Update: Eichenprozessionsspinner – Wir bleiben dran!
Liebe Unterstützer:innen,
auch wenn es um unsere Petition zuletzt ruhiger wirkte: Im Hintergrund führen wir weiterhin viele Gespräche und bleiben an dem Thema dran. Wir veröffentlichen heute unser Protokoll des Gesprächs mit Staatssekretär Andreas Kraus (Klimaschutz und Umwelt) vom 10.09. (Klicken Sie hier für das Protokoll) Zusätzlich hatten wir am 10.08. ein Gespräch mit Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger (Charlottenburg-Wilmersdorf) sowie am 11.08. mit Staatssekretärin Ellen Haußdörfer (Gesundheit und Pflege). Zu beiden Gesprächen liegt uns noch kein fertiges Protokoll vor – wir fassen die wichtigsten Punkte deshalb hier aus dem Gedächtnis zusammen.
Aus dem Gespräch mit Bezirksstadtrat Schruoffeneger (10.08.)
Laut Bezirk stünden für 2026 keine Mittel mehr für weitere Absaugungen zur Verfügung. Eine Finanzierung des präventiven Sprühens für 2027 lehne man ab, solange der Senat sie nicht übernehme. Aus unserer Sicht wirkt das weniger wie eine echte Notlage als wie eine bewusste Entscheidung, keine neuen Schulden aufzunehmen. Dabei wünschen wir uns vom Bezirk vor allem Weitsicht: Sprühen kostet nur rund ein Zehntel dessen, was das Absaugen kostet – wer jetzt investiert, entlastet den eigenen Haushalt mittelfristig sogar, weil künftig weniger teure Absaugeinsätze nötig würden. Unsere Kritik, dass z. B. die Spielplätze im Park praktisch das ganze Jahr nicht gefahrlos nutzbar seien, sei ohne Lösungsansatz zur Kenntnis genommen worden; der Bezirk verweise erneut auf den Senat – obwohl er formal selbst zuständig ist.
Auch Spandau wartet ab: Dort liegt bislang nicht einmal ein Antrag auf Sprüheinsatz 2027 vor. Charlottenburg hat einen solchen Antrag nach langem Drängen gestellt – er ist die Grundlage für die Arbeit des Senats, denn ohne Antrag gibt es keinen offiziellen Auftrag. Wir wünschen uns, dass auch Spandau aktiv wird, damit der Druck hoch bleibt.
Aus dem Gespräch mit Staatssekretärin Haußdörfer (11.08.)
Frau Haußdörfer hat uns gegenüber bestätigt, dass die Gesundheitsgefährdung durch den Eichenprozessionsspinner unstrittig ist. Um dies offiziell zu untermauern, benötigt sie allerdings einen entsprechenden Antrag von Staatssekretär Kraus, damit die Kassenärztlichen Vereinigungen das noch einmal offiziell bestätigen. Das gestaltet sich schwierig, da es – wie bereits erwähnt – keine eigene diagnostische Kennziffer für Eichenprozessionsspinner-bedingte Beschwerden gibt.
Wichtig zu wissen: Das Thema ist inzwischen im Umweltressort angesiedelt, Frau Haußdörfer steht dabei nur beratend zur Seite. 2013 lagen Gesundheit und Umwelt noch in einem gemeinsamen Ressort, weshalb die Zuständigkeit damals eindeutiger war. Die zu ergreifenden Maßnahmen sind aus heutiger Sicht umweltlicher Natur. Ein Gesundheitsnotstand kann zudem nicht ausgerufen werden, da das Gesundheitssystem durch die Situation aktuell nicht überlastet ist.
Unsere Einschätzung
Ganz gleich ob Spielplatzbesuch, Parkspaziergang oder einfach nur der Weg durch die Jungfernheide – auf Spandauer wie auf Charlottenburger Seite, inklusive Werner-von-Siemens-Park, bleibt der Aufenthalt für alle riskant: Wer sich dort bewegt, ist weiterhin Atembeschwerden und Ausschlägen ausgesetzt. Das ist nicht hinnehmbar.
Wir appellieren dennoch an die Bezirksämter: Wenn eine außergewöhnliche Belastung nachgewiesen wird, die nicht aus eigenen Haushaltsmitteln finanziert werden kann, können Bezirke dafür Sonderzahlungen erhalten – notfalls muss man sich also auch verschulden, wenn man das Problem wirklich ernst nimmt. Zumal sich das ohnehin relativiert: Da Sprühen deutlich günstiger ist als Absaugen, würde eine solche Investition den Haushalt mittelfristig sogar entlasten – das Argument, es fehle dann Geld für andere wichtige Aufgaben, zieht also gar nicht. Genau diese Arbeit – der Nachweis und die Beantragung solcher Sonderzahlungen – scheuen die Bezirksämter aber offenbar. Das gibt uns das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden: wenn die Lage nicht als dringend genug erachtet wird, um diesen Aufwand und das Risiko einer kleinen Verschuldung auf sich zu nehmen.
Unsere Hoffnung liegt daher nicht nur beim Senat, sondern ausdrücklich auch bei den Bezirksämtern: dass sie diese Arbeit nicht scheuen und notfalls eine Verschuldung in Kauf nehmen. Wir wollen ernst genommen werden.
Gleichzeitig ist uns wichtig: Kurzfristiges Sprühen und Absaugen kann nur eine Übergangslösung sein. Langfristig braucht es nachhaltige Maßnahmen, die das ökologische Gleichgewicht wiederherstellen und natürliche Gegenspieler des Eichenprozessionsspinners stärken – etwa Blühwiesen für Nützlinge wie Schlupfwespen und Raupenfliegen, Nistkästen für Meisen (ein Meisenpaar vertilgt pro Saison rund 17 kg Raupen), Fledermauskästen sowie die gezielte Förderung von Mischwald statt Eichen-Monokulturen. Solche Maßnahmen sollten von Anfang an in die Strategie eingeplant werden, damit wir uns langfristig von teuren Notfallmaßnahmen unabhängiger machen.
Wir bleiben im Austausch mit Bezirken, Grünflächenämtern und Senat und suchen konstruktiv nach Lösungen. Gleichzeitig sind wir es leid, wie langsam die Mühlen mahlen und wie sehr der Ernst der Lage teils noch heruntergespielt wird – das Verantwortlichkeits-Pingpong zwischen Bezirk und Senat geht weiter.
Immerhin nehmen wir auf Senatsebene wahr, dass das Thema ernst genommen wird. Geplant ist kein flächendeckendes Sprühen, sondern eine gezielte Behandlung von Spielplätzen, Kitas, Schulen sowie Wegen im Park und an dessen Rändern – wir befürchten allerdings, dass das noch nicht ausreicht. Wir wollen Sicherheit: dass niemand mehr ernsthaft um seine Gesundheit fürchten muss.
Wir bleiben dran und hoffen auf eine gute Kooperation – und darauf, dass die Wahl auch für unsere Petition günstig ausfällt. Wir sind weiterhin bereit, mit allen demokratischen Parteien zusammenzuarbeiten.
Ticha Matting & Franziska Mrosek
Bürgerinitiative Eichenprozessionsspinner Jungfernheide
Protokoll Kraus 10.09.2026