Auch für die FAZ gilt: Transparenter Journalismus statt Meinungsmache

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Das Anliegen

An die Chefredaktion und die Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie den Deutschen Presserat

Politische Kritik ist notwendig. Auch Reza Pahlavi muss sich kritischen Fragen stellen. Doch wer über ihn schreibt, muss Tatsachen sorgfältig prüfen, Vermutungen als solche kennzeichnen und seinen dokumentierten politischen Rückhalt ernst nehmen.

Wir fordern die FAZ auf, die Tatsachengrundlage der Kolumne „Politische Naivität oder Kalkül?“ von Ronya Othmann vom 1. November 2026 zu überprüfen, die beanstandeten Aussagen nachvollziehbar zu erläutern und nachgewiesene Fehler transparent zu korrigieren.

Worum geht es?
Die Kolumne kritisiert die Entscheidung, Reza Pahlavi den Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung stellvertretend für das iranische Volk entgegennehmen zu lassen. Diese Kritik darf geäußert werden. Unsere Einwände richten sich gegen konkrete Tatsachenbehauptungen über seine finanziellen Verhältnisse sowie gegen die Grundlagen seiner politischen Bewertung.

Der Beitrag behauptet, Reza Pahlavi zehre bis heute von Vermögen, das sein Vater außer Landes gebracht habe. Für uns wird im betreffenden Abschnitt nicht nachvollziehbar, auf welcher überprüfbaren Grundlage diese Aussage über seinen heutigen Lebensunterhalt beruht.

Historische Aussagen über das Vermögen des Vaters und Behauptungen über die gegenwärtigen Einkünfte des Sohnes sind zwei unterschiedliche Sachverhalte. Selbst wenn der erste belegt wäre, wäre damit der zweite noch nicht bewiesen.

Fehlende Quellenangaben im Artikel beweisen für sich genommen keinen journalistischen Fehler. Sie rechtfertigen aber die Frage: Wie wurde eine solche rufrelevante Behauptung geprüft, bevor sie als Tatsache veröffentlicht wurde?

Pahlavis politischer Rückhalt darf nicht ausgeblendet werden
Wir als Initiatoren unterstützen Reza Pahlavi. Diese Position legen wir offen. Wir verlangen jedoch keine Unterstützung durch die FAZ und keine unkritische Berichterstattung.

Wir erwarten eine ernsthafte Auseinandersetzung mit seiner dokumentierten politischen Bedeutung.

Am 14. Februar 2026 folgten Hunderttausende seinem Aufruf zu einem weltweiten Aktionstag. Die Polizei München bezifferte die Teilnehmerzahl dort auf rund 250.000 Menschen in der Spitze. Für Toronto berichteten CBC und die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf die Polizei von geschätzt 350.000 Teilnehmern.

Für Los Angeles berichtete Iran International unter Berufung auf die örtliche Polizei ebenfalls von 350.000 Teilnehmern. Der Sender berichtete weltweit von mehr als einer Million Teilnehmern. Diese Angaben haben eine unterschiedliche Quellenbasis; die Größenordnung der Mobilisierung lässt sich aber nicht als bloße Behauptung von Pahlavis Familie abtun.

Auch innerhalb Irans wurde Unterstützung dokumentiert: BBC Verify und BBC Persian überprüften Aufnahmen mit Pahlavi-freundlichen Parolen. Le Monde berichtete im Januar 2026 über entsprechende Rufe in unterschiedlichen Städten, darunter Karadsch, Maschhad, Babol und Kermanschah.

Diese Ereignisse ersetzen keine freien Wahlen. Sie begründen keinen Anspruch, für alle Iraner zu sprechen. Sie sind aber gewichtige Belege seiner Mobilisierungsfähigkeit und sichtbaren Unterstützung.

Wer seine Stellung innerhalb der Opposition bewertet, sollte sich damit auseinandersetzen. Kritische Distanz darf nicht bedeuten, politisch unbequeme Unterstützung kleinzureden.

Gleiche Maßstäbe für unterschiedliche politische Positionen
Iran ist politisch, ethnisch und gesellschaftlich vielfältig. Das gilt auch innerhalb seiner Minderheiten.

Pahlavi spricht nicht automatisch für alle Iraner. Seine Gegner sprechen ebenso wenig automatisch für die gesamte Zivilgesellschaft oder für sämtliche Angehörigen einer ethnischen Gruppe.

Aussagen über seine angeblich geringe Beliebtheit bei bestimmten Bevölkerungsgruppen benötigen deshalb ebenso eine nachvollziehbare Grundlage wie Aussagen über seine Zustimmung. Wo belastbare Erkenntnisse fehlen, muss diese Unsicherheit sichtbar bleiben.

Was wir fordern
Eine nachvollziehbare Erklärung der Tatsachengrundlage
Die FAZ soll erläutern, worauf insbesondere die Behauptung beruht, Reza Pahlavi bestreite seinen heutigen Lebensunterhalt aus dem außer Landes gebrachten Vermögen seines Vaters. Der Schutz vertraulicher journalistischer Quellen soll dabei gewahrt bleiben.

Eine sorgfältige redaktionelle Überprüfung
Die beanstandeten Tatsachenbehauptungen und die tatsächlichen Grundlagen der politischen Bewertung sollen überprüft werden. Dabei müssen belegte Erkenntnisse, Vermutungen und Meinungen klar unterscheidbar sein.

Eine transparente Korrektur nachgewiesener Fehler
Sollten sich Aussagen als falsch erweisen, erwarten wir eine angemessene Richtigstellung, die auch mit dem ursprünglichen Onlineartikel verbunden wird.

Eine unabhängige pressethische Prüfung
Wir bitten den Deutschen Presserat, die beanstandeten Aussagen anhand der einschlägigen Bestimmungen des Pressekodex zu prüfen.

Unser Maßstab: der Pressekodex
Ziffer 2 verlangt, zur Veröffentlichung bestimmte Informationen mit der gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen müssen als solche erkennbar sein.

Ziffer 3 verpflichtet zur angemessenen Richtigstellung veröffentlichter Behauptungen, die sich nachträglich als falsch erweisen. Richtlinie 3.1 sieht vor, dass eine Richtigstellung bei Onlineveröffentlichungen mit dem ursprünglichen Beitrag verbunden beziehungsweise eine Korrektur im Beitrag kenntlich gemacht wird.

Ob im konkreten Fall ein Verstoß vorliegt, soll die Prüfung ergeben. Wir nehmen ihr Ergebnis nicht vorweg.

Offenlegung politischer Perspektiven

Auch Kolumnistinnen dürfen politische Überzeugungen haben. Leserinnen und Leser sollten sie aber kennen, wenn diese für die Einordnung eines Textes relevant sind.

Ein SZ-/jetzt-Porträt von 2018 stellt Ronya Othmanns Entscheidung, nicht selbst in Kurdistan zu kämpfen, sondern politisch mit Worten zu arbeiten, in einen Zusammenhang mit einem Aufruf von Masud Barzani. Der Text zitiert ihn mit den Worten „Soldaten habe ich genug, kämpft lieber mit dem Wort“ und schreibt unmittelbar danach: „Das macht Othmann nun.“

Das belegt keine organisatorische Bindung und nicht, dass ihre heutige Kritik an Reza Pahlavi auf Vorgaben Barzanis beruht. Es zeigt aber, dass ihre politische Perspektive nicht einfach neutral ist und bei der Bewertung ihrer Aussagen über iranische Minderheiten und Oppositionsgruppen berücksichtigt werden sollte.

Wir verlangen deshalb keine Sanktion gegen die Autorin. Wir bitten die FAZ, bei politisch zugespitzten Beiträgen für eine transparente Einordnung ihrer Autorinnen und Autoren zu sorgen, wenn dafür objektive Anhaltspunkte bestehen.

Warum wir um Unterstützung bitten
Diese Petition verlangt weder eine politische Wahlempfehlung noch eine Einschränkung der Pressefreiheit. Sie verlangt Sorgfalt — auch gegenüber einer politischen Persönlichkeit, die eine Autorin ablehnt.

Man muss Reza Pahlavi nicht unterstützen, um diese Forderung zu teilen. Eine freie politische Debatte braucht kritische Medien. Sie braucht aber ebenso überprüfbare Tatsachen und die Bereitschaft, Fehler sichtbar zu korrigieren.

Unterzeichnen Sie diese Petition, wenn auch Sie eine nachvollziehbare Überprüfung der beanstandeten Aussagen und eine faire, faktenbasierte Auseinandersetzung erwarten.

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Agatha ChristPetitionsstarterin/Petitionsstarter

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