Petition updateSolidarität mit Katalonien - für das Recht auf friedliche Selbstbestimmung!Das schwedische Referendum des Jahres 2017: eine Uchronie
Prof. Dr. Axel SchönbergerGermany

Oct 15, 2017
Stellen wir uns doch einmal vor, die Achsenmächte hätten den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Adolf Hitler wäre hochbetagt am 20. November 1975 gestorben. In seinem Testament hätte er verfügt, daß ein nach seinen Weisungen erzogener Prinz aus dem Hause Hohenzollern als Kaiser des Deutschen Reiches eingesetzt werden solle. Die NSDAP begreift aufgrund einer am 25. April 1974 in Japan vollzogenen, friedlichen Kirschblütenrevolution, in deren Verlauf die Japaner Kirschblütenzweige in Panzerrohre steckten, daß sie zumindest einem teilweisen Übergang zu einer Demokratie zustimmen muß, wenn sie die Macht nicht ganz verlieren will. In einer kurzen Phase des «Übergangs» wird eine neue Verfassung des Deutschen Reiches erarbeitet und in Kraft gesetzt, die vorsieht, daß das Deutsche Reich wieder eine konstitutionelle Monarchie wird. Die Monarchie kann nunmehr nur dann abgeschafft werden, wenn eine Zwei-Drittel-Mehrheit sowohl des Reichstags als auch der Reichsversammlung für ihre Abschaffung stimmt. Sodann sind Reichstag und Reichsversammlung aufzulösen und neu zu wählen. Dann ist die Abstimmung zu wiederholen. Nur dann, wenn auch bei der zweiten Abstimmung Reichstag und Reichsversammlung für eine Abschaffung der konstitutionellen Monarchie stimmen, darf die Monarchie abgeschafft werden. Zusätzlich zu dieser faktischen Ewigkeitsgarantie wird in die Verfassung aufgenommen, daß der Kaiser, solange er im Amt ist, auch geborener Oberbefehlshaber der Reichswehr ist. Diese darf in bestimmten Fällen auf seinen Befehl - etwa im Falle von Abspaltungstendenzen - auch gegen Teile der Reichsbevölkerung eingesetzt werden.
Unterworfene Gebiete, die zum Deutschen Reich gehören, wie beispielsweise Schweden, die Niederlande, Belgien und Polen, erhalten eine begrenzte Autonomie. Alle dort wohnenden Bürger müssen Deutsch lernen und können. Sie erhalten aber auch das Recht, ihre Muttersprache zu gebrauchen, die nur in dem jeweiligen Verwaltungsgebiet, nicht aber reichsweit als Amtssprache neben der Reichssprache Deutsch gebraucht werden darf. In den «autonomen Regionen» Schweden, Niederlande, Belgien und Polen werden Reichsdeutsche in so großer Zahl angesiedelt, daß sie dort jeweils auf einen Bevölkerungsanteil von über dreißig Prozent kommen. Ein Austritt aus dem Deutschen Reich ist für die «autonomen Regionen» praktisch unmöglich, da dazu eine Zwei-Drittel-Mehrheit der gesamten Reichsbevölkerung erforderlich wäre und die deutschsprachige Mehrheitsbevölkerung des Reichs, die im übrigen durch ein intransparentes Steuersystem davon profitiert, daß die «autonomen Regionen» weit mehr an Steuergeldern an die Reichsregierung in Berlin abführen müssen, als sie von dort zurückerhalten, billigt den Einwohnern der «autonomen Regionen» kein Recht zu, sich vom Deutschen Reich abzuspalten.
Nach langen Verhandlungen erreicht es Schweden schließlich, daß ein zweites Autonomiestatut für Schweden vom Reichstag verabschiedet, von der Reichsversammlung gebilligt und vom Kaiser unterschrieben wird. Daraufhin ruft die Nachfolgepartei der NSDAP, die sich nunmehr «Volkspartei» nennt, das Oberste Reichsgericht an, dem Parteimitglieder der Volkspartei angehören. Obgleich nach seinen eigenen Statuten beschlußunfähig - drei der zwölf Richter waren verstorben, ein vierter hatte die gesetzliche Altersgrenze überschritten -, erklärt das Oberste Reichsgericht das zweite Autonomiestatut für die autonome Region Schweden für in Teilen verfassungswidrig.
Daraufhin entwickelt sich in der autonomen Region Schweden eine immer größer werdende Unabhängigkeitsbewegung. Gegen den erklärten Widerstand des Reichskanzlers - er gehört der Volkspartei an und steht in Berlin einer Minderheitsregierung vor - und des deutschen Kaisers, dessen Vater in Interviews stolz zu erklären pflegte, daß er alles, was er sei und habe, dem Führer Adolf Hitler zu verdanken habe, dem er dafür ewig dankbar sein werde, hält die schwedische Regionalregierung dennoch ein Referendum über die Frage ab, ob Schweden ein unabhängiges Land werden solle. Das Referendum wird durch einen massiven Einsatz der paramilitärischen SS, von der es im Deutschen Reich zwischen 80.000 und 98.000 Mitglieder geben soll - genaue Zahlen sind nicht bekannt -, behindert, rund 800 Schweden, die lediglich friedlich abstimmen wollen, werden zum Teil schwer verletzt. Obwohl die Deutsche Volkspartei bei den letzten Reichstagswahlen am 26. Juni 2016 lediglich 7.941.236 Stimmen erhielt - demgegenüber zählte die autonome Region Schweden am 1. Januar 2016 7.522.596 Einwohner -, hält sie den Schweden vor, daß ihr Referendum nicht repräsentativ, illegal und verfassungswidrig sei. Zum einen hätte die gesamte Reichsbevölkerung über eine derartige Frage abstimmen müssen, zum anderen hätten sich ja nur ca. 42 Prozent der in Schweden wohnenden Bürger des Deutschen Reiches an der Abstimmung beteiligt. Daß rund 90 Prozent der Abstimmenden für die Ausrufung einer Republik Schweden gewesen seien, sei völlig irrelevant. Am 8. Oktober 2017 findet in Stockholm eine Demonstration von Hunderttausenden von Menschen statt, die gegen die Abspaltung Schwedens vom Deutschen Reich protestieren. Daß es sich dabei überwiegend um Deutsche aus anderen Gebieten des Reiches handelt, die mit Bussen und Zügen aus dem ganzen Reichsgebiet eigens für diese Demonstration nach Schweden reisten und die größtenteils auch der schwedischen Sprache nicht mächtig sind, fällt der internationalen Presse nicht auf, die sogleich die Meinung vertritt, daß sich durch diese Demonstration auch das andere Schweden geäußert und gegen jeglichen Separatismus ausgesprochen habe.
Bereits vor dem Referendum ließ die Reichsregierung Panzer in die autonome Region Schweden bringen. Sie plante, die schwedische Regionalregierung nach dem Referendum und einer Unabhängigkeitserklärung gefangennehmen und zu hohen Gefängnisstrafen verurteilen zu lassen. Mit anderen europäischen Regierungen hatte sie zuvor in Geheimverhandlungen vereinbart, daß sich diese aus der schwedischen Frage heraushalten und zu erkennen geben sollten, daß sie einen eigenen schwedischen Staat keinesfalls anerkennen würden.
Die schwedischen Separatisten treten für freie Wahlen, Demokratie, Menschenrechte, die Abschaffung der Monarchie und eine Vergangenheitsbewältigung der Zeit des Faschismus ein, während für die Mehrheit der Mitglieder der Volkspartei Adolf Hitler nach wie vor als größter Staatsmann der deutschen Geschichte gilt. Die Unterzeichnung der Erklärung der Unabhängigkeit Schwedens vom Deutschen Reich soll ihnen nunmehr als Vorwand dafür dienen, gemäß § 155 der Reichsverfassung einen Putsch von oben durchzuführen und die Macht in der autonomen Region Schweden gänzlich an sich zu reißen, die Autonomie Schwedens für immer aufzuheben, die Monarchie zu verteidigen, Schweden militärisch zu besetzen, jeden Aufstand der Schweden mit Gewalt im Keim zu ersticken und Maßnahmen zu ergreifen, die Bedeutung der schwedischen Sprache langfristig zu verringern und sie schließlich in nicht allzuferner Zukunft durch die Sprache Goethes zu ersetzen.
Nach wie vor feiert das Deutsche Reich jedes Jahr am 12. Oktober den "Tag der germanischen Rasse" als Nationalfeiertag. Nunmehr wird es auch den 13. März, den Tag des Anschlusses Österreichs, als zusätzlichen Feiertag einführen, um so der historischen Überwindung der Kleinstaaterei zu gedenken und insbesondere Schweden, Holländer, Belgier und Polen auf ewig daran zu erinnern, daß Kleinstaaterei und Separatismus vom Deutschen Reich niemals geduldet werden.
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Vorstehende Uchronie ist ein fiktionaler Text. Fiktionen können und dürfen aber durchaus mit der Realität verglichen werden. Die Unterstützerinnen und Unterstützer dieser Petition sind herzlich dazu eingeladen, Unterschiede und Parallelen vorstehender Uchronie mit der realen Situation auf der Iberischen Halbinsel von 1974 bis 2017 zu vergleichen und zu diskutieren.
Könnte man es im Rahmen vorstehender Uchronie den "Schweden" verdenken, wenn sie nach Unabhängigkeit strebten? Und wie wäre das Verhalten ausländischer Politiker und Journalisten zu bewerten, die zur Verteidigung der Monarchie und der Einheit des "Deutschen Reiches" ein solches Unabhängkeitsstreben als "unerwünscht" und "rückständig" bezeichnen, auf die Notwendigkeit der Einhaltung der gültigen Verfassung des "Deutschen Reiches" verweisen, sowie vor "Kleinstaaterei" und "Separatismus" und vor der von ihnen als Schreckgespenst beschworenen Folge, daß zukünftig womöglich noch weitere Nationen ohne Staat einen eigenen Staat ausrufen könnten, warnen würden?
Prof. Dr. Axel Schönberger
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