

Seit Mitte Mai kämpfen wir für den gesunden Menschenverstand und sich uns gewiss, dass die Zeit uns recht geben wird, wenn wir für den Erhalt unserer Bäume streiten. Aber je mehr Gespräche wir mit Stadt und Gemeinderäten führen, umso mehr fustriert uns die Situation. Lest selbst:
Sehr geehrter Herr Steffens, Sehr geehrter Herr Martini, Liebe Gemeinderäte,
inzwischen ist die Vorlage zu unserer Petition für die Gemeinderatssitzung am 24.7. um 17 Uhr in der Reithalle öffentlich einsehbar.
https://ratsinfo.offenburg.de/buergerinfo/vo0050.php?__kvonr=6335
Sie haben zugesagt, dass wir 5 Minuten Redezeit erhalten, um kurz unsere Petition vorstellen zu können. Damit diese auch ausreichen, möchte ich die Details gerne vorab behandeln.
Im Wesentlichen gehen Sie ein auf unsere Sorgen um den Baumerhalt der beiden Alleen, welche ihren Ursprung Ende des 19. Jahrhunderts haben und seither die Oststadt maßgeblich im Stadtbild und im Klima prägen. Sie gestehen uns zu, Ihre weiteren Planungen und Untersuchungen zu begleiten. Dafür möchten wir uns sehr herzlich bedanken und sehen dies als einen ersten Schritt die Bäume zu erhalten.
Gleichermaßen legen Sie sich nicht fest, die Bäume tatsächlich zu schützen, wie es die Forderung unserer Petition ist und betrachten diese mit der Verhandlung im Gemeinderat am 24.7. als erledigt. Aus meiner Sicht ist die Petition in Ihrer Forderung um den Baumerhalt weiterführender als Ihre Vorlage und Sie müssten in Ihren Gremium erst einmal den Beschlussantrag formulieren, der Petition zu folgen und beide Alleen komplett unter Schutz zu stellen. Erst wenn der Gemeinderat dies konkret ablehnt, käme der vorliegende Beschlussantrag der Gemeindeverwaltung zum tragen, über den dann in einem zweiten Schritt abgestimmt werden kann.
Unter Punkt 3. gehen Sie detailliert auf die Forderungen der Petition ein.
Unter dem Buchstaben c.) benennen Sie nochmals die Prioritäten, welche Sie so zusammenfassen, dass als erstes der Mensch und als zweites die Natur steht. Wir sehen dies als gemeinsamen Aspekt. Mensch und Natur (auch die Natur in der Stadt) können nur gemeinsam existieren. Auch die Eingriffe in die Natur gefährden im Wesentlichen den Menschen. Unstrittig ist auf jeden Fall, dass die Prioritäten des fließenden und ruhenden Verkehr auf Platz 5 und 6 Ihrer Prioritätenliste weit hinter Mensch und Baum rangieren. Nach dieser Liste dürfen Sie den ersten Baum im Namen der Verkehrssicherheit erst fällen, wenn Sie den letzten Parkplatz entfernt und die vorletzte Fahrspur geschlossen haben.
Unter dem Buchstaben d.) sehen wir auch die restlichen Abschnitte der Weingartenstraße in Ihren Planungen deutlich verbreitert von 545 cm auf 620 cm. Ihre Angaben, die Straße sei hier 750 cm breit, rührt daher, dass Sie den Parkstreifen von 200 cm hinzurechnen. So diskutieren wir über Äpfel und Birnen. Die künftige Weingartenstraße bietet mit der Ausgestaltung für Begegnungsverkehr mit Bussen und LKW einen deutlich verbesserten Verkehrsfluss. Wie Sie auch bei den Planungen zu den Fuss- und Radwegen betonen, schafft das Angebot erst die Nachfrage. Insbesondere gilt dies für komfortable Straßen und es widerspricht Ihren formulierten Zielen des Masterplan Verkehr, welchen Sie ebenfalls am 24.7. beschließen möchten.
Unter dem Buchstaben f.) benennen Sie Bäume mit geringer Standzeitprognose. Auch kranke Bäume können durch die richtigen Pflegemaßnahmen noch viele Jahre erhalten bleiben und ihre Funktion im Straßenraum erfüllen. Viel mehr, als ein junger Baum dies je wieder kann.
Unter dem Buchstaben h.) bis k.) erläutern Sie, warum unsere Forderungen nach dem Erhalt der Bäume aufgrund technischer Richtlinien nicht umgesetzt werden können und Sie auch bei der Prüfung weiterer Varianten daran festhalten, dass diese Straßenabschnitte umgebaut werden müssen. Im Umkehrschluss bedeutet dies für uns, dass diese Bäume nicht erhalten werden können und gefällt werden müssen. Das ist nicht im Sinne unserer Petition und nicht verständlich für die Menschen in der Oststadt, welche diese Wege täglich benutzen.
Unter dem Buchstaben h.) verweisen Sie ausserdem darauf, dass es großzügigere Baumquartiere benötigt, teilten uns aber im Gespräch auch mit, dass durch die Verflechtung der einzelnen Baumquartiere keine Einzelentnahme und Nachpflanzung möglich ist, ohne die umliegenden Bäume zu schädigen. Ist das der Grund, warum Sie komplett alle Bäume austauschen werden? Und widerspricht das nicht Ihren weiteren Ausführungen, zu prüfen, ob einzelne herausragende Bäume erhalten bleiben können?
Unter dem Buchstaben k.) sehen Sie die Radwege in einer mittleren Belastung. Ist das mit derzeit 34 Radfahrenden in der Rushhour zwischen 7h und 8h tatsächlich so gegeben?
Zusammenfassend werten wir Ihre Ausführung so, dass nicht nur der Erhalt aller Bäume in der Weingartenstraße und Moltkestraße nicht möglich ist, sondern dass der Erhalt der allermeisten Bäume nicht möglich ist und Sie weiterhin planen, den Baumbestand weitestgehend auszutauschen.
So bleibt uns nur zu hoffen, dass die Bäume lang genug stehen bleiben, bis das "Klimaanpassungskonzept - Planungsgrundlage Hitze" erarbeitet und beschlossen ist, in dem Sie festellen: Man fällt heute keine Bäume mehr - auch nicht für Radwege!
Von Ihren Fraktionen erwarten wir hierzu unterstützende Anträge, welche den Erhalt der Bäume sicherstellen, so wie es sich Ihre Wähler wünschen.
Unsere größte Sorge ist, Sie fällen aufgrund aktueller Vorschriften unsere Bäume und stellen dann zwei Jahre später fest, dass die Vorgaben sich geändert haben und alles ein großer Fehler war. Das werden wir Ihnen nicht verzeihen!
Mit freundlichen Grüßen
Ralph Fröhlich