

Warnung vor dem Nichtstun: Schock-Prognose zur Klimakatastrophe: Mitte des Jahrhunderts ist die Menschheit am Ende
Freitag, 07.06.2019, 12:35
Düster, oder besser pechschwarz – so skizzieren australische Forscher in einem neuen Report die Zukunft der Menschheit. Um die Mitte des Jahrhunderts, so ihre Prognose, werde die Zivilisation, wie wir sie kennen, voraussichtlich enden. Ursache des Niedergangs seien die zunehmend desaströsen Auswirkungen der globalen Erwärmung, gepaart mit dem Unwillen, sie konsequent zu bekämpfen.
Im Verein mit der wachsenden Weltbevölkerung setze dies eine Abwärtsspirale in Gang, die in eine immer chaotischere Welt münde, argumentieren die Autoren David Spratt und Ian Dunlop vom Breakthrough National Centre for Climate Restoration, einer in Melbourne ansässigen Denkfabrik. Schließlich würden die Gesellschaften rund um den Globus zerfallen. Am Ende könne das intelligente Leben auf der Erde ausgelöscht werden, zumindest aber werde sein Potential drastisch beschnitten.
Es ist nicht die erste Dystopie, die der Menschheit ein Ende mit Schrecken prophezeit. So warnte im vergangenen Jahr der Biologe Paul Ehrlich von der amerikanischen Stanford University, der Untergang der menschlichen Zivilisation in den kommenden Jahrzehnten sei „nahezu gewiss“. „Das Bevölkerungswachstum im Verein mit dem überbordenden Pro-Kopf-Konsum treibt unsere Zivilisation über die Klippe“, so Ehrlich damals. „Milliarden Menschen hungern oder sind unterernährt, und auch der Klimawandel tötet Menschen.“ Die optimale Zahl der Erdenbewohner von unter zwei Milliarden sei längst weit überschritten.
„Die heutige Bevölkerung ist die räuberischste Spezies, die je existierte“
Tatsächlich bevölkerten laut der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung zu Beginn dieses Jahres 7,71 Milliarden Menschen unseren Planeten. Im Jahr 2100 könnten nach einer Projektion der Vereinten Nationen 11,2 Milliarden Menschen leben, davon fast zehn Milliarden in Entwicklungsländern. Bei dieser Prognose ist jedoch eine zunehmende Geburtenkontrolle berücksichtigt. Wüchse die Menschheit ungebremst, wären es rund zwanzig Milliarden.
„Schon die heutige Bevölkerung ist die räuberischste Spezies, die je existierte“, konstatiert der frühere Admiral und Chef der australischen Streitkräfte, Chris Barrie, im Vorwort des australischen Reports.
Auch Hans Joachim Schellnhuber, Ex-Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung, warnte, dass „der Klimawandel jetzt das Endspiel erreicht, bei dem die Menschheit wählen muss zwischen nie da gewesener Aktion oder zu akzeptieren, dass es zu spät ist, und die Konsequenzen zu tragen.“ Der jetzt eingeschlagene Weg berge das Risiko, dass die Zivilisation ende. Zwar werde die Menschheit irgendwie überleben, aber fast alles, was sie in den letzten 2000 Jahren aufgebaut hat, wäre verloren.
Spratt und Dunlop präzisieren nun diese Prognosen. Dabei beziehen sie in ihr Szenarium neueste Klimadaten ein und betrachten auch, wie sich die Folgen dieser Entwicklung – etwa Wasser- und Nahrungsmittelknappheit – auswirken. Diese würden „sozio-politische Instabilitäten wie ein Katalysator beschleunigen und so Konflikte auslösen.“ Ihr Bericht biete somit einen Blick in eine Welt, die komplett im Chaos versinkt.
1,5 Grad-Ziel würde deutlich überschritten
Der Weg dorthin verläuft laut den Autoren über verschiedenen Stufen. Ausgangspunkt ist, dass die Emissionen von Treibhausgasen 2030 ihren Höhepunkt erreichen. Bis dahin lässt das Versagen der Politik die globale Durchschnittstemperatur um 1,6 Grad Celsius steigen. 2050 sei dann eine Erwärmung von 2,4 Grad erreicht, die sich aufgrund von Rückkopplungen – etwa das Tauen von Permafrostböden, die ihrerseits Treibhausgase freisetzen und so die Erwärmung weiter befeuern – um weitere 0,6 Grad erhöht. Das im Klimaabkommen von Paris im Dezember 2015 festgelegte Ziel, die Erwärmung unter zwei Grad Celsius zu halten, und möglichst sogar unter 1,5 Grad, wäre damit deutlich überschritten.
Die Folgen, von denen Milliarden Menschen gleichzeitig betroffen wären, sind hinlänglich bekannt: Der Meeresspiegel steigt um 0,5 Meter, bis 2100 könnten es zwei bis drei Meter mehr.
35 Prozent der globalen Landfläche und 55 Prozent der Weltbevölkerung sind an mehr als 20 Tagen im Jahr potenziell tödlicher Hitze ausgesetzt. In Westafrika, dem tropischen Südamerika, Südostasien und dem Nahen Osten leiden die Menschen an über 100 Tagen pro Jahr unter solchen Hitzewellen.
Teile der betroffenen Gebiete werden unbewohnbar, weil keine künstlich kühleren Umgebungen geschaffen werden können.
Aus den Tropen müssen mehr als eine Milliarde Menschen umgesiedelt werden – oder werden zu Umweltflüchtlingen. Die Flüchtlingsmassen würden die Hilfsmöglichkeiten selbst reicher Nationen wie den USA überstrapazieren, zudem seien bewaffnete Kämpfe um Ressourcen zu erwarten, womöglich bis hin zum Atomkrieg.
Auf mehr als 30 Prozent der Erdoberfläche entstehen Wüsten, vor allem in Südafrika, Westasien, dem Mittlere Osten, dem Inneren Australiens und im Südwesten der USA.
Lebensmittelsicherheit wäre nicht mehr gewährleistet
Weltweit sind zwei Milliarden Menschen von Wasserknappheit bedroht, Landwirtschaft wird in den trockenen Subtropen unmöglich.
In den meisten Regionen weltweit sinkt die Lebensmittelproduktion, zugleich nehmen Wetterextreme wie Überflutungen, Hitzewellen und Stürme zu.
Die Lebensmittelsicherheit ist nicht mehr gewährleistet, so dass die Preise explodieren.
Die Reihe lässt sich fortsetzen. Dabei sei ihr Szenario „weit entfernt von einem Extrem“, schreiben die Autoren. Bis 2050 könne die globale Erwärmung durchaus auch 3,5 bis vier Grad betragen, weil sich die Auswirkungen vieler Rückkopplungen nicht genau einschätzen lassen.
Nach Ansicht mancher Forscher ist aber ein organisiertes Zusammenleben schon ab vier Grad Erwärmung nicht mehr möglich und brächte den meisten Ökosystemen das Aus. Der Planet sei dann „jenseits aller Anpassungsmöglichkeiten“, urteilt dazu die Weltbank. So sehen das auch Spratt und Dunlop. „In den Szenarien am oberen Ende übersteigt das Ausmaß der Zerstörung die Kapazität unserer Modelle, daher die hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Zivilisation endet“, betonen sie in ihrem Report. Deshalb müssten die Regierungen den jeweils schlimmsten Fall endlich ernst nehmen und nicht länger „höflich ignorieren“.
Schon jetzt gibt es viele Anzeichen
Dass diese Prognosen nicht an den Haaren herbeigezogen sind, zeigt sich vielfach bereits heute. So kletterten die Temperaturen in der Wüstenstadt Churu im nordindischen Bundesstaat Rajasthan in den vergangenen Tagen wiederholt auf über 50 Grad; im übrigen Nordindien waren es über 47 Grad. Die Hitzewelle wurde verstärkt durch die Verspätung des jährlichen Monsuns, auf dessen Regen der Subkontinent angewiesen ist.
Zuviel Wasser gab es dagegen 2017 Nepal und Bangladesch, wo aufgrund eines verheerenden Monsuns im August je ein Drittel der Landesfläche unter Wasser stand. Ernten fielen aus, die Fluten zerstörten 80.000 Häuser, die Menschen flohen in Scharen aus den betroffenen Gebieten. Einer Studie der Weltbank zufolge könnten solche Extremereignisse bald dutzende Millionen Menschen zur Migration in ihren Heimatländern zwingen, davon 13 Millionen in Bangladesch.
Der Klimawandel steckt auch hinter den Konflikten am Tschadsee im Grenzgebiet zwischen Nigeria, Niger und dem Tschad, wo mehr als 30 Millionen Menschen von der Landwirtschaft, der Viehhaltung und vom Fischfang leben. Dort fehlt es seit längerer Zeit an Regen. Mehr als 80 Prozent des Sees fielen trocken, und die erratische Regenfälle und steigenden Temperaturen erschweren die Landwirtschaft drastisch.
„Eine apokalyptische Zukunft ist nicht unumgänglich“
Hirten kämpften um das wenige Wasser für ihr Vieh, der Fischfang brach ein, Tausende Menschen zogen weg, laut UN-Organisationen waren in den Anrainerstaaten 2018 rund 2,4 Millionen Menschen auf der Flucht. Im Hinterland aber trafen Hirten auf Ackerbauern, und Kämpfe um das Land begannen. Diese Situation trieb viele vor allem junge Leute der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram in die Arme. „Die Leute denken, sie hätten es mit einer humanitären Krise zu tun, an das Klima denken sie erst später“, schrieb die Berliner Denkfabrik adelphi. „Dabei ist das Klima als Ursache schon da.“
Für derartige Katastrophenfälle, sagen die Autoren des australischen Reports, seien die Regierungen weltweit nicht gerüstet. Deshalb müssten sie das Risikomanagement fundamental umstellen und den neuen Gegebenheiten anpassen. Im Übrigen bedürfe es einer Mobilisierung, wie sie in den USA im Zweiten Weltkrieg stattfand, um einen katastrophalen Klimawandel noch abzuwenden.
„Um das Risiko zu senken und die menschliche Zivilisation zu schützen, bedarf es im kommenden Jahrzehnt einer massiven Mobilisierung von Ressourcen“, schreiben sie. Nur so lasse sich ein emissionsfreies Industriesystem etablieren und eine Rückkehr zu einem erträglichen Klima einleiten.
Auch Ex-Admiral Barrie zeigt sich nicht gänzlich pessimistisch. „Eine apokalyptische Zukunft ist nicht unumgänglich“, so Barrie. „Doch ohne sofortiges drastisches Handeln sind die Aussichten schlecht. Wir müssen kollektiv vorgehen und brauchen eine starke und der Sache verpflichtete Führung, in den Regierungen ebenso wie in den Kommunen und der Industrie.“ Nur so lasse sich eine sichere Zukunft für die Menschheit erreichen. Vielleicht gelingt es jetzt der Jugend der Welt mit ihrer aktuellen Klimabewegung, die alte Politikergarde abzulösen und mit neuen und klugen Köpfen die nötigen Maßnahmen voranzutreiben.
(Quelle: https://www.focus.de/wissen/klima/klimakatastrophe-forscher-sehen-menschheit-mitte-des-jahrhunderts-am-ende_id_10802940.html
‘High likelihood of human civilisation coming to end’ by 2050, report finds
Over-conservative climate scenarios mean we could face ‘world of outright chaos’, says analysis authored by former fossil fuel executive and backed by former head of Australia’s military
The Independent
Human civilisation as we know it may have already entered its last decades, a worrying new report examining the likely future of our planet’s habitability warns.
The increasingly disastrous impacts of the climate crisis, coupled with inaction to tackle it are sending our planet down a bleak path towards an increasingly chaotic world which could overwhelm societies around the globe, the report’s authors contend.
The paper, produced by the Melbourne-based think tank the Breakthrough National Centre for Climate Restoration, is presented by the former chief of the Australian Defence Forces and retired Royal Australian Navy Admiral Chris Barrie.
In his introduction he says the report’s authors “have laid bare the unvarnished truth about the desperate situation humans, and our planet, are in, painting a disturbing picture of the real possibility that human life on earth may be on the way to extinction, in the most horrible way.”
The paper argues that “climate change now represents a near to mid-term existential threat to human civilisation,” and calls for a recalibration in how governments respond to estimated climate scenarios so they take worst case projections more seriously.
It also argues that the detrimental impacts of climate breakdown, such as increasing scarcity of food and water, will act as a catalyst on extant socio-political instabilities to accelerate disorder and conflict over the next three decades.
To usefully prepare for such an impact, the report calls for an overhaul in countries’ risk management “which is fundamentally different from conventional practice”.
“It would focus on the high-end, unprecedented possibilities, instead of assessing middle-of-the-road probabilities on the basis of historic experience.”
The research was authored by David Spratt, Breakthrough’s research director, and Ian Dunlop, a former international oil, gas and coal industry executive, who worked for Royal Dutch Shell and was chair of the Australian Coal Association.
Their paper offers what they say is a plausible scenario providing “a glimpse into a world of outright chaos”.
Based on lack of meaningful global action to rapidly extinguish all greenhouse gas emissions within the next decade, the authors sketch out a scenario in which global emissions peak in 2030.
In this case, using several existing studies, they hypothesise average global temperatures may reach 3C above pre-industrial levels by 2050.
The scenario reads: “The destabilisation of the Jet Stream has very significantly affected the intensity and geographical distribution of the Asian and West African monsoons and, together with the further slowing of the Gulf Stream, is impinging on life support systems in Europe.
“North America suffers from devastating weather extremes including wildfires, heatwaves, drought and inundation. The summer monsoons in China have failed, and water flows into the great rivers of Asia are severely reduced by the loss of more than one-third of the Himalayan ice sheet.
“Glacial loss reaches 70 per cent in the Andes, and rainfall in Mexico and central America falls by half.”
The paper notes that scientists have already warned that warming of 4C is incompatible with an organised global community, would be devastating to the majority of ecosystems, and has a high probability of not being stable. The World Bank said the planet may be “beyond adaptation” to such conditions.
“Even for 2C of warming, more than a billion people may need to be relocated and in high-end scenarios, the scale of destruction is beyond our capacity to model, with a high likelihood of human civilisation coming to an end,” the paper says.
The authors say “the world is currently completely unprepared to envisage, and even less deal with, the consequences of catastrophic climate change,” but also put forward policy recommendations which could help to mitigate the worst effects.
“To reduce this risk and protect human civilisation, a massive global mobilisation of resources is needed in the coming decade to build a zero-emissions industrial system and set in train the restoration of a safe climate.
“This would be akin in scale to the World War II emergency mobilisation.”
Admiral Barrie added: “A doomsday future is not inevitable! But without immediate drastic action our prospects are poor. We must act collectively. We need strong, determined leadership in government, in business and in our communities to ensure a sustainable future for humankind.”
(Source: https://www.independent.co.uk/environment/climate-change-global-warming-end-human-civilisation-research-a8943531.html