Petition updateRettet mit uns das Hofbrauhaus Wolters

Wolters: Offener Brief wurde verschickt

Sophie 1895Braunschweig, Germany
Oct 30, 2026

Offener Brief des Projektbündnisses „Wir sind Wolters“

An die Bürgerinnen und Bürger Braunschweigs, 
die Stadtverwaltung der Stadt Braunschweig, 
den Rat der Stadt Braunschweig,
die Volksbank Braunschweig-Wolfsburg eG,
und die TCB-Beteiligungsgesellschaft mbH

Sehr geehrte Lesende,

wir schreiben diesen Brief als Braunschweigerinnen und Braunschweiger. Als Menschen, die in dieser Stadt leben, arbeiten, Vereine tragen, Kultur gestalten, Unternehmen führen, Verantwortung übernehmen und sich mit Braunschweig identifizieren. 
Wir kommen aus unterschiedlichen Organisationen, Initiativen und gesellschaftlichen Bereichen. Wir schreiben Ihnen im Namen der mittlerweile fast 19.000 Zeichnerinnen und Zeichnern der Petition „Rettet mit uns das Hofbrauhaus Wolters“ auf der Webseite www.change.org die damit auch die Handschrift der potenziell zukünftigen Kundinnen und Kunden des Wolters-Bieres trägt. Uns verbindet die Überzeugung, dass die Zukunft von Wolters nicht allein eine betriebswirtschaftliche Frage ist.

Denn Wolters ist mehr als ein Markenname. Wolters gehört zu Braunschweig.

Wolters gehört zu Kneipen und Gaststätten, in denen Generationen zusammenkommen, zu den Getränkemärkten und Supermärkten, zu den Vereinsheimen, Volksfesten und Stadtteilfesten, zu den Menschen, die hier leben und arbeiten. Und selbstverständlich gehört Wolters zu Eintracht Braunschweig, zu den Wochenenden im Stadion und zur Braunschweiger Identität, die weit über ein Bier hinausgeht.

Mit der Ankündigung, den Produktionsstandort des Hofbrauhauses Wolters zum 31. Dezember 2026 zu schließen, wurde eine Entscheidung bekanntgegeben, die weit über die Zukunft des Unternehmens hinausgeht. Gleichzeitig wurde erklärt, dass die Marke Wolters erhalten bleiben soll. Die regionale Verbundenheit soll bestehen bleiben, aber die Produktion Braunschweig verlassen. Genau darin liegt für knapp 19.000 Zeichnerinnen und Zeichner der Petition der zentrale Widerspruch.

An die TCB-Beteiligungsgesellschaft mbH richten wir deshalb die klare Erwartung, die Menschen dieser Stadt als Partner und nicht als bloße Zuschauer zu betrachten. 

Die Verwurzelung Wolters' in Braunschweig ist kein schmückendes Beiwerk der Marke. Die Verwurzelung ist ihr Fundament. Wer die Marke übernimmt, aber ihre lokale Produktion gänzlich ablehnt, lehnt auch ihre Geschichte, ihre Glaubwürdigkeit und ihre Herkunft ab. Wer eine Marke langfristig erfolgreich führen möchte, sollte die Signale aus der Bevölkerung nicht ignorieren. Die Menschen kaufen Wolters nicht allein wegen eines Namens auf einem Etikett. Sie kaufen Wolters, weil dieser Name seit Generationen durch die Verwurzelung des Unternehmens in Braunschweig in enger Verbindung mit Braunschweig steht.

Wird diese Verbindung gekappt, droht der Marke Wolters der Verlust eines wesentlichen Teils dessen, was die Marke überhaupt wertvoll gemacht hat.

Wolters ohne hiesige Produktion wird nicht mehr das Wolters sein, mit dem sich Braunschweigerinnen und Braunschweiger identifizieren und das sie kaufen wollen.

Gerade deshalb genügt es nicht, auf den Erhalt einer Marke zu verweisen.

Knapp 19.000 Menschen haben innerhalb kürzester Zeit deutlich gemacht, wie wichtig ihnen Wolters in Braunschweig ist. Diese Menschen sind kein Hindernis für eine Zukunftslösung. Sie sind ein Teil dieser. Wer eine Marke langfristig erfolgreich führen möchte, sollte ein solches Signal nicht ignorieren.

Wir erwarten daher Gesprächsbereitschaft und die ernsthafte Prüfung von Wegen, Braunschweig auch künftig als Produktionsstandort zu erhalten. Zwischen einer Großbrauerei und dem vollständigen Ende der Brautätigkeit liegen zahlreiche denkbare Modelle, bspw. eine Verkleinerung der Brauerei mithilfe gebrauchter Anlagen in passender Größe und regionalem Fokus, oder andere Formen einer reduzierten Brautätigkeit. Wir wissen, dass alternative Konzepte nicht automatisch erfolgreich wären, behaupten aber, dass sie eine ernsthafte Prüfung verdienen.

An die Volksbank BRAWO eG richten wir die Erwartung, den eigenen genossenschaftlichen Anspruch ernst zu nehmen.

Genossenschaften wurden gegründet, um Menschen zusammenzubringen, regionale Entwicklung zu fördern und gemeinschaftliche Lösungen zu ermöglichen. Viele Bürgerinnen und Bürger verbinden mit diesem Gedanken Solidarität, Beteiligung und das gemeinsame Tragen von Verantwortung. Gerade deshalb erwarten wir, dass regionale Initiativen, Beteiligungsmodelle und neue Ideen nicht vorschnell verworfen, sondern mit der notwendigen Offenheit geprüft werden. Entscheidungen sollten aus einem genossenschaftlichen Gedanken heraus nicht allein aus betriebswirtschaftlicher Sicht getroffen werden.

Und trotzdem: Aktuell scheint es so, als ginge es der BRAWO vor allem darum, Wolters schnellstmöglich abzuwickeln, um die Bilanz der Bank zu verbessern. Doch nicht alles, was zählt, findet sich in einer Bilanz wieder.

Nahezu 19.000 Bürgerinnen und Bürger haben sich allein über die Petition öffentlich für den Erhalt von Wolters in Braunschweig ausgesprochen. Gerade deshalb irritiert uns die geringe Involvierung der Öffentlichkeit, die hohe Geschwindigkeit des Abwicklungsprozesses, vor allem aber die Behauptung, dass der Prozess im Wesentlichen abgeschlossen sein soll.

An die Stadt Braunschweig richten wir deshalb eine besonders klare Erwartung.

Die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt haben den Oberbürgermeister, die Ratsmitglieder und die politischen Verantwortlichen gewählt, damit sie die Interessen Braunschweigs vertreten. Sie wurden nicht gewählt, um bei bedeutenden Entwicklungen lediglich festzustellen, dass Entscheidungen andernorts getroffen wurden. Sie wurden gewählt, um die Anliegen der Menschen dieser Stadt einzubringen, Einfluss zu nehmen, Perspektiven zu entwickeln und dort Haltung zu zeigen, wo zentrale Interessen Braunschweigs berührt werden.

Wer sich zu Wirtschaftsförderung, gesellschaftlichem Zusammenhalt und einer starken Stadt bekennt, muss sich auch dann daran messen lassen, wenn eines der traditionsreichsten Unternehmen Braunschweigs vor dem Ende seiner Brautätigkeit steht.

Die Stadt kann nicht jede unternehmerische Entscheidung ersetzen. Aber sie kann vermitteln. Sie kann Öffentlichkeit herstellen. Sie kann Interessen bündeln. Und sie kann deutlich machen, dass Braunschweig bereit ist, für den Erhalt seiner Brautradition einzutreten.

Wir akzeptieren, dass die Herausforderungen groß sind. Wir akzeptieren auch, dass nicht jede Idee am Ende tragfähig sein wird.

Wir erwarten von Rat, Verwaltung und Oberbürgermeister, dass sie ihre Möglichkeiten ausschöpfen, Transparenz einfordern, Gespräche moderieren, Akteure an einen Tisch bringen und dazu beitragen, unumkehrbare Entscheidungen nicht überstürzt, sondern transparent zu treffen, damit alternative Zukunftskonzepte die Chance erhalten, gewissenhaft geprüft werden. Zudem erwarten wir auch, dass die Stadt den Kauf des traditionsreichen Grundstücks über ihr Vorkaufsrecht nochmals in Betracht zieht.

Wir werden daher weiterhin Fragen stellen, Vorschläge entwickeln und Menschen zusammenbringen, weil wir überzeugt sind, dass die Braunschweigerinnen und Braunschweiger das Recht haben, um ihre Brauerei zu kämpfen und Alternativen auszuloten.

Denn für uns ist klar:

Wolters gehört nach Braunschweig. 
Wolters nur aus Braunschweig, als gelebte Brautradition, als Teil unserer Wirtschaft, unserer Kultur und unserer Identität. 
Nicht weniger.

Projektbündnis „Wir sind Wolters“
im Namen von über 18.820 Unterschriften (Stand 30.10.2026)
Ein Zusammenschluss von Braunschweiger Vereinen, Organisationen, Initiativen und Bürgerinnen und Bürgern

(Abgestimmte Erklärung nach dem Bündnistreffen am 23. Oktober 2026)

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