50.000 Jobs weg – und Rüstung als „Alternative“? - VW Osnabrück zeigt, was anderen Werken droht


Liebe Kolleginnen,
Liebe Kollegen,
Liebe Unterstützer*innen,
noch am 1. September hatten IG-Metall-Chefin Christiane Benner und Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo öffentlich gegen Werksschließungen und die Renditepläne des VW-Vorstands Front gemacht.
Nur zwei Tage später war davon wenig übrig.
In einer Nacht-und-Nebelaktion wurde die ursprünglich für Freitag geplante Aufsichtsratssitzung auf den 3. September vorgezogen – praktisch unbeobachtet von der Öffentlichkeit und vor allem fern von empörten Kolleg*innen. Am Ende stimmte der Aufsichtsrat einstimmig zu.
Das Ergebnis:
- weitere 50.000 Arbeitsplätze weniger,
- ein verkleinertes Modellprogramm,
- weiterhin mögliche Werksschließungen – und
- gleichzeitig soll die Rendite bis 2030 auf satte neun Prozent steigen.
Die Börse freute sich.
Die Beschäftigten sollen die Rechnung bezahlen.
Was sind die „anderen Lösungen“?
Für Werke ohne gesicherte Anschlussproduktion sollen „alternative Verwendungsmöglichkeiten“ gesucht werden. Wie so etwas aussehen kann, erleben wir gerade in Osnabrück. Das bisherige VW-Werk geht an den Rüstungskonzern Rafael.
Die Botschaft lautet plötzlich:
Arbeitsplatz verlieren – oder Waffen produzieren.
Diese Wahl akzeptieren wir nicht.
Was heute Osnabrück passiert, kann morgen anderen Werken drohen. Wenn zivile Produktion unter Renditedruck abgebaut wird und gleichzeitig Milliarden in Aufrüstung fließen, wird die Rüstungsindustrie schnell zum angeblichen Retter von Arbeitsplätzen.
Erst werden zivile Arbeitsplätze vernichtet. Dann wird Kriegsproduktion als Rettung angeboten.
So werden Beschäftigte und ganze Regionen wirtschaftlich von Aufrüstung und Krieg abhängig gemacht.
- Arbeitsplätze verteidigen heißt auch:
Um die Produktion kämpfen. - Gegen Arbeitsplatzabbau bleibt die gewerkschaftliche Antwort richtig:
Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich.
Aber das reicht nicht.
Wir müssen auch darum kämpfen, WAS in unseren Werken produziert wird.
Nicht Panzer, Raketen und anderes Kriegsgerät, sondern das, was gesellschaftlich gebraucht wird:
- öffentlicher Verkehr,
- bezahlbare Mobilität,
- Energie- und Verkehrswende,
- zivile und ökologisch sinnvolle Produkte.
Sichere Arbeitsplätze und sinnvolle zivile Produktion gehören zusammen.
Osnabrück muss deshalb eine Warnung sein:
Warten wir, bis Vorstand, Eigentümer und Politik entschieden haben, bleiben am Ende nur ihre „Alternativen“, und die heißen:
- imperialistischer Krieg nach außen
- sozialer Krieg nach innen
Unsere Werke. Unsere Arbeit. Unsere Zukunft.
Nehmen wir sie gemeinsam in die Hand!
- Gegen Werksschließungen und Stellenabbau.
- Für Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich.
- Gegen Rüstungsproduktion als angebliche Arbeitsplatzrettung.
- Für eine zivile, nachhaltige und gesellschaftlich sinnvolle Produktion.
Und wie Kolleg*innen bei Mercedes in Untertürkheim es auf den Punkt bringen:
„Und wenn die Gewerkschaft sich ziert, dann kümmern wir uns selbst.“
Das heißt: Den Streik selbst organisieren –
wenn nötig auch ohne den Segen der Gewerkschaftsführungen.
So, wie es die Bremer Mercedes-Kolleg*innen Ende Juni vorgemacht haben.
Das kommt nicht von allein.
Widerstand will organisiert sein.
Kommt am 16./17. Oktober nach Kassel!
Zur Vernetzung all derjenigen, die den Kampf und den Streik selbst in die Hand nehmen wollen – unabhängig davon, ob die Gewerkschaftsführung mitzieht.
Und niemals vergessen:
Widerstand braucht Kohle.
Wir haben ein Spendenkonto:
- Hedwig Krimmer
Stadtsparkasse München
Stichwort: Sagt NEIN!
DE59 7015 0000 1006 0375 17
Unterstützt unsere Arbeit!
Lasst uns denen, die in aller Öffentlichkeit Kriege führen,
rechtfertigen und vorbereiten endlich die Hände zerschlagen!
„Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind, und sie werden kommen ohne jeden Zweifel, wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden.“
B. Brecht, Rede für den Frieden, 1952
Mit solidarischen Grüßen
der Initiator*innenkreis von Sagt NEIN!