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Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,
seit Beginn unserer Proteste haben wir immer wieder deutlich gemacht: Es geht uns nicht um bloße Kritik. Wir wollen, dass auch die Perspektiven gehört werden, die die Ausstellung „Sex Work – Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit“ aus unserer Sicht ausblendet.
Umso mehr haben wir uns gefreut, als uns die Intendantin der Bundeskunsthalle, Dr. Eva Kraus, nach unserer Demonstration am 20. Juni zu einem Online-Gespräch einlud. Dabei wurde vereinbart, eine Podiumsdiskussion zu veranstalten, damit auch Kritikerinnen der Ausstellung zu Wort kommen. Geplant war sie für den 9. September im Forum der Bundeskunsthalle, unter dem Titel „Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Sexarbeit in Deutschland“. Eingeladen waren unter anderem die Autorin Barbara Schmid, Vorsitzende von DIAKA e.V., Simone Kleinert, Vorsitzende des Bundesverbands Nordisches Modell e.V., und Solveig Senft, SISTERS e.V.
Die Bundeskunsthalle hat damit zumindest anerkannt, dass ihre Darstellung der Prostitution Anlass zu einer kontroversen gesellschaftlichen Debatte gibt und dass Gewalt, Ausbeutung und die Lebensrealität betroffener Frauen mehr Raum brauchen. Wir haben dieses Angebot ernst genommen und waren bereit, unseren Teil beizutragen.
Dafür waren wir auch zu erheblichen Zugeständnissen bereit. Ursprünglich war vereinbart, dass beide Seiten in jedem Gesprächsblock je drei Sprecherinnen stellen. Am Ende durften wir insgesamt nur drei Sprecherinnen benennen. Wir haben das akzeptiert, weil uns das Gespräch wichtiger war.
Doch am 12. August, noch bevor die Veranstaltung öffentlich angekündigt worden wäre, kam die Absage. Die Diskussion sei „aufgrund von Unvereinbarkeiten nicht durchführbar“, schrieb die Intendanz. Die Grundannahmen lägen so weit auseinander, dass eine gemeinsame Diskussionsgrundlage und ein respektvoller Umgang nicht herzustellen gewesen wären.
Trotz all unserer Zugeständnisse wurde die Diskussion abgesagt. Wir fragen uns deshalb umso mehr: Von welcher Seite soll ein respektloser Umgang ausgegangen sein? Von uns jedenfalls nicht. Wir haben jede Bedingung akzeptiert, auch solche, die uns schwergefallen sind und die uns als Bündnis einiges abverlangt haben – auch bei der Zusammensetzung unseres Podiums. Dass die Grundannahmen weit auseinanderliegen, war allen Beteiligten von Anfang an klar – genau deshalb sollte es ja ein Podium geben. Unterschiedliche Positionen sind kein Grund, eine Debatte abzusagen, sondern der Grund, sie zu führen.
Barbara Schmid hat sich am 9. September, dem Tag, an dem die Diskussion hätte stattfinden sollen, in einem Brief an Dr. Kraus gewandt. Sie fragt darin, wessen Differenzen eigentlich unüberwindbar gewesen sein sollen, und erinnert daran, dass die Bundeskunsthalle den Auftrag hat, den gesellschaftlichen Dialog zu fördern. Zu einer Demokratie gehören Diskurs, Zuhören und das Ringen um Lösungen. Wenn eine Bundeseinrichtung ein so umstrittenes Thema ausstellt, muss sie auch die Diskussion darüber zulassen. Nach unserem Kenntnisstand steht eine Antwort bis heute aus.
Kurz nach der Absage erfuhren wir außerdem, dass im Rahmen der Ausstellung ein Filmprogramm mit Beiträgen des Porn Film Festival Berlin gezeigt wird. Für dieses Programm ist offenbar Platz. Die Perspektive der Frauen, die von Sexkauf, Gewalt und Ausbeutung betroffen sind, bleibt aus unserer Sicht dagegen weiterhin unsichtbar.
Eine ernsthafte Auseinandersetzung bedeutet nicht, dass alle Beteiligten die gleiche Meinung vertreten müssen. Gerade eine öffentlich finanzierte Institution muss kontroverse und unbequeme Perspektiven aushalten und ihnen Raum geben können.
Unsere Kritik an der Ausstellung bleibt bestehen, ebenso unsere Forderung, sie zu beenden. Wir fordern von der Bundeskunsthalle, solange die Ausstellung läuft, mindestens zweierlei: dass sie offenlegt, worin die angeblichen Unvereinbarkeiten bestanden und dass sie die abgesagte Podiumsdiskussion nachholt. Die Ausstellung läuft noch bis zum 25. Oktober. Die Zeit dafür ist also da. Wer sich der Diskussion nicht stellen möchte, muss ja nicht teilnehmen.
Was ihr jetzt tun könnt: Verbreitet diese Petition in euren Netzwerken und macht auf unsere nächste Protestaktion aufmerksam: am 10. Oktober 2026, 14–18 Uhr, vor der Bundeskunsthalle in Bonn. Kommt gerne vorbei! Schreibt außerdem der Intendanz und fordert sie auf, die Diskussion nachzuholen. Die Kontaktdaten findet ihr unter https://www.bundeskunsthalle.de/kontakt
Vielen Dank an alle, die unsere Petition unterstützen und dafür sorgen, dass diese Debatte nicht einfach so beendet werden kann.