
Liebe Unterstützer der Petition Rettet die Alster,
je tiefer wir in das Thema U5 einsteigen, umso mehr Aspekte kommen an das Tageslicht. Und viele Anwohner und Gewerbetreibende rund um die Alster und entlang der geplanten Streckenführung ahnen noch nicht, was in der Dekade auf sie zukommen wird.
Am Wochenende erreichte mich eine e-mail eines Hamburger Architekten, der sich intensiver mit dem Thema befasst hat. Nehmen Sie sich bitte die Zeit dafür und sprechen Sie mit Ihren Freunden und Nachbarn über das Projekt und werden Sie für die Unterstützung unserer gemeinsamen Initiative.
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Sehr geehrter Herr König,
leider gelang es mir nicht im Zuge der Unterzeichnung der Petition einen schriftlichen Kommentar abzugeben. Deshalb wähle ich nun diesen Weg der Kontaktaufnahme. Ich teile Ihre Argumentation vollumfänglich. Allerdings möchte ich noch einige Punkte ergänzen, von denen ich bisher nichts lesen konnte. So eine Baustelle kennt keine 38-Stundenwoche. Turmdrehkräne drehen sich mit ihren grellen Scheinwerfern, Silos und Pumpen machen an 365 Tagen rund um die Uhr erheblichen Lärm. Verbunden damit ist erheblicher LKW-Baustellenverkehr. Baustelleneinrichtung, Abraum (nicht alles kann gepumpt werden), Beton, Betonschalung, Baustahl, Betonfertigteile usw. belasten den Straßenverkehr an der Alster dann erheblich, obwohl eine zusätzliche Belastung gerade in den Hauptverkehrszeiten kaum mehr möglich ist. Die Hotels östlich der Alster werden erhebliche Umsatzeinbußen erleiden, sofern sie die angekündigten 10 Jahre überstehen.
Interessant ist auch die Frage ob eine großflächige Grundwasserabsenkung über einen längeren Zeitraum erforderlich ist und welche Auswirkung diese auf Natur und Gebäudebestand hat.
Wenn dann parallel die Stationen "Beethovenstraße", "Uhlenhorst" und "St.Georg" in offenen Baugruben entstehen, ist die Stadt nordöstlich der Alster vom Zentrum für Jahre so gut wie abgeschnitten. Im ersten Bauabschnitt (Bramfeld - City Nord) kann man die riesigen Baugruben mit den dazugehörigen Baustelleneinrichtungen besichtigen. Verkehrschaos und Baulärm ohne Ende. Die Haltestelle "St.Georg" soll "unter" der Langen Reihe / Barcastraße, von der Schmilinskystraße bis zur Sechslingspforte mit einer Baugrubenlänge von 450-500m, einer Breite von 50-60m und einer Tiefe von 15-20m entstehen. Zusätzlich werden auch hier Flächen für die Baustelleneinrichtung benötigt. Es werden im Bereich bestehender Gebäude (Wohnen, Gewerbe, Krankenhaus) Spundwände gerammt oder Bohrpfähle gebohrt. Darüber hinaus ist auch hier eine erhebliche Grundwasserabsenkung erforderlich. Die Verkehrsbehinderungen durch die Baustelle werden mit Sicherheit auch die Sechlingspforte betreffen.
Die Hauptverkehrsachsen Sierichstraße, Mundsburger Damm und Sechslingspforte münden alle in "An der Alster" vor dem Hotel Atlantic. Wenn dort eine Großbaustelle (evtl. mit eigener Ampelanlage) angebunden wird ist das Erliegen des Verkehrs vorprogrammiert. Ein weiteres Problem ist die Baustellenpraxis. Können nicht alle Liefer-LKW gleichzeitig auf die Fläche der Baustelleneinrichtung fahren, bleiben diese einfach auf der Straße stehen, warten und potenzieren damit das Verkehrsproblem. Welche Lösung hat der Baustellenkoordinator der Stadt für dieses sich anbahnende Verkehrsproblem? LKW weit entfernt parken und per Funk abrufen und durch die Rushhour lotsen? Eine Spur "An der Alster" für den aus Norden kommenden Baustellenverkehr sperren? Eine Seite "An der Alster" für den privaten Verkehr komplett sperren und eine Umleitung um St.Georg herum organisieren?
Die Gefährdung der Natur und des Tourismus ist die eine Seite. Die andere Seite ist das Lahmlegen ganzer Stadtteile. In der Folge ist vielleicht sogar mit Konkursen und Arbeitsplatzverlusten zu rechnen. Und während sich das östlich Hamburg vielleicht erholt wird der Westen mit den möglicherweise offenen Baugruben "Universität", "Grindelberg" und "Hoheluftbrücke" lahm gelegt. Als damals die Entscheidung für die U5 fiel, sagte unser damaliger Bürgermeister Olaf Scholz: "Der Bürger merkt doch nichts davon, das findet doch alles unter der Erde statt." Der HVV schreibt auch noch von "Umweltschonendem U-Bahnbau"! Wäre ein Transrapid auf Stützen nicht weniger belastend? Wir Älteren erinnern uns noch an die Teststrecke zur Gartenbauausstellung vor rund 40 Jahren zwischen Heiligengeistfeld und Planten und Blomen. Diese Strecke wurde relativ geräuschlos mit Einzelfundamenten und Stützen errichtet. Auch der Rückbau nach der Ausstellung verlief problemlos. Ich frage mich ob und wann sich die Stadt von diesem ideologischen Projekt erholen wird.
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche!
Herzliche Grüße
Tobias Koenig