Gegen die Verdrängung des »Kamil Mode« - gegen das Ultimatum des Hauseigentümers

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Kamil Mode: eins der letzten kieznahen Textilgeschäfte am Kottbusser Damm ist verdrängungsbedroht

Der Textilfachhandel »Kamil Mode« am Kottbuser Damm 9 existiert seit 16 Jahren, und ist Teil des fast vergessenen Textilwirtschafts-Kosmos, der Nord-Neukölln einmal gewesen ist. Vor allem in den türkischen und arabischen Communities der Stadt werden das Sortiment des Ladens und der vertrauensvolle Umgang von dessen Betreiber, Hassan Qadri, geschätzt. Er hat sein Geschäftsmodell an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet, und wurde mit einer Kundschaft belohnt, die ihm bis heute die Treue hält.
Den Eigentümer des Hauses am Kottbuser Damm 9, Thorsten Cussler, scheint das aber nicht zu interessieren. Er möchte den Kleidungsbetrieb verdrängen, weil er mit dessen Gewerberaum etwas anderes vorhabe - nach Grundsanierung und erneuter Mieterhöhung. Verhandlungen über einen Verbleib, bis der 60jährige Qadri in Rente geht, und eine Anpassung der beabsichtigten Mieterhöhung an die Wirtschaftlichkeit seines Gewerbes, schließt er aus.

Zwischen Pest und Cholera

Das Ultimatum des Hauseigentümers sieht so aus: entweder Aufgabe der Räume zum 31. März inklusive Zwangsvollstreckungsunterwerfung, oder Kündigung zu Ende Dezember dieses Jahres. Dieses “Angebot“ ist unverhandelbar und weitere Gespräche werden ausgeschlossen. Hassan Qadri liegen also gleich zwei Kündigungen vor. Eine, zum 31. März nächsten Jahres, ist mit der Forderung verbunden, dass er eine notariell beglaubigte Zwangsvollstreckungsunterwerfung unterschreibt. Damit kann Cussler eine Zwangsräumung vollstrecken lassen, ohne dass ein Gerichtsverfahren notwendig wäre, sollte Qadri den Laden nicht abgeben. Er kann dann einfach schneller räumen, als sonst üblich. Die zweite Kündigung, mit Frist zum 31. Dezember dieses Jahres, dient zur Absicherung, falls der Betreiber des Textilgeschäfts die Bedingungen der ersten nicht akzeptiert. Qadri muss sich also entscheiden zwischen Pest und Cholera: entweder sich der Verdrängung vom Kottbusser Damm schon jetzt unterwerfen, um bis 31. März 2019 Zeit für die Abwicklung des Ladens zu bekommen, oder schon Ende des Jahres vor dem Aus stehen.

Jetzt hilft nur noch Protest

Versuche, bei seinem Hauseigentümer für Verständnis dafür zu sorgen, dass es in seinem Alter und bei dem aktuell üblichen Preis neuer Gewerberäume kaum möglich ist, woanders wieder bei null anzufangen, scheinen an diesem abzuperlen: Qadri soll nicht jammern, er habe bis März genug Zeit, um etwas Neues zu finden. Dass der Hauseigentümer nicht länger mit seinem langjährigen Mieter über Bleibemöglichkeiten verhandeln möchte, und stattdessen Bedingungen des Auszugs diktiert, setzt diesen sehr stark unter Druck: Einsendeschluss für die  Urkunde zur Zwangsvollstreckungsunterwerfung ist schon Ende dieses Monats! Unterschreibt Qadri diese nicht, gilt die Kündigung zum 31. Dezember 2018!

Der Betreiber des »Kamil Mode« fühlt sich des Dialogs über seine berufliche Zukunft im Kiez beraubt. Er sieht nun seine einzige Möglichkeit in der Mobilisierung zum Protest - wie schon die Betreiber*innen von Bizim Bakkal, Café Filou, Kisch & Co, dem Oranienspäti und anderen vor ihm. Er hat sich an die Gewerbeinitiative OraNostra gewandt, und möchte für seinen Verbleib am Kottbuser Damm kämpfen.

Dies sind die Forderungen an Thorsten Cussler, Eigentümer des Hauses Kottbusser Damm 9 (unterstützt durch die Gewerbeinitiative OraNostra und die Nachbarschaftsinitiative Bizim Kiez):

  1. Die sofortige Entfristung des Angebots zum Auszug bis 31. März 2019. Keine Zwangsvollstreckungsunterwerfung!
  2. Die sofortige Rücknahme der Kündigung zum 31. Dezember 2018
  3. Die Aufnahme von Verhandlungsgesprächen über einen Verbleib des Ladens bis Hassan Qadri in Rente geht
  4. Die Anpassung zukünftiger Mietforderungen an die Wirtschaftskraft des Ladens


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