Offener Brief zum Schutz der Aldeia Maraka'nà und der Indigenen Universität

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Katu haw rupi Teko Paw rupi ko ywi rehe har a'e teko wà
Grüße an die Völker der Erde!

 

Wir, indigene Brasilianer und Unterstützer der Aldeia Maraka'nà, setzen uns anhand dieses Briefes für den Schutz der Aldeia Maraka'nà, ein, und für das Projekts Universidade Indígena Aldeia Maraka’nà, und nehmen dabei Bezug auf die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker, das Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) und die Artikel 231 und 232 der Bundesverfassung von Brasilien.

Die Aldeia Maraka'nà ist ein indigenes Dorf inmitten von Rio de Janeiro, das in unmittelbarer Nähe des Fußballstadions Maracanã liegt. Es befindet sich nicht nur auf ursprünglich indigenem Land, sondern verfügt über eine lange Geschichte, welche die aktuelle Besetzung rechtfertigt. Die auf dem Grundstück gebaute Villa aus dem Jahr 1885 gehört dem Bundesland Rio de Janeiro und war einst Sitz der ersten Institution, die dem Schutz indigener Völker Brasilien galt, der Serviço de Proteção ao Índio (SPI). 1953 gründete der Ethnologe Darcy Ribeiro darin das erste indigene Museum Lateinamerikas (Museu do Índio). Darüber hinaus beherbergte das Haus von 1950 bis 1970 den Studiengang Ethnologie der Staatlichen Universität von Rio de Janeiro (UFRJ). Nachdem das Museu do Índio 1978 in einen anderen Stadtteil umgesiedelt wurde, stand das Haus für beinahe drei Jahrzehnte leer.

Seit der Besetzung im Jahr 2006 ist die Aldeia Maraka’nà ein Ort, der kollektiv von Indigenen unterschiedlicher Bundesländer, die in Rio de Janeiro leben oder auf der Durchreise sind, verwaltet wird. Das Projekt einer indigenen Universität steht in direktem Bezug zu diesem Territorium . Es bestätigt das indigene Engagement für die Gestaltung einer gerechteren und nachhaltigeren Gesellschaft und strebt gegenwärtig die institutionelle Anerkennung für seine Aktivitäten an. 

Die Universität Aldeia Maraka’nà ist ein Raum des gemeinschaftlichen, multiethnischen, interkulturellen und dekolonialen Lernens, in dem der Wissensaustausch im Vordergrund steht. Das Teilen von Wissen bildet gleichzeitig das Fundament des Lebens in einem indigenen Dorf. An der indigenen Universität wird sozial-ökologisches, ökonomisches, medizinisches, wissenschaftliches, philosophisches und kulturelles Wissen auf ganz spezifische Weise vermittelt und praktiziert. So werden aktuell ein Programm von indigenen Heilpraktiken, Gartenarbeit, Weben und Grafikkunst, Filmverführungen (Cinema Indígena) sowie Besuche von Schüler*innen öffentlicher Schulen angeboten. Als ein Ort mitten in der Stadt, an dem Indigene aus unterschiedlichen Regionen Aspekte ihrer Lebensweise erhalten und weitergeben können, leistet die Aldeia Maraka’nà einen bedeutenden Beitrag im Kampf gegen die Ausbeutung des Ökosystems – eines der schwerwiegendsten Probleme unserer Gegenwart.

Die koloniale Vergangenheit der Unterdrückung, Unsichtbarkeit und des Genozids an den indigenen Völkern ist heute in den anhaltenden Attacken sichtbar, unter denen die Aldeia Maraka’nà leidet. 2013 trat die Landesregierung das Gelände an das Unternehmen Odebrecht ab, das für die Fußballweltmeisterschaft 2014 den Bau eines Einkaufszentrums und eines Parkplatzes vorgesehen hatte. In einer durch die Landesregierung geführten Maßnahme wurden Gruppen unterschiedlicher indigener Ethnien mit Gewalt aus der Aldeia vertrieben. Das Gelände wurde zwar asphaltiert, aber das Immobilienprojekt des Complexo Maracanã scheiterte, so dass die Indigenen 2016 zurückkamen und den Ort erneut besetzten. Der Privatisierungsprozess wurde von fragwürdigen Interessen begeleitet und die Kriminalisierung der Indigenen der Aldeia Maraka’nà von korrupten und mittlerweile von der Justiz verurteilten Regierungsvertretern (Sérgio Cabral und Pezão) vorangetrieben.

Aus den genannten Gründen fordern wir die Bundes- und Landesregierungen dazu auf, die Geschichte und die Rechte der indigenen Völker zu respektieren und ohne weitere Verzögerung sowohl den Besitz der Villa und des umliegenden Geländes der Aldeia Maraka’nà als auch die Legitimität des laufenden Projektes der indigenen Universität Aldeia Maraka’nà anzuerkennen. Darüber hinaus zeigen wir uns besorgt bezüglich der überstürzten Aussagen des kürzlich ins Amt gewählten Gouverneurs Wilson Witzel in der Presse und in den sozialen Medien. Darin findet die Existenz der gegenwärtigen Besetzung der Aldeia Maraka’nà keine Beachtung. Auch die Haltung des neuen Präsidenten Jair Bolsonaro bereitet uns Sorge. In den ersten Stunden nach seinem Amtsantritt übertrug er die Kompetenzen der Indianerschutzbehörde FUNAI (Fundação Nacional do Índio) dem Landwirtschaftsministerium, das vor allem die Interessen der brasilianischen Land- und Viehwirtschaft vertritt. Darüber hinaus appellieren wir an die FUNAI, dass sie sich explizit für die Aldeia Maraka’nà und dieses einzigartige Projekt in Rio de Janeiro und in der Geschichte Brasiliens positioniert und einsetzt.

 

Katu haw paw rupi.
Vielen Dank!



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