Erhalt des Kieler Seehundebeckens

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 „Der Mensch schützt nur das, was er kennt und liebt“

Es ist schwer zu definieren was artgerecht ist und was nicht, selbstverständlich ist der natürliche Lebensraum eines Tieres der artgerechteste den es gibt. Bei vielen in Gefangenschaft lebenden Tieren ist dies leider die letzte Möglichkeit die Art zu erhalten. Bei den Seehunden allerdings ist dies anders. Die Seehundpopulation ist stark angestiegen, so dass der Arterhalt hier nicht nötig ist.
Allerdings gibt es nun schon viele Jahre in Gefangenschaft lebende Seehunde. Diese sind in Gefangenschaft geboren, wie auch die Kieler Seehunde. Oft stellt sich die Frage, warum die Seehunde im AQUARIUM GEOMAR nicht in der Freiheit leben dürfen. Das Problem ist, dass sie nicht in Freiheit leben können. Sie haben nie gelernt ihren Bedarf an Fisch durch eigene Jagd zu decken. Sie würden pünktlich um 10 Uhr und 14:30 Uhr aus dem Wasser gucken und schauen, wo der Fisch geflogen kommt. Zudem sind die Tiere stark an den Menschen gewöhnt, so dass dies in freier Natur zur großen Gefahr werden kann. Auch wissen die Tiere nicht die Gefahren wie Schiffe, Netze etc. einzuschätzen. So wäre ihre Chance zu überleben nur sehr gering.

Natürlich will das AQUARIUM GEOMAR nicht noch zu dem Problem, der vielen in Gefangenschaft lebenden Seehunde beitragen, so dass bei den Seehunden mit der Pille verhütet wird, d.h. es werden keine Seehunde bewusst nachgezüchtet. Das Seehundebecken ist auf die Haltung von bis zu sechs Tieren ausgelegt und zertifiziert, somit haben die vier Bewohner in ihrem Becken sogar mehr Platz als in vielen vergleichbaren Einrichtungen. Es gibt insgesamt drei Becken und einen Ruheraum. Die Tiere haben ein großes Becken, um mal richtig schnell zu schwimmen und ein sehr tiefes um abzutauchen. Im Ruheraum können sie sich den Blicken der Zuschauer entziehen. Insgesamt fassen die Becken 250 000 Liter Wasser. Das Wasser wird direkt aus der Ostsee bezogen und über Kies gefiltert. So haben die Tiere immer frisches, gefiltertes Wasser, das kontinuierlich abläuft und frisch nachfließt (50.000 Liter pro Stunde). Neben viel Platz und bestem Wasser, gibt es auch immer frischen Fisch der besten Qualität.

Ja und dann bleibt noch das Thema Langeweile...
In freier Natur müssen die Seehunde für ihr Futter arbeiten, also jagen. Auch in Kiel wird die Nahrungsaufnahme für die Tiere attraktiv und abwechslungsreich gestaltet (sog. Enrichment = Bereicherung des Alltags durch Beschäftigung), was natürlich eine etwas andere Form der Nahrungsbeschaffung darstellt. Dies hat neben Beschäftigung auch den Effekt, dass sie ihre grauen Zellen beim Erlernen von neuen Kunststücken benutzen müssen, d.h. dass die Tiere auch geistig gefordert werden. So haben sie täglich (bis auf Freitag = Ruhetag) zwei Highlights, welche ihnen auch sichtlich Spaß machen.

Neben den Fütterungen als Beschäftigung sorgen die Tierpfleger immer mal wieder für neues Spielzeug, um etwas Abwechslung in die Zeiten zwischen und nach den Fütterungen zu bringen. Zudem ist eine Beschäftigung/ Abwechslung die man nicht vergessen darf, die Beschäftigung der Tiere untereinander.
Die Gefangenschaft kann auch etwas Gutes haben: Die medizinische Versorgung. Durch das Medical Training ist es möglich täglich den Gesundheitszustand der Tiere zu überprüfen (ohne medizinische Eingriffe z.B. Betäubung) und sie gegebenenfalls zu behandeln (lassen). Auch das maximale Alter der Kieler Seehunde ist mit der Lebenserwartung in freier Wildbahn nicht vergleichbar. Jimmy, der Vater von Kielius und Krümel, wurde 38 Jahre alt. Dieses Alter, hätte er in der freien Natur vermutlich niemals erreicht.

Das AQUARIUM GEOMAR und sein Seehundebecken existieren seit 1972 und wurden kurz vor den Olympischen Spielen als Schaufenster zu maritimen Welten erbaut. 1996 wurde das Seehundebecken umgebaut und erweitert. Heute Leben in diesem Seehundebecken Kielius (24 Jahre), Krümel (18 Jahre), Sally (7 Jahre) und Luna (7 Jahre). Für Kielius und Krümel ist das Kieler Aquarium seit ihrer Geburt ihr Zuhause. Zu den Menschen die sich täglich ihrem Wohl mit Leidenschaft widmen gehören Biologen, Tierpfleger und Studenten. Auch Praktikanten erhaschen gerne einen Einblick in die heimischen maritimen Welten und engagieren sich mit Interesse und Feingefühl.
Der Bildungsauftrag, der dem AQUARIUM GEOMAR zukommt (allein durch unzählige Schulklassen / Kindergärten und Fortbildungsausflüge pro Jahr), spricht für sich. Die Möglichkeit die Lebensräume Ostsee, Nordsee, Mittelmeer und die Tropen in dieser Art und Weise erleben zu können ist innerhalb von knapp 100 km rund um Kiel einzigartig. In keiner anderen Stadt gibt es die Möglichkeit Seehunde das ganze Jahr über kostenlos beobachten zu können.

Der Grünen Landtagsabgeordnete Lasse Petersdotter sprach sich kürzlich für eine Schließung des Kieler Seehundebeckens aus:
[Zitat] "Nur, weil ich ein Wildtier in Gefangenschaft erlebe, setze ich mich nicht für seinen Schutz ein." Die CDU und FDP hingegen gingen auf Distanz gegenüber Lasse Petersdotter von den Grünen. Zwar sei man auf seinem Kurs, wenn es zum Beispiel um Elefanten gehe. "Die gehören nach Afrika und nach Asien", sagte Heiner Rickers CDU. Das Seehundebecken zu schließen hielte er dagegen für einen großen Verlust. Der WWF Deutschland unterstrich den Wert der Umweltbildung" Der Mensch schützt nur das was er kennt und liebt", sagte ein Sprecher. [Zitat Ende] [Kieler Nachrichten 18.08.2018]

Am 06.09.2018 wurde im Landtag das Thema "Wildtierhaltung im Zirkus" diskutiert. Diese Debatte war sehr aufschlussreich und hat gezeigt, dass sich die Richtlinien zur Haltung von Wildtieren im Zirkus auch auf die Zootierhaltung auswirken könnten. Diese Veränderung ist definitiv erstrebenswert, jedoch sollte man da klar differenzieren und aufzeigen, dass da ein großer Unterschied zwischen Zirkus- Wildtierhaltung und den Kieler Seehunden besteht.

Eine Schließung des Seehundebeckens (Aquarium) nützt in diesem Fall niemandem! Die Seehunde sind aufgrund ihrer Vita nicht zu einem Leben in Freiheit fähig. Auch ist die Integration von ausgewachsenen Tieren in fremde Rudel anderer Tierparks immer ein hohes Risiko, wenn nicht sogar unmöglich. Sollte eine Vermittlung der Tiere ausgeschlossen sein, wäre eine gezielte Tötung die allerletzte Möglichkeit.

Bitte unterstützt uns dabei, dass diese grausame Konsequenz nicht in Betracht gezogen werden muss. Sodass Kielius, Krümel, Sally und Luna auch in Zukunft in ihrem Becken zusammenbleiben können, um den Menschen weiterhin ein Bewusstsein für ihre Artgenossen und ihren bedrohten Lebensraum zu vermitteln.

Das "Seal Team" - Kiel:
Johannes Hasse (Diplom Biologe)
Martina Richter (Tierpflegerin in Ausbildung)
Ralf Traulsen (Tierpfleger)

Wir danken unseren Unterstützern der ersten Stunde:
Die Kieler Aquarienfreunde e.V.
http://www.kieler-aquarienfreunde.de/



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