Petition update

«Schindluderpresse» vs. objektive Berichterstattung

Prof. Dr. Axel Schönberger
Germany

Dec 11, 2017 — Der überwiegende Teil der deutschsprachigen Presseberichterstattung zu den Souveränitätsbestrebungen Kataloniens ist bislang nicht objektiv, sondern parteiisch. Informationen werden fast nur aus spanischsprachigen, nicht aber aus katalanischsprachigen Medien übernommen. Fakten werden bisweilen verschwiegen, bisweilen frisiert. Demonstrieren etwa Gegner der Unabhängigkeitsbewegung für Spanien, so werden Teilnehmerzahlen genannt, die weit über den jeweiligen offiziellen polizeilichen Schätzungen liegen. Demonstrieren dagegen Befürworter der spanischen Republik, die sich von der spanischen Monarchie lösen wollen, so werden niedrigere Zahlen angegeben, als von der Polizei veröffentlicht. (Die belgische Polizei hat beispielsweise nach Auswertung aller Daten und Videos nachträglich die Angabe der geschätzten Teilnehmerzahl der Brüsseler Großdemonstration vom 7. Dezember 2017 unter dem Motto "Wake up Europe!" auf rund 65.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach oben korrigiert.)

Eine Berichterstattung, die

— ausblendet, daß in Spanien mindestens seit September 2017 millionenfach und massiv zentrale Menschenrechte verletzt wurden und werden, obwohl Spanien diese in seiner Verfassung und durch internationale Verträge (auch im EU-Vertrag!) anerkannt und sich ihnen unterworfen hat,

— übersieht, daß Spanien durch seine fortwährenden Menschenrechtsverstöße auch gegen Artikel 2 des EU-Vertrags verstößt,

— nicht recherchiert, daß die derzeitigen Maßnahmen der spanischen Zentralregierung gegen organisches Recht des spanischen Staates verstoßen und in dieser Form nicht durch Artikel 155 der spanischen Verfassung gedeckt sind, der im übrigen infolge der Verankerung der Menschenrechte in der spanischen Verfassung nur menschenrechtskonform ausgelegt und angewandt werden dürfte,

— nicht recherchiert, daß weder die spanische Zentralregierung noch der spanische Senat — nach spanischem Recht! — befugt waren und sind, das demokratisch gewählte katalanische Parlament aufzulösen, die vom katalanischen Volk demokratisch gewählte Regierung Kataloniens abzusetzen und Neuwahlen für Katalonien auszuschreiben,

— nicht recherchiert, was wirklich im spanischen Strafgesetzbuch steht und inwiefern dies zu den Tatvorwürfen paßt, die derzeit prominenten katalanischen Politikern gemacht werden,

— nicht recherchiert, welche Gesetze aus der Franco-Zeit derzeit in Spanien gegen katalanische Politikerinnen und Politiker angewandt werden,

— nicht recherchiert, wie es um die Gewaltenteilung in der spanischen Monarchie faktisch bestellt ist,

— nicht ausreichend recherchiert, welche Korruptionsvorwürfe dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy und seiner Partei gemacht werden,

— verschweigt, daß die Befürworter der katalanischen Souveränität weltoffen, (zumindest, trotz des bisherigen moralischen Versagens der politischen Führer Europas in der Katalonienfrage, bislang noch) europafreundlich und demokratisch gesinnt sind sowie daß sie für Völkerverständigung und Solidarität eintreten,

behandelt Millionen von katalanischen Bürgerinnen und Bürgern der Europäischen Union und ihre Anliegen durch eine unausgewogene, parteiische Berichterstattung in derart übler und schändlicher Weise, daß es nicht unangebracht zu sein scheint, diesbezüglich von einer einseitigen «Schindluderpresse» zu sprechen, die den Ansprüchen des deutschen Pressekodex nicht gerecht wird.

Demgegenüber gibt es durchaus auch Presseberichte sowie Radiosendungen, die ausgewogen und informiert über die Lage in Katalonien berichten. Ein Beispiel für eine bislang stets um Objektivität bemühte Berichterstattung sind u. a. die Artikel aus der Feder von Krystyna Schreiber. Ein Beispiel kann untenstehend nachgelesen werden. Dagegen nehmen Katalonien-Kenner offensichtlich uninformierte Artikel, wie sie etwa Hans-Christian Rößler, der darüber hinaus über keine ausreichenden Katalanisch-Kenntnisse zu verfügen scheint, in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" veröffentlicht, ob ihrer Einseitigkeit und teilweise auch Parteilichkeit mit erheblichem Stirnrunzeln zur Kenntnis. Offensichtlich fehlt insbesondere den Journalisten der FAZ bislang eine ausreichende Expertise, um die Lage in Katalonien einigermaßen ausgewogen beurteilen und objektiv über diese berichten zu können.


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