Neuverhandlungen zum Völkermord MIT UNS, den überlebenden Nama & Ovaherero JETZT!

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English Version
Wir sind die Nama-Vertreterin Sima Luipert und der Herero-Aktivist Israel Kaunatjike. Als neue deutsche Außenministerin, Frau Baerbock, fordern wir Sie dazu auf, die gescheiterten deutsch-namibischen Regierungsverhandlungen über den Völkermord an unseren Vorfahren neu zu beginnen.
Wir fordern dafür eine Einbeziehung unserer Nama- und Ovaherero-Vertreter*innen.

Wie viele unserer Schwestern und Brüder haben auch wir deutsche Vorfahren. Denn als wir Nama und Ovaherero uns 1904-08 gegen die deutsche koloniale Fremdherrschaft wehrten, wurden wir nicht nur brutal ermordet, zum Verdursten in die Wüste getrieben, gezwungen in andere Länder zu fliehen, in Konzentrationslagern gefoltert, getötet und in Ketten zur Schwerstarbeit gezwungen. Nein, unsere Vorfahren wurden auch systematisch vergewaltigt.

Doch der von Deutschland begangene Genozid zieht sich nicht nur durch unsere Familiengeschichten. Er bestimmt auch unsere gegenwärtige Existenz. Bis heute sind 70% der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen Namibias in den Händen weißer Siedler, von denen ein großer Teil deutscher Abstammung ist. Nach der Enteignung durch die Deutschen haben wir Nama und die Ovaherero unser Land und Vieh nicht zurückbekommen. Viele von uns sind bis heute mittellos und leben in Reservaten.

Zusätzlich zu all diesen historischen Traumata, wurde das von uns und den namibischen Oppositionsparteien vehement kritisierte „Versöhnungsabkommen” von 2021 unter Regie des deutschen Außenpolitikers Ruprecht Polenz (CDU) mit der namibischen Regierung ausgehandelt. Unsere beiden größten Verbände, die Nama Traditional Leaders Association (NTLA) und die Ovaherero Traditional Authority (OTA), waren als selbstständige Stimmen von diesem Regierungsdeal ausgeschlossen. Das ist ein Skandal und macht uns traurig und wütend!

Dieser Ausschluss unserer Nichtregierungsorganisationen ignoriert nicht nur eine anderslautende Resolution des namibischen Parlaments aus dem Jahr 2006, die vom damaligen Paramount Chief der Ovaherero selbst eingebracht wurde. Namibia und Deutschland verstoßen damit auch gegen die UN-Deklaration über die Rechte indigener Gemeinschaften von 2007, die in Artikel 18 erklärt, dass unseren selbstgewählten Vertreter*innen ein Mitspracherecht zusteht. 

Auch den Opfern des Genozids an den Juden Europas hat Deutschland dieses Recht zugestanden. So wurden diese seit den Verhandlungen zum Luxemburger Abkommen 1952 nicht nur durch die Regierung Israels, sondern auch durch die zivilgesellschaftliche Claims Conference repräsentiert. Diese vertritt die Interessen zahlreicher jüdischer Nichtregierungsorganisationen in Israel und weltweit. Analog dazu kann auch die Regierung Namibias nicht allein für uns Nama und Ovaherero sprechen, da wir ethnische Minderheiten im eigenen Land sind. Außerdem wurden Teile unserer Gemeinschaften nach Südafrika, Botswana und Angola vertrieben worden.

Deutschland brüstet sich mit seiner selbstkritischen Erinnerungskultur, insbesondere was das Gedenken an den Holocaust angeht. Der deutsche Kolonialismus wird aber - trotz vieler Bekenntnisse - zu oft unter den Teppich gekehrt. 

Dabei war die von Deutschland beabsichtigte Vernichtung unserer Gemeinschaften eine Vorstufe auf dem Weg zum Holocaust. In unserem Land wurden die ersten deutschen Konzentrationslager eingerichtet. Direkt nach dem Völkermord betrieb der Anthropologe Eugen Fischer in der Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ rassistische Studien. Seine Beiträge zur „Rassenhygiene“ haben Hitlers Weltanschauung und die menschenfeindliche Politik der Nationalsozialisten stark beeinflusst. Zugleich werden in Deutschland bis heute an vielen Orten die Täter glorifiziert statt der Genozidopfer gedacht. In Hamburg und Bonn wird sogar der hauptverantwortliche General Lothar von Trotha im Stadtraum geehrt. In Deutschlands offiziellem Gedenken spielt der Völkermord an den Nama und Ovaherero so gut wie keine Rolle und selbst die Regierung Namibias erinnert nur selten an ihn.

Die zwischen der deutschen und der namibischen Regierung ausgehandelte „Aussöhnung” des letzten Jahres ist eine Farce und hat uns im Gegenteil sehr verletzt. Frau Baerbock, machen Sie die Fehler des konservativen Verhandlungsführers auf deutscher Seite wieder gut: stehen Sie zu den Forderungen Ihrer Partei von 2020 und verhandeln Sie auch mit uns - gleichberechtigt, inklusiv und ohne Vorbedingungen. Die Ovaherero Traditional Authority und die Nama Traditional Leaders Association repräsentieren über 90% unserer Gemeinschaften und sind daher legitime Betroffenenvertretungen. Sie setzen sich auch für die Belange der in der Diaspora lebenden Ovaherero und Nama ein. Frau Baerbock, sprechen Sie MIT UNS - nicht ÜBER UNS: nur so ist echte Versöhnung möglich!

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