Erhalten Sie diese Bildungshäuser - wir brauchen Orte der Gemeinschaft und Begegnung!

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Sehr geehrter Bischof Dr. Wilmer,

mit Bestürzung haben wir die Nachricht vernommen, dass das St. Jakobushaus in Goslar und die Bildungshäuser St. Martin in Germershausen und St. Ludgerus in Helmstedt geschlossen werden sollen. Als Personen, die im Bildungsbereich tätig sind und uns mit der Kirche und mit Ihrem Bistum verbunden fühlen, möchten wir aussprechen, dass uns diese Nachricht schmerzt und dass wir die dahinterliegende Entscheidung für nicht nachvollziehbar halten.

Kirche befindet sich überall auf dem Rückzug, aus den bekannten Gründen, und muss entsprechend Schwerpunkte setzen und gewichten. Es mag naheliegen, kirchliche Präsenz in der Großstadt Hannover zu stärken, um dort viele Menschen zu erreichen. Die Akademie St. Jakobushaus in Goslar hat allerdings eine andere Aufgabe, die sich einmal mehr angesichts der Umbrüche der Corona-Krise erweist, wo im Zeichen der Digitalisierung Vereinzelung, ja Vereinsamung der Menschen in bedrohlicher Weise wachsen: Wir brauchen analoge Orte, Orte der Gemeinschaft und Begegnung – Segensorte. Das Jakobushaus ist für viele Menschen ein Ort der Erholung, der Bildung und der Erneuerung, ja ihres Lebens. Es ist ein Ort, den man, hätte man ihn nicht, neu erfinden müsste. Ein Ort geistlicher Bildung im umfassenden Sinne, auch und gerade für Menschen, die kirchliches Handeln sonst kaum mehr erreicht. Ähnliches gilt für die anderen von der Schließung bedrohten Bildungshäuser.

Solche Orte zugunsten digitaler Angebote aufzugeben, halten wir für eine falsche Weichenstellung. Wir begrüßen digitale Angebote: Das Gelingen von außerschulischer Bildung steht und fällt aber mit der Begegnung von Menschen. Es hängt am Ort und seiner Atmosphäre. So ist die Atmosphäre des Jakobushauses ein Schatz, der gerade nach den Entwicklungen der jüngst zurückliegenden Jahre neu zum Leuchten gekommen ist und den es unbedingt zu bewahren gilt, weil dieser Schatz die Menschen nährt. Wo soll etwas Vergleichbares in Zukunft stattfinden?

Wir fordern Sie auf, in einen ergebnisoffenen Dialog über die konzeptionelle Weiterentwicklung der außerschulischen Bildung im Bistum Hildesheim und insbesondere über die Zukunft des Jakobushauses und der Bildungshäuser in Germershausen und Helmstedt einzutreten. Wir wünschen uns, dass Sie mit den Beteiligten selbst, mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, mit den Fachverbänden und mit der interessierten Öffentlichkeit eingehend und wo notwendig kontrovers sprechen. Andernfalls verfestigt sich der verheerende Eindruck von hierarchischer Entscheidung ohne Dialog und ohne Partizipation.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Paul Kahl, Göttingen / Erfurt
Renate Grüne, Goslar
Martin Rembeck, Hannover
Jan Reinhardt, Bremen