
Die Elternbeiratsvorsitzenden der Gymnasien in Hof haben einen Offenen Brief an den Bayerischen Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo verfasst.
Dieser Offene Brief zeigt am Beispiel der Gemeinde Hof (welche mit teils sehr hohen Inzidenzwerten teilweise sehr stark von entsprechenden Maßnahmen betroffen war), unter Anderem sehr deutlich auf, wie die letzten Monate unter den Pandemie-Einschränkungen für die Schüler:innen (hier in Bayern) ausgesehen haben.
Diesen Offenen Brief unterstützen wir inhaltlich und im Bezug auf die gestellten Forderungen voll und ganz, und teilen ihn daher gerne.
Hier ein paar Auszüge, die aus unserer Sicht die Situation sehr treffend beschreiben:
>> Die Abiturienten in Hof waren seit Mitte Dezember nicht einmal 2 Wochen in der Schule, auf das Schuljahr 2020/21 gerechnet ergibt das 16 von 28 Schulwochen (58%) im Distanzunterricht. <<
>> [Aber] alle, insbesondere die guten Schüler haben mit diesem Prüfungssatz die Botschaft erhalten: „Ihr habt euch angestrengt - mag sein - aber ihr seid trotzdem nicht gut genug.“ Das ist ein verheerendes Signal an junge Menschen [...] <<
>> Anstatt sie gestärkt aus dieser pandemiegeprägten Oberstufenzeit ohne Fahrten, Konzerte oder Feiern zu entlassen, bekommen sie noch einen Schlag ins Gesicht, ohne sich wirklich wehren zu können. <<
>> Als klar war, dass das Abitur „normal“ stattfindet, hatte man davon ausgehen dürfen, dass es Pläne zur konkreten Durchführung gibt, dass die Schüler und Lehrer informiert werden, dass die Prüfungsaufgaben selbstverständlich an die bekannt gegebenen Einschränkungen der Lerninhalte angepasst werden. Alles andere wäre inkompetent und unfair.
Doch leider ist genau das nicht eingetreten. Im Ministerium wurde nicht wahrgenommen, wie viele Schüler wirklich wie lange im Distanzunterricht waren, ob aus Quarantäne- oder Inzidenz-Gründen. Sämtliche Motivationstiefs, Selbstzweifel und Ängste der Schüler mussten von uns Eltern und den Lehrern durch Versprechungen auf eine sicher faire Prüfung aufgefangen werden. Klare Information oder gar Unterstützung aus dem Ministerium gab es nicht. Nun stehen wir alle als Lügner da, weil wir auf den Beschluss der KMK (vom 23.03.2020 und vom 21.01.2021) vertraut hatten, „wonach Schülerinnen und Schülern keine Nachteile aus der pandemiebedingten Ausnahmesituation erwachsen dürfen“. <<
>> Diese Mathematikprüfung ist für uns der Gipfel der Ignoranz. Es ist nur ein Baustein in dem großen Mosaik der verfehlten bzw. nicht getroffenen Entscheidungen in der gesamten bayerischen Schulpolitik in der Pandemie. Es ist ein Stolperstein für unsere bayerischen Abiturienten, weil er direkt Auswirkungen auf das zentrale Auswahlkriterium bei den meisten Studiengängen – die Abiturnote – hat. <<
--- --- ---
Den kompletten Brief haben wir hier zum Download zur Verfügung gestellt:
https://www.dropbox.com/s/v29iuto4bbnm9q8/Offener%20Brief%20an%20Kultusminister%20Piazolo.pdf
--- --- ---
--- --- ---
Für alle nicht direkt Betroffenen, die bislang noch keinen Eindruck der teilweise verheerenden Situation an den bayerischen Schulen während der letzten Monate haben, ein ergänzender Hinweis:
dies ist durchaus nicht der einzige Offene Brief, der im Zusammenhang mit dem Unterricht während der Pandemie an Kultusminister Piazolo gerichtet wurde.
Eine Internetsuche, z. B. nach "Offener Brief Piazolo", ergibt weitere Ergebnisse zu Offenen Briefen, die im Zusammenhang mit der Petition an das Kultusministerium bzw. den Kultusminister gerichtet wurden: