Petition update

Doppelmoral im Sprachgebrauch

Ruth und Thomas Hunstock
Germany

Apr 26, 2021 — 

Wenn z.B. Rechtsradikale ihre menschenverachtenden Parolen öffentlich herausposaunen, dann echauffiert sich der Rest der Nation über diese abwertenden Ideologien und man ist sich einig, dass dies auch in einer abwertenden Sprache geschieht. Worte wie z.B. “Arisch“ gelten zurecht als verpönt, da sie an die nationalsozialistische Rassenlehre Deutschlands erinnern.

Diese Einigkeit steht in einem merkwürdigen Gegensatz zu den Reaktionen auf Versuche, einem rassistischen Sprachgebrauch entgegenzuwirken. Begriffe wie z.B. das N- oder M-Wort werden von großen Teilen der Dominanzgesellschaft als “legitim“ oder “traditionelles Wortgut“ angesehen und regelrecht verteidigt.

Auf diesen merkwürdigen Gegensatz macht auch Anatol Stefanowitsch anhand eines Beispiels aus der Kinderliteratur aufmerksam. 

Beispiel N-Wort: Als in der 2013 erschienenen Neuauflage des Kinderbuchs “Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler aus zwei N-lein zwei Messerwerfer wurden, sah das deutschsprachige Feuilleton darin den “Rotstift der Political Correctness“, dem unser “kulturelles Erbe zum Opfer falle“, oder gar eine “orwellsche Auslöschung unserer Vergangenheit“.

Beispiel NS-Zeit: In Enid Blytons 1941 erschienenem Kinderbuchklassiker “The Adventurous Four“ entdecken die Arnold-Kinder während des Zweiten Weltkriegs einen geheimen U-Boot-Stützpunkt der Nazis vor der Küste Schottlands und werden von deutschen Soldaten mit Hakenkreuz-Armbinde gefangen genommen. Als das Buch 1969 ins Deutsche übersetzt wurde, machte man aus den deutschen Nazis Unpolitische und Waffenschmuggler ungenannter Nationalität, ließ die Geschichte aber weiterhin im Zweiten Weltkrieg spielen. Die Sorge des Feuilletons bezüglich der damit begangenen Verfälschung des literarischen Werkes oder der jüngeren deutschen Geschichte lässt bis heute auf sich warten.

Es ist also weder die Unversehrtheit literarischer Texte und kultureller Traditionen, noch eine allgemeine Abneigung gegen Sprachverbote, die die Kritiker*innen politisch korrekter Sprache antreibt. All diese Argumente werden immer nur dort ins Feld geführt, wo es darum geht, abwertende Bezeichnungen und Sprachstrukturen zu vermeiden, um eine sprachliche Gleichbehandlung marginalisierter Gruppen herzustellen.

Da aber an dieser Gleichbehandlung nichts kritikwürdig ist, versuchen Kritiker*innen diskriminierungssensibler Sprache u.a. auch unsere Petition durch Wörter wie “Gutmenschen-“ oder “Moralaposteltum“ in öffentlichen Kommentaren lächerlich zu machen.


Keep fighting for people power!

Politicians and rich CEOs shouldn't make all the decisions. Today we ask you to help keep Change.org free and independent. Our job as a public benefit company is to help petitions like this one fight back and get heard. If everyone who saw this chipped in monthly we'd secure Change.org's future today. Help us hold the powerful to account. Can you spare a minute to become a member today?

I'll power Change with $5 monthlyPayment method

Discussion

Please enter a comment.

We were unable to post your comment. Please try again.