Hitzefrei – Einheitliche Regelung für alle Schulen in Bayern

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Jedes Jahr bekommen die Schüler*innen in Bayern erst Sommerferien, wenn der Hochsommer bereits fast vorüber ist. Stattdessen müssen sogar Grundschulkinder Leistungsnachweise schreiben und am Nachmittag noch zahlreiche Hausaufgaben erledigen und bekommen noch nicht einmal hitzefrei, was aus medizinischer Sicht unabdingbar ist, gerade im Hinblick auf den Klimawandel.

Es ist Anfang Juli 2019. Seit Tagen zeigt das Thermoteter im Schatten bereits über 30 Grad. Bereits um 10.00 Uhr hat es 29 Grad im Schatten. Kinder der 1. Klasse einer Grundschule schwitzen und sollen sich konzentrieren. Die Luft ist heiß und stickig. Die Sonne scheint seit Tagen direkt auf das Schulgebäude und erwärmt sich stark, doch "hitzefrei" ist nicht in Sicht. An diesem Tag hat die 1. Klasse sogar 6 Unterrichtsstunden bis 13.00 Uhr, doch eine Klimianlage oder Ventilatoren gibt es nicht.

Das darf so nicht bleiben! Natürlich müssen sich Familien auch auf eine Betreuung verlassen können, aber unter diesen Umständen müssen Schüler*innen zu ihrem Wohl hitzefrei erhalten und eine angemessene Betreuung erhalten. Doch dafür benötigen wir einheitliche Regelungen.

In Bayern bekommen die Schüler*innen erst ca. Anfang August Sommerferien.

Das Kultusministerium muß wieder eine einheitliche Regelung für „Hitzefrei“ an allen Schulen in Bayern schaffen.

Quelle:
https://amp.zdf.de/nachrichten/heute/sommer-sonne-hitzefrei-das-thermometer-steigt-die-schueler-schwitzen-100.html

"Höhere Temperatur, mehr Krankenhauseinlieferungen
Mit Blick auf die Gesundheit der Schüler ist das eine dringend notwendige Maßnahme, findet Christoph Fusch. Für den Chefarzt der Klinik für Neugeborene, Kinder und Jugendliche am Klinikum Nürnberg sind hohe Temperaturen in Klassenräumen aus medizinischer Sicht bedenklich. "Die Umgebungstemperatur hat große Auswirkungen auf unseren Körper, gerade bei Kindern und Jugendlichen", so der Mediziner.

Das Problem: Wir müssen unsere eigene Temperatur halten und produzieren dadurch selbst Wärme. Dieses Schwitzen ist umso wirkungsvoller, je kühler es ist und umso weniger Wasser in der Luft vorhanden ist. Aktuell erleben wir genau das Gegenteil: Die Luft ist sehr warm und enthält viel Wasser. Das Schwitzen wird weniger effektiv, der Körper muss härter dagegen ankämpfen, überschüssige Wärme loszuwerden. Dadurch wird der Kreislauf angekurbelt, ein höherer Herzschlag ist die Folge.

"Manche Kinder vertragen das problemlos, doch bei einigen kann es dadurch zu Kreislaufproblemen mit Schwindel bis zum Bewusstseinsverlust kommen", gibt Fusch zu bedenken. "Es ist wichtig, dass in den Klassenräumen Thermometer hängen und aus dem, was darauf abzulesen ist, auch die richtigen Konsequenzen gezogen werden." Denn die Tatsache, dass sich die Leistungsfähigkeit bei Temperaturen im 30er Bereich deutlich reduziert, sei das eine. Das andere: "Internationale Studien belegen, dass bei einer Umgebungstemperatur jenseits von 25 Grad die Zahl der Kinder, die in ein Krankenhaus eingeliefert werden, deutlich ansteigt."

Der Rat von Kinderarzt Fusch: "Gerade Kinder und Jugendliche müssen ausreichend trinken, was im Schullalltag sicherlich oftmals untergeht. Doch durch das Schwitzen ist der Wasserverlust groß und je kleiner der Organismus ist, desto gravierender sind die Folgen." Er ist überzeugt: "Schreitet die Klimaentwicklung weiter so voran, werden wir uns tatsächlich am besten schon bald über eine saisonale Klimatisierung auch in Schulen unterhalten müssen." Denn schließlich sei die große Hitze vor allem eines: wirklich belastend und ein echtes Problem, gerade für junge und alte Menschen.

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Aktuell obliegt die Entscheidung, ob der Unterricht aufgrund von hohen Temperaturen früher beendet wird, der alleinigen Entscheidung des Schulleiters. Doch Schulleiterinnen und Schulleiter machen auch bei hohen Temperaturen oftmals keinen Gebrauch. Das ist besonders für die Grundschulkinder der 1. und 2. Klasse oft besonders anstrengend, wenn die Temperaturen auf 32 Grad und mehr ansteigen. Aus diesem Grunde muss das Kultusministerium in Bayern endlich handeln. 

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Leistungsfähigkeit bei Raumtemperaturen über 26 °C in erheblichem Umfang abnimmt. So zeigt beispielsweise eine Untersuchung aus Dänemark (Wargocki, Wyon 2006), dass Schülerinnen und Schüler bei höheren Temperaturen signifikant schlechtere Ergebnisse erzielen und die Leistungsfähigkeit pro 1°C Temperaturzunahme um zwei Prozent abnimmt.

Wenn die Schulleiter nicht ausreichend handeln, dann muss das Ministerium als oberste Schulaufsichtsbehörde eine entsprechende Verwaltungsvorschrift erlassen. Nur so könne man den Schülerinnen und Schülern Lernerfolg garantieren und die Gesundheit der Schüler*innen beachten.

Wir fordern die Erfassung der Daten, wie viele Grundschulen tatsächlich noch "hitzefrei" geben und auch welche Innentemperaturen an den Grundschulen tatsächlich erreicht wurden.

Es bedeutet natürlich nicht, dass berufstätige Eltern dadurch Probleme bekommen, weil die Grundschulkinder hitzefrei bekommen. Es muss eine verlässliche und einheitliche Regelung getroffen werden. Kinder berufstätiger Eltern könnten dann z.B. nach der 4. Schulstunde weiter in der Grundschule beaufsichtigt werden und mit Wasserspielen auf dem Pausenhof sich Abkühlung verschaffen.

Susann Dohm
Deutscher Verband inklusiver Schulentwicklung i.G.
https://www.deutscher-verband-inklusiver-schulentwicklung.com/