Ehsan soll bleiben und arbeiten dürfen

0 haben unterschrieben. Nächstes Ziel: 1.000.


 

Ohne Arbeit werde ich krank

Jeden Morgen, wenn ich sie gewaschen habe, hat Frau Schmid über meine Haare gestreichelt und gesagt: „So schöne Haare, so ein netter junger Mann.“ Frau Schmid ist 94 Jahre alt. Ich habe sie während meines vierwöchigen Praktikums im Altenheim kennengelernt. Das Praktikum war ein Teil meiner Ausbildung. Ich habe im vergangenen Schuljahr Altenpflegehelfer an der BRK Schule in Stadtsteinach gelernt. Der Direktor der Schule hat am Anfang gesagt, dass ich dieses Jahr nicht schaffen kann, weil mein Deutsch zu schlecht ist. Nach einer Woche wollte ich selbst wieder aufhören, weil die Busverbindung von Kulmbach nach Stadtsteinach und zurück so schlecht war. Jeden Tag habe ich nach der Schule noch anderthalb Stunden auf den Bus warten müssen. Aber ich habe nicht aufgehört. Ich habe die Wartezeit zum Lernen genutzt und habe die Ausbildung geschafft. Am besten haben mir die Praktika gefallen. Die alten Menschen waren immer freundlich zu mir, sie hatten keine Vorbehalte. Für sie war es ohne Belang, dass ich aus Afghanistan komme, anders aussehe und manche Wörter auf Deutsch noch nicht kenne. Das hat mich überrascht, denn vor der Ausbildung habe ich im Supermarkt manchmal ältere Menschen gesehen, die mich böse angeschaut haben. Ich dachte damals, so sind alle. Bei meiner Ausbildung habe ich aber bemerkt, dass viele ältere Menschen hier in Deutschland einfach nur einsam sind. In Afghanistan haben die jungen Menschen zu den Älteren ein ganz anderes Verhältnis. Alte Menschen haben in unseren Familien einen genauso wichtigen Platz wie die Kinder. Das hat ganz praktische Gründe. In Afghanistan gibt es nur wenige Kindergärten. Deshalb passen die älteren Familienmitglieder auf die jüngsten auf und bringen ihnen in den ersten Jahren auch vieles bei. Wenn die Kinder aber bei ihren Großeltern aufwachsen, haben sie auch später großen Respekt vor ihnen und lieben sie. So war das auch bei mir. Ich habe meine Großeltern sehr geliebt. Als ich mit den Bewohnern im Altenheim zu tun hatte, wenn ich sie gewaschen habe, ihnen Essen gereicht, mich mit ihnen unterhalten habe, dann habe ich immer auch an meine Großeltern gedacht. Und so habe ich schnell einen guten Kontakt zu den alten Menschen gefunden.
Vor einer Woche habe ich mein Zeugnis bekommen. Ich wollte ein Jahr arbeiten, mein Deutsch weiter verbessern und dann eine dreijährige Ausbildung zum Altenpfleger beginnen. Pflegekräfte werden in Deutschland dringend gesucht. Das habe ich in der Zeitung gelesen. Ich habe auch gelesen, dass der Gesundheitsminister Menschen aus Osteuropa und Asien anwerben und in Deutschland als Pfleger und Pflegerinnen ausbilden lassen will oder als ungelernte Pflegekräfte einsetzen. Aber ich bin schon da. Ich habe zwei Jahre in einer Berufsintegrationsklasse Deutsch gelernt. Ich habe eine einjährige Ausbildung abgeschlossen. Das alles hat Deutschland auch viel Geld gekostet. Ich würde dafür gern etwas zurückgeben. Doch weil ich Afghane bin, bekomme ich keine Arbeitserlaubnis. Afghanistan gilt als sicheres Land, obwohl dort viele Menschen bei Überfällen, Anschlägen und Explosionen sterben. Rückkehrer aus Europa schweben zusätzlich in Lebensgefahr, weil sie als ungläubig gelten und es keinen Platz für sie gibt. Ich soll nach Afghanistan zurückgeschickt werden. Mein Asylantrag ist abgelehnt. Aber es ist völlig ungewiss, wann ich abgeschoben werde. Das schon macht mich krank. Aber dass ich nicht arbeiten darf, dass ich nicht gebraucht werde, ist für mich noch schlimmer. 

Von Ehsan Sakhizada



Heute: Suraja verlässt sich auf Sie

Suraja Stimphile benötigt Ihre Hilfe zur Petition „Frau Huml: Ehsan soll bleiben und Arbeiten dürfen”. Jetzt machen Sie Suraja und 988 Unterstützer/innen mit.