

Bildung statt Kürzungen
Das Anliegen
An der TU Chemnitz sind über 200 Stellen gefährdet, rund 15 % aller Stellen. Über weitere 100 wird bereits gesprochen. Treffen wird es vor allem den akademischen Mittelbau: Dort ist der Anteil befristeter Verträge am höchsten und befristete Stellen können am einfachsten auslaufen. Von den rund 380 Mittelbau-Stellen (ohne Professuren) wären je nach Szenario 26 bis 52 % bedroht! Doch auch in der Verwaltung und anderen Bereichen der Universität drohen Stellenstreichungen und Arbeitsverdichtung.
Selbst im "günstigsten" Fall wären die Folgen drastisch: weniger Lehrangebot, eingeschränkte Beratung, überlastete Verwaltung und ein spürbarer Qualitätsverlust im Studium. Und das ausgerechnet jetzt, nachdem die Studierendenzahlen nach einem stetigen jahrelangen Rückgang glücklicherweise wieder zu steigen beginnen. Statt diese Trendwende zu stärken, entziehen die Haushaltspläne des Landes der Universität die Mittel, um ein attraktives und nachhaltiges Studienangebot zu sichern. Eine schlechter ausgestattete TU wird es schwerer haben, Studierende zu gewinnen, Mittel einzuwerben und Fachkräfte anzuziehen. So droht ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt. Als drittgrößter Arbeitgeber unserer Stadt hätte das auch massive Auswirkungen auf die gesamte Region.
„Keine Kündigungen“ heißt nicht „kein Stellenabbau“
Das Rektorat betont, es werde keine betriebsbedingten Kündigungen geben. In den Medien wurde dies teils so dargestellt, als sei „kein Stellenabbau“ geplant. Das ist irreführend! Der Stellenabbau geschieht, nur leiser: Befristete Verträge laufen aus, freiwerdende Stellen werden nicht nachbesetzt. Die Arbeit bleibt dieselbe, sie verteilt sich lediglich auf weniger Schultern.
Woher die Lücke kommt
Der Stellenplan der TU Chemnitz ist seit Jahren um rund 17% unterfinanziert. Die Grundfinanzierung ist zwar bis 2032 festgeschrieben, wurde aber weder an Inflation, noch an Tarifabschlüsse angepasst. Sie verliert also Jahr für Jahr an Wert, wodurch ein strukturelles Defizit entsteht. Gleichzeitig fallen Zusatzleistungen des Landes weg: Sonderzuweisungen, etwa für Großgeräte oder erreichte Zielvorgaben, werden gekürzt oder gesperrt. Investitionen sind damit kaum noch möglich. Die TU rechnet mit einem Defizit von „mehreren Millionen“ Euro. Hinzu kommen 2,2 Mio. € durch wegfallende Zuweisungen. Genaue Zahlen legt das Rektorat nicht vor, auch weil Finanzierungszusagen an noch unklare Rahmenbedingungen geknüpft sind.
Kein Chemnitzer Einzelfall
Auch Leipzig erwartet ein Defizit von rund 16 Mio. €, Freiberg ebenfalls "in Millionenhöhe". Nur die TU Dresden scheint zunächst verschont zu bleiben, vor allem dank Dritt- und Exzellenzmitteln. Das zeigt, wohin eine wettbewerbsorientierte Finanzierung führt: Bereits privilegierte „Leuchttürme“ werden gestärkt, alle anderen fallen zurück. Zugleich fügt sich die Entwicklung in den Sparkurs des Freistaats ein. Im öffentlichen Dienst sollen
bis 2040 rund 8.800 Stellen abgebaut werden, 523 davon allein im Haushaltsjahr 2027/2028.
Die Kürzungen an unserer Universität lassen sich nur im Kontext jahrelanger Sparpolitik begreifen. Dagegen können wir uns nur gemeinsam und solidarisch wehren. Wir stehen für eine Zukunft, in der Wissenschaft, Bildung und öffentliche Daseinsvorsorge als eine Selbstverständlichkeit jenseits von Profitinteressen, Konkurrenzdruck und direkter wirtschaftlicher Verwertbarkeit angesehen werden; als ein Grundrecht, welches allen Menschen zur Verfügung steht.
Unsere Forderungen an das Rektorat
Die Ursachen für die aktuelle Situation liegen zu einem großen Teil in der Verantwortung des Landes. Wie die Kürzungen an der TU umgesetzt werden und wie entschieden die Universität dagegenhält, entscheidet jedoch das Rektorat. Um diese drastische Situation abzuwenden, richten wir mit dieser Petition die folgenden Forderungen an das Rektorat der Technischen Universität Chemnitz:
Effektive Interessenvertretung
Wir fordern das Rektorat auf, seiner Rolle als Repräsentant der Hochschule gerecht zu werden, indem es die Interessen der Beschäftigten und Studierenden der TU Chemnitz gemeinsam mit Vertreter*innen der anderen sächsischen Universitäten und Hochschulen effektiv und öffentlichkeitswirksam gegenüber der sächsischen Landesregierung vertritt. Die Beschäftigten und Studierenden unserer Universität haben es verdient, dass das Rektorat sichtbar für ihre Interessen eintritt.
Transparenz und Dialog
Wir fordern einen lösungsorientierten Dialog mit den verschiedenen Vertretungen der Angehörigen der TU Chemnitz, mit dem Ziel, die Teilhabe und Mitwirkung der Hochschulöffentlichkeit zu gewährleisten. Nur so können die Interessen aller Angehörigen der Universität demokratisch und transparent vertreten werden.
Sicherung und Ausbau von Beschäftigungsverhältnissen
Alle bestehenden Haushaltsstellen (befristet und unbefristet) müssen gesichert werden. Die Möglichkeiten zur haushaltsfinanzierten Entfristung sollen ausgebaut werden. Das planlose Auslaufen von Stellen bedeutet bereits jetzt Mehrarbeit und Zusatzbelastungen und in der Folge Qualitätseinbußen in Lehre, Forschung, Studium und Verwaltung. Eine Abdeckung der Lehre durch temporäre Lehraufträge und Lehrkräfte für besondere Aufgaben (LfbA) lehnen wir ab. Es muss sichergestellt werden, dass alle angebotenen Studiengänge in Regelstudienzeit absolvierbar sind. Hierfür ist eine ausreichende personelle Ausstattung der Fakultäten notwendig. Wir benötigen Investitionen in Lehre und Personal anstelle von Kürzungen!
Kooperation statt Konkurrenz
Das Personalkostenbudgetierungsmodell setzt die Fakultäten in Konkurrenz untereinander. Dieser möchten wir uns nicht aussetzen, denn sie ist eine Gefahr für eine freie, vielfältige und diverse Wissenschaft! Entscheidend für die Mittelzuweisung sind damit nicht länger die Qualität und der Inhalt von Forschung und Lehre, sondern vor allem quantitative Kennzahlen, die den tatsächlichen wissenschaftlichen Wert nicht abbilden können. In der Folge steigt die Abhängigkeit von Drittmittelwerbung noch weiter an und entsprechend der Einfluss der Interessen der Geldgeber. Wir fordern eine nachhaltige Strategie zur Personalentwicklung, die eine wissenschaftliche Kooperation der Fakultäten wieder ermöglicht.
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Das Anliegen
An der TU Chemnitz sind über 200 Stellen gefährdet, rund 15 % aller Stellen. Über weitere 100 wird bereits gesprochen. Treffen wird es vor allem den akademischen Mittelbau: Dort ist der Anteil befristeter Verträge am höchsten und befristete Stellen können am einfachsten auslaufen. Von den rund 380 Mittelbau-Stellen (ohne Professuren) wären je nach Szenario 26 bis 52 % bedroht! Doch auch in der Verwaltung und anderen Bereichen der Universität drohen Stellenstreichungen und Arbeitsverdichtung.
Selbst im "günstigsten" Fall wären die Folgen drastisch: weniger Lehrangebot, eingeschränkte Beratung, überlastete Verwaltung und ein spürbarer Qualitätsverlust im Studium. Und das ausgerechnet jetzt, nachdem die Studierendenzahlen nach einem stetigen jahrelangen Rückgang glücklicherweise wieder zu steigen beginnen. Statt diese Trendwende zu stärken, entziehen die Haushaltspläne des Landes der Universität die Mittel, um ein attraktives und nachhaltiges Studienangebot zu sichern. Eine schlechter ausgestattete TU wird es schwerer haben, Studierende zu gewinnen, Mittel einzuwerben und Fachkräfte anzuziehen. So droht ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt. Als drittgrößter Arbeitgeber unserer Stadt hätte das auch massive Auswirkungen auf die gesamte Region.
„Keine Kündigungen“ heißt nicht „kein Stellenabbau“
Das Rektorat betont, es werde keine betriebsbedingten Kündigungen geben. In den Medien wurde dies teils so dargestellt, als sei „kein Stellenabbau“ geplant. Das ist irreführend! Der Stellenabbau geschieht, nur leiser: Befristete Verträge laufen aus, freiwerdende Stellen werden nicht nachbesetzt. Die Arbeit bleibt dieselbe, sie verteilt sich lediglich auf weniger Schultern.
Woher die Lücke kommt
Der Stellenplan der TU Chemnitz ist seit Jahren um rund 17% unterfinanziert. Die Grundfinanzierung ist zwar bis 2032 festgeschrieben, wurde aber weder an Inflation, noch an Tarifabschlüsse angepasst. Sie verliert also Jahr für Jahr an Wert, wodurch ein strukturelles Defizit entsteht. Gleichzeitig fallen Zusatzleistungen des Landes weg: Sonderzuweisungen, etwa für Großgeräte oder erreichte Zielvorgaben, werden gekürzt oder gesperrt. Investitionen sind damit kaum noch möglich. Die TU rechnet mit einem Defizit von „mehreren Millionen“ Euro. Hinzu kommen 2,2 Mio. € durch wegfallende Zuweisungen. Genaue Zahlen legt das Rektorat nicht vor, auch weil Finanzierungszusagen an noch unklare Rahmenbedingungen geknüpft sind.
Kein Chemnitzer Einzelfall
Auch Leipzig erwartet ein Defizit von rund 16 Mio. €, Freiberg ebenfalls "in Millionenhöhe". Nur die TU Dresden scheint zunächst verschont zu bleiben, vor allem dank Dritt- und Exzellenzmitteln. Das zeigt, wohin eine wettbewerbsorientierte Finanzierung führt: Bereits privilegierte „Leuchttürme“ werden gestärkt, alle anderen fallen zurück. Zugleich fügt sich die Entwicklung in den Sparkurs des Freistaats ein. Im öffentlichen Dienst sollen
bis 2040 rund 8.800 Stellen abgebaut werden, 523 davon allein im Haushaltsjahr 2027/2028.
Die Kürzungen an unserer Universität lassen sich nur im Kontext jahrelanger Sparpolitik begreifen. Dagegen können wir uns nur gemeinsam und solidarisch wehren. Wir stehen für eine Zukunft, in der Wissenschaft, Bildung und öffentliche Daseinsvorsorge als eine Selbstverständlichkeit jenseits von Profitinteressen, Konkurrenzdruck und direkter wirtschaftlicher Verwertbarkeit angesehen werden; als ein Grundrecht, welches allen Menschen zur Verfügung steht.
Unsere Forderungen an das Rektorat
Die Ursachen für die aktuelle Situation liegen zu einem großen Teil in der Verantwortung des Landes. Wie die Kürzungen an der TU umgesetzt werden und wie entschieden die Universität dagegenhält, entscheidet jedoch das Rektorat. Um diese drastische Situation abzuwenden, richten wir mit dieser Petition die folgenden Forderungen an das Rektorat der Technischen Universität Chemnitz:
Effektive Interessenvertretung
Wir fordern das Rektorat auf, seiner Rolle als Repräsentant der Hochschule gerecht zu werden, indem es die Interessen der Beschäftigten und Studierenden der TU Chemnitz gemeinsam mit Vertreter*innen der anderen sächsischen Universitäten und Hochschulen effektiv und öffentlichkeitswirksam gegenüber der sächsischen Landesregierung vertritt. Die Beschäftigten und Studierenden unserer Universität haben es verdient, dass das Rektorat sichtbar für ihre Interessen eintritt.
Transparenz und Dialog
Wir fordern einen lösungsorientierten Dialog mit den verschiedenen Vertretungen der Angehörigen der TU Chemnitz, mit dem Ziel, die Teilhabe und Mitwirkung der Hochschulöffentlichkeit zu gewährleisten. Nur so können die Interessen aller Angehörigen der Universität demokratisch und transparent vertreten werden.
Sicherung und Ausbau von Beschäftigungsverhältnissen
Alle bestehenden Haushaltsstellen (befristet und unbefristet) müssen gesichert werden. Die Möglichkeiten zur haushaltsfinanzierten Entfristung sollen ausgebaut werden. Das planlose Auslaufen von Stellen bedeutet bereits jetzt Mehrarbeit und Zusatzbelastungen und in der Folge Qualitätseinbußen in Lehre, Forschung, Studium und Verwaltung. Eine Abdeckung der Lehre durch temporäre Lehraufträge und Lehrkräfte für besondere Aufgaben (LfbA) lehnen wir ab. Es muss sichergestellt werden, dass alle angebotenen Studiengänge in Regelstudienzeit absolvierbar sind. Hierfür ist eine ausreichende personelle Ausstattung der Fakultäten notwendig. Wir benötigen Investitionen in Lehre und Personal anstelle von Kürzungen!
Kooperation statt Konkurrenz
Das Personalkostenbudgetierungsmodell setzt die Fakultäten in Konkurrenz untereinander. Dieser möchten wir uns nicht aussetzen, denn sie ist eine Gefahr für eine freie, vielfältige und diverse Wissenschaft! Entscheidend für die Mittelzuweisung sind damit nicht länger die Qualität und der Inhalt von Forschung und Lehre, sondern vor allem quantitative Kennzahlen, die den tatsächlichen wissenschaftlichen Wert nicht abbilden können. In der Folge steigt die Abhängigkeit von Drittmittelwerbung noch weiter an und entsprechend der Einfluss der Interessen der Geldgeber. Wir fordern eine nachhaltige Strategie zur Personalentwicklung, die eine wissenschaftliche Kooperation der Fakultäten wieder ermöglicht.
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Petition am 13. Oktober 2026 erstellt