Petition updateÜberbevölkerung – Globaler Geburtenstopp jetzt! * Overpopulation – Global Birth Stop now!Prof. Niemitz: „Auch 'kluge' Konzepte ignorieren das Bevölkerungswachstum“
Achim WolfGermany
May 21, 2020

*** Gastbeitrag von Prof. Dr. Carsten Niemitz: Frage und Antwort zur Bevölkerungsentwicklung und Lebensplanung ***
Fragen von Zuhörern bei seinen Vorträgen:
Wenn Sie davon reden, Lebensplanung und Bevölkerungswachstum als relevanten Aspekt des Klima­wandels einzubeziehen, wie stellen Sie sich eine Umsetzung dieses Ansatzes vor? Sie sagen, wir sollen anfangen, vor der eigenen Türe zu kehren, aber würden Sie tatsächlich eine 1-Kind-Politik in Europa einführen? Würden Sie einen derart starken Eingriff der Politik in private Bereiche befürworten oder hoffen Sie auf die individuelle Einsicht der Menschen? Obwohl Sie natürlich absolut recht haben und wir mit weniger Menschen die jetzigen Klimaprobleme in dem Ausmaße nicht hätten, sehe ich es nicht als Option den Menschen eine Familie oder sogar eine Großfamilie zu verweigern. Ich fände es schlimm, Paare zu kennen, die eigentlich gerne Geschwisterkinder gehabt hätten und sich dann aus Klimabedenken für ein Einzelkind entschieden haben. Da würde ich sehr viel mehr und stärkere Ein­schränkungen in anderen Bereichen in Kauf nehmen, bevor ich mich bei der Familienplanung (gegen meinen eigentlichen Wunsch) einschränken muss.   
Antworten von Prof. Dr. Niemitz:
Viele Fachleute belegen mit eindrucksvollem Zahlenmaterial, dass wir schon seit mehreren Jahrzehn­ten zu viele Menschen auf der Welt sind. ‚Zu viele‘ heißt hier, dass die Anzahl von Menschen unseren friedlichen Fortbestand als biologische Art gefährdet. Man kann z.B. beobachten, dass die Natur­reserven der Welt – die nach einhelliger Auffassung das Fundament unserer Existenz darstellen - etwa seit hundert Jahren kontinuierlich stärker geschädigt werden als sie sich regenerieren können. Das Faktum selbst wird nur von Menschen bestritten, die auch die physikalischen Grundlagen der Treibhausgase oder den Ökologischen Fußabdruck verneinen. Einer diktatorisch oktruierten 1-Kind-Politik, nach der sie fragen, stehe ich zum ablehnend gegenüber. Im totalitären China hat sie sich in den Jahren 1979 bis 2016 als nicht durchsetzbar erwiesen: dort nahm die Geburtenziffer ähnlich wie z.B. in musli­mischen Staaten ab. In der Wachstumskurve ist die 1-Kind-Politk nicht abgebildet. (http://bevoelkerung.population.city/china/
Zum zweiten sind gesetzliche Vorschriften zur Fami­lienplanung die denkbar stärksten Eingriffe in die persönliche Lebensführung. Aber in einem leckgeschlagenen Schiff kann man nicht zu lange diskutieren, wer denn nun lenzen soll und wer darauf warten soll, dass die Anderen es tun. Die Länder mit den höchsten Geburtenziffern würden von einer zukunftsorientierten Politik der Familienplanung am meisten profitieren. Vor fast 30 Jahren (!) formulierte es der Club of Rome am Beispiel von Indien mit folgenden Worten: „Rückblickend kann man sich nur fragen, wo reiche Länder wie Indien, das von der Natur so gut ausgestattet wurde, heute stehen würden, wenn ihre Bevölkerungszahl seit Anfang des 20. Jahrhunderts nicht gewachsen wäre.“
Ganz aktuell hat uns das Bemühen der Regierungen um die Verhinderung von vielen Todesfällen, z.B. in Deutschland, gerade in diesen Monaten gezeigt, dass auch in demokratischen Ländern notstandsartige Gesetze zur Abwehr größerer Gefahren „im Handumdrehen“ erlassen und durchgesetzt werden können. Nun wird gerade die Pandemie, die wir derzeit erleben, auch von renommierten Fachleuten mit drei Faktoren in Ver­bindung gebracht: Bevölkerungsdichte, Wohlstand (Reisen/Berufsmobilität) und fehlerhaftem Umgang mit Naturressourcen. Dazu, dass die Bevölkerungsdichte uns mit einer globalen Virenseuche überfallen könnte, hatte auch die schillerndste Phantasie der breiten – auch der gebildeten – Öffentlichkeit nicht ausgereicht. Womit sich der Ressourcenraubbau der zu vielen Menschen das nächste Mal rächen wird – weiß niemand.  Sicher würden die meisten Regierungen sehr (!) lange zögern, bis sie die Bevölkerungsentwicklung offen als ursächlich erklären und „corona-analoge“ Vor­schriften zu Geburtenkontrolle erlassen. Angesichts der Klimaentwicklung, die höchst fachkompetent als ‚Selbstverbrennung‘ bezeichnet wird, angesichts der internationalen Spannungen um Öl, dem kollapsartigen Absturz der Biodiversität mit ungeahnten Folgen für Natur und Landwirtschaft usw., kann man aber nicht ausschließen, dass so etwas auf uns zukommt, - wobei wir immer in genau den Jahrzehnten rechnen müssen, die wir bei einer Familienplanung der nächsten Generation schenken oder aufbürden – je nachdem.  
Wenn sie „sehr viel mehr und stärkere Einschränkungen in anderen Bereichen in Kauf nehmen“, mag das für ihre Gegenwartsfamilie vielleicht ein denkbares und vielleicht auch ein ressourcenschonendes Konzept sein.  Sie treffen damit aber auch eine Entscheidung für ihr Kind. Ich bin über 70 Jahre alt und denke vielleicht mehr daran als jüngere, daran dass die nächste Generation bald allein leben und entscheiden wird. Eine Entscheidung kann ihnen in dieser erfreulich freien Welt niemand abnehmen. Wir müssen den Mut haben zu erkennen, dass uns das Leben oft erst später sagt, ob wir richtig gehandelt haben oder nicht.  In meinem Buch endet das Kapitel zur Bevölkerungsentwicklung mit dem Satz: Wer „keine Diktatur will, dem demokratischen System aber pragmatische, zeit­gerechte Implementierung nicht zutraut, hat nur eine dritte Wahl. Es ist die absolut basis­demokratische, individuelle Entscheidung der/des Einzelnen, die Familienplanung selbst in die Hand zu nehmen.“
© Carsten Niemitz, Mölln 17. Mai 2020
Video des Vortrags: https://tum.cloud.panopto.eu/Panopto/Pages/Viewer.aspx?id=84ff556f-f6bf-40f2-8a44-abb400b7e9be
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