Gegen Rechts - ohne den politischen Islam! Offener Brief an das Dresdner Hygiene-Museum

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An:

Prof. Dr. Klaus Vogel, Direktor des Hygiene-Museums Dresden

Bürgermeisterin Annekatrin Klepsch, Vorsitzende des Stiftungsrats

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Klepsch, sehr geehrter Herr Professor Vogel,

weil autoritäre Bewegungen zusehends die politische Debatte bestimmen, brauchen Demokraten scharfe und belastbare Definitionen. Deswegen begrüßen wir, dass sich das Hygiene-Museum Dresden und seine Kooperationspartner mit der Tagung „Die neue Mitte – Rechte Ideologien und Bewegungen in Europa“ (17.-19. September) wissenschaftlich fundiert und engagiert mit den Antidemokraten befassen.

Umso irritierender finden wir, dass auch die umstrittene Aktivistin Kübra Gümüşay am Abschlusspodium der Tagung teilnehmen soll, obwohl ihr Verhältnis zu der mit türkischen Rechtsextremen koalierenden AKP genauso ungeklärt ist wie ihre Haltung zu diversen Akteuren des autoritären und orthodox-konservativen Islams.

  • 2013 äußerte Gümüşay während der Gezi-Proteste, dass es zur AKP „derzeit keine Alternative“ gebe, sondern lediglich „konstruktive Kritik“. Jene Partei, die bereits 2013 unter Erdoğans Führung Rechtsstaatlichkeit, Pressefreiheit und Minderheitenrechte immer weiter zurückdrängte.
  • 2016 sprach sie bei einer Veranstaltung von Millî Görüş (türkisch: Nationale Sicht), der größten islamistischen Organisation in Deutschland. Die in den 1970er Jahren vom Antisemiten Necmettin Erbakan gegründete Bewegung vereint türkischen Chauvinismus und rigide Geschlechtertrennung mit einem zutiefst antiliberalen Islamverständnis. Millî Görüş ist schließlich der Verband, in dem Erdoğan sozialisiert wurde und aus dem infolge einer Kontroverse um die politische Strategie 2001 die AKP hervorging.
  • Gümüşay bewegt sich ferner im Kontext des Islamischen Zentrums Al-Nour in Hamburg. Die an das Zentrum angebundene Initiative „Vereint im Islam“ führt Gümüşay als Referentin. Der langjährige Imam der Al-Nour-Moschee, Samir El Rajab, steht der islamistischen Ideologie der Muslimbruderschaft nahe, die auf antisemitischen Denken fußt und für einen islamischen Gottesstaat eintritt.

Eine Konferenz gegen autoritäre Ideologen von rechts kann es sich aus unserer Sicht nicht leisten, politisch und weltanschaulich fragwürdigen Aktivisten wie Kübra Gümüşay ein Podium zu bieten, die sich zwar sehr deutlich gegen rechte Umtriebe und Rassismus in Europa ausspricht, aber im muslimischen Kontext gegenüber Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, religiöser Diktatur und den Berührungspunkten zwischen politischem Islam und extremer Rechter indifferent ist.

Für gewöhnlich soll ein Abschlusspodium zentrale Ergebnisse einer Tagung zusammenfassen und Impulse für die weitere wissenschaftliche und politische Arbeit geben. Wir sind davon überzeugt, dass es viele kompetente Stimmen gibt, die dem demokratischen, aufklärerischen und antiautoritären Anliegen der Konferenz weit mehr entsprechen können. Welches Signal geht letztlich von dieser Tagung aus, wenn Sie an dieser Einladung festhalten?

Wir protestieren gegen die Einladung von Kübra Gümüşay und sind überzeugt, dass Sie jederzeit eine glaubwürdigere Stimme finden, um den Kampf gegen Autoritarismus und für liberale Demokratie zu stärken.

 

Erstunterzeichner/-innen

TERRE DES FEMMES e.V. – Menschenrechte für die Frau e.V.

Dr. Elio Adler, Vorsitzender der WerteInitiative - jüdisch-deutsche Positionen e.V.

Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime e.V.

Dr. Lale Akgün, Dipl.-Psychologin, MdB a.D.

Seyran Ateş, Rechtsanwältin, Autorin und Frauenrechtsaktivistin

Cahit Başar, Generalsekretär der Kurdischen Gemeinde Deutschland e.V.

Nina Coenen, Vorsitzende von Demokratielotsen e.V., Gesellschaft für Wertedialog und interkulturelle Bildung

Naïla Chikhi, freiberufliche Beraterin zu Frauen, Flucht und Integration

Cem Erkisi, Beauftragter für interreligiösen Dialog und Integration der CDU Berlin-Mitte

Kacem El Ghazzali, freier Autor

Matheus Hagedorny, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Leipzig

Sigrid Herrmann-Marschall, Unabhängige Islamismus-Analystin

Memet Kılıç, Rechtsanwalt, MdB a.D.

Ahmad Mansour, Psychologe und Autor

Thomas von der Osten-Sacken, freier Publizist und Geschäftsführer von Wadi e. V.

Walter Otte, Sprecher der Initiative PRO Berliner Neutralitätsgesetz und Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Säkulare Grüne

Zana Ramadani, Autorin, Berlin

Rebecca Schönenbach, Vorsitzende von Frauen für Freiheit e. V.

Prof. Dr. Susanne Schröter, Ethnologin, Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam

Alice Schwarzer, Publizistin und EMMA-Herausgeberin

Lala Süsskind

Mahir Tokatlı, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Universität Bonn

Ali Ertan Toprak, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland (BAGIV)

Burak Yilmaz, Pädagoge

 



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