SBGG: Nicht-binäre Personen: Pass mit binärer Geschlechtsangabe

Das Problem

(English version below)

Nicht-binären Personen (identifizieren sich nicht als männlich oder weiblich), die nicht intergeschlechtlich* sind, sollen mit Inkrafttreten des Selbstbestimmungsgesetzes (SBGG) dasselbe Recht wie intergeschlechtliche Personen erhalten: nämlich in ihrem Pass eine binäre Geschlechtsangabe (männlich oder weiblich) statt nur "X" wählen zu können.

 

Geschlecht auf Geburtsurkunde und Reisepass

 

Tatsächlich haben sich wegen der fehlenden Möglichkeit eines binären Passes und der damit verbundenen Einschränkungen/ fehlenden Sicherheit im Ausland bereits die ersten nicht-binären Personen dazu entschieden, sich anstelle von "divers" oder "leer" ein anderes binäres Geschlecht in der Geburtsurkunde eintragen zu lassen. Das bedeutet, dass die ursprüngliche Intention des Selbstbestimmungsgesetzes, nicht-binären Personen die Möglichkeit zu geben, ihre Identität voll auszuleben, nicht realisiert wird. 

Begründung:

Mit Inkrafttreten des Selbstbestimmungsgesetzes werden nicht-binäre Personen, die nicht intergeschlechtlich sind, keine Möglichkeit haben, einen Pass mit binärer Geschlechtsangabe zu erhalten. Ein "X" als Geschlechtsangabe kann zu erheblichen Problemen bei Auslandsreisen (vor allem arabische, afrikanische, aber auch asiatische Länder) führen, da viele Länder weltweit nur binäre Geschlechtsangaben anerkennen und/oder nicht-binäre/ diverse Geschlechtsangaben sogar unter Strafe stehen. Folglich könnten betroffene Personen entweder nicht in diese Länder einreisen oder würden dort mit großen Schwierigkeiten konfrontiert werden.

Im Gegensatz dazu haben intergeschlechtliche Personen außer einem "X" als Geschlecht die Möglichkeit, eine binäre Geschlechtsangabe im Pass zu wählen, auch wenn sie sich ein " "/"D" in der Geburtsurkunde eintragen lassen. Diese Ungleichbehandlung muss aufgehoben werden.

Lösungsvorschlag:

Das Passgesetz (PassG) § 4 Absatz 1 Satz 4 bis 6  wird angepasst und ermöglicht allen Personen, die in ihrer Geburtsurkunde kein Geschlecht (leer) oder "divers" angeben, unabhängig von ihren körperlichen Merkmalen die Wahl zwischen binären Geschlechtseinträgen (männlich/weiblich) und "X" als Geschlechtseintrag im Reisepass. Dies würde die Reisefreiheit und Sicherheit nicht-binärer Personen gewährleisten, ohne ihre Identität zu gefährden.

* intergeschlechtlich= besitzen männliche und weibliche Geschlechtsmerkmale

ENGLISH:

Non-binary people (who do not identify as male or female) who are not intersex* are to be given the same right as intersex people when the Self-Determination Act (SBGG) comes into force: namely to be able to choose a binary gender indication (male or female) in their passport instead of just "X".

Gender on birth certificate and passport

In fact, due to the lack of a binary passport and the associated restrictions/lack of security abroad, the first non-binary people have already decided to have a different binary gender entered on their birth certificate instead of "diverse" or "empty". This means that the original intention of the Self-Determination Act to give non-binary people the opportunity to fully live out their identity is not being realised. 

Justification:

When the Self-Determination Act (SBGG) comes into force, non-binary people who are not intersex will not be able to obtain a passport with a binary gender indication. An "X" as a gender indication can lead to considerable problems when travelling abroad (especially Arab, African, but also Asian countries), as many countries worldwide only recognise binary gender indications and/or non-binary/diverse gender indications are even punishable by law. As a result, affected persons would either not be able to enter these countries or would face great difficulties there.

In contrast, intersex people have the option of choosing a binary gender indication in their passport in addition to an "X" as their gender, even if they have a ""/"D" entered on their birth certificate. This unequal treatment must be abolished.

Proposed solution:

The Passport Act (PassG) Section 4 (1) sentences 4 to 6 is adapted and allows all persons who do not state a gender (blank) or "diverse" on their birth certificate to choose between binary gender entries (male/female) and "X" as the gender entry in their passport, regardless of their physical characteristics. This would ensure the freedom of travel and safety of non-binary people without jeopardising their identity.

* intersex = possess male and female sexual characteristics

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Jonte J.Petitionsstarter*in

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Das Problem

(English version below)

Nicht-binären Personen (identifizieren sich nicht als männlich oder weiblich), die nicht intergeschlechtlich* sind, sollen mit Inkrafttreten des Selbstbestimmungsgesetzes (SBGG) dasselbe Recht wie intergeschlechtliche Personen erhalten: nämlich in ihrem Pass eine binäre Geschlechtsangabe (männlich oder weiblich) statt nur "X" wählen zu können.

 

Geschlecht auf Geburtsurkunde und Reisepass

 

Tatsächlich haben sich wegen der fehlenden Möglichkeit eines binären Passes und der damit verbundenen Einschränkungen/ fehlenden Sicherheit im Ausland bereits die ersten nicht-binären Personen dazu entschieden, sich anstelle von "divers" oder "leer" ein anderes binäres Geschlecht in der Geburtsurkunde eintragen zu lassen. Das bedeutet, dass die ursprüngliche Intention des Selbstbestimmungsgesetzes, nicht-binären Personen die Möglichkeit zu geben, ihre Identität voll auszuleben, nicht realisiert wird. 

Begründung:

Mit Inkrafttreten des Selbstbestimmungsgesetzes werden nicht-binäre Personen, die nicht intergeschlechtlich sind, keine Möglichkeit haben, einen Pass mit binärer Geschlechtsangabe zu erhalten. Ein "X" als Geschlechtsangabe kann zu erheblichen Problemen bei Auslandsreisen (vor allem arabische, afrikanische, aber auch asiatische Länder) führen, da viele Länder weltweit nur binäre Geschlechtsangaben anerkennen und/oder nicht-binäre/ diverse Geschlechtsangaben sogar unter Strafe stehen. Folglich könnten betroffene Personen entweder nicht in diese Länder einreisen oder würden dort mit großen Schwierigkeiten konfrontiert werden.

Im Gegensatz dazu haben intergeschlechtliche Personen außer einem "X" als Geschlecht die Möglichkeit, eine binäre Geschlechtsangabe im Pass zu wählen, auch wenn sie sich ein " "/"D" in der Geburtsurkunde eintragen lassen. Diese Ungleichbehandlung muss aufgehoben werden.

Lösungsvorschlag:

Das Passgesetz (PassG) § 4 Absatz 1 Satz 4 bis 6  wird angepasst und ermöglicht allen Personen, die in ihrer Geburtsurkunde kein Geschlecht (leer) oder "divers" angeben, unabhängig von ihren körperlichen Merkmalen die Wahl zwischen binären Geschlechtseinträgen (männlich/weiblich) und "X" als Geschlechtseintrag im Reisepass. Dies würde die Reisefreiheit und Sicherheit nicht-binärer Personen gewährleisten, ohne ihre Identität zu gefährden.

* intergeschlechtlich= besitzen männliche und weibliche Geschlechtsmerkmale

ENGLISH:

Non-binary people (who do not identify as male or female) who are not intersex* are to be given the same right as intersex people when the Self-Determination Act (SBGG) comes into force: namely to be able to choose a binary gender indication (male or female) in their passport instead of just "X".

Gender on birth certificate and passport

In fact, due to the lack of a binary passport and the associated restrictions/lack of security abroad, the first non-binary people have already decided to have a different binary gender entered on their birth certificate instead of "diverse" or "empty". This means that the original intention of the Self-Determination Act to give non-binary people the opportunity to fully live out their identity is not being realised. 

Justification:

When the Self-Determination Act (SBGG) comes into force, non-binary people who are not intersex will not be able to obtain a passport with a binary gender indication. An "X" as a gender indication can lead to considerable problems when travelling abroad (especially Arab, African, but also Asian countries), as many countries worldwide only recognise binary gender indications and/or non-binary/diverse gender indications are even punishable by law. As a result, affected persons would either not be able to enter these countries or would face great difficulties there.

In contrast, intersex people have the option of choosing a binary gender indication in their passport in addition to an "X" as their gender, even if they have a ""/"D" entered on their birth certificate. This unequal treatment must be abolished.

Proposed solution:

The Passport Act (PassG) Section 4 (1) sentences 4 to 6 is adapted and allows all persons who do not state a gender (blank) or "diverse" on their birth certificate to choose between binary gender entries (male/female) and "X" as the gender entry in their passport, regardless of their physical characteristics. This would ensure the freedom of travel and safety of non-binary people without jeopardising their identity.

* intersex = possess male and female sexual characteristics

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Die Entscheidungsträger*innen

Ricarda Lang
Bündnis 90/Die Grünen, stellvertretende Bundesvorsitzende und Frauenpolitische Sprecherin
Sven Lehmann
MdB, Bündnis 90/Die Grünen, Sprecher für Sozialpolitik
Marco Buschmann
Bundesminister der Justiz
Nancy Faeser
Bundesministerin des Innern und für Heimat

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Petition am 2. August 2024 erstellt