Atualização do abaixo-assinadoEntfernen Sie die Wittenberger Judensau! (German)Was sollen wir mit hasserfüllten mittelalterlichen Denkmälern tun?
Wittenberg Judensau campaign other languages
30 de nov. de 2020

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Das antisemitische „Judensau“ von Wittenberg

An diesem Dienstag, dem 14. Januar 2020, ist an der Fassade der Stadtkirche in Wittenberg die sogenannte Skulptur „Judensau“ oder „Judenschwein“ zu sehen. Ein ostdeutsches Gericht wird nächste Woche über das Angebot eines jüdischen Mannes nachdenken, die Entfernung eines hässlichen Überrests jahrhundertelangen Antisemitismus aus einer Kirche zu erzwingen, in der Martin Luther einst predigte. (AP Foto / Jens Meyer)
Hoch an der Fassade der Stadtkirche von Wittenberg befindet sich eine mittelalterliche Skulptur von Juden, die mit einem Schwein obszöne Handlungen ausführen. Ohne Frage ist es offensiv antisemitisch. Das Bild aus dem Jahr 1290 zeigt eine Gruppe jüdischer Menschen, die an den Zitzen des Tieres saugen und unter seinen Schwanz spähen. Im Mittelalter schufen viele Kirchen solche Skulpturen - die Judensau oder „Juden-Sau“ -, um Juden zu entmenschlichen und zu diffamieren. Die Verbindung mit Schweinen stellte das jüdische Volk als Verkörperung moralischer Perversion und Laster dar.

Im Jahr 2017 entstand eine Kampagne, in der über eine Online-Petition und Proteste in der Kirche gefordert wurde, die Skulptur abzubauen. Im Jahr 2018 brachte Michael Düllmann, ein Mitglied der jüdischen Gemeinde Berlins, die Angelegenheit vor Gericht. Die Verwaltung der Stadtkirche bevorzugt, dass die Skulptur an Ort und Stelle bleibt. Sie argumentieren, dass dies eine Erinnerung an das antijüdische Element in Martin Luthers Predigt ist (der selbst einer der prominentesten Bürger Wittenbergs und auch ein virulenter Antisemit war). Deutsche Historiker wie Michael Wolffsohn argumentieren allgemeiner, dass das Entfernen der Skulptur das Antijudaismus in der christlichen Tradition tüncht: „Wir müssen diese Schande kommentieren und nicht verbergen.“ Der Status der Kirche als UNESCO-Weltkulturerbe erhöht den Einsatz noch weiter.

Das Amtsgericht entschied gegen Herrn Düllmann. Er legte Berufung ein; Anfang Februar 2020 lehnte das Oberlandesgericht in Naumburg seine Berufung ab.

Der Berufungsrichter Volker Buchloh entschied gegen Düllmann, weil 1988 ein Holocaust-Denkmal und eine Informationstafel auf Straßenniveau unterhalb der Skulptur angebracht wurden. Der Richter entschied, dass dies die hasserfüllten Auswirkungen des obigen antisemitischen Bildes milderte.


Auf dem Boden in der Nähe der Wittenberger Judensau wurde 1988 ein Denkmal für die im Holocaust ermordeten 6 Millionen Juden errichtet (Mitte). In jüngerer Zeit (rechts) wurde ein Informationspanel installiert, das den offensiven Charakter der Judensau erörtert.
Die Entscheidung löste in Deutschland und weltweit Empörung aus. Einerseits ist das Bild für viele Betrachter eindeutig beleidigend und verletzend. Die Behauptung des Gerichts, dass ein Holocaust-Marker den Schaden des Bildes ausreichend mindert, lehnt seine anhaltenden Auswirkungen ab, insbesondere für die jüdischen Einwohner und Besucher Wittenbergs. Und es ignoriert die prominente Platzierung der Skulptur; Wie Düllmann in einem Interview sagte, ist sein Platz von zentraler Bedeutung für das Thema:

Dies ist eine Kirche, ein heiliger Ort. Sie können es nicht mit einem so beschämenden Angriff auf die Juden vermischen.

Die Entscheidung des Oberlandesgerichts spiegelt auch einen schwerwiegenden Fehler im historischen Denken wider. Es fasst alle mittelalterlichen und modernen Antisemitismen zu einem einzigen Symbol des Holocaust zusammen. Die Geschichte der „Juden-Sau“ geht weit über die deutsche Abrechnung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit hinaus. Skulpturen wie die „Juden-Sau“ dienten, wie die Historikerin Miri Rubin argumentiert, sowohl dazu, die Verfolgung ihrer jüdischen Nachbarn durch mittelalterliche Christen zu rechtfertigen als auch weitere Gewalt anzuregen. Und dies scheint sich bis ins 20. Jahrhundert ausgewirkt zu haben: Es besteht ein Zusammenhang zwischen den deutschen Städten, die mittelalterliche Pogrome erlassen haben, und denen, die während des NS-Regimes antijüdische Gewalt erlebt haben.


Die Judensau im Äußeren der Kirche St. Sebaldus in Nürnberg. Foto: Michael Matejka, NNZ
Interessanterweise hat die Stadt Nürnberg jedoch auch eine „Jüdensau“ -Skulptur in ihrer Kirche. Hitler nutzte den Stadtplatz jedoch nicht im Schatten der „Juden-Sau“ für seine Nürnberger Kundgebungen. Stattdessen baute er am Stadtrand ein riesiges neues Paradegelände. Heute sind diese Exerzierplätze eine historische Stätte, die neu interpretiert wurde, um die deutsche NS-Vergangenheit zu bezeugen. Dennoch ist die ineinander verschlungene Geschichte der „Juden-Sau“ und der Kirche, in der sie sich befindet, nicht nur eine Fußnote zum Holocaust, sondern ein wichtiger eigenständiger Raum für das Verständnis der tieferen Geschichte des Hasses.

Denkmäler für die „verlorene Sache“
Obwohl der Kontext anders ist, ist das Problem, ein scheinbar isoliertes Objekt in seinem breiteren Kontext zu überdenken, den Amerikanern vertraut. In den USA betrifft die aktuelle Debatte den Ort der sogenannten "Heritage" -Denkmäler, die die verlorene Sache der Konföderierten feiern. Diese entstanden oft lange nach dem Bürgerkrieg; Sie waren weniger Kriegsdenkmäler als vielmehr eine Gegenreaktion gegen den Wiederaufbau und die Bürgerrechtsbewegung. In Massenproduktion hergestellt und schnell installiert, erinnern solche Denkmäler an eine imaginäre südländische Vergangenheit edler Generäle, gehorsamer Sklaven und vernarrter Mütter.

         
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