Für den Erhalt der Politischen Ideengeschichte am Otto-Suhr-Institut!

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Offener Brief für den Erhalt der Ideengeschichte am OSI

Mit der Emeritierung Prof. Dr. Klaus Roths läuft am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft zum Sommersemester 2019 die entfristete Gastprofessur für Politische Ideengeschichte aus. Nachdem das Berufungsverfahren zur Neubesetzung der ehemaligen Vollprofessur[i] im Jahr 2005 scheiterte, entschied der Fachbereich im Jahr 2008 die Herabstufung auf eine Juniorprofessur ohne Tenuretrack zugunsten zweier Professuren am Sonderforschungsbereich „Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit“ [ii]. Schon damals erkannte die Deutsche Vereinigung für politische Wissenschaft (DVPW) in diesem Schritt eine Gefährdung für Qualität und Vollständigkeit der politikwissenschaftlichen Ausbildung an der Freien Universität und forderte den Erhalt der Vollprofessur[iii] - ohne Erfolg. Die Ideengeschichte ist seit Ablauf der Juniorprofessur nicht mehr im Strukturplan des Otto-Suhr-Instituts verankert und eine Verlängerung der derzeitigen Stelle Klaus Roths nicht vorgesehen. Auf die andauernde Kritik an diesem Zustand reagiert das Professorium allenfalls mit dem Verweis auf mangelnde finanzielle Mittel. Obwohl die strukturelle Unterfinanzierung universitärer Lehre ein nicht von der Hand zu weisendes Faktum darstellt, lässt die Überbetonung des Sachzwangs außer Acht, dass es sich bei der jetzigen Situation in erster Linie um das Resultat (hochschul-) politischer Entscheidungen innerhalb der letzten Jahre handelt.

Politische Ideengeschichte bildet seit jeher das Fundament politischer Wissenschaft und die Grundvoraussetzung für ein reflexives Verständnis des Fachs. Die derzeitigen Lehr- und Forschungsgegenstände des politikwissenschaftlichen Kanons sind nicht etwa ahistorisch, sondern fußen allesamt auf theoretischen Annahmen, die geschichtlichen Ursprungs sind. Theorien politischer Ideengeschichte sind somit einerseits Zeugnis historischer Kontexte und Denktraditionen, andererseits besitzen sie insofern einen „überzeitlichen Wahrheitskern“[iv], als dass sich ihre Wirkmächtigkeit bis in die Gegenwart nachweisen lässt. Aus gutem Grund ist die Vorlesung „Politische Ideengeschichte“ am Otto-Suhr-Institut daher bis heute obligatorischer Bestandteil des Grundstudiums. Zusätzlich garantieren Professur und wissenschaftliche Mitarbeiter*innenstelle ein solides Angebot an vertiefenden Pro- und Hauptseminaren. 

Nicht zuletzt ist es die Kombination der Arbeitsstellen Politische Ideengeschichte und Moderne Politische Theorie, die den Arbeitsbereich Politische Philosophie und Ideengeschichte zu einem deutschlandweit angesehenen und von Studierenden besonders geschätzten machen. Dass dieser nun ausgerechnet am Otto-Suhr-Institut, der größten politikwissenschaftliche Lehr- und Forschungseinrichtung der Bundesrepublik, derart bedroht ist, widerspricht dem behaupteten institutseigenen Selbstverständnis, demzufolge der fachinternen Pluralität Rechnung getragen werden soll[v].

Schon jetzt spiegelt sich dieser Missstand im Entwurf für die neue Bachelor-Studienordnung wider, der derzeit von einer Kommission erarbeitet wird und im Wintersemester 2019/2020 in Kraft treten soll. Mitunter sieht dieser vor, dass die Politische Theorie aufgrund mangelnder personeller Kapazitäten künftig nur noch in zwei (statt aktuell vier) Studienabschnitten als eigenständiges Modul repräsentiert ist. Für das Bachelorstudium hat dies zur Konsequenz, dass Studierende ab nächstem Herbst qua Studienordnung nicht einmal mehr halb so viele Kurse im Bereich der Politischen Theorie belegen können wie es bisher der Fall war. Eine Spezialisierung wird ihnen damit de facto verunmöglicht. Darüber hinaus ist schon jetzt absehbar, dass mit der Streichung des Wahlmoduls Politische Theorie nicht nur der Bedarf an Lehrveranstaltungen sinkt, sondern mit der quantitativen Dezimierung des Lehrangebots auch ein qualitativer Einschnitt in die bereichsinterne Vielfalt einhergeht.

Als politische Studierendenvertretung am Otto-Suhr-Institut halten wir die fortwährende Marginalisierung der politischen Ideengeschichte sowie die sukzessive Umstrukturierung des Instituts zulasten philosophischer und normativ-kritischer Inhalte für fatal. Wir wollen an dieser Stelle auch daran erinnern, dass die Wiedereröffnung der Deutschen Hochschule für Politik[vi] vor 70 Jahren im Zeichen der Demokratieerziehung stand, und die Institutionalisierung dieses Gründungsmoments maßgeblich politischen Theoretikern wie Franz Neumann, Otto Suhr und Johannes Agnoli zu verdanken ist. In Zeiten, da soziologische Studien nur noch knappen 30 Prozent der Gesamtbevölkerung eine ausdrücklich demokratische Orientierung attestieren[vii], ist die ideengeschichtlich fundierte Auseinandersetzung mit demokratischen Prinzipien unabdingbar. Der Kern politischer Theorie und Ideengeschichte – die Frage nach der guten und gerechten, menschenwürdigen Ordnung – hat bis heute nicht an Relevanz eingebüßt. Vielmehr muss die ihr inhärente normative Forderung heute wieder verstärkt gegen diejenigen Tendenzen in Stellung gebracht werden, die ihr Gegenteil bezwecken. 

 

Wir fordern daher:

  1. Die erneute Einrichtung einer Vollprofessur für Politische Ideengeschichte.
  2. Den Erhalt der Vorlesung "Politische Ideengeschichte" als Pflichtveranstaltung im Grundlagenbereich.
  3. Den Erhalt Politischer Theorie und Ideengeschichte im Wahlbereich.

 


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Fußnoten

[i] Lehrstuhlinhaber waren in der Vergangenheit u.a. Otto Heinrich von der Gablentz, Alexander Schwan und Axel Honneth.

[ii] https://www.tagesspiegel.de/wissen/fu-berlin-streit-um-politische-theorie-am-otto-suhr-institut/1359768.html

[iii] http://fsiosi.blogsport.de/2008/06/15/offener-brief-fuer-den-erhalt-der-ideengeschichts-vollprofessur-am-osi/

[iv] Samuel Salzborn (Hg.) (2018): Handbuch Politische Ideengeschichte: Zugänge – Methoden – Strömungen, Stuttgart, S.268

[v] https://www.polsoz.fu-berlin.de/polwiss/osi/geschichte_profil/index.html

[vi] Die Deutsche Hochschule für Politik wurde 1959 als Otto-Suhr-Institut in die Freie Universität eingegliedert.

[vii] Oliver Decker/Elmar Brähler (Hg.) (2018): Flucht ins Autoritäre. Rechtsextreme Dynamiken in der Mitte der Gesellschaft, Gießen

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Kontakt:

fsi.osi@riseup.net
https://www.facebook.com/fsiosi/



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