Petition update164 Bäume fallen für den Klimaschutz und breitere Radwege

Stadtgeflüster (lieber über Menschen statt Bäume reden)

Ralph FröhlichOffenburg, Germany
11 Dec 2023

Mit dem aktuellen Stadtgeflüster vom 9.12. ist das Offenburger Tageblatt ein bissel spät dran. Bei uns war der Nikolaus schon durch. Aber sich zu fragen, was ich mir wünsche oder nötig hätte, ist ein berechtigtes Anliegen, was mich selbst immer wieder aufs Neue umtreibt. Insofern verstehe ich, dass sich die Öffentlichkeit gerne mit meiner Person auseinandersetzt.

Zuerst ist es tatsächlich richtig, dass ich, wie vermutet, nicht anstrebe für den Gemeinderat zu kandidieren. Darauf haben mich schon viele angesprochen, sowohl Bürger*innen, wie auch Rät*innen. Viel zuviel Respekt habe ich davor, wieviel Zeit, Liebe und Engagement ein Mitglied des Gemeinderats aufbringen müsste, um die richtigen Entscheidungen für Offenburg zu treffen. Zumindest in meiner derzeitigen Lebenslage ließe sich dies nicht mit Familie, Firma und meinem weiteren ehrenamtlichen Engagement vereinbaren. Mich beschäftigt jetzt seit einem halben Jahr das Thema Bäume in Offenburg, vieles anderes, was mir auch wichtig ist bleibt dafür liegen. Als Rat oder Rätin sind das meist 20 Themen im gleichen Zeitraum, die alle durchdrungen sein wollen.

Für wen sollte ich kandidieren?
Und dann wäre da noch die große Frage, für wen ich denn überhaupt kandidieren sollte oder wollte. Trennen müssten wir auf jeden Fall die Kommunalpolitk von der Bundespolitik. Zu unterschiedlich sind meine Bilder, die ich von unseren hiessigen Fraktionen und deren Pendants auf Bundesebene wahrnehme. Müsste ich mich outen, dann wäre die Partei meiner Wahl sicherlich grün. Teste ich den Wahl-O-Mat, dann kommt da auch ganz schön viel links heraus. Meine Kritiker*innen haben mit grünlinksversifft, also vielleicht gar nicht so unrecht. Aber das waren schon immer meine Themen, Umwelt, Natur, soziale Gerechtigkeit, Bildung... Ob es dafür neue Heizungen oder Elektroautos braucht, kann ich von meinem Standpunkt aus nicht beurteilen. Ich denke, wir sollten anfangen unseren Besitzstand eher zu wahren, vielleicht sogar etwas zurück zu treten, als immer weiter vermehren zu wollen. Wenn wir z.B. ständig unseren Fuhrpark erneuern, dann braucht das auch Resourcen und wir verlagern viel Ungutes einfach in andere Länder für unseren Wohlstand.

Kommen wir zurück zu Offenburg. Da gäbe es also tatsächlich die Grünen. Teils finde ich mich da wieder, teils auch nicht. In der aktuellen Diskussion spüre ich eine arge Zerrissenheit hin zu einer Mobilitätswende oder das Bewahren unserer Bäume. Bis heute vermisse ich eine klare Position und würde mich dazwischen nicht aufreiben lassen wollen.

Links steht nicht zur Debatte, die fehlen im politischen Spektrum unseres Gemeinderats. Die SPD habe ich eher schätzen gelernt in der Baumdebatte. Zumindest für mich sieht es so aus, wie wenn deren Fraktion gerne an dem Masterplan Verkehr weiterarbeiten wollte und grundsätzlich auch einen recht breiten und offenen Blick auf die Themen in Offenburg hat. Dabei wäre ich offen für sehr viele von deren Themen, haben diese doch immer den Blick auf die soziale Gerechtigkeit in unserer Geseelschaft. Allerdings nehme ich die SPD in sozialen Fragen nicht mehr so wahr, wie früher, als diese noch die Linken waren.

Bei der FDP war ich sehr überrascht, wie wenig deren lokale Belange sich mit der Bundes-FDP schneiden. Aber vielleicht liegt das auch am Engagement und den Themen, welche deren Räte wichtig sind und für die sie sich aus vollem Herzen engagieren. Hier bedauere ich den bevorstehenden Abschied von Herrn Bauknecht und bin gespannt, welche Wege Herr Zampoli einschlägt, bzw. wie es dann mit der FDP weitergeht und wie diese sich künftig positioniert.

Bei den Freien Wählern begrüße ich den klaren Blick auf Offenburg und deren Liebe zu unserer Stadt. Als Geschäftsmann und Einzelhändler wäre ich da sicher gut aufgehoben. Dennoch würde ich mir wünschen, dass die Menschen dieser Fraktion ein klein wenig mutiger wären und den Blick über den Tellerrand wagen würden, was in anderen Städten gut funktioniert und wogegen wir uns heute noch sperren.

Im Grunde schätze ich auch die CDU, gerade, wenn es gilt, die mahnende Hand zu heben und zu wahren, was wir bereits erreicht haben. Wenig Verständnis habe ich jedoch für ewiges weiteres Wachstum, da glaube ich, dass wir Wohlstand heute anders messen müssen, als nur in BIP und Gewerbesteuer zu denken. Was mich aber am meisten schreckt ist die Angst der CDU von der Bürgerbeteiligung. Zu sehr unterscheidet sich mein Bild von deren repräsentativen Demokratie von meinem Wunsch nach einer partizipativen Demokratie mit viel Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Selbst bei der AfD verstehe ich, dass es viele Menschen gibt, die im treuen Glauben deren Inhalte wählen. Aus meiner Sicht sind das Menschen, welche die Angst umtreibt, das zu verlieren, was sie sich aufgebaut haben. Aber Angst war schon immer die schlechteste Ratgeberin, zumal sie sich so gut ausnutzen lässt. Für mich kommt soweit rechtaussen jedenfalls nicht in Frage.

Über die OG Liste kann ich nicht viel sagen, davon ist für mich zuwenig präsent. Aber ich bewundere den Mut einer einzelnen, sich immer wieder diesem Gremium und seinen Themen zu stellen

Für spannend halte ich, ob mit den Freien Bürgern eine neue Fraktion im Gemeinderat auftaucht. Deren Ansatz nach einer gelebten Demokratie mit viel wünschenswerter Bürgerbeteiligung halte ich für sehr erstrebenswert. Skeptisch bin ich, wen diese Liste als Sammelbecken letzlich anzieht.

Was also bleibt ist nicht eine Option auf die große Politik dieser Stadt, sondern mein Blick für einzelne Belange. Für viele Jahre war und ist dies mein ehrenamtliches Engagement in dieser Stadt und der Region.

Was also motiviert mich, für die Bäume einzutreten?
Ganz vorne steht sicherlich, direkt von den aktuellen Planungen betroffen zu sein. Ich bin in der Oststadt geboren und aufgewachsen. Immer mit Blick auf die Bäume in der Weingartenstraße. Heute wohnt hier meine Familie. Wir leben auf der heißen Seite der Weingartenstraße und wissen den Schatten der Bäume auf der anderen Seite zu schätzen, wenn wir uns durch unsere Straßen bewegen. Die Kreuzung zur Molktestraße ist heute schon ein Hotspot. Die Molktestraße ist sozusagen unser Schulweg. Dort ist z.B. im Bereich der ehemaligen Kronenbräu und den Krischareal schon immer zu spüren, was es bedeutet, im Sommer in praller Sonne zu radeln.

Direkt betroffen sind wir vom Verkehr in der Weingartenstraße, der sich in den vergangen Jahrzehnten immer mehr auf diese Straße konzentriert hat, weil die umliegenden Quartiere verkehrberuhigt wurden. Unsere Bäume mildern da vieles. Sie schlucken den Lärm und die Schadstoffe und geben der Oststadt ein Bild, dass man sich gerne hier bewegt und aufhält. Aber das will die Stadt uns plötzlich nehmen.

Ich stelle also Fragen
Und werde erstmal als Bürger abgewimmelt, das wäre nicht so, das würde nicht so werden, da müsse ich mir keine Gedanken darüber machen. Leider reagiere ich auf solche Versuche, mir nix zu sagen, allergisch und frage erst recht nach. Da von der Stadtverwaltung wenig Antworten kommen, lese ich mich in öffentlich verfügbare Unterlagen ein und bilde mir ein eigenes Urteil. Das rüttelt doch sehr an meinem Verständnis dieser Stadt. Das Ergebnis ist die erste Petition, welche wir nur scheinbar erfolgreich in den Gemeinderat geführt haben.

Bei aller Polemik und Populismus, der mir von allen Seiten vorgeworfen wird, versuche ich sachlich zu bleiben und trage eines ums andere Argument für die Bäume zusammen, immer in der Hoffnung, dass Stadt und Rat verstehen, wie wichtig diese Bäume für die Oststadt sind. Das gelingt leider nicht. Bei einigen lande ich schnell in Spamfilter, wobei es mir doch zusteht, mich mit meinen Anliegen an die gewählten Volksvertreter zu wenden. Dafür werden wenige andere auf mich aufmerksam und beginnen zuzuhören.

Je mehr ich in die Tiefe eintauche, seien es die Bäume, die politischen Abläufe, die Grundlagen für Stadtplanung, desto mehr Fragen tun sich auf, wie wohl unser gemeinsamer Weg in die Zukunft aussehen wird. Je mehr ich diese Fragen aufzeige, umso mehr merke ich, dass ich mit meinem Anliegen auch die politischen Gegner auf den Plan rufe. Statt aber über die Sache als solche zu diskutieren und Lösungen zu suchen, versuchen diese meine vermeintlichen Ideologien aufzudecken, konstruieren persönlichen Differenzen oder verlautbaren über Pressemeldungen, dass wir nicht über die aktuelle Lage reden dürften.

Um es kurz zu machen, die einzige Ideologie, die mich treibt, ist, dass die Bäume stehen bleiben und Lücken zeitnah nachgepflanzt werden. Mit allen anderen Themen setzen wir uns gerne auseinander und suchen Lösungen mit allen, die mit uns diskutieren wollen. Das haben wir von Anfang an so angeboten. Der einfach Grund dafür ist, dass über 25.000 Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen wollen, dass die Bäume stehen bleiben. Manchmal ist es einfach der Wunsch weiter im Schatten radeln zu können, manchmal die Sorge davor einen Parkplatz zu verlieren, oder nicht mehr vor die Haustüre fahren zu können. Es ist der Tierschutz, der Blick auf das Stadtbild, der Klimawandel oder mit Blick in die Vergangenheit, dass alles so bleibt wie es war. Es kreist sogar die eine oder andere Verschwörungstheorie um die Bäume, aber das ist nicht unsere Geschichte.

Was gibt mir Kraft?
Im Grunde sind es diese 25.000 Menschen, die uns immer wieder anspornen, uns weiter für die Bäume einzusetzen, egal, wie schwer uns das gemacht wird und wie wenig Aussicht auf Erfolg wir in verschiedenen Phasen haben. Einige davon sind zu einem Team zusammengewachsen, denen mein Anliegen ebenso wichtig ist und die sich für eine Sache einsetzen, die nun nicht mehr nur meine Sache ist. Durch viel Kommunikation und Pressearbeit bin ich zwar das Gesicht der Baumretter, aber den Mut dazu erhalte ich von anderen, die sich mindestens ebenso engagieren. Nicht zuletzt sind das die vielen Menschen, die einfach vorbeikommen und Danke sagen, dass wir uns für ihre Bäume einsetzen, die sie auf jeden Fall behalten wollen, aber selbst nicht die Kraft haben, sich der Politik und der Öffentlichkeit zu stellen.

Und was stört mich am meisten?
Dass viele unserer Fragen immer noch nicht beantwortet sind. Dass versucht wird, die Anliegen Bürgerinnen und Bürgern klein zu halten. Dass es keinerlei Unterstützung durch die Stadt gibt, um unsere Lösungsvorschläge weiter auszuarbeiten, obwohl es dazu Fördermittel für bürgerschaftliches Engagement gibt, welche die Stadt keinen Cent kosten würden. Dass die Stadt mit hunderten von Mitarbeiter*innen sich hinstellt, als würde eine handvoll Aktivisten den kompletten Betrieb und die zukünftige Stadtentwicklung lahmlegen und deswegen allen die Diskussion über weitere Planungen verbieten möchte.

Wohin geht der Weg?
Weder sind wir nur eine Handvoll, noch sind wir Aktivisten, Populisten oder was auch immer man uns vorwerfen mag, um von der Sache abzulenken. Wir sind Menschen, welche die Demokratie, die Stadt, die Region, und die ganze Welt lieben. Dafür setzen wir uns ein. Damit auch unsere Kinder hier noch noch ein lebenswerte Chance haben. Wenn man weiter denkt, was die Bäume für uns bedeuten, poppen schwierige Themen, wie Klimaresilienz, Mobilität und Flächengerechtigkeit auf. Und schnell landet man dann bei der Frage, was bedeutet für uns Demokratie. Was sind unsere großen sozialen Fragen und Aufgaben? Wer mit uns darüber reden will ist dazu eingeladen.

https://kfutd.de

Mit freundlichen Grüßen

Ralph Fröhlich

PS: Unterschreibe unsere neue Petition https://chng.it/DzTjXdMtZ8

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