#sprechenwirdarüber: Verharmlosung sexualisierter Gewalt in den Medien

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Sexualisierte Gewalt ist in der Schweiz Alltag. Das zeigen nicht nur die zahlreichen Aussagen von Frauen zum Hashtag #metoo, sondern auch die Statistiken: Gemäss Fachorganisationen hat jede 5. Frau in der Schweiz schon einen sexuellen Übergriff erlebt. Bei Jugendlichen erhöht sich diese Zahl um das Dreifache: Gemäss der Optimus-Studie (2012) haben 62 Prozent der befragten 15- bis 17-jährigen Mädchen schon einmal einen sexuellen Übergriff erlebt. 588 Vergewaltigungen wurden 2016 angezeigt. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer ist bei sexuellen Übergriffen besonders gross, da sich nur wenige Betroffene an die Polizei wenden.


Wer sexualisierte Gewalt ausübt, macht sich strafbar. Machen wir uns also nichts vor: Wer sexualisierte Gewalt ausübt, hat keine Sexsucht, hat nicht über die Stränge geschlagen oder das «Nein» der Betroffenen überhört. Wer Gewalt ausübt, hat ein Problem damit, Grenzen anderer zu respektieren und sich selbst zu kontrollieren. Wer Gewalt ausübt, braucht Hilfe und keine Beschönigungen. Sexualisierte Gewalt hat wenig mit Sexualität und viel mit Macht(missbrauch) zu tun.


Gewalt entsteht nicht einfach aus dem Nichts. Sie ist in den Strukturen unserer Gesellschaft verankert. Die Verharmlosung von Gewalt erzeugt weitere Gewalt. Täter*innen fühlen sich durch die nicht genügend zum Ausdruck gebrachte Ablehnung dieser Gewalt in ihren Taten legitimiert. Wir nehmen als Gesellschaft unsere Verantwortung nicht ernst genug. Das muss sich ändern.


Die Verantwortung muss von uns allen getragen werden, ganz besonders aber von den Medien. Sie prägen unsere Meinungen und Haltungen entscheidend mit. Wir fordern deshalb eine angemessene Berichterstattung zu sexualisierter Gewalt. Eine Berichterstattung die kritisch reflektiert, dass sexualisierte Gewalt nur scheinbar mit Sex zu tun hat. Eine Berichterstattung, die den Betroffenen keine Verantwortung für die Taten in die Schuhe schiebt. Eine Berichterstattung die aufzeigt, dass diese Taten viel mit einem ungesunden Männlichkeitsbild zu tun haben, nicht mit Männern* allgemein. Wir wollen eine Berichterstattung die Meinung von Information klar trennt.


Wir wenden uns deshalb mit folgenden Worten an die Medienverantwortlichen in der Schweiz:


Sehr geehrte Chefredakteur*innen,

Sehr geehrte Entscheidungsträger*innen,

Sehr geehrte Journalist*innen


Sexualisierte Gewalt ist ein Verbrechen, kein Kavaliersdelikt. Sie fügt den Betroffenen oft lebenslange äusserliche und innerliche Verletzungen zu. Sie ruft Scham hervor - mitunter auch, weil den Betroffenen oft die Schuld für diese Verbrechen in die Schuhe geschoben wird. Das führt zu einer doppelten Belastung: zum einen durch die Gewalterfahrung selbst, zum anderen durch die gesellschaftliche Verurteilung.


Ihr habt es in der Hand, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Durch eine kritische, reflektierte Berichterstattung tragt ihr dazu bei, dass Täter*innen und nicht Betroffene die Verantwortung übernehmen. Dass die Öffentlichkeit über Missstände und Machtmissbrauch informiert wird. Dass jene, die Hilfe benötigen, diese beanspruchen können und nicht zum Schweigen gezwungen werden.


Ihr habt Macht - nutzt diese für eine positive Veränderung. Lasst eure Worte als Taten sprechen und verzichtet auf die Beschuldigung Betroffener und reisserische Titel. Hört auf, sexualisierte Gewalt als Kavaliersdelikte, Flirts oder Jugendsünden zu verharmlosen. Nennt die Probleme, die zu dieser Gewalt führen, beim Namen und wählt dafür eine Sprache, die nicht beschönigt. Lasst Betroffene zu Wort kommen und konzentriert euch nicht auf die Verteidigung der Täter*innen. Seid wachsam und kritisch.

Vermeidet, selbst Teil des Problems zu werden.


Die Unterzeichnenden der Petition



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