukunft jedes beliebige Fach ohne ersichtlichen Grund abwickeln. Damit würde ein Präzedenzfall geschaffen, der gravierende Folgen für die Ausrichtung der philosophischen Fakultät, wenn nicht sogar für ihre Existenz, haben kann. Ist die RWTH auf dem Weg, ihren Status einer Volluniversität mutwillig abzulegen?

 

Wir fordern das Rektorat der RWTH Aachen auf, die geplante Schließung der Romanistik zurückzunehmen, damit die Romanistik mit der Anglistik und Amerikanistik in ihrem gemeinsamen Institut die erfolgreiche Arbeit in vollem Umfang fortsetzen kann.

 

 

 

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  • Alle, die die Aachener Romanistik vor der Schließung retten wollen


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