Petition updateOhne Unterschiede - Nicht-Muslime für einen fairen Umgang mit Muslimen in Medien & PolitikLeserbrief von Pfarrer Martin Germer über einen Artikel über den Berliner Notdienst
N AGermany
May 22, 2018
Wir veröffentlichen an dieser Stelle einmal einen Leserbrief von Pfarrer Martin Germer auf den verlinkten Artikel von Frank Bachner im Tagesspiegel , da der Leserbrief im Tagesspiegel selbst leider nicht veröffentlicht wurde: "Ein junger Mann orientalischer Herkunft bedroht seine Schwester, weil sie sich zu stark schminkt. Schreckliche Situation. Guter, dramatischer Aufhänger, um zu vermitteln, warum es so wichtig ist, dass es den Jugendnotdienst gibt. Aber geht es dabei um Islam, wie die Unterzeile der Überschrift – „junge Muslima bittet… um Begleitung zum Notdienst“ – zu verstehen gibt? Handelt es sich bei der dahinter stehenden, verquasten Ehrvorstellung nicht eher um ein soziokulturelles Phänomen, auch wenn die am Schluss zitierte Mutter es religiös artikuliert? Erwähnt wird auch, dass der junge Mann schon oft kriminell auffällig wurde. Außerdem: Bei wie vielen von den 2815 Belegungstagen des Notdienstes ging es tatsächlich um Vorfälle dieser spezifischen Art? Von den 2204 Fällen der Hotline Kinderschutz ganz zu schweigen? Was also hat die Redaktion dazu veranlasst, die mit der Aufmacher-Geschichte gegebene Verknüpfung von Islam und „Ehre“ zur Überschrift des ganzen Artikels zu machen, der doch ansonsten über die verschiedenen Einrichtungen des Berliner Notdienstes und seine zunehmende Inanspruchnahme informiert sowie über die strukturellen Veränderungen, mit denen darauf reagiert wird? Und welche kulturellen Reflexe – oder Klischeevorstellungen – haben dann wiederum dazu geführt, dass das Ganze ausgerechnet mit der Rückenansicht von drei kopftuchtragenden jüngeren Frauen illustriert wurde? Welchen Bezug hat das zum Inhalt des Berichts? Rückfragen eines in puncto Islam-Bashing sensibilisierten Lesers… Martin Germer, Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Gemeinde" Um einmal eine sachliche Ebene anzuregen: Vielleicht wäre es ja einmal eine Recherche wert, die Zahl der Ehrenmorde an Frauen (in Italien Femizide genannt) im Verhältnis zur jeweiligen Bevolkerungsgruppe zu recherchieren, um dann auf einer solchen sachlichen Ebene eine Aussage zu treffen? Zum Beispiel folgende Gruppen: - kurdische Jesiden - sonstige Jesiden - kurdische Muslime - sonstige Muslime - italienische Katholiken - sonstige Katholiken Vielleicht stellt sich heraus, daß das Muslimischsein gar nicht der besonders begünstigende Faktor ist, sondern vielmehr ein beliebtes Stereotyp, auf dessen Kosten man derzeit beliebig herumhacken darf, ohne daß es eine gesellschaftliche Empörung gibt?
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