Atualização do abaixo-assinadoMein Körper, meine Entscheidung – auch beim NiqabWas ich gelesen habe, hat mir gezeigt: Wir brauchen unsere eigene Plattform
Seval SertVienna, Áustria
14 de jul. de 2025

Ich habe jetzt in nur zwei Tagen so viele Berichte gelesen. Und ehrlich: das war viel. Einige davon haben mich echt getroffen. Weil sie zeigen, wie viel Frust, Schmerz und auch Ohnmacht dahinter steckt. Manche kamen von Schwestern, die keine Gesichtsbedeckung tragen – also nur Khimar oder Abaya. Und trotzdem wurden sie beleidigt, angespuckt, ausgeschlossen. Einfach weil sie als Musliminnen sichtbar waren.

Andere haben mir gezeigt, wie ernst die Lage rund um das AGesVG ist. Frauen mit FFP2-Maske, weiter Kleidung– kontrolliert, bedroht, teilweise mit Geldstrafen belegt. Und immer wieder die gleiche Begründung: „Man erkennt sie nicht.“ Dabei ist genau das erlaubt – nur eben nicht, wenn es religiös motiviert ist. Und das zeigt, worum es in Wirklichkeit geht: Nicht Sicherheit. Sondern Sichtbarkeit.

Genau deswegen hab ich mich entschieden, eine Website zu erstellen.
Ich hab gemerkt, dass die bisherigen Tools einfach nicht reichen. Auf Tally bekomme ich zwar die Berichte – aber sie sind durcheinander, schwer zu filtern, man kann sie nicht ordentlich trennen oder öffentlich darstellen. Ich hab gemerkt: Es braucht etwas Eigenes. Etwas, das nicht nur mir die Arbeit erleichtert, sondern das anderen Frauen auch das Gefühl gibt, dass ihre Erfahrungen nicht einfach verschwinden.

Die Website soll genau das machen:

Man kann direkt seinen Erfahrungsbericht schreiben und gleichzeitig die Berichte anderer Frauen lesen. Und es wird zwei Kategorien geben – einmal die Fälle, die mit dem AGesVG zu tun haben, also FFP2-Masken, Anzeigen, Polizeikontrollen. Und einmal allgemeine Diskriminierungserfahrungen – Khimar, Abaya, Ablehnung im Alltag. Einfach damit man den Überblick behält.

Außerdem will ich dort auch die Mails hochladen, die ich ans BMI geschickt habe. Weil sie bis heute nicht geantwortet haben. Seit über einem Monat – kein einziges Wort. Und das ist genau das Problem: Die Erfahrungen sind real, aber von offizieller Seite kommt nichts. Kein Interesse, keine Verantwortung, keine Antwort.

Was mich daran besonders stört: Es gibt so viele offene Fragen, auf die es keine einzige klare Antwort gibt.

Wie genau wird eigentlich „Gesichtsverhüllung“ im Gesetz definiert? Welche Gesichtsteile müssen sichtbar sein? Warum ist eine FFP2-Maske mit weiter Kleidung legal – aber ein Niqab nicht? Warum hängt alles vom Motiv ab, obwohl objektiv dasselbe bedeckt ist?

Auf welcher Grundlage fragt die Polizei überhaupt nach dem Grund für die Maske? Warum werden Atteste nur dann kritisch geprüft, wenn sie von muslimischen Frauen kommen? Und was passiert mit diesen Attesten überhaupt? Gibt’s dafür Vorgaben? Wird das dokumentiert? Und ganz ehrlich – warum gibt es keine öffentlich zugänglichen Daten? Keine Zahlen, keine Auswertungen. Einfach nichts. Weil sie genau wissen, dass das Gesetz selektiv wirkt. Und sie wollen nicht, dass das sichtbar wird.

Darum machen wir’s selbst sichtbar.

Ich arbeite gerade an dieser Seite, und parallel dazu habe ich auch eine WhatsApp-Gruppe erstellt. Die ist für Schwestern, die selbst betroffen sind oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Wenn du dazugehören willst, schreib mir einfach. Ich verifiziere jede kurz per Sprachnachricht, damit wir sicherstellen, dass die Gruppe geschützt bleibt. Es geht darum, dass wir uns austauschen, gegenseitig stärken und gemeinsam überlegen, wie wir weitermachen.

sevalsert123@gmail.com

Ich weiß, manche fühlen sich zwischendurch einfach nur müde. Oder denken sich: Bringt das überhaupt was? Verändert sich dadurch wirklich etwas?

Ich versteh das. Ich hab mich das auch oft gefragt. Aber ich bin überzeugt: Ja, es bringt was. Nicht sofort. Nicht auf Knopfdruck. Aber Stück für Stück. Mit jedem Bericht, der nicht untergeht. Mit jeder Frau, die merkt: Ich bin nicht allein. Und mit jedem Mal, wo jemand da draußen sieht, was sonst keiner zeigen will.

Wir wollen keine Sonderrechte.
Wir wollen einfach Klarheit:
Was ist erlaubt? Was ist verboten? Und warum?
Wir wollen wissen, nach welchen Kriterien entschieden wird.

Aber je tiefer man sich mit diesen Fragen beschäftigt, desto deutlicher wird:
Das Gesetz verfehlt seine eigenen Ziele – und trifft in der Praxis genau die Falschen.
Es sorgt nicht für Sicherheit oder Integration, sondern für Unsicherheit und Diskriminierung.

Deshalb sammeln wir.
Deshalb dokumentieren wir.
Und deshalb machen wir es öffentlich – weil es sonst niemand tut.

– Seval

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