

DEGROWTH
Liebe Mitstreiter/innen, nun sind es nur noch 101 Unterschriften, und wir sind bei 4.000 Unterstützer/innen dieser Petition angekommen . also überlegt noch mal, wen ihr für diees wichtige Anliegen gewinnen könnt.
Bruderherz aus Göttingen ließ mir diesen Link (https://www.degrowth.info/de/was-ist-degrowth/ zukommen, unter dem ich einen sehr interessanten Artikel fand, der sehr gut zu der von mir persönlich favorisierten Thematik "UMWELTETHIK" passt. Ich habe den Artikel ergänzt und bearbeitet und nur dort gekürzt, wo er sich mit der Historie befasst.
Ich wünsche euch beim Lesen gute Gedanken und weitere Erkenntnisse zum Thema. Nachher muss ich los, denn heute findet in Ravensburg/Weingarten (ich wohne direkt auf der Grenze beider Städte) eine Demo der "Fridays for Future" mit rund 2.500 jungen und 250 alten :) Leuten statt.
Ich wünsche ALLEN ein gutes und schönes Wochenende,
euer Stefan W.
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DEGROWTH
Unter Degrowth oder Postwachstum versteht man eine Wirtschaftsweise und Gesellschaftsform, die das Wohlergehen aller zum Ziel hat und die ökologischen Lebensgrundlagen erhält. Dafür ist eine grundlegende Veränderung unserer Lebenswelt und ein umfassender kultureller Wandel notwendig.
Das aktuelle wirtschaftliche und gesellschaftliche Leitprinzip lautet jedoch ganz gegenteilig „höher, schneller, weiter“ – es bedingt und befördert eine Konkurrenz zwischen allen Menschen. Dies führt zum einen zu Beschleunigung, Überforderung und Ausgrenzung. Zum anderen zerstört die Wirtschaftsweise unsere natürlichen Lebensgrundlagen, sowie die Lebensräume von Pflanzen und Tieren. Die gemeinsamen Werte einer Postwachstumsgesellschaft sollten dagegen Achtsamkeit, Solidarität, Respekt und Kooperation sein. Die Menschheit muss sich als Teil des planetarischen Ökosystems begreifen. Nur so kann ein selbstbestimmtes Leben in Würde für alle ermöglicht werden. Hildegard von Bingen (1098 bis 1171) meinte schon damals, was heute noch Gültigkeit hat: "Alles hängt mit allem zusammen."
Eine Orientierung am guten Leben für alle, bedeutet auch Konvivialität. Konvivialismus besagt das Ausloten von Möglichkeiten, wie jenseits der Wachstumsgesellschaft ein Zusammenleben möglich sein kann, wie Sozialität, Konflikt und Individualität aufeinander bezogen werden und wie ökologisch und sozial nachhaltige Formen demokratischen Lebens ausschauen können. Eine neue politische Philosophie und Kunst des Zusammenlebens muss das Primat des Ökonomischen brechen und sich auf eine gemeinsame Menschheit und auf den Wert der Individualität zugleich berufen, ist daher geboten. (https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-2898-2/Das-konvivialistische-Manifest/
Eine Verringerung von Produktion und Konsum im globalen Norden, eine Befreiung vom einseitigen westlichen Entwicklungsparadigmata und damit die Ermöglichung einer selbstbestimmten Gestaltung von Gesellschaft im globalen Süden, sind notwendig.
Ein Ausbau demokratischer Entscheidungsformen, um echte politische Teilhabe zu ermöglichen, muss vorangetrieben werden.
Wir brauchen soziale Veränderungen und Orientierung an Suffizienz, statt bloßen technologischen Neuerungen und Effizienzsteigerung, um ökologische Probleme zu lösen. Die These von der Möglichkeit der absoluten Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch, ist historisch widerlegt. Distanzierung von Formen der Wachstumskritik, welche die Sicherstellung eines guten Lebens für alle nicht im Blick hat., und die eindeutige und klare Ablehnung von rechter, rassistischer und sexistischer Form der Wachstumskritik, sind wichtige Maximen. Unterstützung Regional verankerte, aber miteinander vernetzte und offene Wirtschaftskreisläufe.
Historie
Das englische Wort „degrowth“ wurde aus den lateinischen Sprachen abgeleitet. Die Vorsilbe „de“ steht für das Reduzieren oder Wegnehmen in diesem Fall für das Wegnehmen, Reduzieren von Wachstum. Die französischen und italienischen Äquivalente – décroissance und decrescita – beschreiben einen Fluss, der nach einer zerstörerischen Flut wieder in sein ursprüngliches Flussbett zurückkehrt.
Bereits 1972 fragte der Sozialphilosoph André Gorz, ob das „Gleichgewicht der Erde, für welches ein Nullwachstum – oder sogar eine Wachtsumsrücknahme – der materiellen Produktion eine notwendige Voraussetzung ist, mit dem Überleben des kapitalistischen Systems vereinbar sei. Im selben Jahr wurden “Die Grenzen das Wachstums” vom Club of Rome veröffentlicht. Sie entfachten eine breite Diskussion, in der in Frankreich auch der Begriff „décroissance” immer wieder auftauchte. Mit dem Ende der Ölkrise und dem sich ausbreitenden Neoliberalismus traten die Diskussionen allerdings in den 1980er und 1990er Jahren in den Hintergrund.
In den 1970er Jahren war Wachstumskritik auch in Deutschland in der Öffentlichkeit weit verbreitet. Magazine wie „Technologie und Politik. Das Magazin zur Wachstumskrise“ (1976-1983) diskutierten Alternativen zur Wachstumsgesellschaft, ganze Taschenbuchreihen in großen Verlagen wie Fischer oder Rowohlt widmeten sich diesen Fragen. Auch die neu gegründete Partei „Die Grünen“ hatte einen starken Flügel, der eine Abkehr vom Wirtschaftswachstum forderte. Mit den Konzepten der „nachhaltigen Entwicklung“ und der „ökologischen Modernisierung“, die in den 1980er und 1990er Jahren populär wurden, wurden diese Diskurse jedoch in den Hintergrund gedrängt und die Idee von „qualitativem“ oder „grünen“ Wachstum und einer Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch dominierten. Trotzdem gab es in den 1990er und 2000er Jahren mehrere große Konferenzen in Deutschland, bei denen das Thema Wachstumskritik eine zentrale Rolle einnahm, so die „Beyond Growth?“ Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung 1999 in Berlin oder die Konferenzreihe McPlanet, getragen von globalisierungskritischen, kirchlichen und Umweltverbänden.
Seit dem Entstehen des globalisierungskritischen Netzwerks „Attac“ in Deutschland 2001 war Wachstumskritik dort ein Thema. 2009 veröffentlichten Matthias Schmelzer und Alexis Passadakis aus dem Attac-Koordinierungskreis ein Thesenpapier zu Postwachstum, 2010 einen Attac-Basistext. Aus dieser Initiative entstand die Vorbereitungsgruppe zum Kongress „Jenseits des Wachstums?!“, der 2011 in der TU Berlin etwa 3000 Menschen anzog und unter großer Beteiligung entwicklungs- und umweltpolitischer Gruppen und Verbände und gewerkschaftlicher Beteiligung statt fand.
Stefan Weinert, D - 88212 Ravensburg
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