Stoppt sexuelle Belästigung an Unis!

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Wir sind Cara und Sophie: Wir beide sind Frauen* in der Philosophie und wir beide streben an, in der Wissenschaft zu arbeiten. Doch wir merken bereits jetzt, dass universitäre Strukturen Frauen* alles andere als einschließen. Ein Teil dieses Problems ist sexuelle Belästigung. 

Seien es Kommentare in Vorlesungen, Berührungen und Bermerkungen oder einfach das Fehlen von Räumen, die über unsere Themen und Probleme aufklären - Wir stellen fest: Es fehlt an Prävention und Problembewusstsein. Wir haben daher eine Initiative mit einer Vielzahl konkreter Vorschläge gegründet und einem klaren Appell: Stoppt sexuelle Belästigung an Universitäten - Bekennt euch zu einer Null-Toleranz-Politik!

Der gesamte Brief und mehr Infos und Materialien findet sich auf wandelumsetzen.com.

Sexuelle Belästigung ist eine institutionelle Problematik, die im Hochschulkontext, unter anderem durch die stark hierarchischen Strukturen, erheblich begünstigt wird. Diese Tatsache besteht auch trotz Gleichstellungsbüros und anderer Bemühungen seitens der Hochschulen.

In dem tiefen Anliegen, dem entgegenzuwirken, um eine wirklich diverse und offene Forschung und Lehre zu ermöglichen, wollen wir in diesem Brief einige Vorschläge herausstellen.

Definitorisch regen wir die folgende Grundlage an und fordern zu einer solchen Definition im Rahmen der Homepages von Gleichstellungsbüros auf:

Sexuelle Belästigung besteht in der (verbalen oder non-verbalen) Einschränkung eines Menschen*, frei über alle Aspekte seiner Sexualität zu verfügen. Das ist bereits bei einer uneinvernehmlichen Sexualisierung (bspw. eines Körpers oder einer Situation) der Fall. Für Einvernehmlichkeit wird der Ja-heißt-Ja-Grundsatz zugrunde gelegt, demzufolge sie nur dann der Fall ist, wenn ein ausdrückliches Einverständnis des Gegenübers* vorliegt.

Hier sei angemerkt, dass sexuelle Belästigung nicht nur als Spielart des Sexismus, sondern auch als spezifische ableistische oder rassistische Diskriminierung auftreten kann. Außerdem möchten wir auf die Betroffenheit von inter- und transgeschlechtlichen, sowie nicht-binären Personen* gesondert hinweisen, da sie in binär gedachten Begriffen der sexuellen Belästigung völlig unsichtbar bleibt. Darüber hinaus sei auf die Betroffenheit männlich gelesener Personen* von Belästigung und Gewalt hingewiesen, die besonders oft nicht als Belästigung oder Gewalt Anerkennung findet. Insgesamt sollten Definitionen von sexueller Belästigung besonders für subtile Formen der Belästigung sensibilisieren, sodass das Problem nicht erst bei körperlichen Übergriffen in Erscheinung tritt.

Besonders wichtig ist uns außerdem der Ja-heißt-Ja-Grundsatz, durch den es erst möglich wird anzuerkennen, dass Belästigung und Gewalt auch ausgeübt werden können, ohne dass die Absicht vorliegt, das zu tun. Das ist besonders wichtig zu verstehen, um wirklich gegen das Problem vorgehen zu können!

Diese Definition sollte die Grundlage für ein eindeutiges und verbindliches Bekenntnis der Hochschulen zu einer „Null-Toleranz“-Politik, bezüglich sexueller Belästigung, darstellen.

Unsere Anregungen zu konkreten Maßnahmen lassen sich wie folgt unterteilen:

1. Veranstaltungen für Lehrende* und Studierende*, die informieren und sensibilisieren.

2. Transparente Verfahren - Dieser Punkt verlangt drei Unterpunkte:

A)  Es braucht Richtlinien zu sexueller Belästigung, die die Problematik, sowie konkrete Umgangsweisen mit ihr (Verfahren und Prävention) definieren.

B)  Diese Verfahren sollten dann leicht verständlich und so detailliert wie möglich auf den Seiten der Gleichstellungsbüros geschildert werden. Betroffene müssen sich leicht darüber informieren können, was ihnen zusteht und worin ihre Möglichkeiten bestehen.

C)  Die Aufklärung einzelner Fälle sollte nicht durch eine Einzelperson, sondern durch eine Kommission stattfinden.

3.  Ermöglichung von anonymer Mitteilung in Online-Plattformen und anonymen Beratungs- und Therapiegesprächen.

4.  Sichtbarkeit der Problematik und ihre Dokumentation: Wir fordern semesterweise Erhebung von Daten an jeder Universität, sowie die zugängliche Veröffentlichung der aktuellsten deutschlandweiten Statistiken zu sexuellen Übergriffen in universitären Kontexten. Langfristig sollte hier auf regelmäßige (freiwillige) Onlinebefragungen aller (wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen) Universitätsangehörigen* hingearbeitet werden.

5.  Kooperation mit externen Anlaufstellen für sexuelle Gewalt.

6.  Leitfäden zu sexueller Belästigung für Beobachtende*, Betroffene* und Täter*innen, die Erkennbarkeit und Reaktionsvermögen fördern.

7.  Einrichtung gesonderter Stellen und die Verstetigung derer, die bereits existieren.

8.  Sensible und angemessene Redeweise bezüglich Vorkommnissen sexueller Belästigung oder Gewalt.

9.  Jedes Semester das Angebot von mindestens einem gemischten und mindestens einem nur für FLINT-Personen (FLINT: Frauen, Lesben, Inter-, nicht-binäre und Transpersonen*) angebotenen Selbstverteidigungs-/Selbstbehauptungskurs.

Besonders wichtig ist uns, das Folgende deutlich zu machen: Es sagt nichts Schlechtes über eine Universität aus, wenn sie das Vorkommen von sexueller Belästigung in ihren Kontexten eingesteht. Das ist aktuell ohnehin der Zustand an jeder Universität, was mit begünstigenden Strukturen zusammenhängt, die alle Universitäten teilen. Wo sich diesbezüglich die Qualität einer Universität bestimmt, ist in dem Umgang mit diesen Vorkommnissen.

Dieser Brief bietet vielfältige, ganz konkrete Verbesserungsmaßnahmen an.

Damit die Umsetzung eben dieser, sowie der langfristige Prozess der Sensibilisierung und Umstrukturierung im Generellen möglich ist, müssen vor allem den Gleichstellungsbüros deutlich mehr finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Wir bitten daher alle möglichen Stellen, die zu gleichberechtigten Hochschulkontexten beitragen wollen, diesen Brief zum Anlass zu nehmen, sich mit eben diesem Anliegen verstärkt an Hochschulleitungen zu wenden. Lasst uns gemeinsam den nötigen und angebrachten Druck ausüben, um diesbezüglich Veränderung zu schaffen.

Wir haben die Vision, dass dieser Brief an verschiedenen Universitäten und ihren Umfeldern Anstoß für die jeweils eigenen Verwirklichungen gibt, indem sich vor Ort Stellen verantwortlich fühlen für die Umsetzung der passenden Ideen aus diesem Brief zu sorgen.

Grundsätzlich wollen wir Mut machen, aber eben auch Verbindlichkeit schaffen - Helfen Sie uns dabei, denn gemeinsam können wir viel bewegen!

Autorinnen* und unterstützende Organisationen

Dieser Brief wurde geschrieben von Cara-Julie Kather und Sophie Gounoue.

Wir gehören keiner Organisation oder Arbeitsgruppe an, sondern schreiben als Studentinnen* und erhielten, in der Erarbeitung, zahlreiche Unterstützung verschiedenster Perspektiven und Positionen (darunter auch Gleichstellungsbeauftragte*, Lehrende*, Promovierende*, wissenschaftliche Mitarbeiter*innen und weitere Studierende*).

Die Inhalte dieses Briefes werden offiziell unterstützt durch:

Die Antidiskriminierungsstelle Sachsen-Anhalt

Dominique Haensell stellvertretend für das Missy Magazin

Der Aids Hilfe Halle (Saale)

Dem Wildwasser Verein Rüsselsheim