Petition updateBeitragsfreie Kita-Plätze - für ganz Deutschland! #BeitragsfreieKitaLasst uns ZUSAMMEN weiter machen! #BeitragsfreieKita
Svenja StahlschmidtGermany

Jul 9, 2018
Vielen Dank für über 22.000 Unterschriften! Ich bin begeistert.
Es gab ganz viele tolle Kommentare über die ich mich sehr freue - vielen Dank!
Einige Menschen wundern sich, warum ich eine Petition starte, da wir (vermeintlich) zu den einkommensstarken Familien zählen. Dazu würde ich gerne einige Dinge klar stellen.
Wir verdienen keine 5000 Euro netto. Ich habe das in der ersten Fassung der Petition wohl leider etwas missverständlich ausgedrückt. Da habe ich geschrieben, dass wir 500 Euro (inklusive Essenskosten) an Elternbeitrag bezahlen. Dann habe ich geschrieben, dass wir mehr als 10% unseres Netto-Einkommens für die Bildung unserer Kinder bezahlen. Aber Essenkosten verstehe ich nicht als Bildungskosten (jetzt drücke ich mich vielleicht wieder kompliziert aus ;)). Auf jeden Fall bezogen sich die 10% auf die 400 Euro Beitrag den wir bezahlen (ohne Essen) und das das mehr als 10% unseres Netto-Einkommens sind. So steht es jetzt auch im Petitionstext.
Wir verdienen ungefähr soviel, wie zwei Durchschnitts-Arbeitnehmer in Deutschland verdienen. Dies sind ca. 3000 Euro brutto. Und das macht ja ca. 1900 netto. Also 3800 Euro netto bei zwei Berufstätigen - dann sind 400 Euro mehr als 10% vom Netto-Einkommen.
Und 3800 Euro sind nur wenig mehr als der Median der Menschen in Deutschland mit zwei Kindern verdient. Eine Abbildung dazu findet sich im Anhang. Tatsächlich verdienen wir ein bisschen mehr als der Median in Deutschland.
Aber, selbst wenn wir 5000 netto verdienen würden, dann würden wir, als Paar mit zwei Kindern, immer noch zur Mitte im engeren Sinne gehören und nicht zur oberen Mitte und schon gar nicht zu den Einkommensreichen. (siehe Abbildung)
Es geht mir persönlich darum, die Mittelschicht und die Geringverdiener zu entlasten. Und dabei finde ich sollten gerade diese beiden Gruppen zusammenarbeiten, denn wenn Geringverdiener und die Mittelschicht gegeneinander arbeiten, dann profitiert keiner von beiden davon. Nur wenn viele Menschen sich engagieren, können wir etwas erreichen!
Die Geringverdiener und die Mittelschicht machen fast 80% der Bevölkerung aus. Wenn wir uns zusammen tun, können wir glaube ich sogar sehr viel erreichen.
Ich habe jetzt nochmal exemplarisch für die Stadt in der wir leben herausgesucht, was die Elternbeiträge eigentlich für Familien bedeuten.
Wenn man exakt das Median-Netto-Einkommen verdient, also 3690 Euro bei einem Paar mit zwei Kindern, ist man in der Stadt in der wir leben auf Stufe 6 (!) von 9 (höchste Stufe) bei der Beitragshöhe zur Berechnung der Kita-Kosten. (Ich kann das nur ungefähr anhand eines Brutto-Netto-Rechners erstellen, da der Elternbeitrag tatsächlich vom Brutto-Einkommen berechnet wird.)
Aber ich bin auf noch viel gravierendere Beträge gekommen. Als Paar mit zwei Kinder, bei denen beide exakt den Mindestlohn (8.85 Euro pro Stunde) verdienen und Vollzeit arbeiten (ich habe 174 Stunden als Grundlage für die Berechnung genommen), also Brutto 36.915 Euro im Jahr (was netto ungefähr 2250 Euro im Monat entspricht) ist man auf Stufe 4 (!) von 9 (!) bei den Elternbeiträgen. Wie kann das sein?! Es ist also nicht so, dass Geringverdiener vom Elternbeitrag befreit sind, nein, sie sind auf der 4. Stufe. Vor meinen Recherchen bin ich eher davon ausgegangen, dass jemand der den Mindestlohn bekommt vom Elternbeitrag befreit ist. Aber diese zahlen bei einem 45 Stunden-Platz (der bei zwei Vollzahlern ja sein muss) für ein unter dreijähriges Kind 236 Euro im Monat. Wie soll das gehen?
Wenn sich das Paar dafür entscheidet, dass einer zuhause bleibt, dann lebt eine 4-Köpfige Familie von ca. 1225 Euro netto plus Kindergeld. Das Paar wäre dann mit 18.456 Brutto im Jahr auf Stufe 2 der Elternbeiträge. (Diese fangen bei 18.000 Euro an, darunter ist es beitragsfrei, aber wer soll darunter verdienen wenn einer mit dem Mindestlohn schon darüber kommt?). Wenn diese Familie dann eine 80 qm Wohnung hätte (was ja zu viert schon ziemlich eng ist), würde die bei den Preisen im Kölner Umland mind. ca. 1100 Euro warm kosten. Die Kita-Kosten für das ältere Kinde (nehmen wir an, das jüngere wird zuhause betreut) liegen bei 28,50 Euro. Dann bleiben ca. 95 Euro plus Kindergeld zum Leben. Wie bitte soll das gehen? Gar nicht!!! Es müssen beide arbeiten und selbst dann würden nur 914 Euro plus Kindergeld übrig bleiben. Habe ich falsch gerechnet?
Was ich mich wirklich frage ist, wie das jemand macht, der Alleinerziehend ist und den Mindestlohn verdient. Dann kommen 72 Euro Betreuungskosten für einen 45 Stundenplatz für zwei Kinder hinzu (plus Essensgeld 100 Euro) und in viel weniger als einer 80 qm Wohnung sollten drei Personen doch auch nicht leben. Dann bleiben minus Miete, minus Eltern-Beitrag und Minus Essensgeld -22 Euro übrig. Es kommen Kindergeld und ggf. Unterhalt dazu. Aber dann geht wohl wirklich gar nichts mehr.
Bei einer Familie, die das Netto-Median-Einkommen verdient: 3690 Euro - was ca. 2x3000 Euro brutto im Monat entspricht kostet der Kita-Platz (45 Stunden / U3 / Stufe 6) 360 Euro. (Wenn man z.B. 3% mehr verdient zahlt man schon 401 Euro). Wenn man dann in einer 100 qm Wohnung lebt, zahlt man schnell 1400 Euro warm (und das ist hier eher günstig). Es bleiben also 1930 Euro übrig (bei 360 Euro Kita-Beitrag). Das mag dem ein oder anderen vielleicht viel vorkommen, aber das ist die Mittelschicht und wie gesagt, wir sollten zusammen arbeiten.
Das nur einer arbeitet, ist auch in diesem Beispiel eigentlich unmöglich. Denn dann hätte man vielleicht 2200 Euro netto (falls man verheiratet ist und das Ehegatten-Splitting bekommt). Minus Miete, minus Kita-Kosten für das ältere Kind (wenn das jüngere zuhause bleibt) von 50,50 (Einkommen Brutto 36.000, 35 Stunden - weniger Stunden gibt es hier kaum). Dann hat dieses Paar mit zwei Kindern ca. 750 Euro zum Leben zur Verfügung. Plus Kindergeld. Das ist kaum möglich und was das für die Rente des anderen Partners bedeutet... Das ist dann vielleicht ein Fall für eine neue Petition ;)
Herzliche Grüße!
#BeitragsfreieKita
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