
14.166 Unterschriften – was sich verändert hat und warum ich mich weiterhin für die Pflege einsetze
Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,
heute möchte ich mich nach längerer Zeit wieder bei euch melden.
Mittlerweile hat meine Petition 14.166 verifizierte Unterschriften erreicht.
Als ich diese Petition gestartet habe, hätte ich niemals damit gerechnet, dass so viele Menschen meine Sorgen teilen und sich unserem Anliegen anschließen.
Dafür möchte ich euch von Herzen danken.
Vielleicht habt ihr bemerkt, dass es in letzter Zeit etwas ruhiger um meine Petition geworden ist.
Ich habe nicht mehr aktiv dafür geworben und auch nicht regelmäßig über die politischen Entwicklungen berichtet.
Das liegt nicht daran, dass mir das Thema weniger wichtig geworden ist.
Unser Familienalltag ist nach wie vor sehr ausgefüllt.
Ich arbeite Vollzeit, bin Mutter von drei Kindern und unser jüngster Sohn Max ist vier Jahre alt, schwerstbehindert und hat Pflegegrad 4.
Mein Mann hat seine Berufstätigkeit aufgegeben, um seine Pflege sicherzustellen.
Neben meiner Arbeit, der Familie, den Arztterminen, Therapien und allem, was sonst noch dazugehört, bleibt manchmal einfach nicht die Zeit und Kraft, die ich mir für mein Engagement wünschen würde.
Aber nur weil es hier ruhiger geworden ist, bedeutet das nicht, dass unsere Sorgen verschwunden sind.
Was hat sich seit dem Start der Petition verändert?
Am 30. September 2026 hat das Bundeskabinett den Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) beschlossen.
Seit dem Start meiner Petition wurden einige der ursprünglich diskutierten Maßnahmen verändert.
Besonders wichtig finde ich, dass die geplanten Kürzungen bei den Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige nicht in den aktuellen Kabinettsentwurf übernommen wurden.
Das begrüße ich ausdrücklich.
Denn Menschen, die ihre Berufstätigkeit aufgeben oder einschränken müssen, um Angehörige zu pflegen, brauchen eine verlässliche soziale Absicherung.
Auch für Familien mit pflegebedürftigen Kindern sind zusätzliche Unterstützungsmöglichkeiten vorgesehen.
So soll für pflegebedürftige Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis zum vollendeten 25. Lebensjahr ein Sozialraumbudget von bis zu 300 Euro monatlich zur Verfügung stehen.
Das ist grundsätzlich positiv.
Allerdings gibt es weiterhin Punkte, die mir Sorgen machen.
Besonders die Verhinderungspflege beschäftigt mich
Nach dem aktuellen Gesetzentwurf sollen bisher getrennte Leistungen in neue Budgets zusammengeführt werden.
Auch die Ersatzpflege bei Verhinderung der Pflegeperson soll künftig über diese Budgets finanziert werden können.
Was zunächst nach einer Vereinfachung klingt, wirft für mich wichtige Fragen auf.
Denn wenn für eine notwendige Ersatzbetreuung Gelder verwendet werden müssen, die gleichzeitig für andere Pflegeleistungen benötigt werden, könnte das Familien vor Probleme stellen.
Für uns persönlich ist dabei besonders wichtig, dass Max auf vertraute Betreuungspersonen angewiesen ist.
Er kann nicht sprechen und uns nicht erklären, wenn er sich bei jemandem unwohl fühlt.
Deshalb brauchen wir weiterhin die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wer ihn betreut.
Und wir brauchen eine Entlastung, die tatsächlich zusätzlich zur täglichen Pflege funktioniert.
Entlastung darf nicht bedeuten, dass wir an anderer Stelle auf notwendige Unterstützung verzichten müssen.
Auch die langfristige soziale Absicherung pflegender Angehöriger und der Erhalt des Angehörigenentlastungsgesetzes bleiben mir wichtig.
Die nächste Pflegereform wird bereits vorbereitet
Am 14. Oktober wurde eine neue Pflegestrukturkommission eingesetzt.
Sie soll weitere Vorschläge für die Zukunft der Pflegeversicherung erarbeiten.
Erste Ergebnisse werden Ende Januar 2027 erwartet.
Das bedeutet für mich, dass die politische Diskussion noch lange nicht abgeschlossen ist.
Und genau deshalb finde ich es wichtig, dass wir pflegenden Angehörigen weiterhin unsere Erfahrungen einbringen.
Ich bin nicht grundsätzlich gegen Reformen.
Mir ist bewusst, dass unser Pflegesystem vor großen Herausforderungen steht.
Aber ich wünsche mir, dass Veränderungen nicht nur aus finanzieller Sicht betrachtet werden.
Es muss auch darum gehen, was die Menschen brauchen, die gepflegt werden, und was ihre Angehörigen langfristig leisten können.
👟 Deshalb beteilige ich mich an der Aktion „Botschafts-Schuh“
Vielleicht habt ihr schon von dieser Mitmachaktion gehört.
Die Idee dahinter ist, Politikerinnen und Politikern symbolisch einen Schuh zu schicken.
Nach dem Motto:
„Sie entscheiden über Pflege. Wir leben sie. Gehen Sie ein Stück mit uns.“
Ich finde diese Idee sehr passend.
Denn mein Sohn Max kann nicht laufen.
Er kann auch nicht selbst für seine Rechte eintreten oder der Politik erklären, welche Unterstützung er benötigt.
Deshalb werde ich das weiterhin für ihn tun.
Ich habe mich entschieden, Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann einen symbolischen Schuh zusammen mit einer persönlichen E-Mail zu schicken.
Darin erzähle ich von unserem Familienalltag, unseren Sorgen und davon, warum bestimmte Unterstützungsleistungen für uns so wichtig sind.
Ich werde dabei auch auf diese Petition und eure 14.166 Unterschriften aufmerksam machen.
Außerdem werde ich Herrn Linnemann zu einem persönlichen Gespräch einladen und ihm anbieten, uns zu Hause zu besuchen.
Bereits im Juni hat die WAZ Mülheim über unsere Familie und mein Engagement berichtet.
Vielleicht ergibt sich nun eine weitere Möglichkeit, unsere Erfahrungen direkt in die politische Diskussion einzubringen.
Ob daraus tatsächlich ein Gespräch entsteht, weiß ich natürlich nicht.
Aber ich finde, wir sollten weiterhin versuchen, gehört zu werden.
Was ich mir für die Zukunft wünsche
Ich möchte nicht einfach nur gegen politische Entscheidungen protestieren.
Ich möchte, dass pflegende Angehörige ernst genommen werden.
Dass unsere Erfahrungen berücksichtigt werden.
Dass notwendige Entlastungsmöglichkeiten erhalten bleiben.
Und dass Familien, die ohnehin schon viel Verantwortung tragen, durch Reformen nicht zusätzlich belastet werden.
Denn Pflege findet nicht nur in Einrichtungen statt. Sie findet jeden Tag in unseren Wohnzimmern, Kinderzimmern und Familien statt.
Hinter jeder Unterschrift stehen Menschen mit eigenen Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen.
Und genau deshalb sind eure 14.166 Unterschriften für mich so wertvoll.
Ich werde euch selbstverständlich informieren, wenn ich eine Antwort auf meine E-Mail erhalte.
Vielen Dank, dass ihr unser Anliegen unterstützt und uns eure Stimme gegeben habt.
Herzliche Grüße
Nicole Heinen
Mutter von drei Kindern und Initiatorin dieser Petition