Petition update

Pere Grau i Rovira: «Ein bewegender Brief des katalanischen Vizepräsidenten»

Prof. Dr. Axel Schönberger
Germany

Dec 26, 2017 — Der legitime katalanische Vizepräsident und ehemalige Europa-Abgeordnete Dr. Oriol Junqueras, der nach wie vor als politischer Gefangener in spanischer Haft seiner Freiheit beraubt wird, hat aus dem Gefängnis einen bewegenden Brief an seine Kinder geschrieben, den Pere Grau i Rovira ins Deutsche übersetzt hat. Nachstehend folgt die Übersetzung des Briefes samt der Einleitung von Pere Grau i Rovira (Hamburg):

«Pere Grau i Rovira:
Ein bewegender Brief

Der inhaftierte Vizepräsident der katalanischen Regierung, Dr. Oriol Junqueras, hat zu Weihnachten einen bewegenden Brief an seine kleinen Kinder geschrieben. Es sind ehrliche und tiefempfundene Zeilen eines grundanständigen Mannes, der aufgrund von willkürlichen Anklagen, die in keinem anderen europäischen, demokratischen Land aufrecht zu halten wären, im Gefängnis sitzt. Dr. Junqueras ist ein vielseitiger Gelehrter, Historiker, Schriftsteller und Politiker. Er ist Vorsitzender der Partei ‛Katalanische Republikanische Linke’ (ERC), er war einige Jahre Bürgermeister des Städtchens Sant Vicens dels Horts, nahe Barcelona, und seit 2015 Vizepräsident der katalanische Regierung und Landesminister für Wirtschaft. Ich schiebe andere geplante Artikel auf, um Platz für diese traurige Zeilen zu machen.

‟Oriol Junqueras:
Brief an meine Kinder

Heute konnte ich zwei Stunden mit meinen Kindern verbringen. Wahrscheinlich werde ich sie bis etwa in einem Monat nicht wiedersehen. Die Norm bestimmt, daß Kinder (größere und kleine) ihre Eltern nur zwei Stunden im Monat sehen dürfen. Mit dieser Art von Normen, mit dem Vorwand, die Eltern zu bestrafen, straft man in Wirklichkeit noch schlimmer die Kinder.

Wenn es das Ziel einer Inhaftierung ist, einen Vater zu bestrafen – das Gesetz besagt übrigens, daß der Sinn der Haft nicht die Strafe, sondern die Wiedereingliederung sei –, gibt es sicher andere geeignete Maßnahmen, die keine Strafe für die Kinder bedeuten würden. Zum Beispiel, einem inhaftierten Vater eine Stunde Hofgang streichen oder eine Stunde weniger in der Bibliothek zuzugestehen oder irgendwas in der Art. Aber was hat es für einen Sinn, daß Kinder (unschuldig per Definition) ihren Vater nur zwei Stunden im Monat sehen dürfen?

In diesem Sinne möchte ich wenigstens heute auf jegliche Unterscheidung zwischen präventiv Inhaftierten und verurteilten Gefangenen verzichten, weil ich den Eindruck habe — richtig oder falsch —, daß es an dieser Stelle überflüssig wäre.

Zu verbieten, daß Kinder mehr als zwei Stunden im Monat ihren Vater sehen dürfen, scheint mir so unnötig (und so schwer zu verstehen und zu begründen), daß ich — vielleicht unbescheidenerweise — überzeugt bin, daß alle Leser, die auch Eltern sind, verstehen werden, daß ich die Notwendigkeit empfinde, mich vor meinen Kindern zu erklären, und mit Eurer Erlaubnis tue ich das jetzt:

«Meine Kinder, vielleicht seid Ihr glücklicherweise noch zu klein, um zu verstehen, warum Ihr Euren Vater nur zwei Stunden im Monat sehen dürft. Vielleicht wird Euer Vater nicht miterleben können, wie Ihr lesen oder schreiben lernt. Aber Ihr werdet lernen, daß es an Eurer Seite viele Menschen gibt, die diese Abwesenheit mit viel Liebe ausgleichen werden. So daß Ihr eines Tages diesen Brief lesen könnt, den Euch Eurer Vater geschrieben hat, nachdem er mit Euch zwei Stunden verbringen durfte. Nur zwei Stunden.

Ich möchte, daß Ihr wißt, daß ich mein Leben dem Studium und der Forschung gewidmet habe, dem Lehramt und der politischen Vertretung meiner Mitbürger. Ich habe an vier Postgradestudien teilgenommen, zwei Master-Titel und einen Doktorgrad erworben. Ich habe Studenten in den unterschiedlichsten Studienrichtungen in zahlreichen Fächern unterrichtet. Ich habe dutzende von Artikeln, hunderte von Radioprogrammen, dutzende Forschungsartikel und viele Bücher geschrieben.

Ich bin diesen Aufgaben auch in mehr oder weniger langen Aufenthalten in Rom, im Geheimarchiv des Vatikans, in Kuba, in Brüssel, in Straßburg, Tokio, etc. nachgegangen. Als Lehrer, Publizist, Schriftsteller und politischer Vertreter habe ich immer in Verteidigung des Rechts und der menschlichen Würde gesprochen, geschrieben und gewirkt. Und dies immer und ohne Ausnahme.

Und sehr viele Menschen werden bezeugen können, daß Euer Vater ein guter Mensch ist, ein ehrlicher und arbeitsamer Mensch, der die Güte und die Menschen innig liebt. Im Mittelpunkt dieser Liebe, was er mehr als alles andere auf dieser Welt liebt, steht Ihr und Eure Mutter.

Jetzt kann ich Euch diese Liebe nicht so sehr beweisen, wie ich es gerne täte und wie Ihr es verdient. Aber diese Leere wird durch eine Unzahl von Müttern und Vätern, von guten Menschen überall gefüllt werden. Sie kennen die Wahrheit und werden Euch in ihren Gebeten, Gedanken, Grüßen, Gesten und Taten einschließen. Weil sie wissen, daß Euer Vater der Liebe und der Würde verpflichtet ist, und sie werden nie erlauben, daß es Euch an etwas fehlt.

An sie alle empfehle ich mich, mit unendlichem Vertrauen und in der Gewißheit, daß sie zusammen mit Euch das Glück suchen werden. Wenn vor den Augen Gottes und der Menschheit die Beharrlichkeit, Gutes zu tun, ihre Rechtfertigung findet, könnt ihr darauf vertrauen, daß wir das Richtige tun.

Ich liebe Euch so sehr, wie alle Eltern ihre Kindern lieben. Und in aller Bescheidenheit, noch etwas mehr, glaube ich.»”

Und dieser Mann wird mit einer dreißigjährigen Gefängnisstrafe bedroht …»


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