
Dr. Ingeborg KrausDeutschland
23.11.2016
Anlässlich des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen, findet in Straßburg am 25. November 2016 ein Symposium zum Thema „Prostitution und Gesundheit“ statt. Diese grenzübergreifende Veranstaltung mit simultaner Übersetzung (Deutsch-Französisch) findet in der ENA statt, einer "Grande École", die traditionell die französische Elite ausbildet.
Ist es ein Zufall, dass Frankreich gerade neben Deutschland eine erste große Veranstaltung zum Thema Prostitution nach der Einführung ihres Gesetzes im April 2016 organisiert? Oder hat diese Veranstaltung einen symbolischen Wert? Will man damit Deutschland wach rütteln?
„In Deutschland unterliegt die Prostitution keiner gesamtgesellschaftlichen, sozialen und politischen Analyse, so die Historikerin Dr. Inge Kleine. Medien, AkteurInnen der Politik und der Interessenverbände haben dazu beigetragen, Prostitution als private Angelegenheit persönlicher sexueller Spielereien zu betrachten und sie mit neuen neoliberalen Definitionen zu entpolitisieren. Vor diesem Hintergrund wurden jegliche kritischen Ansätze gezielt ignoriert und wesentliche Fragen ausgeblendet: So war „Gewalt“ und „die Folgen der Prostitution“ bei den Evaluationen des deutschen Ansatzes zur Prostitution kein Thema.“
„Prostitution an sich ist Gewalt. […] Sie ist die einzige Form der sexuellen Gewalt, die in unseren Gesetzen als solche fehlte. […] Ich behaupte, dass die Abschaffung der Prostitution eine Pflicht für jede Gesellschaft ist, die die Menschenrechte achtet.“ Maud Olivier, Sozialistin, Abgeordnete und Verfasserin des Gesetzes auf ihrer Webseite am 22. Dezember 2015.
Frankreich hat dieses Jahr ein Gesetz zum Abbau des Systems Prostitution gewählt. Fast zeitgleich hat Deutschland ein sinnloses Gesetz gewählt, das nur ein paar harmlose Regulierungen einführt, das jedoch an der skandalösen Situation nichts ändern wird.
Durch Verdrängungsmechanismen und gedankliche Tricks mogelt sich die Gesellschaft und die Politik aus der Verantwortung heraus. Die Gewalt wird verleugnet, die Realität in der Prostitution ausgeblendet. Und für was das alles?
All das, um ein stark tabuisiertes Thema zu schützen, und zwar die männliche Sexualität und das ihr widerspruchslos zugestandene Recht auf uneingeschränkte Entfaltung. Dadurch wird auch die Sexindustrie mit ihren schwindelerregenden Gewinnen in Schutz genommen. Deutschland ist durch das Gesetz von 2002 und bleibt durch das Gesetz von 2016 ein Eldorado für Zuhälter, Bordellbetreiber und Menschenhändler.
„Prostitution ist Gewalt gegen Frauen! Sie festigt und fördert die patriarchalen Geschlechterverhältnisse, sie ist Symbol männlicher Herrschaft über Frauen. Prostitution und umso mehr die dramatischen Formen, die sie nach der Legalisierung in Deutschland angenommen hat, ist im Grunde eine Bankrotterklärung der Frauenbewegung.“ Dr. Anita Heiliger, Sozialwissenschaftlerin.
Mit besten abolitionistischen Grüßen
Dr. Ingeborg Kraus
Prostitution und Gesundheit: Herausforderungen und Perspektivenwechsel in Europa.
Freitag, den 25. November 2016 von 10 bis 17 Uhr.
in der ENA, 1 Rue Sainte-Marguerite, 67080 Strasbourg.
Anmeldungen bei der CIDFF 67 : ++ 33 3 88 32 03 22 colloqueprostitutionsante@cidff67.fr
Hier das Programm: http://www.trauma-and-prostitution.eu/wp-content/uploads/2016/10/Programme-ALL.jpg
Jetzt unterstützen
Petition unterschreiben
Link kopieren
WhatsApp
Facebook
E-Mail
X