Petition updateFrankfurt: 19 mehrfach schwerstbehinderte Kinder verlieren ihr Zuhause

Offener Brief: Protest gegen Feier des Betriebsübergangs

ellen hellwigGermany
Mar 29, 2017
Betriebsübergang des Kinderhaus Frank ist eine Geschäftsfeldbereinigung und kein Grund zum Feiern! Am Donnerstag, dem 30. März 2017, lädt der Geschäftsführer des stadtnahen Vereins Arbeits- und Erziehungshilfe (vae) e.V. / gGmbH, Herr Rolf Mayer, „zum Festakt anlässlich des Betriebsübergangs des Kinderhauses Frank vom vae an das St. Vincenzstift“ ein. Dabei gibt es nichts zu feiern! Mit diesem offenen Brief, den auch die Sozialdezernentin und die Geschäftsführer des vae und St. Vincenzstiftes erhalten, wenden sich Eltern und Unterstützer*innen erneut an die interessierte Öffentlichkeit. Nach über 20-jähriger Trägerschaft gibt der vae das Kinderhaus Frank an das katholische St. Vincenzstift ab. Das Kinderhaus Frank ist eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit besonders hohem Pflegebedarf. Sie ist einzigartig in Frankfurt am Main und fällt in den Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge. Da die Stadt Frankfurt sich selbst als inklusiv betrachtet, muss sie sich verpflichtet fühlen, diese Einrichtung zu halten. Der neue Träger, das St. Vincenzstift, wird das Kinderhaus Frank abreißen und an gleicher Stelle einen Neubau errichten. Ab April werden die Kinder und Jugendlichen für die Bauzeit von mindestens drei Jahren auf andere Einrichtungen im Umland verteilt, da es in Frankfurt keine vergleichbare Einrichtung gibt. Es wurde zu keiner Zeit durch ein Fachgutachten nachgewiesen, dass ein Neubau notwendig sei. Eltern und Mitarbeiter wissen bis heute nicht, ob die Möglichkeit der Sanierung und des Umbaus der beiden Gebäude aus den Baujahren 1999 und 2005 geprüft wurde. Zudem stellt sich die Frage, ob ob wirklich ein geeignetes Grundstück in Frankfurt gesucht wurde, auf dem der Neubau hätte errichtet werden können. Dies behaupten Sozialdezernentin und Geschäftsführer des vae unisono. Angesichts der vielen städtischen Neubauten in Frankfurt darf das bezweifelt werden. Neben der Tatsache, dass Frankfurter Kinder und Jugendliche der Stadt verwiesen werden, ist die Art und Weise, wie der Betriebsübergang durch die Geschäftsführungen des vae und des St. Vincenzstifts gestaltet wird, skandalös. Die Mitarbeiter*innen wurden im September 2016 über den Betriebsübergang informiert. Sie durften nicht mit den Eltern darüber sprechen, obwohl sie mit ihnen in teilweise engem Kontakt stehen. Die Eltern wurden erst am 19. Dezember 2016 auf einem Elternabend darüber informiert, dass ihre Kinder bis zum 31. März 2017 aus dem Kinderhaus Frank ausziehen müssen. Jedem Kind wird ein Platz in einem der Häuser des neuen Trägers zugewiesen. In einem Zeitraum von drei Monaten ist es unmöglich, eine alternative Unterbringung zu finden, das Angebot muss daher angenommen werden. Im Ausschuss für Gesundheit und Soziales am 16.02.2017 teilte der Geschäftsführer Rolf Mayer mit, dass mehrere Jahre lang Verhandlungen mit anderen Trägern geführt wurden, mit dem Ziel, die Einrichtung abzustoßen. Jedoch wurde im Sommer 2016 noch ein Kind im Kinderhaus Frank aufgenommen! Informationen, die am 19. Dezember mitgeteilt wurden, stellten sich im Nachhinein als falsch heraus. Angeblich könnte ein Teil der Kinder ins Haus Zwerg Nase nach Wiesbaden ziehen. Eine Reporterin des HR widerlegte dies in dem Beitrag in de facto vom 22. Januar 2017. Die vereinsvorsitzende Sozialdezernentin wiederholte diese Behauptung in ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der Stadtverordneten Buchheim vom 23. März 2017. Sie listete als Antwort auf die Frage, welche Übergangseinrichtungen den Eltern angeboten worden seien, Einrichtungen auf. Diese wurden den Eltern nie angeboten wurden. Stattdessen müssen nun drei Kinder nach Ingelheim ins Haus St. Martin. Dies bedeutet für die Eltern wesentlich längere Anfahrtswege. Andere Eltern können sich die Anfahrt in die neue Unterbringung in Hofheim nicht leisten. Ein Besuch ihrer Kinder ist ihnen nun verwehrt. Dass hier kein gut geplanter Übergang stattfindet, wird auch anhand den zukünftigen Regelungen zum Schulbesuch und zur medizinischen Versorgung deutlich. So war es die Direktorin der Viktor-Frankl-Schule, die sich dafür einsetzte, dass die Kinder weiterhin ihre Schule besuchen dürfen. Weiterhin ungeklärt ist die Begleitung zu den Bezugsärzt*innen in Frankfurt am Main, die bisher von den Mitarbeiter*innen des Kinderhaus Frank übernommen wurde. Die Sozialdezernentin erklärte am 23. März 2017, dass die Begleitung „zu den gewünschten Ärzten“ durch Mitarbeiter*innen des St. Vincenzstiftes gesichert sei. Der Regionalmanager des St. Vincenzstiftes sagt hingegen auf Nachfrage, dass die Eltern „die Fahrt jeweils begleiten“ müssten. Die letzten Monate im alten Kinderhaus Frank gestalteten sich für alle Beteiligten sehr schwierig. So kamen immer wieder unangemeldet viele Menschen in die Lebensräume der Kinder. Dies hatte erhebliche Eingriffe in die Privatsphäre der Kinder zur Folge, die auf Veränderungen oder neue Menschen in ihrem gewohnten Umfeld sehr sensibel reagieren mit Unruhe und Autoaggression. Am Montag, den 13. März 2017, hätten drei junge Erwachsenen vom Kinderhaus Frank in einen Neubau des St. Vincenzstifts nach Oberursel ziehen sollen. Allerdings wurde der Umzug sehr kurzfristig abgesagt, weil die Baubehörde das Gebäude noch nicht abgenommen hatte. Im Kinderhaus Frank führte dies zu Arbeitsverdichtung, da sowohl Dienst- als auch der Gruppenplan neu aufgestellt werden musste. Kurz vor dem Umzug fiel der Mailserver des St. Vincenzstiftes aus und wichtige Nachrichten konnten folglich nicht übermittelt werden. Der neue Träger hat Wünsche zum neuen Arbeitsort von einigen Mitarbeiter*innen ignoriert und war nicht bereit, auf deren Bedürfnisse einzugehen, um sie als Mitarbeiter*innen und Bezugspersonen der Kinder zu halten. Die Mitarbeiter*innen, die sich für den Betriebsübergang entschieden haben, verlassen einen tarifgebundenen Arbeitsplatz mit Betriebsrat bei einem konfessionslosen Träger und wechseln zu einem tariflosen und konfessionsgebundenen Träger mit einer sogenannten Mitarbeiter*innenvertretung. Somit wird Tarifflucht ermöglicht. Für Eltern von mehrfach beeinträchtigten Kindern aus dem Rhein-Main-Gebiet gibt es ab dem Betriebsübergang keine Alternative mehr zum St. Vincenzstift. Dieses hat ab April eine Monopolstellung im Rhein-Main-Gebiet inne. Unser Fazit: Vereinsvorsitzende und Geschäftsführer des vae feiern, dass sie nun keine Verantwortung mehr für das „defizitäre“ Kinderhaus Frank haben. Die Bedürfnisse der Kinder, die ein stabiles und liebevolles Zuhause benötigen, werden ignoriert. Eine „Geschäftsfeldbereinigung“, wie dies in der Wirtschaft genannt wird, ist in diesem Sektor hochgradig verwerflich und unmoralisch. Es unterzeichnen die Eltern der Kinder Paul, Ceren, Ferdinand, Robin, Jaden & Laura
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